Jonathan Little: wie Hellmuth in einer Highstakes Duell-Hand Negreanu schockte

Daniel Negreanu

Ich wollte auf den Artikel aus der letzten Woche, in dem ich eine Hand zwischen Phil Hellmuth und Daniel Negreanu aus der 1. Runde ihres High Stakes Duel II-Matches analysiert habe, ein weiteres Aufeinandertreffen „Kid Poker“ vs. „Poker Brat“ folgen lassen.

In dieser Hand ist Negreanu von Hellmuths River-Entscheidung sichtlich überrascht, nachdem der Poker Brat seine Karten aufdeckt. Wenn man sich den Live-Stream anschaut, merkt man: Negreanu glaubt, die beste Hand zu haben – vor allem nach Hellmuths Entscheidung, nur zu callen. Doch falsch gedacht!

Glauben Sie, dass Negreanu ein Raise von Hellmuth auf dem River gecallt hätte? Oder denken Sie, dass Hellmuth mit einer großen Bet mehr Value aus der Hand hätte herausholen können? Schauen wir uns die Hand im Detail an.

Die Blinds liegen bei 400/800, als Negreanu (58.700) min-raist auf 1.600. Hellmuth (41.300) sitzt im Big Blind und hat {k-Diamonds}{q-Clubs} vor sich liegen. Mit dieser Hand kommt entweder eine 3-Bet oder ein Call infrage. Richtigerweise sollte man mal zur 3-Bet greifen, mal bloß callen. Wenn Ihr Gegner zu oft raist, wird die 3-Bet noch reizvoller, da wir so die zu weit gefasste Range bestrafen.

Hellmuth entscheidet sich für das passive Vorgehen und callt. Es folgt der Flop: {j-Diamonds}{5-Diamonds}{2-Diamonds}. Hellmuth checkt seinen Flush-Draw – Negreanu spielt 800 an. Wenn Hellmuth raisen würde und eine 3-Bet kassiert, wäre er gegen Negreanus Range meistens hinten. König hoch hat außerdem Showdown-Value, das heißt: Wenn wir hier nur callen, der Rest der Hand Check-Check verläuft und wir den Draw verpassen, ist das okay, weil wir den Pot manchmal mit König hoch gewinnen.

Grundsätzlich gilt: Mit einem Draw und einer marginalen Hand, die Showdown-Value aufweist, sollte man eher passiv spielen. Hellmuth schließt sich dieser Denkweise an und macht nur den Call. Am Turn hält die {8-Diamonds} den Flush für ihn bereit.

Ohne Position und mit einer starken Hand wollen wir unseren Gegner mit marginalen Händen und Bluffs betten lassen – der Check geht daher in Ordnung. Negreanu checkt ebenfalls. Die {q-Diamonds} am River zaubert die fünfte Karo-Karte aufs Board.

Jonathan Little Breaks analysiert die Hand

Wie würden Sie auf den River reagieren, wenn Sie Hellmuth wären? 4.800 befinden sich im Pot, effektiv spielen wir etwa 50 Big Blinds deep. Checken Sie den Flush? Würden Sie klein betten: 1.400? Mittelgroß ansetzen: 3.200? Oder aufs Ganze gehen: 6.000?

In dieser Situation kann man meiner Meinung nach entweder checken – mit dem Plan, ein Check-Raise zu spielen –, oder zu einem größeren Bet-Sizing greifen. Mit einem eigenen Karo-Flush wird Negreanu wahrscheinlich callen, vielleicht sogar, wenn er nur das Board – den Flush in der Mitte – spielt. Mit einem großen Bet-Sizing bringen wir Negreanu also mit seinen Nicht-Karo-Händen in Bedrängnis, und erzielen zugleich Value gegen Negreanus Hände, die ein Karo enthalten.

Vor der Bet sollte Hellmuth allerdings bedenken, wie Negreanus Range an dieser Stelle aufgebaut ist. Die Diskussion ist letzten Endes irrelevant, da Hellmuth checkt und Negreanu 2.400 anspielt. Wenn ich Hellmuth wäre, würde ich nur kleine bis mittelgroße Bets von Negreanu check-raisen – was hier gegeben ist. Der Grund: Kleine bis mittelgroße Bets deuten darauf hin, dass Negreanu mit mehr Händen for Value bettet.

Negreanu sollte mit dem {a-Diamonds} auf dem Turn relativ häufig betten, um einen Pot gegen Hellmuths schwächere Flushes aufzubauen. Zudem ist anzunehmen, dass Negreanu mit dem {a-Diamonds} auf dem River ein größeres Bet-Sizing wählen würde.

Negreanu weiß, dass Hellmuth vergleichsweise tight spielt. Deshalb würde er einem Check-Raise mehr Beachtung schenken. Die Wahrscheinlichkeit, dass er mittels 3-Bet am River bluffen würde, ist sehr gering.

Überraschenderweise callt Hellmuth lediglich – und ist vorne gegen Negreanus Flush mit {10-Diamonds}{9-Hearts}. Hätte Negreanu ein Check-Raise gecallt? Manche Beobachter sehen einen Fold als wahrscheinlich an. Sicher ist, dass wir es nie erfahren werden.

Schauen Sie sich für eine genauere Solver-Analyse dieser Hand das folgende Video an:

Jonathan Little ist ein professioneller Pokerspieler und Autor mit über $6,200,000 in Live Turnier Gewinnen. Er schreibt einen wöchentlichen Blog und moderiert einen Podcast auf JonathanLittlePoker.com. Sie können ihm auf Twitter unter @JonathanLittle folgen.

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