So gewinnt man Poker Turniere als Cash Game Spieler

  • Nathan WilliamsNathan Williams
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Die World Series of Poker 2017 ist in vollem Gange und damit ist die Zeit des Jahres gekommen, zu der Turnier-Poker im Mittelpunkt steht. Wer einmal einen Blick auf die Preispools geworfen hat, wird dem Drang kaum widerstehen können, es selbst zu versuchen!

Ein großer Vorteil von Poker-Turnieren besteht darin, dass auch viele Freizeitspieler ihr Glück versuchen – wahrscheinlich mehr als bei jedem anderen Format. Das heißt im Umkehrschluss, dass es für Sie wesentlich einfacher sein wird, Spots zu finden, in denen Sie Ihre Chips als klarer Favorit unterbringen können.

Das ist auch der Fall, wenn Sie Online-Poker spielen – das Buy-in der Turniere beträgt hier zum Teil nur ein oder zwei Dollar. In diesen Turnieren werden Sie es mit vielen Spielern zu tun bekommen, die keine oder kaum Spielerfahrung vorweisen können.

Was ist aber, wenn Sie wie ich ein Cashgame-Spieler sind? Ist es die Sache wert, sich an Turnieren zu versuchen?

Nun, die Antwort auf diese Frage ist ein lautstarkes Ja und in diesem Artikel werde ich erklären, warum das der Fall ist. Zusätzlich gebe ich Ihnen ein paar Strategie-Tipps auf den Weg, damit Sie zu Beginn nicht völlig aufgeschmissen sind.

1. Von Cashgames auf Turniere zu wechseln ist leichter als gedacht

Als Cashgame-Spieler haben Sie sich bereits viele Skills angeeignet, die dem Durchschnitts-Turnierspieler völlig fremd sind.

Einer der Gründe dafür ist die Tatsache, dass an Cashgame-Tischen regelmäßig alle Postflop-Streets gespielt werden: Flop, Turn und River. Das liegt daran, dass die meisten Spieler sich mit 100 Big Blind-Stacks an den Tisch setzen.

Wenn Sie in einem Turnier dagegen die mittleren oder späten Phasen erreichen, werden die meisten Spieler nur noch zwischen 10 und 50 Big Blinds haben. Da die Stacks kleiner geworden sind, spielt sich die Action fast immer vor dem Flop ab. Die Stacks sind einfach nicht groß genug, um den Turn und River zu sehen und noch Entscheidungen treffen zu müssen. Irgendein Spieler wird zu diesem Zeitpunkt bereits all-in sein.

Das bedeutet, dass Sie als Cashgame-Spieler bereits einen Vorteil haben, wenn Sie Turniere spielen wollen. Sie haben die Eigenheiten des Preflop- und Flop-Spiels bereits verinnerlicht. Und wenn die Stacks größer ausfallen sollten – das ist vor allem in der frühen Turnierphase der Fall –, werden Sie im Gegensatz zu Ihren Mitspielern wissen, wie Sie auf späteren Streets agieren müssen.

2. Verwenden Sie kleinere Betsizes und üben Sie Druck auf Ihre Gegner aus

Auf Grund der Tatsache, dass die Stacks im Turnierverlauf kleiner werden, haben sich im Laufe der Jahre kleinere Betsizes bewährt. Häufig können Sie mit einer Bet, die 40 Prozent des Pots entspricht, Dasselbe erreichen wie mit einer Bet, die 70 Prozent des Pots entspricht. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Wenn Sie zu Beginn einer Hand nur 30 - 40 Big Blinds vor sich stehen haben, können beide Betsizes ihr Turnierleben ähnlich stark bedrohen.

Das ist ein weiterer Punkt, den Sie sich bei Turnieren immer vor Augen führen sollten. In der Regel können Sie sich nicht wie an Cashgame-Tischen mit einem neuen Stack einkaufen, wenn Sie Ihre Chips verloren haben. Das bedeutet, dass die Gefahr des Ausscheidens immer präsent ist.
Diese Tatsache können Sie sich zunutze machen, indem Sie auf Short und Medium Stacks Druck ausüben und zum Beispiel häufiger ihre Blinds stehlen. Vor allem nahe der Bubble ist das besonders profitabel oder wenn die Preisgeld-Sprünge so groß ausfallen, dass Sie davon ausgehen können, dass Ihre Gegner mit mehr Vorsicht vorgehen werden als normalerweise.

3. Versuchen Sie nicht, irgendetwas zu erzwingen

Wie bei Low Stakes-Cashgames wollen Sie auch bei Turnieren von Riesenbluffs gegen Amateure absehen. Der Grund dafür bleibt gleich – diese Spieler werden einfach zu oft callen.

Das ist vor allem zu Beginn von Turnieren der Fall, wenn die Stacks noch deep sind und die Gefahr des Ausscheidens noch nicht so präsent ist. Bei großen Teilnehmerfeldern ist Geduld daher das A und O – genau wie bei Cashgames auf den Low Stakes.

Das reine Überleben birgt deutlich mehr Value als das Erzwingen von etwas. Je länger Sie das Turnier spielen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie eine Premium-Hand ausgeteilt bekommen und ihren Stack gegen einen Freizeitspieler verdoppeln können.

Verstehen Sie mich aber nicht falsch – das heißt nicht, dass Sie alle Hände folden wollen, bis Sie die Nuts haben, und ständig durch die Blinds gehen, ohne eine Hand zu spielen. Das ist mit Sicherheit keine erfolgreiche Strategie.

Stattdessen sollten Sie die Blinds zum Beispiel wiederholt aus den späten Positionen angreifen – genauso wie in einem Cashgame. Außerdem sollten Sie versuchen, nach dem Flop den ein oder anderen Pot mitzunehmen, indem Sie eine Bet platzieren.

Haben Sie keine Angst davor, dass Ihr Stack in der mittleren oder späten Turnierphase unter 20 oder sogar 10 Big Blinds fällt. Sie sind nur ein Double-Up davon entfernt, wieder mitspielen zu können. Bleiben Sie geduldig und warten Sie auf die richtigen Spots, um anzugreifen.

4. Stellen Sie sich auf einen stundenlangen Grind ein!

Die größte Umstellung für Cashgame-Spieler ist die Tatsache, dass Turniere oft ein langer Grind sind, der bis zu 8 - 10 Stunden in Anspruch nehmen kann. Dieser Grind kann sich sogar über mehrere Tage erstrecken, wenn Sie bei großen Live-Events wie bei der WSOP mitmischen wollen.

Sie können nicht einfach aufstehen, eine Pause einlegen oder etwas anderes machen, wenn Sie keine Lust mehr haben. Das ist für die meisten eine große Herausforderung, da Sie es wahrscheinlich nicht gewohnt sind, derart lange Cashgame-Sessions zu spielen. Zudem sind Sie dazu gezwungen, ihre Konzentration hochzuhalten, selbst wenn Sie keine spielbaren Karten ausgeteilt bekommen – diese Phasen können teilweise stundenlang andauern.

Wenn Sie online pokern, ist die Lösung ziemlich einfach: Spielen Sie mehrere Tische! Sie können sich bei zwei Turnieren gleichzeitig anmelden oder sogar Cashgames parallel spielen, um der Eintönigkeit zu begegnen und sicherzustellen, dass Sie immer irgendwo eine spielbare Hand vor sich haben.

Wenn Sie live spielen, ist das ein bisschen anders, weil Sie nicht wirklich mehrere Tische spielen können. Bei den meisten Turnieren ist es allerdings erlaubt, Musik zu hören oder sich die Langeweile am Smartphone zu vertreiben, wenn Sie gerade keine Hand spielen. Und wenn alle Stricke reißen, können Sie immer noch ein Gespräch mit Ihren Tischnachbarn anfangen und eine kleine Unterhaltung führen – ich weiß, das klingt verrückt, aber so vergeht die Zeit wie im Fluge.

Das Wichtigste ist aber auf jeden Fall, dass Sie immer konzentriert bleiben, selbst wenn Sie nicht in eine Hand involviert sind. Normalerweise sitzen nur acht andere Spieler an Ihrem Tisch. Es ist wichtig, dass Sie wissen, wer wie tight, loose, passiv oder aggressiv spielt. Zudem sollten Sie herausfinden, wer spielt, um bloß nicht zu verlieren, und welche Spieler bereitwillig mehr Risiken in Kauf nehmen.

Diese Informationen können extrem wertvoll sein, wenn Sie im Turnierverlauf gegen einen dieser Spieler einen großen Pot spielen.

Fazit

Als Cashgame-Spieler brauchen Sie vor nichts Angst zu haben, wenn Sie zu Turnieren wechseln. Tatsächlich haben Sie bereits viele Skills entwickelt, die Sie brauchen werden, um Turnier-Poker erfolgreich zu schlagen.

Auch wenn es nicht leicht ist, ein Turnier zu gewinnen, sind die Teilnehmerfelder in der Regel deutlich softer als an Cashgame-Tischen. Sie werden häufiger auf Freizeitspieler und blutige Anfänger stoßen.

Zu guter Letzt ist es wichtig, dass Sie einige Anpassungen vornehmen und zum Beispiel kleinere Betsizes verwenden und gerade in der mittleren oder späten Turnierphase Druck auf die Short Stacks ausüben.

Als Cashgame-Spieler habe ich persönlich Gefallen daran gefunden, hin und wieder Turniere zu spielen. Auch wenn der Grind manchmal ermüdend sein kann, versuchen Sie es doch einmal selbst, fangen Sie die Atmosphäre ein und haben Sie Spaß. Und am wichtigsten: Bleiben Sie geduldig!

Beim Pokern gibt es kein aufregenderes Gefühl, als die späte Phase eines Turniers zu erreichen und den großen Gewinnen nachzujagen. Spielen Sie gleich los und lassen Sie es geschehen!

Nathan “BlackRain79” Williams ist der Autor der beliebten Micro Stakes Strategiebücher Crushing the Microstakes und Modern Small Stakes. Er bloggt außerdem regelmäßig über das Thema Micros auf www.blackrain79.com.

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