So managen Sie Ihre Poker Bankroll: Tipps und Empfehlungen

Andrew Moreno

In erster Linie ist Andrew Moreno ein Cashgame-Spieler, allerdings spielt der Poker-Profi auch bei Turnierserien mit. Im vergangenen World Series of Poker Main Event 2015 hatte Moreno einen starken Deep Run und musste erst auf Platz 28 das Feld räumen. Grund genug, Moreno zum Thema Bankroll-Management zu befragen – als Antwort erhielten wir den folgenden kurzen Guide mit nützlichen Ratschlägen.

Lassen Sie mich zuerst über meine Erfahrungen mit Live-Poker sprechen. Als ich 21 wurde, habe ich mich sofort an die Live No-Limit Hold'em Cashgame-Tische gesetzt, die Limits waren $1/$2, $1/$3 sowie $2/$5. Auf diesen Stakes habe ich neun Jahre meines Lebens verbracht, dabei ging ich auch einige Male broke – einmal musste ich sogar für sechs Monate einen Job annehmen. In den vergangenen drei Jahren habe ich hauptsächlich $5/$10 NL gespielt.

Ich habe eine Menge darüber gelernt, was erforderlich ist, um eine ordentliche Bankroll zu schaffen und zu halten – und gerne teile ich die über die Jahre gesammelten Erfahrungen auch mit Ihnen. Zum Beispiel ist es nicht die schlechteste Sache der Welt, broke zu gehen – tatsächlich ist mir das auch häufig passiert (wenn auch nicht in den letzten vier Jahren). Gewissermaßen führt das zur Erkenntnis, dass das Dasein als Poker-Profi keine Selbstverständlichkeit ist, und man dankbar dafür sein sollte.

Was ist die richtige Bankroll für Sie?

Um eine geeignete Bankroll für Sie zu finden, müssen wir zunächst einige Fragen abklären. Starten wir mit einigen Fragen über Sie selbst.

  • Wie hoch ist Ihre Hourly? Das ist wichtig, weil wir herausfinden müssen, mit welchen Swings Sie am Tag, in der Woche oder auch monatlich zu rechnen haben.
  • Wie groß ist Ihre Samplesize? Lassen Sie sich Ihre Hourly während der ersten hundert Stunden weder zu Kopf steigen noch von ihr herunterziehen. Bevor sich die tatsächliche Hourly herauskristallisiert, vergehen im Live-Poker mindestens einige tausend Stunden.
  • Welches Poker wollen Sie spielen? Falls Sie eher zur loosen Gattung der Poker-Spieler gehören, müssen Sie mehr Varianz akzeptieren. Falls Sie den eher unkomplizierten TAG-Style bevorzugen, verringert sich auch die Varianz.
  • Welche Buy-ins sind in Ihren Games erlaubt? Normalerweise liegt das mögliche Buy-in bei den meisten Games zwischen 100 und 200 Big Blinds. Falls Sie sich ausschließlich mit 100 BB einkaufen, müssen Sie auch weniger große Swings verkraften.
  • Wie gehen Sie mit emotionalem Stress um? Behalten Sie im Hinterkopf, dass mit der Bankroll auch Ihre Emotionen auf Achterbahnfahrt gehen können. Falls Sie sich mit einer kleinen Bankroll begnügen, werden Sie einige Talfahrten hinnehmen müssen, bis Ihre Bankroll einen Punkt erreicht, an dem Sie sich wohlfühlen.
  • Sind Sie in der Lage, in den Stakes abzusteigen? Stellen Sie sich vor, dass Sie an einem $2/$5-Tisch sitzen und Ihre Bankroll lediglich $2.500 beträgt (5 Buy-ins). In dem Fall sollten Sie ernsthaft darüber nachdenken, sich stattdessen an den $1/$3 NL-Tisch zu setzen.

Geschätzte Winrates

Um Ihnen die Arbeit zu erleichtern, habe ich die meiner Meinung nach durchschnittlichen Winrates für die Limits, die ich jahrelang gespielt habe, bereits abgeschätzt. Bei diesen Schätzungen handelt es sich um die Hourly, von der ich langfristig bei durchschnittlich begabten Winning Playern ausgehe.

  • $1/$2 NL – durchschnittliche Winrate: $15 - $20 in der Stunde
  • $1/$3 NL – durchschnittliche Winrate: $20 - $25 in der Stunde
  • $2/$5 NL – durchschnittliche Winrate: $25 - $40 in der Stunde

Grundsätzlich sollte unsere Bankroll immer zwischen 10 und 20 Buy-ins liegen. Ich würde niemals empfehlen, mit einer Bankroll unter 10 Buy-ins zu starten. Falls Sie sich eher als durchschnittlichen Spieler betrachten, sollten Sie mit 15 - 20 Buy-ins beginnen. Falls Sie ein sehr guter Spieler sind und Ihre Winrate über den angegebenen Werten liegt, können Sie auch mit einer kleineren Bankroll mit lediglich 10 Buy-ins Ihr Glück versuchen.

Weitere Bankroll-Überlegungen

Im Folgenden gebe ich einige weitere Punkte zu bedenken, die das Bankroll-Management betreffen.

  • Überlegung #1: Auf kleineren Limits ist es naturgemäß schwieriger, sich an ein ordentliches Bankroll-Management zu halten.

Stellen Sie sich vor, dass Sie sich für jedes Limit 20 Buy-ins erspielen wollen. Das würde bedeuten, dass Sie $4.000 für $1/$2 NL benötigen, $6.000 für $1/$3 sowie $10.000 für $2/$5 NL.

Jetzt stellen Sie sich vor, dass Sie einen Monat lang lediglich breakeven spielen wollen, während Ihre Lebenshaltungskosten bei $2.000 liegen. Bei $1/$2 NL entspricht das unserer halben Bankroll, auf $1/$3 einem Drittel, und bei $2/$5 nur noch einem Fünftel.

Wie Sie sehen, spielen unsere monatlichen Ausgaben immer weniger eine Rolle, je weiter wir in den Limits aufsteigen.

  • Überlegung #2: Wenn Sie hauptberuflich Low-Stakes Poker spielen wollen, muss Ihr Lebensstil so bescheiden wie möglich ausfallen.

Ich habe über alle Limits hinweg zahllose Poker-Spieler kennengelernt, die auf Grund schlechter Entscheidungen abseits der Tische broke gegangen sind. Gerade auf den kleinsten Stakes ist das ausgesprochen gefährlich.

Sobald Sie $2/$5 NL erreichen, sollten Sie ziemlich komfortabel leben können, sofern Sie das Limit schlagen können und die bereits erwähnte Winrate von $25-$40/Stunde erreichen. Idealerweise suchen Sie sich ein gutes „Mischlimit“, um den Wechsel zu erleichtern. Las Vegas bietet im Wynn etwa $1/$3-Partien mit einem Buy-in von $500 an, das Bellagio entsprechend $2/$5 NL mit einem maximalen Buy-in von $500.

  • Überlegung #3: Riesige Losing-Sessions sind nicht zu entschuldigen und werden Ihre Bankroll sehr schnell zerstören.

Ich befolge die Regel, dass ich niemals mehr in einer Session verliere ich als ich in einer Session gewinnen kann. Falls mein größter Gewinn bei $1.400 liegt, werde ich niemals mehr als diesen Betrag in einer Session abtreten müssen.

  • Überlegung #4: Idealerweise wollen Sie niemals mehr als 10 Prozent ihrer Bankroll in einer Session verlieren.

Wahrscheinlich wollen wir an unglaublich guten Tischen auch mehr als 10 Prozent unserer Bankroll riskieren. Trotzdem sollte das nicht als Ausrede herhalten, um zu viel unserer Bankroll an einem Tisch zu gefährden.

Das Buy-in bei Cashgames

Aus mehreren Gründen rate ich davon ab, sich jemals für weniger als 100 BB einzukaufen.

Zum einen können wir weniger gewinnen. Außerdem setzen wir uns ohne ausreichende Erfahrung einem Risiko aus, sobald wir unseren Chip-Stack aufbauen. Anders ausgedrückt: Wir hemmen unsere Entwicklung als Poker-Spieler. Mit einem Short-Stack zu agieren, erfordert eine vollkommen andere Strategie, die wir erst erlernen müssen, bevor wir profitabel spielen können.

Allerdings können Sie in Betracht ziehen, sich für mehr als 100 BB einzukaufen, wenn die Tische unglaublich gut sind oder ein wirklich schlechter Spieler einen großen Stack angehäuft hat. Auch hier muss stets die Überlegung getroffen werden, ob wir uns das leisten können. Wir sollten eher dazu neigen, uns für mehr einzukaufen, wenn unsere Bankroll 20 Buy-ins oder mehr beträgt. Wenn unsere Bankroll darunter liegt, sollten wir davon absehen.

Wenn wir uns entscheiden, ob wir uns für mehr einkaufen wollen oder nicht, sollten wir nicht außer Acht lassen, wie wir uns zuletzt geschlagen haben. Falls wir gut runnen, können wir das Risiko auf uns nehmen. Falls wir schlecht runnen, sollten wir als Buy-in eher 100 BB wählen. Wir wollen auf keinen Fall unser Selbstvertrauen zu sehr erschüttern, wenn die Dinge aus dem Ruder laufen.

Natürlich sollten Sie beim Buy-in auch beachten, ob Sie regelmäßig deep-stacked spielen und sich dabei wohlfühlen. Falls das nicht der Fall ist, sollten Sie sich zunächst einen Coach suchen und mit diesem an Ihrem Spiel arbeiten, bevor Sie sich für mehr als 100 BB an den Tisch setzen.

Turniere

Ich bin immer sehr vorsichtig an Turniere herangegangen. Fragen Sie einen Turnier-Profi über die Swing-Phasen aus, werden Sie sich die Frage stellen, warum überhaupt jemand Turniere spielt. Trotzdem habe ich großen Spaß am Turnier-Poker und der Reiz, am Ende den Sieg davonzutragen, ist einfach sehr verlockend.

Falls Sie einige günstige Turniere spielen wollen, können Sie einen kleinen Teil Ihrer Bankroll dafür verwenden und das Risiko gering halten. Grundsätzlich würde ich nicht mehr als 1/20 der Bankroll riskieren, um mich direkt in ein Turnier einzukaufen. Das bedeutet, dass Sie bei einer Bankroll von $4.000 kein Turnier spielen, dessen Buy-in über $200 liegt.

Falls Sie ein Turnier spielen wollen, das außerhalb der 1/20-Schwelle liegt, können Sie einen Teil Ihrer Action verkaufen. Falls Ihre Bankroll bei $4.000 liegt und Sie ein Turnier mit einem Buy-in von $400 spielen wollen, müssen Sie die Hälfte Ihrer Action verkaufen, um nicht mehr als 1/20 Ihrer Bankroll aufs Spiel zu setzen.

Dieses Modell lässt sich beliebig auf jedes Turnier anwenden. Nehmen wir an, Sie wollen das World Series of Poker Main Event spielen, das ein Buy-in von $10.000 hat. Gemäß der 1/20-Regel benötigen Sie eine Bankroll von mindestens $200.000, um das Turnier verantwortungsvoll spielen zu können. Falls Sie 75 Prozent Ihrer Action verkaufen, verringert sich der Eigenanteil auf $50.000.

Falls Sie „Shots“ nehmen und sich an großen soften Turnieren versuchen wollen, sollten Sie auch das verantwortungsbewusst machen. Nehmen Sie diesen Guide als einen Wegweiser und kommen Sie nicht zu weit vom Weg ab.

Aufzeichnungen machen

Ich führe immer Aufzeichnungen über meine Sessions. Ich empfehle, die eigenen Aufs und Abs mit PokerJournal von Michael Golden oder RunGood (für iOS] im Auge zu behalten. Diese Apps lassen sich hervorragend für Poker nutzen und haben viele leicht verständliche Filter, die Ihnen aufzeigen, wo Sie besonders viel Geld gewinnen oder verlieren. Es ist wirklich einfach: Sie geben lediglich Ihr Buy-in an und den Ort, an dem Sie spielen und drücken „Start“ – sobald Sie Ihre Session beenden, geben Sie die Summe ein, die vor Ihnen steht, und klicken auf „Done“.

Diese Apps sind nicht günstig, aber für jeden ernsthaften Poker-Spieler das Geld wert. Es ist sehr wichtig, den Überblick über Gewinne und Verluste zu behalten – schon allein aus Steuergründen. Darüber hinaus wollen wir natürlich wissen, ob wir gewinnen oder verlieren und welche Spiele sich als besonders profitabel erweisen. Ich hatte viele Freunde, die mit Poker aufgehört haben, weil sie begonnen haben, Aufzeichnungen zu führen. Dabei haben sie erkennen müssen, dass sie im Grunde Geld verlieren, obwohl sie sich für Winning Player gehalten haben. Zahlen lügen nicht!

Sobald Sie genügend Daten angesammelt haben, können Sie diese unendlich lang analysieren. Falls Sie Leaks in Ihrem Spiel haben, können Sie diese mit Hilfe der Daten erkennen, herausfiltern und daran arbeiten, sie zu stopfen. Außerdem können Ihnen gute Aufzeichnungen aufzeigen, welche Games sich am besten für Sie eignen, und ob Sie die richtigen Entscheidungen treffen, was das Weiterspielen oder Aufhören betrifft.

Falls Sie zum Beispiel zu lange an einem Tisch sitzen, wenn Sie verlieren, fallen Sie der verdrehten Logik einiger erfolgreicher Poker-Spieler zum Opfer. Beim Pokern wollen Sie so lange wie möglich am Tisch sitzen, wenn Sie gewinnen – und Sie wollen weniger lang spielen, wenn Sie verlieren. Wenn Sie diese Regel missachten, werden Sie die kürzesten Sessions spielen, wenn Ihre Hourly so hoch ist wie sie nur sein kann – und Sie werden die längsten Sessions spielen, wenn Ihre Hourly am Boden ist. Genauso werden sich Ihre Poker-Erfahrungen zum Negativen verändern, wenn Sie häufig von hinten aufspielen müssen.

Zusammenfassung

Lesen Sie diesen Guide und schulen Sie Ihre Bankroll-Skills. Folgen Sie den Richtlinien so gut wie möglich, werden Sie feststellen, dass Ihre Bankroll auch über Monate und Jahre Bestand hat.

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Name Surname
Andrew Moreno

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