Hand Review: Wie Hellmuth Polk ausredete ihm $90,000 zu zahlen

Hellmuth's table talk backfired.

Vor kurzem ereignete sich in einer High Stakes Poker-Staffel eine der meistdiskutierten Hände im Frühjahr 2021. Manche sprechen gar vom besten Fold in der Geschichte der Show.

Im Grunde offenbaren viele Folds ein gehöriges Maß Disziplin und die Fähigkeit, den Gegner auf eine Range zu setzen. In dieser Hand ist das ein bisschen anders. Am Ende war hauptsächlich eines entscheidend: Der Table-Talk. Und es war nicht etwa der erfahrene Live-Profi, der seinem Gegner wichtige Hinweise entlockte. Stattdessen stolperte der Mann, der sich an den Live-Tischen pudelwohl fühlen sollte, über die Füße eines Online-Veterans.

Lassen Sie uns einen Blick auf die Hand werfen und ergründen, welche Lehren man aus ihr ziehen kann.

Die Hand

Das Hand-Spektakel ist ein Genuss – statt die Hand langatmig zu beschrieben, verweise ich daher einfach auf das Video, das PokerGO freundlicherweise bei YouTube hochgeladen hat:

Falls Sie das Video aus irgendwelchen Gründen nicht abspielen können, das Wichtigste in Kürze:

Hellmuth ist als dritter Spieler an der Reihe und erhöht auf $1.100 mit {q-Spades}{10-Hearts}. James Bord callt am Button mit {2-Hearts}{2-Clubs}; Polk macht im Big Blind ebenfalls den Call mit {10-Diamonds}{7-Clubs}. Am {j-Spades}{9-Spades}{8-Hearts} Flop spielt Bord $2.000 an. Polk erhöht auf $7.000, Hellmuth geht für $97.200 All-In. Daraufhin kommt es zum Table-Talk zwischen den beiden; Polk macht den starken Fold.

„Was könntest du hier problemlos haben?“

Polk dachte bei der Entscheidungsfindung laut nach; er gab zu Protokoll, fast sicher zu callen – trotzdem wollte er nachrechnen, nur für den Fall. Zum Glück für Polk spielte sich die Hand nicht online mit kurzer Zeitbank ab. Also erbat er sich schließlich doch Bedenkzeit, falls ihm doch ein Detail entgangen war, das ihm bei der Entscheidung helfen konnte.

Zu Anfang ließ Hellmuth Polk noch grübeln. Dann glaubte er aber wohl, Polk mit Worten zum Call bewegen zu können. Entscheidend war der Austausch, nachdem Polk angekündigt hatte, über einen irrsinnigen Fold nachzudenken. In Sorge, dass ihm der Call entwischen könnte, schritt Hellmuth ein.

„Ich meine, ich könnte hier problemlos … du weißt schon …“, begann er kleinlaut.

„Was könntest du hier problemlos haben?“, erwiderte Polk skeptisch. „Du hast gerade sehr viel in sehr, sehr wenig gebettet.“

„Ich könnte ein Set haben.“

„Kannst du wirklich ein Set haben? Ich glaube nicht, dass du hier ein Set hast. Komm schon, Phil, das kannst du besser.“

„Ich könnte die Blocker haben, zwei Zehnen.“

Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Polk war skeptisch in die Unterhaltung eingestiegen – nun dachte er ernsthaft über einen Fold nach. Verzweifelt versuchte sich Hellmuth zu retten – indem er darauf hinwies, dass er auch Ass-Zehn in Pik haben könnte.

Doug Polk
Polk hat Hellmuth kalt erwischt

Wie gut steht Zehn-Sieben da gegen Hellmuths Range?

Polk hatte die zweitbeste Hand – so viel ist klar. Doch die Frage lautet: Wie gut ist die zweitbeste Hand gegen Hellmuths Range in dieser Situation?

Es befanden sich weniger als $13.000 im Pot, als Hellmuth zum Shove ansetzte und über $97.000 in die Mitte stellte. Das heißt: Polk braucht 45% Equity, um mit dem Call kein Geld zu verlieren.

Mit dem ProPokerTools-Simulator können wir ein paar verschiedene Ranges testen.

Eine Hand, die Polk definitiv in Hellmuths Range sah, waren die Nuts: Dame-Zehn. Suited auf jeden Fall – vielleicht auch ohne Suit, wobei Hellmuth damit nicht unbedingt openraisen würde, weil hinter ihm noch mehrere Spieler an der Reihe sind. Man könnte ihm auch Zehn-Sieben suited geben. Zu guter Letzt sind Sets möglich, auch wenn Polk der Ansicht war, dass dem nicht so wäre.

Schauen wir uns einmal an, wie sich Polks Hand im Vergleich mit einigen Ranges schlägt:

Hellmuth RangePolk Equity
Queen-Ten suited, Ten-Seven suited, {a-Spades}{10-Spades}, {a-Spades}{q-Spades}29.94%
Queen-Ten suited, Ten-Seven suited, {a-Spades}{10-Spades}, {a-Spades}{q-Spades}, {j-}{j-}40.3%
Queen-Ten suited, Ten-Seven suited, {a-Spades}{10-Spades}, {a-Spades}{q-Spades}, {j-}{j-}, {9-}{9-}, {8-}{8-}48.82%
Queen-Ten suited, Queen-Ten offsuit, Ten-Seven suited, {a-Spades}{10-Spades}, {k-Spades}{10-Spades}, {k-Spades}{q-Spades},{a-Spades}{q-Spades}, {j-}{j-}, {9-}{9-}, {8-}{8-}35.02%

Wir sehen: Hellmuth müsste alle Sets, Straights und Ass-hoch-Combo-Draws shoven – das ist die einzige Situation, in der Polk über genug Equity verfügt, um den Call zu machen. Wenn wir mehr Combo-Draws und Dame-Zehn offsuit in die Range packen, sinkt Polks Equity sogar noch weiter ins Bodenlose.

Wenn Polk mit seiner Einschätzung richtig liegt und Hellmuth keine Sets in der Range hat, hat er einen glasklaren Fold – egal wie verrückt sich das mit der zweitbesten Hand anhört.

Mit seinen eigenen Worten geschlagen

Obwohl die Entscheidung so oder so knapp ausfällt, je nachdem, wie Polk Hellmuths Range sieht, hatte er eine große Hilfe: Der Table-Talk seines Gegners. Auch wenn Polk normalerweise auf die mathematische Theorie beharrt und in der Vergangenheit dafür eingetreten ist, sich nicht zu weit vom spieltheoretischen Optimum zu entfernen, vertraute er diesmal auf seinen Read.

Hellmuth hat einfach den Fehler gemacht, überhaupt zu sprechen – er hatte nichts zu sagen, was für ihn von Vorteil gewesen wäre. Er hatte keine Strategie. Das hat er auch schnell erkannt, schließlich verstummte er beinahe, noch bevor er richtig losgelegt hatte. Er wusste, dass er nicht problemlos viele Hände haben kann, wenn er nach einer Bet von $7.000 auf $97.200 erhöht.

Hätte Hellmuth „normal“ geraist – zum Beispiel auf $30.000 –, hätte er tatsächlich verschiedene Hände haben können. Sets könnten so spielen. Vielleicht könnte man mehr Combo-Draws in seiner Range entdecken. Vielleicht könnte man ihm auch die Blocker attestieren, auf die er in seinen Ausführungen so beharrt hatte.

Ganze Bücher haben sich mit Table-Talk auseinandergesetzt. Es ist ein Thema, das des Öfteren in Strategie-Artikeln auftaucht, auch hier bei PokerNews.

Für gewöhnlich ist man besser damit bedient, den Mund zu halten. Wenn man sich entschließt, zu sprechen, sollte man sich jedoch einen Plan zurechtlegen und wissen, wie sich das Gesagte auf die Entscheidung des Gegners auswirkt.

Hellmuth hat all das nicht beachtet. Die Mathematik gepaart mit dem Table-Talk haben Polk keine andere Wahl gelassen. Der Mann, der es liebt, anderen eine Falle zu stellen, hat sich selbst in einer verfangen. Teuer war es obendrein: $90.000 könnten ihm entgangen sein!

Sie finden de.PokerNews auch auf Twitter.

MEHR ARTIKEL

Weitere Artikel