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Sonnenbrillen und Kopfhörer am Poker Tisch

Wearing Sunglasses and Headphones

Man sieht sie in jedem Pokerraum – seit mindestens 20 Jahren oder noch länger. Viele Spieler tragen sie. Vielleicht gehören Sie zu diesen Spielern. Die Rede ist von Sonnenbrillen und Kopfhörern (respektive Ohrhörer). Falls Sie bisher ohne ausgekommen sind: Sollten Sie sich dem Trend ergeben? Falls Sie zu den Trendsettern gehören: Sollten Sie lieber auf Sonnenbrille und Kopfhörer verzichten?

Ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Früher habe ich auch Sonnenbrillen getragen. Der Grund, sie zu tragen, lag auf der Hand.

Eine Möglichkeit, um sich seinen Gegnern gegenüber einen Vorteil zu verschaffen, ist das Erkennen von Tells – dabei handelt es sich um unbewusste Verhaltensweisen, die Aufschluss über die tatsächliche Handstärke geben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Tells mit den Augenbewegungen meiner Gegner zusammenhängen.

Ein Gegner, der lange auf den Flop starrt, hat ihn zum Beispiel oft verpasst und sucht besonders lange nach Möglichkeiten, wie sich die Situation zu seinem Vorteil verbessern kann. Ähnlich sieht es bei einem Spieler aus, der einen flüchtigen Blick auf seinen Chipstapel wirft – oft hat dieser Spieler den Flop stark getroffen und denkt darüber nach, wie groß seine Bet aussehen sollte. Mit Sicherheit kennen Sie noch weitere Tells, die sich durch Augenbewegungen erkennen lassen.

Da mir die Augenbewegungen meiner Gegner helfen könnten, war es umgekehrt nur logisch, meine Augen vor den neugierigen Blicken meiner Gegner schützen zu wollen, indem ich beispielsweise eine Sonnenbrille trage. Ich beraube meine Gegner um den Vorteil, den diese vermeintlich haben könnten, wenn ich ohne Brille spielen würde.

Es gibt noch weitere Vorteile, die das Tragen einer Sonnenbrille mit sich bringt. Eine Sonnenbrille verbirgt, in welche Richtung meine Augen schauen. Meine Gegner würden nicht wissen, dass ich sie gerade anstarre. Ich könnte sie die ganze Zeit lang anschauen, um zu erfahren, wo sie hinschauen und wie sich fühlen, ohne dass mein Starren auffallen würde. Das war mit Sicherheit ein großer Vorteil.

Gleichzeitig waren mir auch die Vorteile von Kopfhörern bekannt, allerdings habe ich diesem Drang nie nachgegeben.

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Sonnenbrillen können Ihre Tells verstecken, aber vielleicht entgehen Ihnen dadurch andere Dinge

Gespräche am Tisch können ablenkend sein oder einfach nur nerven. Wenn man beim Spielen einer Hand Musik hört, würde ich nichts vom endlosen und nutzlosen Geplauder mitbekommen. Ich würde gar nicht erst in Versuchung kommen, mit dem Quasseln anzufangen und mich damit nur selbst abzulenken. Das Musikhören würde unweigerlich dazu führen, dass ich mich mehr auf das Spielen der Hand konzentriere; dass ich den Fokus auf die Dinge lege, über die ich nachdenken muss – etwa die Stacksize meines Gegners, die Größe des Pots, ihre Spielweise, mein vermeintliches Image und so weiter.

Genauso wie Sonnenbrillen mir die Möglichkeit geben, meine Augen vor meinen Gegnern zu verstecken, müsste ich mir die dummen und manchmal wütend machenden Gespräche, die an einem Pokertisch zustande kommen, mit entspannender Musik im Ohr nicht anhören. Es würde mir auch wesentlich leichter fallen, mein mentales A-Game zu finden – das ist sicherlich nicht zu verkennen.

Nachdem ich beim Spielen jahrelang selbst eine Sonnenbrille getragen und Spieler beobachtet hatte, die mit Sonnenbrille und Kopfhörer gespielt haben, wurde mir allerdings klar, dass die Nachteile dieser Hilfsmittel die Vorteile deutlich überwiegen. Jedenfalls meiner Meinung nach. Lassen Sie mich erklären, worauf ich hinauswill.

Wenn ich mich hinter einer Sonnenbrille verstecke, werden meine Augen keine Tells preisgeben. Allerdings hindert mich das Tragen einer solchen Brille auch daran, Unterhaltungen mit meinen Gegnern anzufangen. Auch das Tragen von Kopfhörern schränkt meine Fähigkeit, Gespräche mit den Leuten am Tisch zu führen, ein. Das ist zumindest für mich ein riesengroßer Nachteil.

Überlegen Sie, was Sie aus einer Unterhaltung schöpfen können. Zuallererst bringt es die Leute einander näher. Ich will nicht behaupten, dass die trivialen Gespräche am Pokertisch ausreichen, um die Basis für langjährige Freundschaften zu schaffen. Allerdings fühlen sich die Leute in der Nähe eines gesprächigen Menschen wohler als neben einem stummen Jemand.

Selbst eine oberflächliche Freundlichkeit – die Art, die zustande kommt, wenn zwei Fremde miteinander über sich selbst sprechen – hat häufig die Konsequenz, dass meine Gegner vorsichtiger gegen mich spielen. Ich habe es erlebt. Und ich nutze es zu meinem Vorteil.

Deshalb spreche ich gezielt mit dem Spieler links von mir. Er ist der Spieler, der direkte Position auf mich hat und den ich mit meiner netten Art bändigen will. Er ist derjenige, der nach meinem Spielzug am wahrscheinlichsten raisen kann. Und daher ist er auch derjenige, den ich am meisten am Raisen hindern will – indem ich ihn zu meinem „Kumpel am Pokertisch“ mache.

Verweisen Sie gerne auf Spieler, die sich bei ihren Entscheidungen nicht von ihren Gefühlen leiten lassen. Leute, die angeblich gegen jeden Spieler am Tisch auf die gleiche Weise spielen – ganz gleich, was sie für ihren Gegner empfinden. Ich habe tausende Male erlebt, dass das nicht der Fall ist – zum Beispiel, wenn der Typ links von mir mein Raise nur gecallt hat oder gecheckt hat, wenn ich gecheckt habe, obwohl er normalerweise raisen oder betten würde. Und das einfach nur, weil ich relativ freundlich war und er mich irgendwie gemocht hat. Das mag irrational sein, aber so ist die menschliche Natur.

Allerdings wird eine sympathische Ader nicht die Aggression von jedem Gegner aufhalten. Aber es funktioniert gut genug, dass ich nichts an mir tragen will, was mich daran hindern könnte, mich in Gespräche zu stürzen oder anderweitig sozial mit meinen Mitspielern umzugehen.

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Kopfhörer können sich positiv auf Ihre Konzentration auswirken, aber Sie werden auch wichtige Teile der Tischgespräche verpassen

Es gibt noch zwei weitere Gründe, warum ich mich dazu entschieden habe, am Pokertisch keine Sonnenbrillen oder Kopfhörer mehr zu tragen.

Erstens stehen beide als Symbol für die Ernsthaftigkeit eines Spielers. Auch wenn einige schlechte Spieler auf den Zug aufgesprungen sind, die verzweifelt versuchen, das Verhalten besserer Spieler nachzuahmen (und dabei böse auf die Nase fallen), gibt es kaum echte Casual-Spieler, die sich mit arglosen, unschuldigen Absichten, aber mit mit Sonnenbrille oder Kopfhörer bekleidet, an den Tisch setzen.

Dementsprechend sind die ernsthaften Spieler und Möchtegerns weniger alarmiert, wenn ich mich derart schmucklos an den Tisch begebe. Sie werden vermutlich die Annahme treffen, dass ich ein unbedachter ABC-Spieler bin – dass meine große Bet auf eine starke Hand hindeutet, meine Passivität in der Hand auf Schwäche hinweist und so weiter.

Infolgedessen kann ich meine „Glaubwürdigkeit“ ausnutzen, um Pots zu stealen, die ich stealen will, und meinen Gegnern Fallen zu stellen, wenn ich es für sinnvoll halte. (Natürlich ist meine Deckung aufgeflogen, wenn meine Hände ein- oder zweimal gesehen wurden.) Das Abwerfen von Sonnenbrille und Kopfhörer – oder Baseball-Cap, aus ähnlichen Gründen – erlaubt es mir, meine unschuldige Erscheinung wenigstens eine Zeit lang aufrechtzuerhalten.

Zweitens können unverdeckte Augen und Ohren Sachen mitkriegen, die für andere unsichtbar oder nicht zu hören sind.

Das trifft in jeden Fall auf Kopfhörer-Trägern zu. Wenn ich Kopfhörer trage, bekomme ich vielleicht gar nicht mit, dass der Spieler rechts von mir beispielsweise gleich gehen will. Wenn ich das nicht weiß, erkenne ich womöglich nicht die Ernsthaftigkeit, die sich hinter seiner anschließenden Bet verbirgt (da Spieler, die kurz davor sind, das Casino zu verlassen, von Bluffs eher absehen). Genauso könnte ich die Ansage eines Spielers gegenüber von mir verpassen, dass er seine Hand geshovet hat, ohne sich die Karten anzuschauen.

Sie wissen, worauf ich hinauswill. Das gesprochene Wort kann eine Menge enthüllen, was für mich ungehört bleibt, wenn ich meine Ohren mit Kopfhörern ummantele, die meine Lieblings-Songs spielen.

Es gibt auch Dinge, die Ihnen entgehen könnten, wenn Sie eine Sonnenbrille tragen. Selbst wenn Sie ein Modell tragen, das so viel Licht wie möglich durchlässt, wird immer noch genug Licht abgeblockt, um Sie daran zu hindern, wertvolle Informationen zu bekommen – etwa ein leises Lächeln oder ein finsterer Blick als Reaktion auf den Flop, das leichte Zittern einer Hand, die nach den Chips greift, die Anzahl der Chips, die in die Tischmitte wandern und einiges mehr. (Hin und wieder gibt es auch Probleme mit markierten Karten – das passiert wirklich – und die Sonnenbrille könnte verhindern, dass Sie den Fehler bemerken.)

Vielleicht wollen Sie auch nach diesem Artikel nicht auf Ihre Sonnenbrille oder Kopfhörer verzichten, weil Sie annehmen, dass es für Sie immer noch von Vorteil ist, das eine oder andere oder beides zu benutzen. Ich hoffe, dass ich Sie zumindest überzeugt habe, dass es einige nachvollziehbare Argumente gibt, sich ohne Hilfsmittel an den Tisch zu setzen.

Ashley Adams spielt seit 50 Jahren Poker und schreibt seit 2000 darüber. Er ist der Autor hunderter Artikel und zweier Bücher: Winning 7-Card Stud (Kensington-Verlag, 2003) und Winning No-Limit Hold’em (Lighthouse-Verlag, 2012). Darüber hinaus moderiert er die Poker-Radiosendung House of Cards. Erfahren Sie auf www.houseofcardsradio.com mehr über die Ausstrahlungstermine, die Sender und Podcasts.

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