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Poker Hand Analyse: Es ist nicht immer genug die Nuts zu floppen

Poker Hand Analyse: Es ist nicht immer genug die Nuts zu floppen 0001

Wenn wir Online-Poker spielen, kann es manchmal passieren, dass auf dem Flop genau die drei Karten erscheinen, auf die wir gehofft haben. Was für ein Glück!

Wenn das passiert, kommt es allerdings nicht selten vor, dass wir von der Stärke unserer Hand geblendet werden und aufhören, kritisch nachzudenken.

Auf einem nicht perfekten Flop, auf dem wir eine mittelstarke Hand halten, ist es manchmal einfacher, scharf nachzudenken und die Spielsituation korrekt zu beurteilen. Mit den Nuts hören manche Spieler allerdings auf, die Hand so zu durchdenken, wie es sinnvoll wäre.

Die folgende Hand, die online an den 6-handed Zoom-Tischen auf 100NL ($0,50/$1) gespielt wurde, zeigt einen Spieler, der in der Lage war, nachzudenken, auch nachdem auf dem Flop die bestmöglichen drei Karten aufgedeckt worden waren.

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Under the Gun openraist ein schwacher Hobby-Spieler, ein erfahrener Regular defendet seinen Big Blind und der Flop wird aufgedeckt: {A-Hearts}{K-Clubs}{10-Hearts}. Der Flop macht die Hand sofort interessant.

Zum einen hat der Big Blind viermal so viele Nuts-Kombinationen wie der UTG-Spieler. Manche Spieler könnten auf die Idee kommen, {Q-}{J-} offsuit preflop zu raisen, aber das gilt nicht für alle Spieler und nicht für den UTG-Spieler in dieser Hand.

Auf der anderen Seite kann der Big Blind weder {A-}{A-} noch {K-}{K-} oder {A-}{K-} haben.

Der Big Blind kann den Flop mit Händen wie {J-}{10-}, {K-}{J-}, {A-}{5-} suited und anderen Flushdraw-Kombinationen mit Undercards zum Board oft auch zum Teil getroffen haben.

Hände, die den Flop zum Teil getroffen haben, werden im Laufe der Hand Schwierigkeiten haben. Wenn der Big Blind zwei Bets begegnen muss, ohne seine Hand zu verbessern, wird er Probleme haben, bis zum River zu kommen, den die meisten sehen wollen. {J-}{10-} könnte schließlich eine Dame oder eine Zehn treffen, und Flushdraws wollen ihrem Draw hinterherjagen, vor allem, wenn sie auf dem Turn ein Paar oder einen Gutshot aufgabeln – zum Beispiel {9-Hearts}{8-} auf einem Sechs offsuit-Turn.

Wie soll Neun hoch mit einem Gutshot und Flushdraw am Turn reagieren, ohne Position und gegen zwei Bets einer starken Range?

Ranges schützen

In manchen Spielsituationen wollen wir eine Value-Raising-Range schützen, indem wir Bluffs in unsere Range packen. Das ist notwendig, weil unsere Gegner viele Hände folden könnten, wenn wir nur for Value raisen würden – gleichzeitig gewinnen wir mehr Geld, da unsere Bluffs von Folds profitieren.

In einer Situation wie dieser hier muss der Big Blind vorausdenken. Mit {9-Hearts}{8-Hearts} kann er den Flop nicht so einfach check-raisen, da die Nuts, Sets, Top Two, bessere Flushdraws und die Flushdraw-Nuts nie aufgeben werden. Kurz gesagt: Mit einem Check-Raise stoßen wir auf einen Haufen Probleme.

Andererseits will der Big Blind aber nicht zum Turn kommen und ohne Showdown-Value gezwungen sein, zu check-folden oder check-callen. Er kann am River nicht einfach bluffen. Nach einem Sechs Offsuit-Turn bieten sich für {9-Hearts}{8-Hearts} nur Offsuit-Buben und -Damen auf dem River als in Frage kommende Karten zum Leaden an. Und diese Karten können der UTG-Range in manchen Fällen sogar weiterhelfen.

Den Flop zu check-raisen, ist also keine schlechte Idee, aber es gibt Probleme. Wie sieht es aber mit einem Check-Raise auf dem Turn aus? Auf dem Turn zu check-raisen, bereitet dem UTG-Spieler selbst mit Top Two Pair gewaltige Schwierigkeiten. Falls er All-In geht, wird er entweder einen Fold kassieren oder den Snap-Call von den Nuts zu sehen bekommen.

Value der Nuts

Die Nuts in unserer Range zu haben, macht alle anderen Hände profitabler. Wir können nicht so einfach geblufft werden, wir bekommen kostenlos Karten und den Showdown zu sehen und wir können mehr Bluffs und Semi-Bluffs spielen, weil der Gegner stets die Nuts fürchten muss.

Der Big Blind muss sich die Tatsache zunutze machen, dass er auf dem Flop alle 16 Broadway-Kombinationen hat. Ich denke, dass er damit all seine Ranges schützen kann – seine Check-Calling-Range am Flop, seine Checking- und Check-Raising-Range am Turn und seine Checking-Range am River.

Manchmal wird auf dem Board ein Bube oder eine Dame auftauchen – das ist kein Problem, da der Big Blind Hände wie {J-}{10-}, {K-}{Q-} und {A-}{J-} in seiner Range hat. Der Big Blind muss sich gegen diese vermeintlich schlechten Runouts nicht schützen, auch Flush-Runouts helfen seiner Range oft genug weiter.

Auf Runouts mit Blanks und solchen, die das Board pairen, ist der Big Blind verwundbar. Dieser Effekt verstärkt sich, wenn er Pocket-Zehner auf dem Turn check-raist und alle Straights fastplayt.

In unserer Beispiel-Hand hat der Big Blind am {A-Hearts}{K-Clubs}{10-Hearts}-Flop Check-Call gespielt und den {5-Spades} Turn gecheck-raist. UTG machte den Call und sieht sich am {8-Diamonds} River einer Zwei-Drittel-Pot-Bet gegenüber.

Der Spieler Under the Gun geht daraufhin mit {10-Spades}{10-Clubs} All-In (wenn ein Call oder Fold angebracht gewesen wäre) und bekommt vom Big Blind den Snap-Call mit {Q-Hearts}{J-Clubs} zu sehen.

Dem ein oder anderen mag es unlogisch erscheinen, Dame-Bube hier so langsam zu spielen, aber wenn der Big Blind alle 16 Straight-Kombinationen in seiner Range hat, ist es manchmal notwendig, nicht alle Kombinationen gleich zu spielen.

Viele Kombos lassen sich logisch aufteilen: Die {Q-Hearts}{J-}-Kombinationen sollten am Flop immer check-callen (wie hier geschehen). Dasselbe gilt für {Q-Clubs}{J-Clubs} (die Kombo mit dem Backdoor-Flush).

Der Big Blind floppt die Nuts oft genug, dass er seine Kombinationen auf verschiedene Ranges verteilen kann, seine Ranges damit schützt und den Gewinn maximiert. Vorausgesetzt, dass er nach dem Floppen der Nuts nicht aufhört, nachzudenken, versteht sich.

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