Jonathan Little über ein High Stakes Duel – Wird Hellmuth von Negreanu bezahlt?

Phil Hellmuth

Die folgende Hand zwischen Daniel Negreanu und Phil Hellmuth aus der 1. Runde ihres High Stakes Duel II-Matches war auf Grund der Entscheidungsfindung beider Spieler gut für eine Analyse geeignet.

Für die Analyse habe ich auf den Pio Solver zurückgegriffen und Node-Locking verwendet, um herauszufinden, wie sich Hellmuths Nicht-GTO-Spielweise auf Negreanus Herangehensweise auswirkt. Gelingt es Hellmuth, ausbezahlt zu werden, nachdem er am River eine sehr starke Hand trifft? Sehen Sie selbst!

Die Blinds liegen bei 500/1.000; Hellmuth (48.500) entscheidet sich für den Limp mit {9-Hearts}{6-Hearts}. Der Solver limpt Hellmuths Hand in 54 Prozent der Fälle – mit der Absicht, die meisten Raise-Sizings zu callen. Tatsächlich raist Negreanu (51.500) auf 3.000 mit {k-Diamonds}{9-Diamonds} – und Hellmuth callt.

Hellmuth war nach einem Limp meistens recht tight, wenn er Aggression gegenüberstand, was man im Hinterkopf behalten sollte. Der {k-Hearts}{10-Hearts}{q-Diamonds} Flop fällt für Negreanus Range besser aus, da dieser vor dem Flop Aggression gezeigt hatte. Allerdings trifft Hellmuth das Board mit seiner Preflop-Range ebenfalls recht stark.

„Wenn man keine Position auf den Gegner hat und es an einem Range- oder Nut-Advantage mangelt, ist ein Check oftmals angeraten.“

Hellmuths ungewöhnlich starke Range am Flop – verglichen mit einer GTO-Range – sollte Grund genug sein für Negreanu, häufig zu checken. Wenn man keine Position auf den Gegner hat und es an einem Range- oder Nut-Advantage mangelt, ist ein Check oftmals angeraten. Negreanu befindet eine Bet trotzdem für das bessere Play und wirft 1.500 in den Pot – womit der Solver grundsätzlich einverstanden ist.

Wenn man denkt, dass der Gegner häufig zu C-Bets ansetzt, werden Flop-Raises interessanter, aber in dieser Situation sollte Hellmuth eher callen, weil er tolle Odds bekommt und Position hat. Würde er nach einem Raise ein Reraise kassieren, wäre seine Equity nichts mehr wert.

Der Solver raist mit Hellmuths Flop-Range bloß in 11 Prozent der Fälle. Für Bluffs werden Hände benutzt, die einen Buben enthalten – die Straight-Draws werten die Equity stark auf.

Hellmuth macht also den Call. Am Turn wartet die {6-Spades}, und Negreanu bettet 5.000. Bettet man auf dem Flop selten mit starken Made Hands und Draws, polarisiert man die eigene Range – das heißt, man verfügt normalerweise über viel Equity gegen die meisten Gegner. Das bedeutet auch, dass man am Turn aggressiv weiterspielen will – das Bet-Sizing sollte mittelgroß oder groß ausfallen.

Der umgekehrte Fall: Betten Sie am Flop häufiger, vergrößert sich die eigene Range am Turn – der Call am Flop lässt aber viele Müll-Hände aus der gegnerischen Range verschwinden. Mit anderen Worten: Der Call macht die Range des Kontrahenten kleiner und stärker.

Hellmuth hat offensichtlich eine marginale Made Hand, die über viel Equity verfügt. Daher ist ein Raise keine Option – Aggression des Gegners würde ihn zur Aufgabe zwingen. Meiner Meinung nach ist der Call die einzige Wahl. Der Solver stimmt mit mir überein und callt in 62 Prozent der Fälle.

Die {3-Hearts} am River hält den Flush für Hellmuth bereit. Negreanu ist als erstes an der Reihe. Wie reagieren Sie auf die Karte? Würden Sie checken? Klein betten: 6.000? Mittelgroß betten: 12.000? Oder groß ansetzen: 19.000?

Jonathan Little hand breakdown.

In dieser Situation ist ein Check am ehesten angebracht, denke ich. Der {3-Hearts} River ist schlecht für Negreanu, da Hellmuth am Turn wohl alle marginalen Made Hands foldet, die eine Dame oder eine Zehn enthalten. Will Negreanu betten, ist ein kleines Sizing das Mittel der Wahl.

Negreanu entschließt sich, 6.000 zu betten – nach der Hand gibt er jedoch zu, das dritte Herz nicht wahrgenommen zu haben. Der Solver checkt hier in 80 Prozent der Fälle. Negreanus Bet schwimmt also gegen den Strom.

Hellmuth hat hier ein simples Raies vor sich – die Frage ist bloß, wie das optimale Sizing aussieht, um von schwächeren Händen ausbezahlt zu werden. Sieht man in der Range des Gegners vor allem marginale Made Hands, sollte man mit starken Made Hands ein kleines Raise-Sizing bevorzugen.

Nachdem Negreanu auf sämtlichen Streets aggressiv war, ist jedoch von einer polarisierten Range auszugehen – sprich starke Made Hands und Bluffs ohne Showdown-Value. In diesen Fällen sollte man zu einem großen Sizing greifen. Der Solver geht noch weiter und geht gegen kleine Sizings kurzerhand All-In.

Hellmuth raist schließlich auf 17.500. Der Solver foldet Negreanus Hand in 97 Prozent der Fälle. Gegner Hellmuth würde ich hier immer folden. Während des Matches gelang es Negreanu so gut wie immer, Hellmuths Value-Raises nicht zu callen. Hier verhält es sich genauso: Negreanu findet den Fold und befördert seine Karten in den Muck.

Schauen Sie sich für eine detaillierte Solver-Analyse der Hand auch das folgende Video an:

Jonathan Little ist ein professioneller Pokerspieler und Autor mit über $6,200,000 in Live Turnier Gewinnen. Er schreibt einen wöchentlichen Blog und moderiert einen Podcast auf JonathanLittlePoker.com. Sie können ihm auf Twitter unter @JonathanLittle folgen.

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