Jonathan Little über die Ausübung von Druck auf ängstliche Gegner

Jonathan Little

In dieser Hand des World Series of Poker (WSOP) Main Events verpasse ich den Flop, bluffe aber trotzdem weiter. Manchmal muss man seinem Glück auf die Sprünge helfen, vor allem wenn der Gegner einen ängstlichen Eindruck macht!

Der 1. Spieltag ist angebrochen; alle Spieler sind noch deep-stacked. Die Blinds liegen bei 75/150. Ein Spieler in früher Position limpt. Ich sitze im Small Blind mit {a-Spades}{5-Spades}. Call oder Raise, beides ist in Ordnung. Wenn wir uns für das Raise entscheiden, müssen wir auf 700 oder so erhöhen, damit der Gegner auch tatsächlich foldet. Ich erhöhe also auf 700, wenngleich mir das Raise am Button oder Cutoff besser gefallen würde, da wir dann Position hätten.

Der Spieler im Big Blind und der Limper machen den Call. Der Flop wird aufgedeckt: {k-Hearts}{2-Diamonds}{2-Clubs}. Wir haben nichts getroffen, aber auf diesem Board gibt es auch wenig zu treffen. Beide Gegner haben nach der Preflop-Action kaum Hände, die eine Zwei enthalten. Die Frage ist: Wer hat hier mehr Ass-König und große Pocket-Paare in seiner Range? Das bin auf jeden Fall ich. Und da meine Gegner vor dem Flop nur gecallt haben, kommen ein paar der stärksten Hände in den gegnerischen Ranges nicht mehr in Frage.

„Sie müssen vorsichtig sein, wenn Sie versuchen, Leute mit Top Pair zur Aufgabe zu bewegen, aber wenn Sie große Bet-Sizings verwenden und mit Ihrer Line glaubhaft Asse repräsentieren, kann das auf jeden Fall klappen.“

Wie erzielt man über mehrere Setzrunden hinweg die größtmögliche Fold Equity? Zuerst sollten Sie mit einer kleinen Bet anfangen, damit Ihre Gegner alle Schrott-Hände wegwerfen. Auf dem Turn wollen Sie den Druck erhöhen. Auf dem River funktioniert eine große Bet am besten. Im Grunde wollen Sie Ihren Gegner glauben machen, dass Sie Asse haben und versuchen, vom König gecallt zu werden, den der Gegner offensichtlich hat. Denn: Wenn ein Gegner am River noch dabei ist, hat er sehr wahrscheinlich einen König.

Sie müssen vorsichtig sein, wenn Sie versuchen, Leute mit Top Pair zur Aufgabe zu bewegen, aber wenn Sie große Bet-Sizings verwenden und mit Ihrer Line glaubhaft Asse repräsentieren, kann das auf jeden Fall klappen.

Aus den obigen Gründen gefällt mir eine kleine Continuation-Bet am besten. Wenn wir setzen und beide Spieler callen, geben wir vermutlich auf, aber wenn nur einer callt, bluffen wir weiter. Ich spiele 600 an. Der Big Blind foldet, der Limper macht den Call und die Turn-Karte wird offenbart: Es ist die {8-Spades}.

3.400 befinden sich im Pot. Ich will so groß ansetzen, dass jede Hand schlechter als ein König Probleme bekommt, sprich Pocket-Siebener, Neuner usw. Ich halte den Druck aufrecht und setze 2.000 – willens, auf dem River 7.500 zu betten, falls ich erneut gecallt werde.

Dazu kam es aber nicht mehr, da mein Gegner seine Karten schon am Turn in den Muck warf. Vermutlich hat mein Gegner eine Hand wie Ass hoch gefoldet – eine Hand, gegen die ich entweder verliere oder den Pot teilen muss. Möglich ist auch eine Hand wie Pocket-Vierer. Ich denke, dass dies ein Spot ist, den viele Leute nicht ausnutzen. Stattdessen spielt man passiv, in der Hoffnung, die Nuts zu floppen und einen Gegner zu erwischen, der postflop schwerwiegende Fehler macht und 300 Big Blinds herschenkt.

Doch: Das passiert nicht allzu häufig. Im frühen Turnierverlauf häufen Sie die meisten Chips an, indem Sie in Situationen wie diesen, in denen Gegner einen Großteil ihrer Range folden müssen, aggressiv aufspielen. Halten Sie Ausschau nach geeigneten Spots, denn genauso lesen auch die besten Spieler der Welt Chips auf.

Während alle anderen den Nuts nachjagen und dabei Blinds einbüßen, sichern sich die besten Spieler einen mittelgroßen Pot nach dem anderen – Pots, um die passive Spieler nicht einmal im Traum kämpfen würden.

Für eine detaillierte Analyse der obigen Hand schauen Sie sich das folgende Video an:

Jonathan Little ist ein professioneller Pokerspieler und Autor mit über $6,200,000 in Live Turnier Gewinnen. Er schreibt einen wöchentlichen Blog und moderiert einen Podcast auf JonathanLittlePoker.com. Sie können ihm auf Twitter unter @JonathanLittle folgen.

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