Multi-Way vs. Heads-Up Pots: 5 strategische Unterschiede

Multi-Way vs. Heads-Up Pots: Five Key Strategic Differences

Da die Spieler in den meisten No-Limit Hold’em Turnieren und Cash Games den typischen preflop Strategien folgen und ihre Starthände stark selektieren, werden die meisten Hände nach dem Flop Heads-up gespielt. Ein Spieler erhöht, ein anderer bezahlt und oftmals sind nur zwei Spieler mit dabei, um die ersten drei Gemeinschaftskarten zu sehen.

Dies resultiert darin, dass die meisten No-Limit Hold’em Strategien für das postflop Spiel auf Heads-up Situationen fokussiert sind, da diese häufiger vorkommen als Multi-Way Pots mit drei oder mehr Spielern, die nach dem Flop immer noch involviert sind. Dennoch gibt es einige Umstände, in denen Multi-Way Pots häufiger vorkommen, so etwa in Low-Stakes Cash Games, tägliche Turniere mit geringen Buy-ins oder selbst in Games mit höheren Buy-ins, wenn die Tischdynamik so ist, dass viele Spieler vor dem Flop passiv spielen.

Da Multi-Way Pots hin und wieder vorkommen, sollte man immer die wichtigsten strategischen Unterschiede im Hinterkopf behalten, wenn man es mit mehreren Gegnern zu tun hat und nicht nur mit einem. Hier sind fünf davon – einer für das preflop Spiel und die anderen drehen sich um das Spiel nach dem Flop. Das grundlegende Thema aller fünf ist, wie bestimmtes „kreatives“ oder weniger direktes Spiel gegen einen einzelnen Gegner funktionieren kann, während es gegen zwei oder mehrere Gegner ganz anders aussieht.

1. Starthand Auswahl in Multi-Way Pots

Wie bereits erwähnt, führt das preflop Spiel häufig zu Heads-up Situationen nach dem Flop. Jedoch entwickeln sich die Dinge manchmal vor dem Flop in eine Richtung, die die Vermutung nahelegt, dass man den Flop mit einer Gruppe von Spielern sehen wird, beispielsweise wenn einige vor ihnen gelimpt haben oder wenn sie aus dem Big Blind spielen und sich entscheiden, ein Raise zu bezahlen, nachdem es schon mehrere Caller gab.

In Multi-Way Pots können non-premium „Big Card“ Hände wie {a-Spades}{10-Hearts} oder {k-Clubs}{j-Diamonds} zu einigen Problemen nach dem Flop führen. Es ist zwar schön mit solchen Händen die Nuts-Straight zu floppen jedoch ist dies weit weniger wahrscheinlich als ein Paar zu floppen, was zu einer schwierigen Situation gegen mehrere Gegner führen kann. Wenn sie {a-Spades}{10-Hearts} halten und der Flop bringt {a-Diamonds}{8-Spades}{5-Diamonds} mit drei weiteren Spielern in der Hand, könnte sie dies in einen unangenehmen Spot bringen, besonders wenn die anderen durch Einsätze und Erhöhungen Interesse zeigen.

Im Gegensatz dazu spielen sich Hände wie Suited Connectors, Suited Aces und kleine Pocket Pairs besser gegen mehrere Gegner. Wenn sie mit einem kleinen Pocket Pair ein Set floppen, ist dies immer eine vielversprechende Situation und wenn sie einen starken Draw treffen und diesen mit günstigen Pot-odds weiterspielen, kann dies ebenfalls profitabel sein. Wenn sie beispielsweise in einem Four-Way-Pot spielen, wollen sie lieber {7-Diamonds}{6-Diamonds} halten als {a-Spades}{10-Hearts} wenn der Flop {a-Diamonds}{8-Spades}{5-Diamonds} bringt.

2. Spielen sie Bluff und Semi-Bluff Multi-Way seltener

Kommen wir nun zum Spiel nach dem Flop. Behalten sie immer im Hinterkopf, dass es gegen mehr als einen Gegner offensichtlich wichtiger ist, eine gute Hand zu halten. Eine Konsequenz davon ist, dass es schwieriger wird eine Hand zu gewinnen, ohne ein solches Blatt zu halten und daher sollten sie generell weniger bluffen.

In Situationen, in denen sie der Preflop Aggressor waren und mehrere Caller bekommen, könnte es sogar notwendig sein, dass sie auf eine einfache Continuation Bet verzichten müssen, wenn sie den Flop verpasst haben. Nehmen wir an sie raisen aus später Position mit {a-Spades}{q-Spades} und bekommen drei Caller und es wird auf dem Flop von {j-Diamonds}{9-Diamonds}{4-Clubs} zu ihnen gecheckt. Gegen einen einzelnen Gegner ist die C-Bet wahrscheinlich angebracht aber gegen drei Gegner würden sie eventuell Geld wegwerfen mit einem Move, der in dem Fall gegen eine Gruppe Gegner ein Bluff ist.

Nehmen wir eine andere Situation. Angenommen sie floppen den Nut-Flush Draw wenn sie aus den Blinds mit einem suited Ace spielen. Heads-up würden sie möglicherweise anspielen oder check-raisen als Semi-Bluff aber gegen mehrere Gegner sollten sie womöglich eher geradlinig spielen und stattdessen check-callen.

3. Vermeiden sie Slow Play gegen mehrere Gegner

Slow Play stellt einen weiteren nicht-geradlinigen Spielzug dar, der Heads-up durchaus funktioniert aber gegen mehrere Gegner zu einem Desaster führen kann.

Nehmen wir an sie haben {7-Spades}{7-Diamonds} und der Flop bringt {a-Diamonds}{j-Clubs}{7-Clubs}. Ein Slow Play gegen einen einzigen Gegner (checken und/oder callen mit dem Set) könnte gefährlich sein, aber dennoch profitabel. Aber gegen mehrere Gegner öffnen sie damit die Tür zu großen Problemen, wenn sie auf diesem Flop nicht setzen oder raisen und damit vielen Draws (oder backdoor Draws) eine günstige Turn Karte geben.

Im Heads-up können sie die Range des Gegners in diesen Situationen oftmals gut eingrenzen, aufgrund des preflop Spiels und vorheriger Reads und könnten so entscheiden, ob ein Check und/oder Call mit ihrem Bottom Set eventuell der beste Weg sein könnte, die meiste Value zu bekommen. Aber gegen mehrere Gegner wird Slow Play – genau wie andere „phantasievolle“ oder nicht-geradlinige Spielzüge - selten belohnt.

4. Multi-Way sollten sie nicht check-raisen, Blocking Bets spielen oder floaten

Wo wir schon bei „phantasievollen“ Moves sind. Spielzüge wie check-raisen, kleine Blocking Bets spielen oder floaten (d.h. bezahlen mit der Intention später zu bluffen) sind ebenfalls Moves, die sie in Multi-Way Situationen lieber auslassen sollten.

Ein Check-Raise kann manchmal funktionieren, vor allem, wenn man ein Feld von eindeutig schwachen Gegnern nach dem Flop ausdünnen will. Nehmen wir an sie sitzen in den Blinds, ein Preflop Raiser aus früher Position spielt eine Continuation Bet, die sie aus mehreren Gründen für weniger überzeugend halten und einige Spieler bezahlen, die ebenfalls auf Draws oder relativ schwache Hole Cards zu setzen scheinen. Ein Check-Raise sieht hier sehr stark aus (egal ob für Value oder als Bluff) und manchmal kann die Situation, wenn man mehrere Gegner hat, die alle Angst vor einander in einem solchen Spot haben dazu führen, dass alle folden.

Jedoch ist dies ein relativ seltenes Szenario. Besonders mit einer relativ starken Hand sollten sie jetzt lieber setzen und nicht checken in der Hoffnung, anschließend ein Check-Raise zu spielen.

5. Achten sie auf bessere Pot-Odds in Multi-Way Pots

Als wir am Anfang über die Starting Hand Selektion gesprochen haben wurde angemerkt, dass sich die Pot-Odds in Multi-Way Pots verbessern, wodurch Suited Connectors und kleine Pocket Pairs attraktiver zu spielen sind. Wenn mehrere Spieler involviert sind, sind die Pots zwingendermaßen auch größer, was oftmals zu einladenden Pot-Odds führt, wenn man einen Draw floppt.

Ebenfalls ist die Chance erhöht, dass sie ebenfalls bessere Implied Pot-Odds haben. Wenn mehrere Spieler involviert sind und sie eine starke Hand halten (beispielsweise ein Set, eine Straight, einen Flush oder besser) steigen die Chancen, dass jemand anderes eine starke aber nur zweitbeste Hand bekommt und bereit ist, zu bezahlen.

Schlussfolgerung

Der Unterschied zwischen Heads-up und Multi-Way Pots lässt sich mit dem Sprechen zu einer einzelnen Person im Vergleich zu einem Vortrag vor einer Gruppe von Menschen vergleichen.

Mit einer einzelnen Person können sie eher subtil, scherzhaft sprechen und weniger direkt sein. Sie bekommen ebenfalls einen guten Eindruck davon, wie diese Person das Gesagte versteht und interpretiert was dabei hilft herauszufinden, wie sie am besten im Verlauf der Konversation kommunizieren sollten. Mit einer Gruppe jedoch sollten sie klar und geradlinig sein und die Dinge eher auf einem allgemeinen Level halten sodass eine größere Zuhörerschaft sie auch versteht. Bei einer größeren Gruppe ist es ebenfalls schwerer vorherzusehen, welche unterschiedlichen Reaktionen hervorgerufen werden könnten.

Ähnlich verhält es sich auch mit Multi-Way Pots, in denen es generell besser ist, kreatives Spiel nach dem Flop zu vermeiden oder zumindest immer im Hinterkopf zu behalten, dass diese Moves oftmals mit mehr Risiko behaftet sind, als im Heads-up Play. Währenddessen können sie aber preflop die Chancen nutzen und mit guten Drawing Händen oder kleinen Pocket Pairs mitspielen, die in Multi-Way Pots zu großer Auszahlung führen können.

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