Wann foldet man Pocket Jacks

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Wir erzählen nichts Neues, wenn wir feststellen, dass Pocket Jacks eine der frustrierendsten und am schwierigsten zu spielenden Hände im No-limit Holdem sind. Jacks sind kein Premium Paar wie Asse, Könige oder Damen, aber doch stark genug, um als eine Top Starthand zu gelten. Und leider manchmal auch als eine Top Quelle für Kopfschmerzen beim Poker.

Die beiden gepaarten Bildkarten wirken auf einige Spieler unwiderstehlich und werden oft überspielt — besonders von neuen Spielern. Mit dem Spitznamen “Hooks” wird nicht nur treffend das Erscheinungsbild der Hand {j-}{j-} bezeichnet, sondern darüber hinaus auch gut beschrieben, wie “Fische” oder Anfänger sich mit dieser Hand an den Haken nehmen und in unangenehme Situationen bringen lassen.

Vor dem Flop gilt das Paar Buben als die viertbeste Starthand in NLHE, zumindest in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit, sich als beste Hand auf dem River zu erweisen. Nur Asse, Könige oder Damen sind besser, und wie der PokerNews Poker Odds Calculator uns zeigt, ist {j-}{j-} ein fast 54%iger Favorit auf den Sieg in einer Preflop All-in Situation zwischen Pocket Jacks und {a-}{k-}-suited.

Doch Pocket Jacks sind nicht immer eine Hand, mit der man im Gegensatz zu {a-}{a-}, {k-}{k-} und {q-}{q-} seinen gesamten Stack riskieren möchte. Mit drei höheren Karten im Deck (mit jeweils 4 Farben) beträgt die Wahrscheinlichkeit ungefähr 57%, eine von diesen im Flop zu sehen.

Die Kombination aus attraktiver "Made Hand” und ihrer Verwundbarkeit bei Erscheinen der Community Cards machen die Pocket Jacks zu den am schwierigsten zu spielenden Händen. Und besonders schwer zu folden in den Momenten, in denen man sich wirklich lieber von den Fischhaken lösen sollte.

Jacks vor dem Flop folden

Einige erfahrene No-limit Holdem Spieler betrachten die Pocket Jacks als ein “kleines” Paar und spielen sie auch dementsprechend, obwohl sie natürlich verstehen, dass die Hand offensichtlich besser als kleine oder mittlere Paare ist. Jacks haben mit den kleineren Paaren gemeinsam, dass höchstwahrscheinlich höhere Karten im Flop auftauchen werden - ein Faktor, der sich sowohl auf die Spielweise nach dem Flop als auch vor dem Flop auswirkt.

Mit dieser Sichtweise kann {j-}{j-} manchmal wie ein kleines Paar vor dem Flop gespielt werden – zum Beispiel, indem man bei einem Raise lieber mitgeht als erneut zu erhöhen, um den Flop billig zu sehen und die Set Mining Strategie anzuwenden. Was die Buben von beispielsweise {5-}{5-} unterscheidet, ist der Fakt, dass Flops manchmal auch drei niedrigere Karten enthalten werden. Dies bedeutet, dass die Hand sich nicht unbedingt immer verbessern muss, um als Sieger hervorzugehen.

Das heißt, dass Pocket Jacks in vielen Fällen eine Hand für ein Open-Raise preflop ist, sofern die Möglichkeit besteht, und meist sollte auch die Initiative auf dem Flop beibehalten werden, selbst wenn höhere Karten erscheinen. Es ist keine Hand, die man langsam spielen sollte, und der Gewinn des Pots vor dem Flop oder auf dem Flop (mit aggressivem Spiel) ist immer ein wünschenswertes Ergebnis.

Doch es wird Situationen geben, wenn auch seltener, in denen es tatsächlich Sinn macht, die Pocket Jacks noch vor dem Flop zu passen.

Konfrontiert mit einem Raise und einem Reraise vor dem Flop, ist {j-}{j-} oft eine Hand, mit der man lieber nicht involviert sein sollte. Das Reraise zu callen ist riskant, da der ursprüngliche Raiser möglicherweise noch einmal darüber gehen könnte, während eine 4-Bet ebenfalls problematisch ist, da mit großer Wahrscheinlichkeit mindestens einer der beiden anderen Spieler über ein höheres Paar verfügt.

Es ist stets wichtig zu berücksichtigen, wie tight die Gegner sind, wenn man selbst Pocket Jacks hält und die Gegner plötzlich aggressiv agieren. Gute Spieler folden sogar {j-}{j-} nach einem Raise, wenn sie gereraist werden – abhängig vom Gegner und weiteren Faktoren. Werfen wir hierzu einen Blick auf eine Beispielhand vom 2009 World Series of Poker Main Event Final Table, wo Phil Ivey genau dies tat:

Zwar foldete Ivey in diesem Fall eine bessere Starthand als die Siebenen von Antoine Saout, doch die Umstände zwangen ihn dazu. Wie schon erwähnt, Pocket Jacks werden selten auf ein einzelnes Reraise gefoldet, doch wenn es plötzlich mehrere aggressive Spieler vor dem Flop gibt, ist das Folden von {j-}{j-} ein empfehlenswerter Spielzug.

Jacks nach dem Flop folden

Die meisten Hände nach dem Flop werden heads-up ausgespielt, und häufig wird Ihr Raise mit {j-}{j-} gecallt werden, und der Flop wird gelegt. Wie weiter oben bereits bemerkt, ist eine Continuation Bet die gegebene Spielweise auf den meisten Flops, obwohl diejenigen mit vielen höheren Karten als Ihre Jacks oder diejenigen, die sehr koordiniert bzw.““wet“” sind (drei für eine Straße, drei von einer Farbe), große Vorsicht erfordern.

Sagen wir, ein Flop kommt mit {a-Hearts}{8-Diamonds}{2-Clubs} und Ihr Gegner check-callt Ihre Continuation Bet mit {j-}{j-}. Dann sollten Sie sehr sorgfältig die gegnerischen Aktionen bewerten, da eine Bet am Turn häufig ein As repräsentiert. Ein Check-Raise des Gegners auf diesem Flop kann ebenfalls ein Fold empfehlenswert machen, obwohl man stets – wenn möglich - die Tendenzen der Spieler hierzu berücksichtigen sollte (z. B. hat er jemals ein Check-Raise ohne starke Hand gebracht?).

Jede höhere Karte auf dem Board als Ihre Buben macht ein sorgfältiges und vorsichtiges Postflop Spiel erforderlich, und die Bereitschaft {j-}{j-} zu folden, wenn man mit eindeutiger Stärke konfrontiert wird, ist eine wichtige Fähigkeit, die man entwickeln sollte. Werfen Sie einen Blick auf folgendes Beispiel, in dem Pocket Jacks nach dem Flop gefoldet werden – korrekterweise — in einer Hand vom 2007 APPT Manila Main Event Final Table mit Roger Spets und Nicholas Bamman. Dabei gibt es eine interessante Unterhaltung zwischen den Spielern während der Hand, und Daniel Negreanu liefert darüber hinaus ebenfalls hilfreiche Kommentare:

In dieser Hand machen die Spieler zwar einen lockeren Table Talk, in dem Spets einiges über seine Hand postflop offenbart und Bamman im Gegenzug seine Reads auf Spets Hand verrät. Spets macht danach einen guten Fold, jedoch, wie Negreanu hinweist, erkennt er nicht zuletzt aufgrund Bammans Aussagen, dass seine {j-}{j-} höchstwahrscheinlich geschlagen sind.

Den schwersten Postflop Fold von {j-}{j-} gibt es, wenn das Board keine höheren Karten bringt. In diesem Fall ist Ihr Read auf den Gegner von entscheidender Bedeutung dafür, wie sie weiter vorgehen. Sagen wir, Sie c-betten mit Ihren Buben auf einem {9-Spades}{5-Diamonds}{3-Clubs} Flop und Ihr Gegner erhöht daraufhin. Nun müssen Sie entscheiden – unter Berücksichtigung vergangener Hände und der Preflop Action – ob er ein höheres Paar oder sogar ein Set haben kann und darauf angemessen reagieren. Dieses Reraise zu callen mag auf dem Flop in Ordnung sein, doch auf weitere Aggression danach sollten Sie sich von Ihrem hübschen Paar lösen.

Es gibt natürlich noch viel mehr zum erfolgreichen Spiel von Pocket Jacks im No-limit Holdem zu sagen. Aber um {j-}{j-} profitabel zu spielen, ist es wichtig zu wissen, dass das Folden der Hand manchmal erforderlich sein wird.

Foto: “A Pair of Jacks,” PhotoGraham. Creative Commons Attribution ShareAlike 2.0 Generic.

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