Über das Beenden eines guten Pokerspiels

Quitting a Good Game

Ich meine, dass ich die Hand ziemlich gut gespielt hatte. Ich war seit ein paar Stunden in eine „aktive“ Partie $3/$5 No-Limit Hold’em involviert. Aktiv heißt in dem Fall, dass der Cutoff beispielsweise ein Straddle auf $10 ausgepackt hat – und den Regeln in diesem Kartenraum folgend, war jetzt der Button als Erster an der Reihe. Der Typ am Button entschied sich für ein blindes Raise auf $20, noch bevor die Karten ausgeteilt waren.

Über unseren Köpfen erstrahlte die „Gamble-Leuchte“ in hellen Farben.

Es folgte ein $20-Limp; im Lojack (drei Positionen vor dem Button) erhöhte ich mit {k-Spades}{q-Spades} auf $80. Sowohl der eigentliche Straddler als auch der Button machten den Call. Der Flop hat mir wohl gefallen: {q-Diamonds}{q-Clubs}{j-Clubs}.

Ich warf einen flüchtigen Blick nach links und sah, dass der Straddler nach seinen Chips greifen wollte – perfekt; das war alles, was ich wissen wollte. Den $260 großen Pot spielte er für $100 an. Der Button, der einem Gamble nicht abgeneigt ist, ging für $600 All-In. Ich hatte $1.000 vor mir liegen. Im Pot befand sich so viel Dead Money, dass ich nicht zulassen wollte, dass der Straddler seine Equity realisiert – also ging ich All-In. Er tat seinen Ärger geräuschvoll kund, gab seine Hand aber schließlich auf.

So wie ich es immer mache, habe ich meine Hand sofort gezeigt. Nachdem der Dealer die River-Karte ausgeteilt hatte, warf der Button zweimal einen prüfenden Blick auf seine Karten, bevor er diese in den Muck warf. Damit hatte ich am Nachmittag bereits ein Plus von $1.000 zu verzeichnen.

Ein paar Orbits strichen ohne Zwischenfälle an mir vorüber. Der Tisch war weiterhin großartig. Aber mir kam ein überraschender Gedanke:

„Sollte ich diesen sehr guten Tisch verlassen?“

Die drei vorangegangenen Sessions waren mit Verlusten zu Ende gegangen; es wäre schön, hinter einem Gewinn einen Haken zu machen. Mit alten Gewohnheiten lässt sich aber schlecht aufräumen. David Sklansky hat uns vor einer Ewigkeit gelehrt, dass es keinen guten Zeitpunkt gibt, ein Spiel zu spielen, in dem man -EV ist, genauso wie es keinen guten Zeitpunkt gibt, ein Spiel zu verlassen, in dem man +EV ist. Ich war mir ziemlich sicher, in diesem Spiel +EV zu sein.

Die Antwort auf die Frage liegt jedoch im Auge des Betrachters. Ich war stolz, die große Hand gespielt zu haben; mir war klar, dass ich nicht schlecht gespielt hätte, wenn mein Gegner eines seiner Outs getroffen hätte (welche das auch immer waren). Es macht einem allerdings Freude, eine Session gut gespielt zu haben und dafür auch monetär entlohnt zu werden.

Wenn Sie eine Session gut gespielt und gute Resultate erzielt haben, ist es in Ordnung, aufzustehen, wenn Sie glauben, dass Sie so die größte Zufriedenheit erzielen.

Gehören Sie zur Riege der Profis, ist das freilich keine Option. Ihr Job besteht darin, stundenlang an den Tischen zu verharren und sich von stündlichen, täglichen und manchmal sogar wöchentlichen Resultaten nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Sie wollen nur den monatlichen und jährlichen Ergebnissen Aufmerksamkeit schenken. Man spricht nicht ohne Grund von einem „Grind“. Als Hobby-Spieler oder sogar als Semi-Profi haben Sie den Luxus, ein gutes Spiel jederzeit verlassen zu können.

Was ich gemacht habe? Während ich darüber sinnierte, kam mir ein zweiter, wichtiger Gedanke. Da ich darüber nachdachte, das Spiel zu verlassen, war es auf jeden Fall an der Zeit, genau das zu tun. Also stand ich auf, schnappte mir ein paar Racks und fing an, meine Chips einzusammeln. Drei Hände, bevor die Blinds mich erreicht hätten.

„Wollen Sie eine Hand, Sir?“ - „Nein danke, ich bin für heute fertig. Euch allen viel Spaß noch.“

Ob die anderen etwas gesagt haben, nachdem ich weg war? Das weiß ich nicht und interessiert mich auch nicht sonderlich. Ich war zu beschäftigt, das Wetter in Kalifornien zu genießen und mich über das gewonnene Geld in meinem Portemonnaie zu freuen.


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