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Spieler Profile: Vier neue Poker Archetypen

Player Profiling: Four New Poker Archetypes

Anfang der 90er Jahre, als Limit Stud und Limit Hold’em zu den beliebtesten Spielen gehört haben, wurde ich ein professioneller Pokerspieler. Damals gab es drei bekannte „Poker-Archetypen“, die bis heute überlebt haben.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit haben Sie schon von ihnen gehört – vom „Rock“, dem „Maniac“ und der „Calling Station“.

Jeder dieser Namen wurde und wird dazu benutzt, eine Gruppe von Spielern, auf die man an den Tischen häufig trifft, zusammenzufassen. Ein „Rock“ war ein extrem tighter Spieler. Ein „Maniac“ ist extrem loose und aggressiv. Und eine „Calling Station“ hat sich extrem loose und passiv verhalten – sie hat oft zu Checks und Calls gegriffen und sehr selten Bets platziert oder gar Raises gespielt.

Anfang bis Mitte der 2000er Jahre hatte sich das Spiel verändert – plötzlich war No-Limit Hold’em das Lieblingsspiel der meisten. Bald schon hatte das Spiel an Komplexität gewonnen und es war notwendig geworden, sich mehr Kategorien zu überlegen, um die Spieler zu beschreiben.

„Tight-aggressive“ („TAG“) und „loose-aggressive“ („LAG“) fanden Einzug in die Poker-Lexika, um die unterschiedlichen Spielweisen zu beschreiben. Auch „Nits“ (ein „Rock“ mit anderem Namen), „LAGtards“ (selbsterklärend und politisch nicht korrekt) sowie „Donkeys“ (ersetzte den Oldschool-Begriff „Pigeon“ oder „Fisch“) kamen hinzu.

Natürlich gab es noch andere Worte, die dazu verwendet wurden, um Pokerspieler einzuordnen, aber was die Archetypen oder Hauptkategorien angeht, sollte das alles gewesen sein.

Die Zeiten ändern sich aber (schon wieder), also werden auch neue Archetypen gebraucht. Ich habe mir die Zeit genommen, sie zu identifizieren, damit sie besser zu den verschiedenen Spielertypen passen, auf die wir heute vor allem auf den niedrigen Limits $1/$2 und $2/$5 No-Limit Hold’em treffen können.

Sticky Bun

Der „Sticky Bun“ ist eine Art Rock. Allerdings ein Rock, der Schwierigkeiten damit hat, seine Hand nach dem Flop zu entsorgen.

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Vor dem Flop verhält er sich wie eine Nit, aber postflop ist er alles andere als weak-tight – er c-bettet mit einer sehr schwachen Range und callt mit einer ähnlich schwachen Postflop-Range die Bets seiner Gegner.

Er ist die Art Spieler, gegen die Sie mit einer breit aufgestellten Range floaten wollen, weil sie erwarten, dass er nach dem Flop fast immer weiterspielen wird, selbst wenn er überhaupt nichts hat, um aber trotzdem zu callen, wenn Sie Ihr Monster getroffen haben und das Feuer erwidern.

Falls es nicht klar geworden ist: Diesen Spieler wollen Sie am Tisch sehen.

Roly Poly

Dieser Spielertyp basiert auf den „Rollasseln“, an denen Kinder in den Vorstädten nicht selten ihre Freude haben. Ein „Roly Poly“ ist nur etwa einen Zentimeter lang, hat mehrere Beine und ist für gewöhnlich dabei zu beobachten, wie er an den Grashalmen entlang über Wiesen krabbelt.

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Sobald aber Gefahr droht und auch nur ein Stock oder Finger in seine Nähe kommt, rollt sich dieser Zeitgenosse zu einem kleinen Ball zusammen – diese Gestalt erhält er auch noch viele Minuten, nachdem die Gefahr längst vorüber ist, aufrecht.

Ganz ähnlich kennt der „Poker-Roly Poly“ nur einen Spielzug – und zwar preflop. Vielleicht raist er mit vielen Händen, und vielleicht handelt es sich sogar um ein recht großes Raise. Aber sobald der Flop aufgedeckt wird und er seine Hand nicht verbessern konnte, wird er zum kleinen Ball und rollt davon, sobald der Gegner auch nur einen Chip Richtung Pot wirft.

Gegen ihn können Sie in jeder Position floaten. Falls Sie ohne Position spielen, reicht eine kleine Donk-Bet auf dem Flop meistens aus, um ihn zu erschrecken – außer natürlich, er hat mit seiner Hand etwas getroffen. Falls Sie in später Position sitzen, betten Sie, wenn er checkt, und folden Sie, wenn er bettet. Auch er wird zu Ihrer Winrate positiv beitragen.

Chirper

Das hier ist ein weiteres Beispiel eines schwachen Spielers – in diesem Fall handelt es sich um jemanden, der preflop durchaus gewillt ist, Action zu machen. Der „Chirper“ sieht, dass andere vor dem Flop raisen, also macht er das auch – nur hat er gar keinen Grund dafür, seine Bets haben keine Bedeutung.

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Sein Spielzug besteht darin, seine riesengroße, schwache Range grundsätzlich aus jeder Position zu eröffnen, nur um den Pot etwas interessanter zu machen. Es ist ein Preflop-Zwitschern, das nichts zu bedeuten hat – wie ein kleiner Vogel, der sein Lied anstimmt. Ignorieren Sie ihn einfach, er stört doch niemanden.

Callen, raisen oder folden Sie, als hätte der „Chirper“ gar nicht geraist (wobei ein etwas größeres Sizing erlaubt ist, da sich mehr Chips im Pot befinden). Falls Sie ein eher tighter Spieler sind, kann der „Chirper“ als Belästigung empfunden werden, da er die Pots grundlos größer macht. Am Tisch werden Sie trotzdem mit ihm auskommen können, wenn Sie seine Störgeräusche ignorieren und die Bankroll haben, um das etwas größere Risiko beim Spielen abzufangen.

Butterfly

Zu guter Letzt haben wir den „Butterfly“ – ein solider Spieler, der am Flop gerne zu Floats greift, in der Hoffnung, dass sich seine Gegner beruhigen oder er ihnen den Pot am Turn wegnehmen kann.

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Gegen diesen Spielertyp sollten Sie eher davon absehen, mittelprächtige oder schwache Hände ohne Position zu c-betten – reraisen Sie stattdessen häufiger den Turn und River, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Gegner jemand ist, der gerne auf Floats zurückgreift.

Seien Sie aber vorsichtig: Gute Floater sind oftmals sehr gute Spieler. Auch wenn sie scheinbar wie ein Schmetterling über den Dingen schweben, können Sie jederzeit zurückkommen und wie eine Biene zustechen.

Zusammengefasst

Seine Gegner einordnen zu können und in der Lage zu sein, die verschiedenen Spielertypen zu erkennen, ist ein wichtiger Faktor, um ein Winning Player zu werden. Je mehr Sie über die Gewohnheiten Ihrer Mitspieler erfahren, desto leichter wird es Ihnen fallen, sie zu exploiten.

Auch wenn diese neuen differenzierten Spielertypen nicht die Runde machen sollten, denke ich, dass sie ihnen dabei helfen werden, bei einigen Pokerspielern heutzutage Muster zu erkennen und diese auszunutzen.

Vielleicht hat Sie der Artikel auch dazu ermuntert, selbst über eigene Archetypen nachzudenken, um die Charaktere einzusortieren, auf die Sie an den Tischen treffen können. Falls Sie einen neuen Spielertyp gefunden haben, würde es mich interessieren, was ihn so besonders macht.

Ashley Adams spielt seit 50 Jahren Poker und schreibt seit 2000 darüber. Er ist der Autor hunderter Artikel und zweier Bücher: Winning 7-Card Stud (Kensington-Verlag, 2003) und Winning No-Limit Hold’em (Lighthouse-Verlag, 2012). Darüber hinaus moderiert er die Poker-Radiosendung House of Cards. Erfahren Sie auf www.houseofcardsradio.com mehr über die Ausstrahlungstermine, die Sender und Podcasts.

Fotos: "Sticky buns..." (adaptiert), Amber DeGrace, CC BY 2.0; "Roll E Pole E" (adaptiert), Frank Boston, CC BY 2.0; "Chirp!" (adaptiert), hedera.baltica, CC BY-SA 2.0; "Butterfly" (adaptiert), Conal Gallagher, CC BY 2.0.

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