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Stud Poker Strategie: Multiway Pots, Teil 1

Stud Poker Strategie: Multiway Pots, Teil 1 0001

Vor einiger Zeit habe ich wieder einmal meine Stud-Literatur durchgesehen und habe bemerkt, dass sich fast sämtliche Abhandlungen mit Heads-up Situationen befassen. Auf den höheren Limits hat man es normalerweise fast immer mit nur einem Gegner zu tun. Diese spielen aggressiv und relativ tight. Wenn sie also in einer Hand sind, spielen sie meistens an und versuchen ihre Gegner durch Bets und Raises zum Folden zu bewegen.

Und nun das Geheimnis. Es ist einfacher eine erfolgreiche Strategie festzulegen, wenn man sich nur einem Gegner gegenüber sieht. Es ist einfacher mögliche Szenarien durchzuspielen und es ist natürlich einfacher eine starke Hände zu repräsentieren, wenn man es nur mit einem Gegenspieler zu tun hat.

Kein Wunder, dass es nicht mehr Literatur über Multiway-Pots gibt.

Hier eine weitere interessante Beobachtung. Trotz unserer besten Vorsätze sind oft mehrere Spieler in eine Hand involviert. Nicht nur auf den tieferen Limits mit vielen Calling Stations, sondern auch auf Limits wie $10/20 und 20/40. Auch bei meinen gelegentlichen Ausflügen auf höhere Limits ($75/150) musste ich feststellen, dass des öfteren Multiway-Pots entstehen. Zwar nicht immer bis zum River, aber zumindest oft bis zur Fifth Street. Somit ist es sicherlich hilfreich, wenn man in Multiway-Pots nicht ganz ahnungslos dasteht.

Ich werde hier kein ganzes Buch verfassen, obwohl man dem Thema durchaus ein Buch widmen könnte. Sollte No Limit Hold'em seinen Glanz verlieren, wird es sicherlich auch Bücher zu diesem Thema geben. Bis es soweit ist, müssen Sie mit ein paar Artikeln vorlieb nehmen.

Die Artikel gliedern sich in folgende Abschnitte. Zuerst ein paar grundsätzliche Bemerkungen zur Spielweise von Händen mit Tendenzen zu Multiway-Pots. Danach richte ich meine Aufmerksamkeit der Fifth Street und anschließend möchte ich auf spezielle Spielzüge in Multiway-Pots eingehen. Jedes der drei Themen wird am Ende nochmals zusammengefasst, so dass die Serie ungefähr drei bis vier Artikel umfasst. Wie immer bin ich sehr an Ihrem Feedback interessiert. Wenn Sie fragen an mich richten ([email protected]), werde ich diese in einem oder zwei Artikeln beantworten.

Wenn man gegen mehrere Gegner spielt, steigt der Pot natürlich entsprechend schneller an als bei Heads-up Situationen. Wenn noch fünf, anstatt zwei Spieler auf der Fourth Street in der Hand sind, so sind mindestens fünf, anstatt zwei Small Bets im Pot (plus sämtliche Antes). Genauso verhält es sich, wenn vier Spieler bis zum River gehen. Nicht immer aber meistens ist dann der Pot deutlich größer als wenn nur zwei Spieler den River sehen. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Vier Spieler könnten bis zum River durchchecken, während zwei Spieler im Heads-up raisen und reraisen. Meistens gilt aber: je mehr Spieler, desto größer der Pot.

Aufgrund des größeren Pots, den es zu gewinnen gilt, bekommen die Spieler entsprechend bessere Implied Odds. „Implied Odds" ist ein Begriff, der das Verhältnis zwischen Bet, die man callen muss und Pot, den man gewinnen kann, falls man die beste Hand hält, beschreibt. Wenn man sich also zum Beispiel im Limit $10/20 einer $10 Bet auf der Third Street gegenübersieht und erwarten kann einen $1000-Pot am River zu gewinnen, falls man die beste Hand zeigt, so erhält man Implied Odds von 100:1 auf den Call. (Es gibt eine etwas kompliziertere Methode die Impied Odds auszurechnen, worauf ich hier aber nicht näher eingehen möchte. Dabei muss man die Größe des endgültigen Pots und die Anzahl der zu investierenden Bets abschätzen). Wenn einen also fünf Spieler bis zum River runtercallen werden, hat man natürlich sehr viel bessere Implied Odds als wenn man nur Heads-up spielen würde.

Aufgrund der relativ großen Implied Odds auf der Third Street (angenommen der Pot wird wahrscheinlich multiway) kann man natürlich mit sehr viel mehr Hände antreten als in einer Heads-up Situation. Entsprechend kann man auch Hände mit weniger Gewinnpotential spielen, da man nur einige wenige dieser großen Pots benötigt, um als Gewinner den Tisch zu verlassen.

Das bedeutet aber natürlich nicht, dass man jede Hand spielen sollte. Mit einigen Händen verliert man, egal wie viele Gegner man hat. Dies trifft besonders zu, wenn man Karten zur Komplettierung der Hand benötigt, die bereits bei den Gegnern liegen (diese Karten nennt man tote Karten oder dead card). Ein Beispiel: sogar wenn alle acht Spieler höchstwahrscheinlich bis zum River callen, hat man wenig Chancen auf Erfolg, wenn man die Hand mit drei niedrigen Kreuz beginnt und fünf der Gegner haben auf der Third Street ein Kreuz als Doorcard. Somit müsste man zwei der drei verbleibenden Kreuz auf den nächsten vier Straßen bekommen – die Hand ist praktisch wertlos. Entsprechend verhält es sich, wenn man ein niedriges Pärchen hält und sowohl der Kicker, als auch das Pärchen tot sind.

Einige vorteilhafte Hände im Heads-up können in Multiway-Pots zu großen Verlusten führen. Angenommen wir halten ein mittleres Paar auf der Third Street und sind somit gegen eine willkürliche Hand im Vorteil. Wenn man Heads-up bis zum River weiterspielt ist man Favorit die Hand zu gewinnen, auch wenn der Gegner Overcards hält. Man hat keinen großen Vorteil, aber zumindest einen kleinen. Es sieht aber ganz anders aus, wenn man die Situation auf fünf Gegenspieler überträgt. Ein oder zwei Gegner haben Overcards und die anderen könnten auf Straights oder auf einen Flush drawen. Hier gewinnt man nur zu 20% am River den Pot.

Ich habe einige Grundsatzregeln aufgestellt, die es mir erlauben mein Repertoire zu erweitern, falls abzusehen ist, dass mehrere Gegner in die Hand einsteigen werden. Bevor wir aber dazu kommen, müssen wir die Komplexität der Multiway-Action verstehen.

Sämtliche Multiway-Pots haben verschiedene Faktoren. In meinen Artikeln schreibe ich über die passiven und somit typischen low limit Games und wie sie sich von den aggressiven und typischen high-stake Games unterscheiden.

Hier ein paar Daumenregeln wenn anzunehmen ist, dass zumindest ein zusätzlicher Spieler bis zum River in der Hand bleiben wird.

Seien Sie eher bereit das Bring-in oder eine Bet mit Händen zu callen, die Sie in einer Heads-up Situation weglegen würden. Nehmen Sie sogar Karten mit nur einem live Ass oder einem live Ass und einem König in ihr Arsenal auf (live ist eine Karten, wenn sie keiner der Gegner offen vor sich liegen hat). Aufeinanderfolgende Karten mit nur einer Lücke (one-gapped three-straights) sind ebenfalls spielbar, falls die fehlende Karte live ist. Genauso verhält es sich mit kleinen Pärchen, auch wenn der Kicker nur sehr niedrig oder tot ist.

Sie können diese eher schlechteren Starthände bedenkenlos für zwei Bets spielen, wenn nach Ihnen nicht mehr erhöht werden kann und sie mindestens zu viert (einschließlich Ihnen) in der Hand sind. Sie sollten diese Hände auch nicht zu schnell auf der Fourth Street weglegen, wenn Sie sich nicht verbessert haben. Angenommen sie halten drei Karten der gleichen Farbe und verbessern sich auf der Fourth Street nicht, so können Sie bedenkenlos eine Bet callen. Ebenso können Sie sich für eine Bet die fünfte Karte ansehen, wenn sie ein niedriges Pärchen mit Overcards halten und sich offensichtlich keiner der Gegner verbessert hat.

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