Wenn ein Minimum Raise maximal falsch ist

Minimum Raise

Das Thema heute ist das Min-Raise – wenn also jemand setzt und sie um exakt das Doppelte des Einsatzes erhöhen, was das kleinstmögliche Raise bei einem No-Limit Spiel ist. Ich möchte mich dieser speziellen Taktik widmen, da ich dies viel zu oft beobachte und es oftmals von relativ unerfahrenen Spielern angewendet wird. Ich möchte erklären, warum es in der Regel der falsche Spielzug ist.

Notiz: Ein Min-Raise ist eine beliebte Preflop Eröffnung heutzutage beim High-Level Turnierspiel, was auch durch Spieltheorie und Mathematik gerechtfertigt ist. Ich jedoch spreche hier vom Postflop Spiel in Cash Games gegen weniger erfahrene Spieler, was den Spielzug zu einer völlig anderen Angelegenheit macht.

Zuerst eine erläuternde Geschichte.
Vor einigen Jahren spielte ich eine Partie $1/$2 im Golden Nugget in Las Vegas. Ich hatte {a-Hearts}{k-Spades} in früher Position und erhöhte auf $8. Drei Spieler bezahlten. Der Flop brachte {q-Hearts}{8-Hearts}{3-Hearts}. Ich dachte mir, dass mit dem Nut Flush Draw dieser Flop wohl mir mehr geholfen hat, als jedem anderen Spieler, also setzte ich $20. Ein Spieler schmiss weg, der nächste min-raiste auf $40 und der Dritte foldete.

Schauen wir uns das Ganze aus Sicht der Mathematik an. Im Pot lagen nun circa $90 und es kostete mich $20 um zu bezahlen, womit ich Pot Odds von 4.5 zu 1 bekam. Werde ich meinen Flush auf dem Turn treffen? Nun, es gibt neun verbleibende Herz-Karten von den 47 unbekannten Karten also ist die Wahrscheinlichkeit 9/47 oder circa 19%, was 4.2 zu 1 bedeutet.
Das bedeutet, selbst wenn ich keine Implied Odds habe (wenn er also kein Geld mehr investiert, wenn ich den Flush treffe), ist es mathematisch für mich korrekt zu bezahlen und zu hoffen, dass ich treffe. Wenn er eine Hand hält, mit der er mehr verlieren wird, wenn ich meine Hand komplettiere, ist ein Call sogar noch profitabler.

Ich bezahlte und hatte Glück – Der Turn war die {4-Hearts}. Ich checkte um ein Check-Raise zu spielen. (In der Nachbetrachtung wäre eine Lead-Out-Bet wohl der bessere Plan gewesen, aber das ist ein Thema für einen anderen Tag.) Leider checkte er behind.
Der River brachte die {9-Clubs}, die keine der Hände verbessert haben könnte, mit der er auf diesem Flop geraist hätte. Ich setzte $55 in den Pot von $110. Er überlegte sehr lange und schmiss dann widerwillig und offen seine {8-}{8-} weg.
Ich denke, diese Hand veranschaulicht perfekt das Hauptproblem des Min-Raises: Es erreicht fast nie das, was der Raiser sich überlegt hatte.

  • Es macht Sinn zu erhöhen, damit andere Spieler mehr bezahlen, als sie mathematisch betrachtet für einen Draw zum Flush oder zur Straight bezahlen sollten, aber ein Min-Raise wird dies wahrscheinlich nicht erreichen.
  • Sie könnten ein Min-Raise als Bluff spielen aber diese Setzgröße sieht so schwach aus, dass sie wahrscheinlich einen Call von jedem Gegner bekommen, dessen Einsatz nicht gerade selbst ein reiner Bluff war. Ein Spieler mit guten Reading Fähigkeiten könnte sie sogar reraisen mit nichts auf der Hand nur weil das Min-Raise so schwach aussieht.
  • Der geläufigste Grund für ein Raise ist wahrscheinlich einen großen Pot mit einer starken Hand aufzubauen. Es ist offensichtlich, dass das kleinstmögliche Raise in der Regel nicht geeignet ist, um den größten Pot aufzubauen.

Lassen sie mich nun eine weitere Geschichte erzählen, dieses Mal von einer Low-Stakes (20-Cent Blinds) Home Game Runde, in der ich gerade vor ein paar Wochen gespielt habe. Das Board lag mit {7-}{4-}{5-}{3-}{6-} ohne Flush Möglichkeit. Eine junge Frau setzte $5, was in etwa der Größe des Pots entsprach. Ich hatte mit ihr bereits genügend gespielt um zu wissen, dass sie gerne bluffte in diesen Situationen, in denen niemand bezahlen wird, es sei denn, jemand hat eine ganz bestimmte Karte – in diesem Fall eine {8-}.

Ich hatte lediglich ein Paar doch als der letzte verbleibende Spieler in der Hand foldete dachte ich, dass es ein sehr guter Spot für einen Re-Bluff war. Ich raiste also All-in für circa $30. Sie bezahlte sofort und drehte nicht nur eine {8-} um sondern {8-}{9-} für die Nuts. Oops.

In der Nachbetrachtung denke ich dennoch, dass es korrekt war zu erhöhen, da sie hier öfter bluffen als value-betten wird. Was ich jedoch falsch gemacht hatte war die Bet-Size. Dies ist eine der seltenen Situationen, in der ein Min-Raise perfekt gewesen wäre. Wenn sie nichts hat, wird sie einfach folden, da sie nicht mutig genug ist, einen All-in Re-Bluff zu spielen. Anders ausgedrückt, jede Raise Größe wird den Pot gewinnen, wenn sie blufft aber mit einem Min-Raise verliere ich das Minimum, wenn ich falsch liege und sie entweder callt oder raist.

Mir fallen noch ein paar weitere Situationen ein, in der ein Min-Raise eventuell die beste Wahl ist:

  1. Sie haben eine Monsterhand und wissen, dass ein Gegner schwach ist und ein Minimum Raise ist das meiste, was sie vermutlich aus ihm herausbekommen werden.
  2. Sie haben einen überaus aggressiven Gegner von dem sie Grund zur Annahme haben, dass er ein Min-Raise als Schwäche interpretiert, wenn sie ihn eigentlich gecrusht haben. Hier ist das Min-Raise eine Falle, die sie in der Hoffnung auf ein gegnerisches Raise setzen.
  3. Sie haben eine todsichere Hand (Top Full House, Quads etc.) und eine ganze Reihe von Callern gegen einen Einsatz eines Mitspielers; ein Min-Raise könnte der beste Weg sein, den Pot anschwellen zu lassen, indem sie jeden der Gegner dazu reizen, noch mehr Chips zu investieren, obwohl sie drawing dead sind.

Doch wie sie an der Liste sehen können, sind die Spots, in denen ein Min-Raise optimal ist, sehr selten und überschaubar. Es ist ein Spezialwerkzeug – wie ein Sandschläger beim Golf. Es ist super, diesen in ihrer Tasche zu haben, falls sie ihn brauchen, aber in den meisten normalen Situationen ist er eine schlechte Wahl.

Wenn sie die Angewohnheit hatten, oftmals ein Min-Raise zu spielen, halten sie sich zurück damit und versuchen stattdessen ein Raise von vielleicht 3 bis 3.5 Mal des Einsatzes zu spielen. Ich vermute, sie werden merken, dass ihnen dies mehr dabei hilft, Geld zu gewinnen.

Robert Woolley lebt in Asheville, North Carolina. Er verbrachte mehrere Jahre in Las Vegas und hielt sein Pokerleben im “Poker Grump” Blog fest.

Sie finden de.PokerNews auch auf Twitter und Facebook.

Was denken Sie?

MEHR ARTIKEL

Weitere Artikel