2019 World Series of Poker

Kann ich mit Poker Geld verdienen?

Kann ich mit Poker Geld verdienen?

Anfänger kommen auf viele verschiedene Weisen mit Poker in Berührung. Die einen haben vorher andere Kartenspiele ausprobiert, manche nehmen am Pokertisch Platz, nachdem sie beim Blackjack, Craps oder Roulette ihr Glück versucht haben. Manchmal verlassen sogar Sportwetter ihr Wettbüro – und finden Poker am Ende viel interessanter, da der Wettbewerb unter den Spielern Ähnlichkeiten zu anderen Sportarten aufweist.

Wer sich länger für das Spiel interessiert, kann dafür ebenfalls viele Gründe haben – der häufigste ist der Wunsch, beim Pokern zu gewinnen. Das gilt insbesondere für die Glücksjäger, die zuerst gewinnen – was ziemlich häufig passiert – und weiterspielen, um noch mehr zu gewinnen. Manche treiben sich dazu an, viel mehr zu gewinnen, und vielleicht sogar eine Laufbahn als professioneller Pokerspieler einzuschlagen.

Zwar ist Poker ein Spiel, das geschickte Spieler belohnt, aber Glück spielt trotzdem eine wichtige Rolle. Wer beim ersten Mal sofort groß abräumt, hat in der Regel einfach nur gute Karten bekommen und seine Draws getroffen, wenn es erforderlich war, während die Gegner ihre Draws verpasst haben. Nur wer sich die Zeit nimmt, sich mit Poker-Strategien auseinanderzusetzen, und Erfahrungen sammelt, kann langfristig gewinnen.

Neulinge stellen sich oftmals die Frage: „Kann ich mit Poker Geld verdienen?“ Die kurze Antwort lautet: Ja, aber Sie müssen auch eine Menge Zeit hineinstecken, um besser zu werden und sich einen Vorteil gegen Ihre Gegner zu verschaffen. Tatsache ist, dass es für jeden möglich ist, bei einer einzelnen Cashgame-Session zu gewinnen oder bei einem Turnier einen Deep Run hinzulegen und es zu gewinnen. Tatsache ist aber auch, dass nur ein kleiner Prozentteil der Spieler dauerhaft profitabel spielt – und diese Spieler sind ohne Ausnahme besser als diejenigen, die es nicht schaffen.

Um die Frage detailliert beantworten zu können, müssen wir uns zunächst einige weitere Faktoren anschauen, die darüber entscheiden, ob und wie viel Geld Sie mit Poker gewinnen können.

1. Wie hoch (oder niedrig) ist Ihre Winrate?

Umgangssprachlich wird der Begriff „Winrate“ verwendet, um zu beschreiben, wie viel Geld ein Spieler nach einem bestimmten Zeitraum oder soundso vielen Händen gewonnen hat. Allerdings wird der Begriff auch verwendet, um zu beschreiben, wie viel Geld ein Spieler verloren hat. Ein Spieler mit einer positiven Winrate ist logischerweise ein Gewinner, während sich ein Spieler mit einer negativen Winrate auf der Verlierer-Seite wiederfindet. Wie Sie Ihre Winrate berechnen, ist bei Cashgames und Turnieren unterschiedlich.

Bei Cashgames wird die Winrate als Gewinn pro Stunde oder pro 100 Hände angegeben. Dabei dienen die Big Blinds beim No-Limit Hold’em oder Pot-Limit Omaha als Maßeinheit – wenn Sie an einem €1/€2 NLHE-Tisch also beispielsweise €10 gewinnen, entspricht dies 5 gewonnenen Big Blinds.

Anders sieht die Sache beim Limit Hold’em, Stud-Spielen und anderen Fixed-Limit-Games aus, bei denen der Gewinn in „Big Bets“ umgerechnet wird. Bei einem Limit Hold’em-Spiel könnte die Small Bet (preflop und Flop) zum Beispiel bei €2 liegen, die Big Bet (Turn und River) beträgt €4 – wenn ein Spieler $100 im Plus abschließt, hat er 25 „Big Bets“ gewonnen. (Was manchmal für Verwirrung sorgen kann: Sowohl „Big Blinds“ als auch „Big Bets“ werden häufig als „BB“ abgekürzt.)

Bei Turnieren wird die Winrate eines Spielers als „Return on investment“ (sinngemäß: Rendite) oder „ROI“ ausgedrückt. Um den ROI zu berechnen, müssen Sie Ihre Gewinne durch Ihre Ausgaben dividieren und diesen Wert mit 100 multiplizieren – so erhalten Sie Ihren prozentualen ROI. Beispiel: Wenn Sie €200 für Buy-ins aufgewendet und €220 gewonnen haben, liegt Ihr ROI bei €20 (Ihr Gewinn) / €200 = 0,1 * 100 = 10%.

Offensichtlich bedeutet ein negativer ROI, dass Sie bei Turnieren Geld verlieren. Allerdings müssen Sie auch bei einer positiven Winrate die Ausgaben im Auge behalten, die mit dem Pokerspielen im Zusammenhang stehen. Wenn Sie jede Nacht für €10 tanken müssen, um zum Pokerraum zu gelangen, aber im Schnitt nur €5 pro Session gewinnen, ist Ihre Winrate zwar positiv, aber Sie verdienen trotzdem kein Geld. Wenn Sie zu größeren Poker-Turnieren reisen, können diese Summen schnell größere Dimensionen annehmen: Wenn Sie jedes Jahr €10.000 für Flugkosten und Hotelübernachtungen berappen müssen, aber laut ROI nur €8.000 gewinnen, sind Sie technisch gesehen ein „profitabler Spieler“, obwohl Sie eindeutig Geld verlieren.

Welche Lehre Sie aus diesen Absätzen ziehen sollten: Wenn Sie mit Poker Geld verdienen wollen und keinen Überblick über Ihre Gewinne und Verluste haben, sollten Sie das schleunigst ändern. Finden Sie heraus, wie hoch oder niedrig Ihre Winrate und/oder Ihr ROI ist, denken Sie auch über mögliche weitere Ausgaben nach, die beim Pokern anfallen können, und Sie werden wissen, ob Sie Geld gewinnen. Vielleicht werden Sie dadurch auch motiviert, an Ihrem Spiel zu arbeiten, um Ihre Winrate entweder zu steigern oder überhaupt erst profitabel zu spielen (falls Sie momentan Geld verlieren).

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2. Wie häufig spielen Sie?

Ob Sie mit Poker Geld verdienen können, hängt auch davon ab, wie viel Zeit Sie für das Spiel aufbringen können.

Falls Sie zur Riege der Freizeitspieler gehören, die einmal in der Woche ihr Homegame besuchen oder hin und wieder für ein oder zwei Stunden online Poker spielen, können Sie zwar beim Pokern gewinnen – allerdings nur eine begrenzte Summe. Dazu kommt: Wenn Sie nur sporadisch spielen, haben Sie auch wenig Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln und Ihr Wissen zu mehren, was Ihnen dabei helfen könnte, noch konstanter zu gewinnen.

Viele ernsthafte Spieler spulen an den Tischen ein hohes „Volumen“ ab, mit dem sie ihre Gewinne in die Höhe treiben, selbst wenn die Winrate eher klein ausfällt. Dabei entscheiden sich die meisten für Cashgames, da es keine zuverlässigere Möglichkeit gibt, beim Poker Geld zu machen. Poker-Turniere sind dafür auf Grund Ihrer höheren Varianz ungeeignet.

Woran das liegt, ist schnell erklärt: Bei den meisten Poker-Turnieren erringen nur die letzten 10 oder 15 Prozent der Spieler ein Preisgeld – die allermeisten Spieler müssen das Turnier also außerhalb der bezahlten Rangplätze beenden. Nur die erfolgreichsten Turnierspieler sind in der Lage, einen ROI aufrechtzuerhalten, der höher als 10 oder 20 Prozent ist. Die meisten profitablen Spieler geben sich bereits mit einem ROI zwischen 5 und 10 Prozent zufrieden.

Das bedeutet, dass bei Turnieren sogar gute Spieler häufiger Geld verlieren als sie gewinnen. Wenn sie dann aber ein Preisgeld einstreichen, reicht es aus, um die Verluste wieder wettzumachen – das ist vor allem bei großen Gewinnen der Fall, bei denen diese Spieler einen Final Table erreichen oder das ganze Turnier gewinnen und 10, 20, 50 oder 100 Buy-ins zurückbekommen.

Cashgame-Spieler haben mit weniger starken Swings zu kämpfen, obwohl gute Spieler auch hier regelmäßig Verluste einfahren werden. Vielleicht haben diese Spieler sogar mehr Sessions, in denen sie im Minus landen – dafür gewinnen sie umgekehrt auch mehr und können sich am Ende eine positive Winrate erspielen. Selbst als weltbester Spieler sollten Sie sich ein vernünftiges Bankroll-Management aneignen – andernfalls reicht schon eine einzige sehr schlechte Session aus, um Ihre Gewinne vollständig aufzufressen.

Sobald Sie Ihre Winrate herausgefunden haben, können Sie ein Gedankenspiel anstellen, wie viel Sie spielen müssen, um über einen bestimmten Zeitraum eine gewünschte Summe x zu gewinnen.

Sie sollten auch einschätzen lernen, wie lange Sie Poker spielen sollten, um eine höhere Chance zu haben, eine positive Winrate zu erzielen. Manche sollten lieber nur 10 bis 20 Stunden pro Woche spielen, anstatt sich zu einer 40- oder 50-Stunden-Woche zu zwingen. Andere sollten lieber kürzere Sessions spielen, weil sie Probleme damit haben, sich lange zu konzentrieren und ihr A-Game beizubehalten. Wieder andere können zusätzliche Stunden dranhängen, ohne dass sich das auf ihr Spiel auswirkt.

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3. Welche Stakes spielen Sie (und sind Sie dort richtig)?

Zu guter Letzt ist die vielleicht wichtigste Frage, die Sie klären müssen, welche Stakes Sie spielen wollen. Und mindestens genauso wichtig: Ob Sie bei der Wahl Ihrer Stakes vernünftig vorgehen und nur die Spiele spielen, die Sie tatsächlich schlagen können.

Unter vielen neuen Spielern ist der Irrglaube verbreitet, dass sie mehr Geld gewinnen können, indem sie einfach auf höheren Stakes spielen. Wer an den $1/$2 NLHE-Cashgame-Tischen profitabel spielt, könnte auf die Idee kommen, sich an der $10/$20-Partie zu versuchen – folgerichtig sollte der Gewinn das Zehnfache betragen, richtig? – Falsch: In den meisten Fällen erweist sich die Idee als töricht und die Bankroll schwindet dahin.

Verschiedene Stakes ziehen verschiedene Spielertypen an. Auf den niedrigsten Limits werden Sie fast immer auf die unerfahrensten und unbegabtesten Spieler treffen, aber auch hier warten manchmal starke Spieler. Umgekehrt nehmen die besten Spieler an den Tischen mit den höchsten Stakes Platz, aber manchmal verirren sich auch schwache Spieler dorthin.

Grundsätzlich gilt aber: Je höher die Stakes, desto schwieriger das Spiel. Das führt dazu, dass die Winrates der profitablen Spieler tatsächlich nach unten gehen, sobald es um höhere Buy-ins und/oder Stakes geht. Bei Online-Cashgames (um nur ein Beispiel zu nennen), erreichen die besten NLHE-Spieler auf den Micro-Limits Winrates zwischen 20 - 40 BB/100 Hände – und das über eine große Handanzahl. Auf den höheren NLHE-Stakes erzielen selbst die Top-Spieler für gewöhnlich nur 3 - 8 BB/100 Hände.

Das ist ein Grund, warum Sie realistisch bleiben sollten, wenn Sie in den Limits aufsteigen wollen. Selbst wenn Sie großartig und besser als die meisten Gegner spielen, werden Sie nicht die gleiche Winrate wie auf den niedrigen Stakes haben.

Gleichzeitig müssen Sie als Pokerspieler erfahren genug sein, um frühzeitig zu erkennen, wenn Ihre Mitspieler zu stark sind, um profitabel spielen zu können. Während Sie die verschiedenen Stakes austesten, sollten Sie genaue Aufzeichnungen führen und sich notieren, auf welchen Limits (bei Cashgames) oder Buy-ins (bei Turnieren) Sie konstant gewinnen – und wo Sie an Ihre Grenzen stoßen oder verlieren.

Manchmal kann es passieren, dass Sie Schwierigkeiten haben werden, ein Limit zu schlagen, obwohl Sie auf den beiden darüber keine Probleme haben. In dem Fall spielen Sie auf den höheren Stakes einfach intelligenter gegen die Spielstile und Tendenzen Ihrer Gegner. Abgesehen davon werden aber die meisten Pokerspieler irgendwann an ihre Grenzen kommen und ein Limit erreichen, das sie keinesfalls regulär spielen sollten.

In jedem Fall gilt: Seien Sie ehrlich und gehen Sie mit Ihrer Bankroll sorgsam um – dann steigen Ihre Gewinnchancen beim Pokern enorm.

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