Elefanten am Tisch oder Wie spielt man gegen Calling Stations

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In Phil Hellmuth’s Buch Play Poker Like the Pros aus dem Jahre 2003 findet man eine Liste von Spielertypen, deren Spielstile verschiedenen Tieren zugeordnet werden. Für alle, die damals Play Poker Like the Pros gelesen haben – und für viele Spieler war es das erste (oder einzige) Buch über Pokerstrategie, das sie jemals gelesen haben — war es bestimmt der einprägsamste Teil des Buches.

Während die Liste dieser Tiere von begrenztem Wert sein mag – der Adler “fliegt hoch im Himmel, um plötzlich herabzustürzen und die Chips der anderen Tiere zu fressen” (?) – ist einer der passenderen Typen darunter der Elefant, das Tier, welches Hellmuth als Verkörperung der Calling Station ansieht.

Der Elefant “foldet niemals, wenn er folden sollte” und “ist unmöglich zu bluffen,” schreibt er und witzelt, dass der Elefant für gewöhnlich aus Missouri stammt, weil dies der “Show Me” Staat sei.. Prinzipiell ist er schwer von seiner Hand abzubringen — wie eine Calling Station.

Was ist eine “Calling Station”?

Es ist meist kein Kompliment, wenn ein Spieler als eine “Calling Station” bezeichnet wird. Manchmal werden Sie einen Spieler hören, wie er sich selbst als eine “Calling Station” bezichtigt, wenn er eine Hand Revue passieren lässt und vielleicht noch hinzufügt: “Ich bin einfach nicht gut genug, um hier zu folden.” Doch gewöhnlich ist es eine abwertende Bezeichnung, um einen einfallslosen “loose-passiven” Spieler zu beschreiben.

Die “Calling Station” ist loose, weil sie eine Menge Hände spielt, mehr als der Durchschnitt (und wahrscheinlich mehr als er sollte). Er ist passiv, weil er selten mit Bets einsteigt oder gar die Bets anderer Spieler erhöht. Stattdessen callt er ständig und bleibt oft in der Hand bis zum Showdown.

Low Stakes Spiele sind meist von solchen Calling Stations bevölkert, sowohl online als auch in Live Poker Rooms. Dort callen die Spieler auch oft wegen der niedrigen Limits. Im Live Poker werden Sie viele Anfänger vorfinden, die ständig mitgehen, weil es für sie einfach mehr Spaß macht in der Hand zu bleiben als zu passen. “Ich bin nicht hergekommen, um zu folden!” werden Sie diese sagen hören.

Value Betting

In “Wie man hyper-aggressiven Spielern begegnet” empfiehlt Josh Cahlik eine Strategie für das Spiel mit loose-aggressiven Gegnern, die im Prinzip aus tighterem Spiel, Geduld und dem Stellen von Fallen besteht, um mit großen Händen voll ausbezahlt zu werden. Dazu beschreibt Josh eine Hand, in der er ein Monster hatte (Nut Flush auf dem Turn), jedoch nur eine kleine Turn Bet brachte und anschließend den River checkte. Dadurch ließ sich sein Gegner zu einem riesigen River Shove verleiten, den er natürlich callte und somit einen sehr schönen Pot gewann.

Gegen eine Calling Station braucht man ebenfalls viel Geduld und kann Fallen stellen. Im Gegensatz zu aggressiven Spielern muss man jedoch gegen Calling Stations die Initiative ergreifen und selbst Bets für die eigenen Made Hands bringen, statt auf die Bets der Gegner zu warten.

In der Tat ist es von großer Bedeutung, sich gegen Calling Stations mit der wichtigen Value Bet] vertraut zu machen. Im Gegensatz zu einem Bluff macht man die Value Bet in der Hoffnung, gecallt zu werden. (Mehr darüber finden Sie in “Talking Poker: The Value Bet.”) Gegen den hyper-aggressiven Gegner wusste Josh, dass er auf dem River keine Value Bet mit seinem Nut Flush bringen musste, da sein Gegenspieler selbst ordentlich setzen würde, nachdem er checkte. Doch gegen eine Calling Station sollten Sie mit starken Händen unbedingt selbst Einsätze bringen.

Gegen Calling Stations sollte man vor allem auch mit mittelstarken Händen setzen. Tatsächlich werden Sie den meisten Profit in dieser Art von Händen gegen solche Gegner generieren.

Sagen wir, Sie steigen mit einem Raise mit {a-Diamonds}{q-Diamonds} aus später Position ein, die Calling Station geht vom Big Blind mit, anschließend kommt der Flop {q-Spades}{8-Diamonds}{4-Clubs}. Wenn er checkt, dann sollten Sie setzen. Seine Range ist sehr weit (für gewöhnlich) und enthält viele Hände mit denen er callen würde, zum Beispiel kleinere Damen, Hände mit einer Vier oder Acht, Gutshot Straight Draws und andere. Betreiben Sie gegen Caling Stations auf keinen Fall Slow Play.

Der Turn bringt dann den {k-Clubs} und er checkt erneut. Setzen Sie wieder. Der König mag seine Hand getroffen haben, doch die Range des loose-passiven Spielers ist weit genug, um genügend Hände zu enthalten, mit denen er callen würde, die Sie trotzdem schlagen.

Falls der River eine Karte bringt, die eine Straight vervollständigt, ein drittes Keuz oder irgendeine andere Scare Card, dann sollten Sie nach ihm checken, falls er ein drittes Mal checkt – die beste Option, da Ihre Hand Showdown Value besitzt.

Vermeiden Sie zu bluffen

Das Spiel gegen eine Calling Station kann frustrierend sein, weil man für gewöhnlich Hände treffen muss, um gegen diese zu gewinnen, und Made Hands sind oft schwer zu erreichen.

Doch die Range von Made Hands, mit der Sie gegen einen solchen Spielertyp Profit machen können, ist sehr weit. Sie brauchen nicht die stärkstmögliche Hand, um bezahlt zu werden, und selbst mittelstarke Hände wie Second Pair (oder sogar schlechter) können Einsätze wert sein, da seine Range von Händen, mit denen er callt, viele schlechtere Hände enthält, z. B. Draws vor dem River, Bottom Pair, sogar Ace high.

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"Sie sollten hier folden!"

Wegen der Tendenz des Spielers zu callen, ist das Bluffen im Allgemeinen kein empfehlenswerter Spielzug gegen die Calling Station. Es gibt Spots, in denen es tatsächlich möglich ist solche Spieler zu bluffen — in Turnieren zum Beispiel, wenn ein Call die letzten Chips eines solches Spielers erfordern würde, kann ein gutgetimter Bluff einen Fold erzwingen.

Doch die Calling Station sucht stets Gründe Sie zu callen, deshalb ist Bluffen hier nicht empfehlenswert.

Zusammenfassung

Wie bei jedem Spieler, der eine Sache zu oft tut, hat die Calling Station einen Spielstil, den man ausbeuten kann. Value Bets mit mittelstarken bis sehr starken Händen sind die beste Methode, von solchen Spielern zu profitieren, unter gleichzeitiger Vermeidung von trickreichen Spielweisen (z. B. Check-Raise, Slow Play, Bluff, usw.).

Und wenden Sie nicht zu viel Energie auf, diese Elefanten aus der Hand zu bringen. Es wird Sie nur ermüden.

Foto “Éléphant (non détouré)” by Stickophobe; Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

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