2019 World Series of Poker Europe

Stud Poker Strategie: Draw oder kein Draw bei Stud

Stud Poker Strategie: Draw oder kein Draw bei Stud 0001

Ein Stud Spieler muss sich oft entscheiden ob er einen Draw vervollständigen wird oder ob er nach einem Einsatz folden soll. Diese Entscheidung ist besonders auf der 5. Strasse wichtig, wenn sich der Einsatz verdoppelt. In einer interessanten Hand in einem $10/20 Stud Spiel bei Foxwoods hatte ich eine schwierige Entscheidung zu fällen, die ich hier mit Ihnen teilen werde.

Ich hatte (10c-Ac) 8c. Ein König rechts von mir vervollständigte seinen Einsatz auf $10. Ein Spieler foldete. Ich callte mit meinen 3 Karten Flushdraw und dem Ass. Ein anderer Spieler, mit einer Dame, callte ebenfalls. Kein Treff wurde gefoldet. Ein Ass wurde gefoldet. Kein König oder Dame wurden gefloldet. Zu dritt sahen wir die 3. Strasse.

Auf der 4. Strasse sah ich, beginnend von meiner linken Seite:

Qs-7d

Ks-9s

ich erhielt eine Zehn und hatte nun: (10c-Ac) 8c-10s.

Der Spieler mit dem König spielte sehr geradlinig und ich gab ihm ein Paar Könige. Dem Spieler mit der Dame gab ich ein Paar Damen oder ein Pocket Paar.

Der König war an der Reihe und setzte, ich callte und die Dame foldete.

Auf der 5. Strasse sahen die Hände meiner Gegner folgendermaßen aus:

Ks-9s-As

Ich erhielt eine passende Dame und hatte: (10c-Ac) 8c-10s-Qc.

Der König setze $40. Ich benötigte noch eine Karte für den Flush oder ich folde.

Was glauben Sie, was hätte ich tun sollen?

Denken Sie ein paar Minuten darüber nach, und dann lesen Sie den untenstehenden Text.

Auf der 4. Strasse hatte ich eine Hand die ich hoffte zu verbessern – entweder 2 Asse, Drlling 10, oder ein Flush. Jede dieser Hände würde mich nach vorne bringen. Meine benötigten Treff waren alle noch im Spiel. Und auch wenn ein Ass bereits woanders liegt und das meine Chancen auf ein Paar Asse minderte, hatte ich große Chancen auf einen Flush.

Wenn sich Ihre Hand auf der 5. Strasse immens verbessern kann, wollen Sie dabei bleiben. In diesem Fall, wo alle Treffs noch im Spiel waren, standen meine Chancen am River einen Flush zu bekommen bei 2:1 – wollte ich dabei bleiben – besonders wenn ein dritter Spieler den Pot weiter erhöht hat.

Obwohl ich Zweifel hatte, ob der Flush genügen würde. Mein Gegner könnte einen Flush treffen, den ich eventuell nicht schlagen konnte und ich wäre drawing dead (ich könnte nur mehr mit Runner Runner Fullhouse gewinnen).

Obwohl meine Chancen gut waren, entschied ich mich zu folden.

Was meinen Sie? Hätten Sie gecallt oder gefoldet? Oder hätten Sie geraist?

Mit mehr Zeit und Computeranalysen ist es natürlich einfacher die richtige Entscheidung zu treffen. Lassen Sie mich meine Analysen erklären.

Die zwei Variablen sind folgende: die Wahrscheinlichkeiten, dass meinen Tells richtig sind und dass die Hand die ich ihm geben gewinnt.

Einerseits musste ich beurteilen wie sich die Wahrscheinlichkeiten gegen die angenommene Hand des Gegners verbesser konnten, wenn wir bis zum River spielen. Das könnte auf einer Seite wie twodimes.net sein, die in einer Datenbank 500,000 Hände gespeichert hat und den Prozentsatz anzeigt, wie oft diese Hand gewinnt.

Aber das allein reicht nicht, um zu wissen, ob man gewinnt oder verliert. Ich musste auch abschätzen, ob ich den Gegner richtig lese.

Spieler machen das instinktiv am River- entschließen sich zu callen und es könnte ein Bluff sein. Sie vergleichen ihre Pot Odds mit der Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner blufft und entscheiden sich dann ob ein Call sinnvoll ist. Zum Beispiel: der Pot ist $1,000, der Call kostet $100 und Sie glauben es besteht eine 10%ige Chance dass Ihr Gegner mit einer Hand blufft, die Sie schlagen würden, dann müssen Sie callen.

In diesem Fall müssen Sie diese Spekulation schon auf der 5. Strasse machen, obwohl die Hand noch unvollständig ist. Also müssen Sie die Wahrscheinlichkeit ihres Tells um den Prozentsatz der Hände, die sie schlagen würden, erhöhen. Und dann müssen Sie diese Gleichung für die Hand oder Hände ausrechnen, wenn Ihre Annahme nicht richtig ist - und das Ergebnis hochrechnen.

Lassen Sie mich diese Methode erklären und schauen Sie, ob Sie meinen Analysen und Ergebnissen zustimmen.

Zuerst legte ich die Hände fest, die mein Gegner haben könnte. Dann ordnete ich jeder dieser Hand je nach Wahrscheinlichkeit einen Prozentsatz zu. Dann versuchte ich herauszufinden, wie oft diese Hand prozentuell meine Hand schlagen würde – wenn die Hand bis zum River noch stärker wird. Dann summiere ich diese Zahlen und erhalte einen Wert, der anzeigt, wie hoch die Chance meines Gegners ist, mich am River zu besiegen.

Im einfachsten Fall geben Sie Ihrem Gegner Hand A und Hand B, wobei Hand A immer gewinnt und Hand B immer verliert. Wenn Sie Ihrer Schätzung eine Zahl zuordnen müssen, und Sie geben ihrem Gegner eine Chance von 50/50, das er eine Hand hat die Sie 100%ig schlagen würde und ein 50/50 Chance einer Hand, die Sie nie schlagen würde. In 50% der Fälle, wenn Ihre Annahmen stimmen, würden Sie verlieren. Und in 50% der Fälle, wenn Sie falsch liegen, würden Sie gewinnen. Also hat diese Hand eine 50% Chance zu gewinnen.

Sind Sie andererseits 90% sicher, dass ihre Annahme richtig ist und seine Hand würde 100%ig gewinnen, haben Sie eine 90% Chance zu verlieren und nur einen 10%ige Chance zu gewinnen.

Es gibt nur ein paar Hände, die Ihr Gegner auf der 5. Strasse haben könnte, die Sie 100%ig schlagen würden. Wenn zum Beispiel ihr Gegner einen Flush hat und Sie nur ein Paar, ist Ihr Gegner zu 95% Favorit diese Hand zu gewinnen. Wenn Sie Zwei Paar haben, ist seine Gewinnchance bei 85%. Jetzt werden die Berechnungen etwas schwieriger.

Was, wenn Sie zu 90% sicher sind, dass er einen Hand hat, die Sie zu 60% am River schlagen würde. Sie sind sich nicht ganz sicher, ob Ihre Annahme stimmt, aber ziemlich sicher. In diesem Fall multiplizieren Sie die 90% mit den 60% und erhalten 48%. Aber Sie müssen sich auch die restlichen 10% ansehen. Wenn er Sie mit seiner Hand in 20% der Fälle schlagen würde, haben Sie eine 2% Chance gegen eine Hand zu verlieren, von der Sie glauben, er hat sie nicht. Sie müssen diese Möglichkeiten dazurechnen. Sie sind zu 90% sicher, er wird in 60% der Fälle gewinnen und zu 10% sicher, dass er in 20% der Fälle gewinnen wird. Das Ergebnis ist dann 48% plus 2% - also haben Sie eine 50%ige Chance den Pot zu gewinnen.

Natürlich ist es nicht immer so einfach. Aber diese Schätzungen helfen Ihnen, die richtige Entscheidung am River zu treffen, ob Sie callen sollen oder ob Ihr Gegner blufft.

In diesem Fall, haben sie auf der 5. Strasse eine Gleichung mit 2 Variablen – sie müssen abschätzen wie sicher Ihre Annahme ist und dann, wie weit Sie gegen mögliche Hände vorne oder hinten liegen.

In unserem Beispiel, war ich zu 80% sicher, dass er ein Paar Könige hatte und zu 20% sicher, dass er einen Flush hatte. Daher wusste ich, wenn er das Paar Könige hatte, lag er zu 60% vorne, was bedeutete wenn ich bis zum River mitgehe, gewinnt er in 60% der Fälle. Also gaben ihm meine Annahmen und die Stärke seiner Hand eine 48%ige Chance diese Hand zu gewinnen. Ich musste auch die Wahrscheinlichkeit in Betracht ziehen, wenn er einen Flush hat. Also gab ich ihm eine 20% Wahrscheinlichkeit auf den Flush, mit der er zu 95% gewinnen würde. Das Produkt aus der 95%igen Wahrscheinlichkeit diese 20% Chance zu gewinnen waren also 19%. Um festzustellen wie weit ich hinten liegen würde, musste ich die Summe beider Analysen addieren. 48% und 19% ergeben eine 67%ige Chance, diese Hand zu verlieren. Also lag ich etwa 2:1 hinten.

Mit diesen Analysen war es klar, dass es richtig ist zu folden. Es machte keinen Sinn auf den Draw auf der 5. Strasse zu spielen, wenn meine Gewinnchancen nur 33% sind.

Ich habe solche Analysen noch nie woanders gelesen, obwohl ich mir sicher bin, dass auch andere Spieler diese laufend machen. Mich würde interessieren, was Sie als Leser davon halten. Lassen Sie es mich wissen.

Was denken Sie?

MEHR ARTIKEL

Weitere Artikel