Jonathan Little verwendet Solver, um die Isildur Bluff-Catching Hand zu untersuchen

Viktor "Isildur1" Blom

Es kommt selten vor, dass Viktor „Isildur1“ Blom an einem Live-Poker-Turnier teilnimmt. Beim €5.000 Buy-in partypoker LIVE MILLIONS Germany im Februar 2018 war Blom jedoch mit von der Partie. Und nicht nur das: Er schaffte es ins Heads-Up um Titel und €850.000 Preisgeld.

Pavel Plesuv, der im Laufe des Jahres MSPT-Champion wurde, versuchte sich an einem irrsinnigen River-Bluff, der in die Poker-Geschichte einging. Gelang Blom der ebenso wahnsinnige Call, um das Turnier zu gewinnen? Mit PIOsolver habe ich die Hands aus Isildurs Sicht auseinandergenommen – so lässt sich auch herausfinden, ob die von ihm gewählte Strategie GTO war.

Die Hand beginnt mit Blinds von 7M/14M. Isildur (522M) bekommt am Button {k-Hearts}{6-Diamonds} ausgeteilt und raist auf 35M. Plesuv (470M) macht den Call mit {q-Diamonds}{7-Diamonds}. Der {k-Diamonds}{9-Hearts}{q-Hearts} Flop fällt koordiniert aus und trifft einen großen Teil beider Ranges.

Plesuv checkt Middle Pair und Backdoor-Flush-Draw. Isildur spielt den 70M großen Pot für 45M an. Was sagt der Solver dazu? Die GTO-Strategie will die besten Hände und einige Draws betten. Zu den besten Händen gehören in dieser Situation gute Könige und Damen. Schwächere Könige und Damen sollten meistens checken.

„Der Solver bevorzugt ein größeres Sizing, da der Flop so koordiniert ist.“

Blom will sich mit seiner Bet auf jeden Fall polarisieren. Der Solver bevorzugt ein größeres Sizing, da der Flop so koordiniert ist. Isildur ist bekannt dafür, nicht leicht aufzugeben. Mit einem solchen Image kann man die Value-Range natürlich etwas breiter aufstellen und mehr Hände betten.

Plesuv hatte einen einfachen Call mit Middle Pair samt Backdoor-Flush-Draw. Nach dem Call hält der Turn das {a-Diamonds} bereit. Plesuv gabelt einen Karo-Flush-Draw auf und checkt sofort – so weit, so Standard in dieser Situation. Nun ist Isildur wieder an der Reihe. Wichtig am Turn: Plesuvs Range enthält nicht so viele Ass-hoch-Hände wie Isildur; nach dem Call am Flop ist Plesuvs Range etwas capped.

Wenn Plesuv viele marginale Könige und schwächere Made Hands hat – was hier definitiv der Fall ist –, kann Isildur befreiter betten. Der Solver stört sich allerdings auch nicht an einem Check mit König-Sechs. Wenn man den Turn anspielen will, sieht der Solver am liebsten ein großes Sizing – dieser Aufforderung kommt Isildur nach.

Die Bet verhilft zu Schutz vor Händen mit Equity; Isildur setzt 105M, was etwa zwei Drittel des Betrags im Pot entspricht.

Plesuv könnte hier shoven, wenn er annimmt, dass Isildur ein Ass oder einen König manchmal bet-folden würde. Mit einem Shove schützt sich Plesuv auch davor, am River geblufft zu werden – falls er geplant hat, ohne Verbesserung der Hand zu check-folden. Isildurs Range will am Turn häufig c-betten, würde bei einem Check-Shove aber gewaltige Probleme bekommen.

Standardmäßig erfolgt jedoch der Call – und genau dafür entscheidet sich Plesuv auch. Am {5-Hearts} River erwarten wir den Check-Check, aber Plesuv setzt zum Bluff an und geht All-In. 299M Chips werden eingefordert. Isildur hat die Qual der Wahl: Mit einem schlechten Bluffcatcher callen – oder folden.

Pavel Plesuv
Pavel Plesuv jammt am River

Ich muss davon ausgehen, dass Isildur Plesuv in dieser Situation auf eine sehr polarisierte Range, bestehend aus Nut-Kombinationen und komplett verpassten Händen, setzt. Würde Plesuv am Flop und Turn mit einem Flush-Draw – und ohne Position – wirklich check-callen? Ist nicht damit zu rechnen, dass er den Flop raist oder am Turn All-In geht? Wenn er Flush-Draws in der Range hat – wovon es erwartungsgemäß nicht viele gibt –, würde er umgekehrt auch mit den Nuts donk-betten? Das würde seine Checking-Range zerstören. Isildur könnte eine solche Strategie bestrafen und den River nach einem Check einfach jedes Mal betten.

Dass Isildur den {k-Hearts} hat, ist für seine Entscheidungsfindung sehr relevant. Die Karte blockt viele Flush-Kombinationen, die Plesuv halten könnte. Mit einem Blocker sollten wir logischerweise eher einen Hero-Call machen. Umgekehrt ist ein Karo wie die {6-Diamonds} äußerst lästig, da wir so Karo-Flush-Draws blocken, mit denen Plesuv – wie geschehen – realistisch bluffen könnte.

Der Solver callt mit den meisten Königen – {k-Hearts}{6-Diamonds} ist laut Solver in 81 % der Fälle ein Call. Isildur trifft die richtige Entscheidung und gewinnt das Turnier mit einem Hero-Call. Der Sieg war €850.000 wert.

Schauen Sie sich für eine detaillierte Analyse der Hand das folgende Video an (partypoker hat mir erlaubt, das Video-Material zu benutzen):

Jonathan Little ist ein professioneller Pokerspieler und Autor mit über $6,200,000 in Live Turnier Gewinnen. Er schreibt einen wöchentlichen Blog und moderiert einen Podcast auf JonathanLittlePoker.com. Sie können ihm auf Twitter unter @JonathanLittle folgen.

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