Nur weil eine Karte Ihre Hand verbessert müssen Sie nicht weiterspielen

Nur weil eine Karte Ihre Hand verbessert müssen Sie nicht weiterspielen 0001

Viele Spieler treffen beim No-Limit Hold’em Entscheidungen nach einer Logik, die auf falschen Annahmen beruht. Ich bezeichne die Strategie als „Aber ich hab mich doch verbessert“-Ansatz, laut dem wir eine Hand weiterspielen müssen, wenn eine Karte auf dem Board unsere Hand verbessert.

In diesem Artikel schauen wir uns eine einfache Spielsituation an, um zu verdeutlichen, wie sich dieser Denkfehler auswirkt und warum Sie – was noch wichtiger ist – von dieser Art der Entscheidungsfindung Abstand nehmen sollten.

Die Hand-Ranges zu Beginn

Die folgende Online-Hand hat sich an einem 6-handed No-Limit Hold’em-Tisch auf dem NL100-Limit ($0,50/$1) abgespielt. Zwei Regulars mit jeweils 100 Big Blinds treffen aufeinander. Der erste Spieler openraist aus mittlerer Position, sein Kontrahent callt im Cutoff. Die anderen Spieler werfen ihre Karten in den Muck.

Der Flop wird aufgedeckt: {A-Hearts}{K-Hearts}{5-Clubs}.

Auf diesem Flop können beide Spieler eine starke Range repräsentieren. Es gibt viele Hände, mit denen der Spieler in mittlerer Position vor dem Flop openraisen kann – einige davon treffen auf diesem Flop sehr starke Made Hands. Der Cutoff wiederum kann vor dem Flop nicht wahnsinnig viele Hände bloß callen – daher wird der Großteil seiner Range diesen Flop gut erwischen.

Der Spieler in mittlerer Position hat verglichen mit den mittelprächtigen Händen des Cutoffs (z.B. Hände wie {A-}{Q-}, {A-}{J-}, {A-}{10-} und suited Hände wie {Q-}{J-}, {K-}{J-} und {J-}{10-}) mehr Hände, die den Flop völlig verpasst haben (z.B. Hände wie {8-Clubs}{7-Clubs} oder {4-Spades}{4-Diamonds}). Dafür ist die Range des MP-Spielers „uncapped“ – das heißt, dass die besten Hände aus der Range des MP-Spielers stärker sind als die besten Hände aus der Range des Cutoff-Spielers.

Der letzte Punkt führt dazu, dass der Cutoff Probleme haben wird, den Spieler in mittlerer Position aus dem Pot zu vertreiben. Und der Grund dafür liegt auf der Hand – der Openraiser kann Hände wie {A-}{A-}, {K-}{K-} und {A-}{K-} haben, dazu kommen {5-}{5-} und {A-}{5-}. Diese Hände werden nie folden. Mit anderen Worten: Falls der Cutoff hier blufft, nimmt er das Risiko in Kauf, in eine der genannten Hand-Kombinationen zu laufen – Kombos, die nicht folden werden und gegen die Bluffing-Range des CO-Spielers weit, weit vorne sind.

Wenn der Spieler in mittlerer Position den Flop anspielt, ist der Cutoff also besser damit beraten, eine Calling-Strategie zu fahren und so seinen Positionsvorteil zu behalten.

Jede aufgedeckte Karte verändert die Range-Rangfolge

Der Spieler in mittlerer Position entscheidet sich tatsächlich für eine Continuation-Bet und der Cutoff macht den Call. Der Turn bringt die {10-Hearts}, damit sieht das Board wie folgt aus: {A-Hearts}{K-Hearts}{5-Clubs}{10-Hearts}.

Glauben Sie, was Sie wollen, aber die Stärke einer Hand in der eigenen Range verändert sich mit jeder aufgedeckten Karte – außer natürlich, Sie haben {A-}{A-} auf einem gepairten Board mit einem Ass oder Sie haben eine Nut-Low-Kombo auf einem Board ohne Straigt- oder Flushdraw. Das Board und die Situation in unserer Beispiel-Hand zeigen allerdings, dass die Aussage Bestand hat.

Der Spieler in mittlerer Position bettet auch diese Karte. Der Cutoff hält {A-Clubs}{J-Diamonds}. Was sollte der Cutoff tun?

Die Antwort ist ganz einfach: Er sollte folden, aber stattdessen entscheidet er sich für den Call.

Warum denn folden?

Wenn der Cutoff in dieser Situation {A-Clubs}{J-Diamonds} haben kann, hat er vermutlich auch {A-}{10-} suited in seiner Range. Folglich hat sich die Range-Rangfolge des Cutoff-Spielers verändert. Zum einen hat er drei {Q-}{J-} suited-Kombos, die nach einem Float am Flop die Broadway-Straight getroffen haben, zum anderen hat er mehrere Flush-Kombos und seine {A-}{10-} suited-Kombos, die vorher schlechter waren als {A-}{J-}, befinden sich in seiner Range jetzt vor {A-}{Q-} und {A-}{J-}.

Eine Hand wie {A-Clubs}{J-Diamonds} (noch dazu ohne Herz) ist jetzt irgendwo am unteren Ende der Cutoff-Range anzusiedeln. Aber wenn Sie wie er „Aber ich hab mich doch verbessert“-Poker spielen, werden Sie zweifellos Schwierigkeiten haben, loszulassen.

Die andere Frage ist: Mit welchen Händen kann der Spieler in mittlerer Position zwei Barrels abfeuern? (Das ist auf den Online-Small-Stakes von NL Hold’em eine berechtigte Frage.)

Selbst wenn der MP-Spieler nur Hände {Q-Hearts}{x-} oder {J-Hearts}{x-} hat, sind dies auf Grund der Board-Textur beinahe Made Hands – es ist also ziemlich schwierig für ihn, einen nackten Draw zu haben. Zweitens sind seine Made Hands gegen {A-Clubs}{J-Diamonds} immer vorne, manche mit weitem Abstand.

Wie die Hand ausgeht

Nach dem Turn ist die Hand nicht mehr besonders spannend. {A-Clubs}{J-Diamonds} callt die Turn-Bet, der River zaubert die {7-Hearts} aufs Board. Damit ist das Board komplett: {A-Hearts}{K-Hearts}{5-Clubs}{10-Hearts}{7-Hearts}. Der Spieler in mittlerer Position hat {A-Spades}{K-Diamonds} und checkt zu seinem Gegner, der Cutoff checkt ebenfalls und er verliert.

Einiges spricht dafür, dass der Showdown-Value des Cutoff-Spielers auf diesem Runout so klein geworden ist, dass er seine Hand zum Bluffen nutzen sollte. Auf dem Turn war seine Hand bereits so schlecht, dass ein Fold angebracht gewesen wäre, und dieser River schickt seine Hand in der Hackordnung noch weiter nach unten. Der Cutoff sah das anscheinend anders und hat gehofft, dass Top-Pair ausreicht, um die Hand zu gewinnen.

Zu jedem Zeitpunkt in der Hand hat der Cutoff nur auf seine tatsächliche Hand und das Board geachtet, anstatt über die anderen Hände, die er haben könnte, nachzudenken – ganz zu schweigen von den Händen, die sein Gegner haben könnte. Dabei sind das grundlegende Konzepte und Überlegungen, wenn man richtig Poker spielen will.

This strategy article by Gareth Chantler for PokerNews is sponsored by partypoker.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste!

Was denken Sie?
Registrieren Sie sich um einen Kommentar zu hinterlassen oder loggen Sie sich mit Facebook ein

MEHR ARTIKEL

Weitere Artikel