Poker Fehler korrigieren: Irrationale Entscheidungen

Correcting Common Poker Mistakes: Irrational Decision-Making

Diesen Monat habe ich in einem Artikel die 10 häufigsten Fehler von Spielern, die Geld verlieren, aufgelistet. Letzte Woche habe ich mich in einem Artikel damit befasst, wie wir dem ersten Fehler begegnen können – dem zu großen Ego.

In dieser Kolumne will ich die nächsten vier Probleme angehen. Wir räumen auf mit dem Bauchgefühl und der Ahnung, dass der Gegner „wahrscheinlich am Bluffen“ ist. Wir begegnen der zu passiven Spielweise, erweitern unsere Range um geeignete Bluffs und hören auf, frustrierte Verzweiflungs-Calls auszupacken. Dass ich die Fehler alle in einem Artikel behandeln will, hängt damit zusammen, dass sie Teil eines großen Problems sind – dem Treffen emotionaler oder irrationaler Entscheidungen.

Viele Spieler treffen ihre Entscheidungen je nachdem, was ihnen der Bauch sagt oder das Wunschdenken vorschreibt. Logik oder Gründe für das Handeln? Fehlanzeige! Dieses Leak kann diverse Formen annehmen.

Manche Spieler lechzen nach Action und betten häufiger oder raisen, um diesem Drang Folge zu leisten. Andere haben Angst davor, Risiken einzugehen – sie scheuen sich davor, ohne die Nuts Bets abzufeuern und folden sofort, wenn andere aggressiv agieren. Wieder andere lassen sich von ihren Launen treiben, sind mal aggressiv am Betten, dann wieder passiv oder sie hero-folden aus heiterem Himmel – sie sind Gefangene ihrer Launenhaftigkeit.

Auf Grund der Varianz des Pokerspiels können unlogische und impulsive Spielzüge kurzfristig Erfolg haben. Die irrational getroffene Entscheidung wird belohnt, das Gehirn speichert den Unsinn ab und bestärkt den Spieler im Irrglauben, das Richtige getan zu haben. Wenn diese Spieler später für ihre fehlerhaften Entscheidungen bestraft werden, machen sie eine Pechsträhne für das Unglück verantwortlich. Sie sind nicht in der Lage, zu erkennen, dass ihre Entscheidung zu dem Resultat geführt hat.

Da sie ihr Bauchgefühl mit dem Gewinn eines Pots verbinden, eignen sich diese Spiele eine falsche Spielweise an. Da ist es wenig überraschend, dass ein verlorener Pot nicht gleich dazu führt, dass sie ihre Spielweise überdenken – es müssen schon große Verluste zusammenkommen, über einen langfristigen Zeitraum, um diese Spieler aus ihrer Illusion zu befreien. Verständlicherweise ist es schwierig, dieses unlogische und gedankenlose Verhalten am Tisch bei sich selbst festzustellen.

Wie können Sie feststellen, ob Sie unter diesem Problem leiden? Lassen Sie sich zunächst gesagt sein, dass eine faire Selbsteinschätzung schwierig ist. Es ist deutlich einfacher, bei anderen Spielern schlechte Entscheidungen festzustellen. Wir bemerken, wenn andere am Tilten sind oder sich von ihren Gefühlen leiten lassen – auch dann, wenn wir solche Dinge in unserer Spielweise beim besten Willen nicht ausmachen können.

Für uns selbst ist es häufig einfacher, die schwache Entscheidungsfindung zu entschuldigen und die unerwünschten Resultate Bad Beats zuzuschreiben – so tragen wir keine Schuld daran. Ähnlich täuschen wir manchmal über unsere Fehler hinweg, indem wir lügen, wie sich eine problematische Hand abgespielt hat. So können wir verhindern, dass unsere Entscheidungen hinterfragt werden – in unserer Nacherzählung haben wir nur richtige Entscheidungen getroffen und Pech war schuld an der Misere. In solchen Fällen suchen wir bei unseren Poker-Kollegen nach Verständnis, wir wollen keine akkurate Analyse.

Falls dies das Problem ist – wenn wir eine Hand gefühlsgeladen statt logisch spielen und andere vielleicht sogar anlügen, wenn wir davon erzählen –, wie sieht die Heilung aus?

Es gibt einige Punkte, an denen wir ansetzen können.

Zuallererst brauchen wir vollständige, ehrliche Aufzeichnungen darüber, wie lange unsere Sessions gedauert haben und wie die Resultate aussehen. Dem eigenen Erinnerungsvermögen können wir nicht über den Weg trauen, da wir dazu neigen, unsere Resultate durch eine rosarote Brille zu betrachten und die Geschehnisse zu verklären. Wir müssen einen Blick darauf werfen können, was sich de facto abgespielt hat – wir brauchen langfristig angelegte Aufzeichnungen, sodass wir die Wahrheit nicht leugnen können. Nämlich, dass wir beim Pokern Geld verlieren.

Mit den gesammelten Daten müssen wir brutal ehrlich umgehen. Über einen signifikanten Zeitraum Geld zu verlieren, hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nichts mit einer ominösen Pechsträhne zu tun. Wir spielen einfach schlecht – oder zumindest nicht gut genug, um den Rake zu schlagen.

Ein Teil des Problems könnte mit einer schlechten Spiele-Auswahl zusammenhängen (was auf ein weiteres grundsätzliches Problem hinweisen könnte – nämlich, wie wir das Spiel grundsätzlich angehen). Zum größten Teil ist aber sicherlich unsere Entscheidungsfindung für den Verlust verantwortlich zu machen. Wir wissen, dass wir unsere Hände falsch gespielt haben, also müssen wir als nächstes herausfinden, wo wir falsch abgebogen sind – wann haben wir im Spielbaum die falsche Entscheidung getroffen?

Es gibt drei Möglichkeiten, wie wir unsere Spielweise auf den Prüfstand stellen können, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo unsere Fehler liegen:

  • Holen Sie sich einen Poker-Coach.
  • Beteiligen Sie sich an Handdiskussionen.
  • Analysieren Sie Ihr Spiel selbst.

Ein Poker-Coach kann uns Tools empfehlen, die uns fehlerhafte Entscheidungen aufweisen und zeigen, welche Betsize zum Beispiel angebracht gewesen wäre. Der Coach kann schwierige Spots auch selbst analysieren und uns dazu ermuntern, strategisch darüber nachzudenken, wie sich eine schwierige Situation in Zukunft besser lösen lässt.

Auch wenn ein Coach Geld kostet – manchmal sogar viel Geld –, kann sich die Investition bezahlt machen. Mit einem geeigneten Coach lernen wir deutlich schneller und erzielen in kurzer Zeit spürbare Verbesserungen. Da wir wissen, dass der Coach unsere Entscheidungen am Tisch hinterfragen wird, sehen wir uns gezwungen, besonders aufmerksam zu spielen. Wir fangen an, uns selbst zu hinterfragen und bei jeder noch so trivialen Entscheidung darüber nachzudenken, warum wir vorgehen, wie wir vorgehen.

Wer sich keinen Coach leisten kann, sollte seine Hände mit anderen Pokerspielern diskutieren. Entweder haben Sie bereits eine Gruppe Gleichgesinnter gefunden oder Sie bringen sich online in Poker-Diskussionsforen wie Two Plus Two oder PocketFives ein. Wenn wir uns vornehmen, die gespielte Hand und unseren Gedankengang so ehrlich wie möglich zu schildern, gewinnen wir einen recht objektiven Eindruck der Situation. Zudem können wir uns mit den problematischen Händen anderer Spieler befassen – so sind wir vorbereitet, wenn es an den Tischen zu einer ähnlichen Situation kommt.

Wir profitieren in erster Linie nicht durch das Urteil der anderen Spieler (anders sieht es aus, wenn ein erfolgreicher Spieler die Hand kommentiert), sondern weil wir dazu gezwungen werden, unsere Entscheidungen rational zu beurteilen. Wir eignen uns das Rüstzeug an, um ähnlichen Situationen am Tisch in Zukunft gelassener entgegenzutreten. Diese Handdiskussionen schulen unser Poker-Verständnis und sorgen dafür, dass wir beim Pokern seltener aus der Rolle fallen.

Wenn wir uns keinen Coach leisten können und aus welchem Grund auch immer kein Poker-Forum aufsuchen wollen, um über Poker zu diskutieren, können wir unsere irrationalen Entscheidungen immer noch selbst einer Analyse unterziehen. Nach einer Session suchen wir uns die schwierigen Hand-Situationen heraus und versuchen, Schritt für Schritt zu verstehen, warum wir so gehandelt haben, wie es der Fall war.

Das ist keine ideale Lösung, da wir nicht den Vorteil haben, dass jemand auf klare Schwächen in unserem Poker-Verständnis hinweisen kann. Trotzdem: Die Tatsache, dass wir uns die Hände anschauen und über sie nachdenken, wird dabei helfen, unlogische und emotional getriebene Aktionen am Tisch zu verhindern. Selbst wenn unsere Analyse also Fehler aufweist, ist es immer noch besser, rational über unsere Entscheidungen nachzudenken, statt sie gedankenlos und emotional zu treffen. Das ist ein wichtiger Schritt, um sich als Pokerspieler voranzubringen.

Natürlich gibt es keine Garantie, dass Sie ein Winning Player werden, nur weil Sie angefangen haben, über Ihre Poker-Entscheidungen rational nachzudenken. Allerdings werden Sie immer seltener Entscheidungen auf der Grundlage von Gefühlen treffen – Sie werden logisch vorgehen und Gründe für Ihr Handeln haben.

Ashley Adams spielt seit 50 Jahren Poker und schreibt seit 2000 darüber. Er ist der Autor hunderter Artikel und zweier Bücher: Winning 7-Card Stud (Kensington-Verlag, 2003) und Winning No-Limit Hold’em (Lighthouse-Verlag, 2012). Darüber hinaus moderiert er die Poker-Radiosendung House of Cards. Erfahren Sie auf www.houseofcardsradio.com mehr über die Ausstrahlungstermine, die Sender und Podcasts.

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