Der neue HoldemResources Calculator im Vergleich mit Simple Preflop Holdem

Gareth James Holdem Resources Calculator Simple Preflop Holdem

In seinem aktuellen Video nimmt Gareth James den brandneuen HoldemResources Calculator unter die Lupe – und vergleicht das Programm mit Simple Preflop Holdem. Testweise hat er mit beiden Tools die Ranges in einem Spot analysiert und nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten gesucht.


Letztes Jahr im Oktober habe ich einen Artikel verfasst und ein Video mit dem Titel „BB Defence Strategies“ gemacht, in dem ich den HoldemResources Calculator (HRC) und Simple Preflop Holdem (SPFH) verglichen habe. Zum damaligen Zeitpunkt war ich besorgt, weil ein paar bekannte, angesehene Pokerspieler, Autoren und Streamer der Meinung waren, das Programm könne vernünftige Opening-Ranges und Antworten auf diese Ranges – gescheite BB-Defending-Strategien – aufzeigen.

Ich war besorgt, weil ich wusste, dass HRC all das nicht kann – Einsätze nach dem Flop und/oder „Equity realisation“ werden nicht berücksichtigt.

Helmuth Melcher, Entwickler des HoldemResources Calculators, hatte mein Video gesehen und mich schließlich gefragt, ob ich eine Beta-Version eines integrierten Postflop-Solvers testen wollte. Der Solver sollte angeblich bessere Ergebnisse für Spots mit Flat-Calls und Limping-Spots liefern – also ergriff ich die Gelegenheit.

Im neuesten Video auf meinem YouTube-Kanal wage ich erneut den Vergleich beider Programme – wie schon im vergangenen Jahr.

Die Situation, die ich mir anschaue: Hero sitzt am Button, gegen beide Blinds wird effektiv um 20bb gespielt – wir wollen herausfinden, mit welchen Händen wir All-In gehen und welche Hände wir minraisen wollen. Danach überprüfe ich, wie SB und BB auf ein Button-Minraise reagieren.

Opening-Range am Button

Beide Tools kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Suited Wheel-Asse, kleine Paare, ein paar offsuit Ax und suited Hände wie T9s, JTs, QTs und K9s sowie Offsuit-Hände wie KQo und KJo landen in der Jamming-Range. Die Opening-Ranges fallen sehr ähnlich aus, was ein Gutes für die restliche Analyse verheißt.

Reaktion des Small Blinds auf ein Button-Minraise

Abermals ähneln sich die Ranges der Hände, mit denen wir callen und jammen wollen. Hände wie AA, K9s und A2o werden in beiden Tools zum Call, während sich 22 - QQ, viele Ax, die meisten Broadway-Hände und einige suited Kombinationen wie J9s und T9s als Jams entpuppen.

Reaktion des Big Blinds auf ein Button-Minraise

Zu guter Letzt war der BB an der Reihe – eine Situation, in der die alte Version des HRCs schwere Fehler gemacht hat. Angeblich sollte man 100 % der Hände spielen und Jams und Calls mischen. Ja – damit landen selbst Hände wie 72o und 83o in der Calling-Range. In meinem letzten Artikel und Vergleichs-Video der beiden Programme habe ich erklärt, dass man der beste Postflop-Spieler der Welt sein kann – 72o wird trotzdem nicht profitabel.

In der alten Version befand sich kein Postflop-Solver im Einsatz – das Tool nahm deshalb an, dass die Hand nach der Preflop-Runde vorbei ist und beide Spieler bis zum Showdown checken. Aus Erfahrung wissen Sie sicher auch, dass das keine realistische Annahme ist.

Aktualisierte Version

Nun, HRC beschert uns jetzt eine Lösung, die mit SPFH stark vergleichbar ist! Wirklich schwache Hände wie 72o und 83o landen richtigerweise in der Folding-Range. Hände wie ATs+, die meisten offsuit Ax, ein paar kleinere suited Könige, T9s und die allermeisten Paare werden als Jam erkannt.

Da die alte Version des HRCs nicht in der Lage war, den EV eines Preflop-Calls ordentlich zu berechnen, wurde Spielern mit Händen wie KQs und KJs der Jam nahegelegt – statt zu callen. Die neue Version rät nun zum Flat-Call, da beide Hände vor allem von ihrer „Equity realisation“ leben – sprich, der Preflop-Call ist dem Jam eindeutig überlegen.

Fazit

Im Oktober kam ich zum Schluss, dass der HRC in vielen Situationen brauchbar ist, vor allem in Push/Fold-Szenarien mit 8bb und weniger (egal, ob cEV oder $EV). Ich sagte aber auch, dass das Programm keine gescheiten BB-Defending-Strategien bereithält, die man ins eigene Spiel einbauen könnte – und dass man es dafür auch nicht verwenden sollte. Offensichtlich muss ich den letzten Satz jetzt zurücknehmen und die Software empfehlen, weil sie sehr wohl brauchbare Opening-Ranges und Reaktionen auf diese Ranges vorgeben kann. Wenn man sich vor Augen hält, dass das Tool auch ICM- und Bounty-Lösungen vor dem Final Table offenlegen kann (etwas, wozu SPFH glaube ich noch nicht in der Lage ist), gibt es zig Gründe, warum man sich über diese neue Version freuen sollte. Ich kann Ihnen den HoldemResources Calculator für Preflop-Situationen auf jeden Fall weiterempfehlen.


Gareth James ist der Cheftrainer und Gründer der MTT Poker School und der leitende Ausbilder für MTT Game Changer, ein interaktives Gruppen-Coaching-Programm, das sich an MTT-Spieler mit niedrigen und mittleren Stakes und Bankrolls richtet. Für weitere Informationen zu Gruppencoaching und Kursen, klicken Sie hier.

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