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Poker Fehler korrigieren: Das Problem mit dem Ego

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In meiner letzten Kolumne habe ich die 10 häufigsten Fehler, die Anfängern und schwachen Spielern unterlaufen, aufgelistet. Ganz oben auf der Liste stand das zu große Ego, von dem sich Einsteiger, aber gelegentlich auch erfahrene Veteranen treiben lassen.

In diesem Artikel will ich mir anschauen, wie Sie diese Schwachstelle überwinden können. Zuerst will ich jedoch eine kurze Geschichte erzählen, die das Problem verdeutlicht.

Vor einiger Zeit habe ich eine $10/$20 Stud-Partie gespielt – in einer denkwürdigen Hand musste ich gegen den „Table-Bully“ antreten.

Dieser Spieler war pausenlos damit beschäftigt, die Spielweise seiner Gegner zu kritisieren; er beschwerte sich beim Dealer, dass er keine besseren Karten ausgeteilt bekam; er schrie andere an, sobald sie einen Draw getroffen hatten, um die Hand zu gewinnen. Mit anderen Worten, schreiben wir es frei heraus: Er war ein Idiot! Zudem spielte er äußerst aggressiv und loose, war ständig am Raisen und selten zu Folds bereit.

Bei unserem Aufeinandertreffen waren wir nach der ersten Setzrunde Heads-Up – seine Door-Karte war ein Ass, ich zeigte eine Vier offen, hatte allerdings ein Paar Könige als Hole Cards. Im Laufe der Hand traf ich ein verstecktes Set Könige, mein Gegner repräsentierte überzeugend Aces up.

In der letzten Setzrunde spielte er erneut an und ich entschied mich für ein Raise, da ich davon ausging, dass er sein Two Pair wahrscheinlich nicht weglegen kann. Überraschend kassierte ich ein Reraise und mit leichtem Zögern machte ich den Call. Beim Showdown hatte ich tatsächlich die bessere Hand mit drei Königen gegen Aces up und konnte einen relativ großen Pot einheimsen.

Während ich die Chips einsammeln wollte, grinste er plötzlich und krähte: „Du hast vielleicht die Hand gewonnen – aber mich wirst du nie besiegen!“ Für ihn war es wichtiger, sein Gesicht zu wahren und selbstbewusst aufzutreten – ob er gewinnt oder verliert, war absolut zweitrangig.

Hin und wieder werden Sie auch das Glück haben, auf solche Gegner zu treffen, von deren Schwächen Sie ähnlich profitieren können. Jedoch müssen Sie ständig aufpassen, dem eigenen Ego nicht anheimzufallen.

In diesem Beispiel können wir leicht erkennen, welche negativen Folgen das Verhalten des Table-Bullys hat – er wird zusätzliche Bets verlieren, um seinem Ego gerecht zu werden, das sich auf keinen Fall besiegen lassen will. Was können Sie aber tun, falls Sie sich in diesem Spielertyp wiedererkennen und Schwierigkeiten haben, Ihr Ego zu kontrollieren? Bevor Sie vorschnell zum Psychiater laufen, lesen Sie weiter.

Ich habe einige konkrete Tipps gesammelt, die Ihr zerstörerisches Ego davon abhalten, Ihr Urteilsvermögen einzuschränken. Fünf sind es geworden:

1. Nehmen Sie sich vor der Session vor, so gut wie möglich zu spielen

Bevor Sie eine Session starten, nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit und sagen Sie sich, dass Sie heute durchweg Ihr bestes Spiel zeigen werden – völlig egal, wie Sie dabei aussehen und was andere Spieler von Ihnen halten könnten. Diese einfache Bestätigung Ihrer Absichten kann bereits helfen, auch dann solide weiterzuspielen, wenn die Emotionen mal wieder kurz vorm Überkochen sind. Hilfreich ist es auch, einen Gegenstand als Erinnerung an das aufgesagte Mantra mit an den Tisch zu nehmen – etwa einen Card-Protector.

2. Schulen Sie Ihre Fähigkeiten

Je mehr Sie an Ihrer Spielweise arbeiten, desto mehr können Sie auf Ihre Poker-Fähigkeiten vertrauen. Infolgedessen werden Sie immer seltener zu unsinnigen Lines greifen, um Ihr Ego zu befriedigen. Der Grund dafür: Wenn Sie sich in einer Situation befinden, in der Sie nicht wissen, was spieltheoretisch korrekt ist, laufen Sie eher Gefahr, Ihr Ego entscheiden zu lassen. Mit einem umfassenden Poker-Verständnis können Sie auch dann rational agieren, wenn Sie in schwierigen Spots auf die Probe gestellt werden.

3. Wägen Sie die Wichtigkeit Ihres Images gegen die Bedeutung der Hourly ab

Was ist Ihnen wichtiger am Tisch – was andere von Ihnen halten oder wie erfolgreich Sie sind? Wenn Sie sich für eine Sache entscheiden können, auf die andere aber verzichten müssen – was würden Sie wählen? Wollen Sie gewinnen oder ist es Ihnen wichtiger, dass Ihre Gegner Ihnen ein Wahnsinns-Image attestieren?

4. Denken Sie darüber nach, was Ihren Gegnern wichtig ist

Falls Ihnen die Meinung von anderen Spielern elementar wichtig ist und Sie das nicht abstellen können, denken Sie darüber nach, was Ihren Gegnern wirklich wichtig ist. Ihre Gegner wollen nur eines: Gewinnen. Am Ende ist für sie nur wichtig, ob sie gewinnen oder verlieren. Wollen Sie die Leute am Tisch, gegen die Sie spielen werden, beeindrucken? Dann sehen Sie von Ego-Streifzügen ab! Tun Sie, was Sie tun müssen, um Ihren Gegnern ein Buy-in nach dem anderen abzuknöpfen! Damit werden Sie Ihre Gegner ohne Zweifel beeindrucken.

5. Führen Sie Aufzeichnungen

Was Ihnen dabei helfen kann, das Beste aus sich herauszuholen und das Verlangen, in den Augen anderer gut dazustehen, im Keim zu ersticken, ist das Führen von Aufzeichnungen. Schreiben Sie sich alle Gewinne und Verluste auf, machen Sie das für jede Session. Nach und nach werden Sie davon absehen, den ach so unbesiegbaren Poker-Superhelden zu mimen, und lieber auf strategisch gut überlegte Entscheidungen vertrauen. Infolgedessen wird Ihre Hourly steigen (oder zumindest werden sich Ihre Verluste in Grenzen halten). Die Aufzeichnungen dienen als ständige Erinnerung, wie wichtig es ist, korrekt zu spielen.

Ich behaupte nicht, dass gute Spieler kein großes Ego haben. Eher ist das Gegenteil der Fall. Schließlich brauchen Sie eine Menge Selbstbewusstsein, um auf das Gelernte zu vertrauen, selbst wenn Sie in bestimmten Situationen Hohn und Spott ernten, wenn Sie das Richtige tun.

Entsprechend ist ein Geheimnis zum Poker-Erfolg die Erkenntnis, dass Sie Ihrem Eigeninteresse und damit Ihrem Ego am besten gerecht werden, indem Sie sich eine Spielweise aneignen, die erfolgversprechend ist und nicht bloß gut aussieht.

Ashley Adams spielt seit 50 Jahren Poker und schreibt seit 2000 darüber. Er ist der Autor hunderter Artikel und zweier Bücher: Winning 7-Card Stud (Kensington-Verlag, 2003) und Winning No-Limit Hold’em (Lighthouse-Verlag, 2012). Darüber hinaus moderiert er die Poker-Radiosendung House of Cards. Erfahren Sie auf www.houseofcardsradio.com mehr über die Ausstrahlungstermine, die Sender und Podcasts.

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