So reagiert man wenn der Gegner am Turn overbettet

How to React When Opponents Overbet the Turn

Overbets am Turn sind modern geworden. Immer mehr Spieler setzen Overbets als Waffe ein, um ihre Gegner vor schwierige Entscheidungen zu stellen – und tatsächlich wissen viele nicht, wie sie mit Overbets umgehen sollen.

Der folgende Artikel zeigt beispielhaft eine Hand, in der ein Spieler mehr schlecht als recht auf eine Overbet am Turn reagiert hat. Der weitere Handverlauf war damit in Stein gemeißelt und er hat sich der Chance beraubt, am River eine Entscheidung treffen zu können.

Der Flop und Turn

Wir spielen einmal mehr 6-max NL100 ($0,50/$1), ein regulärer Spieler openraist auf $2,50, nachdem Under the Gun gefoldet hat. Am Button sitzt ein weiterer Regular, der anscheinend eine erfolgreiche Session gespielt hat (sein Stack beträgt $550). Der anfängliche Raiser hat immerhin $310 vor sich stehen, die Stacks fallen also recht deep aus.

Der Flop wird aufgedeckt: {8-Hearts}{4-Hearts}{3-Spades}. Der Openraiser bleibt aggressiv und bettet fast den Betrag im Pot – genauer gesagt $5,50 in einen fast $6 großen Pot (nach Abzug des Rake-Anteils). Der Button callt erneut, der Turn offenbart die {7-Clubs}.

Zwei Dinge sollten wir uns vor Augen führen, bevor wir mit der Hand weitermachen. Erstens ist es immer von Vorteil, Position zu haben, aber auf eine Board mit vielen Draws (wie diesem hier) kommt der Vorteil noch stärker zum Tragen, da Turn- und River-Karten das Board entscheidend verändern können. Daher werden diese Boards auch als „dynamisch“ bezeichnet. Zweitens ist der Positions-Vorteil noch größer, wenn die Stacks so deep ausfallen wie in unserer Hand.

Das sehr dynamische Board und die deepen Stacks sind zwei sich ergänzende Faktoren, die für den Button von Vorteil sind. Er sollte diese Faktoren ausnutzen, um seine Gewinnchance zu vergrößern.

Unser anfänglicher Raiser hat verglichen mit der Calling-Range des Buttons weniger kleine Karten in seiner Openraising-Range, weil der Button mit seinem Stack viele High-Karten preflop 3-betten würde. Zudem hätte der Button die meisten High-Karten gegen die C-Bet auf dem Flop aufgeben müssen. Auf diesem Turn gibt es aber eine Reihe von Händen, die der Openraiser haben kann – hauptsächlich {J-}{10-}, {J-}{9-} und {10-}{9-} –, die zu den Nuts ziehen können. Selbst eine Hand wie {A-}{5-} hat jetzt einen doppelten Gutshot-Straightdraw.

Die Overbet am Turn

$17 befinden sich im Pot, unser Openraiser entscheidet sich für eine große Overbet: $28.

Ich glaube, dass Spieler auf solche Overbet häufig reflexartig reagieren. Was wir uns als erstes klarmachen müssen, ist allerdings die Tatsache, dass diese Bet keinen allzu großen Druck auf den Button ausübt. Er kann problemlos einige schwache Hände folden, die am Flop gecallt haben. Wenn er eine Calling-Hand hat, wird der Pot $73 groß sein; da die Stacks zu Anfang so deep waren, kann effektiv um weitere $274 gespielt werden. Das Pot-zu-Stack-Verhältnis ist also trotz der Overbet ziemlich groß.

Überlegen Sie sich folgendes: Wenn der Button eine Bluffcatching-Hand hat, hat der Spieler mit der Overbet nach wie vor nur zwei Karten. Entweder hat er einen Overcard-Straightdraw mit {J-}{10-}, {J-}{9-} oder {10-}{9-}, oder einen Gutshot mit {6-}{x-} oder {5-}{x-}. Auf diesem Board sind auch ein paar Flushdraws mit Straightdraws möglich, aber nicht allzu viele. Mit anderen Worten: Der Openraiser wird nicht jede River-Karte treffen, die gefährlich aussieht. Wir sollten also keine Angst haben, den River zu spielen.

Falls der Button einen Draw zu den Nuts hat, kann er gefährliche River-Karten in Position viel besser nutzen – völlig egal, ob er seinen Draw trifft oder nicht –, nachdem er den Turn gecallt hat.

Equity nicht zulassen

Es ist eine schöne und gute Sache, Equity zum Folden zu bringen, wenn dies keine Nachteile mit sich bringt. Stellen wir uns vor, dass der Overbetter in dieser Hand nie eine Made Hand hat. Wenn das der Fall wäre, könnte der Button mit einigen Händen aus seiner Range einfach All-in gehen, um den Overbetter zu bestrafen. Dem Overbetter steht es dann frei, entweder einen schlechten Call zu machen oder zu folden – mehr Optionen hat er nicht.

Falls der Overbetter Hände wie {6-}{5-} suited und {8-}{8-} in seiner Range hat, wäre diese Vorgehensweise allerdings zum Scheitern verurteilt, weil der Button $302 riskieren würde, obwohl sich im Pot weniger als $50 befinden. Wenn er nur wenig Equity hat – was gegen eine Range, die auf diesem Board {8-}{8-} und {6-}{5-} einschließt, nicht selten der Fall sein wird –, wird er in einem fragwürdigen Spot drei Buy-ins verlieren.

Es ist erlaubt, mit deepen Stacks kleine Brötchen zu backen

Mit richtig deepen Stacks gegen einen anderen Regular anzutreten, bedeutet nicht, dass man einen Riesenpot spielen muss. Da die Action nach einem Raise weiter angefacht werden kann, hat es häufig schwere Folgen, sich auf das Kräftemessen einzulassen. Wenn der Button seine gesamte Range gegen die Overbet callt, kann er die Größe des Pots viel besser kontrollieren und je nach River bestimmen, wie viel Geld ihm der Pot wert ist.

Statt zu callen spielt der Button ein Raise auf $68. Was wahrscheinlich ein Fehler des Aggressors war (wenn $28 nicht ausreichen, um die Stacks ins Spiel zu bringen, wären $65 besser gewesen?), wird belohnt, da der Gegner anscheinend Angst hat, eine weitere Karte zu sehen – und das, obwohl die River-Karten der Button-Range eher helfen als ihr schaden (ja, wir wiederholen uns).

Dieses Raise kommt für den Spieler ohne Position einem Wunder gleich. Er bekommt tatsächlich die Möglichkeit, mit den aktuellen Nuts – {6-Spades}{5-Spades} – für $300 All-in zu gehen, was er auch getan hat. Bemerkenswert: Da der Button den Reraise-Shove erst möglich gemacht hat, hat er seinen Positions-Vorteil im Prinzip völlig aufgegeben.

Der Button, der mit {7-Spades}{7-Hearts} Second Set getroffen hat, ist jetzt in einer grässlichen Situation. Nachdem er die Grässlichkeit der Situation erfasst hat, stellt er fest, dass es keine guten Optionen gibt.

Das ist ein weiteres Zeichen, dass etwas schiefgegangen ist: Wenn Sie eine Line gewählt haben, bei der Sie am Ende die Wahl zwischen „Schlecht“ und „Noch schlechter“ haben.

Das Ergebnis und was wir aus der Hand lernen

Am Ende hat sich der Button für den Call mit dem Set Siebener entschieden – der Pot war riesengroß, die Gewinnchance lag bei schmalen 22 Prozent. Zum Glück hatte sein Gegner nicht Pocket-Achter (dann hätte er nur noch 2 Prozent Equity).

Wenn wir sinnvoll auf Overbets am Turn reagieren wollen, sollten wir einfach nicht überreagieren. Spieler sollten keine Angst davor haben, Entscheidungen am River zu treffen – vor allem dann nicht, wenn sie einen Positions-Vorteil haben. Darum geht es doch beim Pokern! Vielleicht treffen wir am River die falsche Entscheidung, aber wenigstens haben wir uns dann nicht komplett verrannt.

Dieser Strategie Artikel von Gareth Chantler für PokerNews wurde gesponsert von partypoker.

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