Hand Ranges vergleichen bei einem Bluff Catch

Dominik Nitsche

Vor kurzem habe ich im PokerStars & Monte-Carlo©Casino EPT €100K Super High Roller eine interessante Hand gespielt. Die Hand zeigt, dass wir beim Bluffcatchen nicht nur vermuten wollen, dass der Gegner blufft – wir wollen auch Karten haben, die es wahrscheinlich oder unwahrscheinlich machen, dass unser Gegner bluffen könnte.

Der 2. Spieltag hatte bereits begonnen, ein paar Stunden waren an uns vorübergezogen und wir hatten bereits mehr Spieler verloren als zu erwarten war. Ich glaube, es gab nur noch zwei Tische – die letzten sechs Spieler sollten das Geld erreichen. Ich hatte mir bei Blinds von 5.000/10.000 (plus 10.000 Big Blind-Ante) einen Stack von 1 Million Chips aufgebaut, ich hatte also 100 BBs zur Verfügung.

Preflop

Christoph Vogelsang, mit dem ich es in dieser Hand hauptsächlich zu tun hatte, war der Chipleader am Tisch. Christoph ist offensichtlich ein sehr guter Spieler – im Turnierverlauf war er im Cutoff sehr aktiv, wenn ich den Button hatte. Nick Petrangelo saß im Small Blind, Ali Reza Fatehi war der Big Blind.

Ich ging davon aus, dass Christophs Opening-Range vom Cutoff aus recht breit aufgestellt ist und etwa 38 - 40 Prozent aller Hände einschließt. In dieser Range sind alle Ax suited- und Kx suited-Hände zu finden, außerdem Q4 suited oder Q5 suited und besser, J5 suited oder J6 suited und besser, sowie alle kleinen suited Gapper und ein paar andere Hände. Im Spiel weiß man nie genau, welche Hände in einer 40-Prozent-Range ganz unten auftauchen, aber wir wollen auch nur eine ungefähre Einschätzung vornehmen.

Gegen eine derart breit aufgestellte Opening-Range habe ich von Anfang einen Gameplan im Kopf. Ich weiß beispielsweise, welche Hände ich am Button wie oft 3-betten oder callen will. An dieser Stelle werde ich einfach sagen, was ich hatte: {K-}{Q-} (ohne Herz). Mit dieser Hand kann man nichts falsch machen, egal, ob wir callen oder 3-betten. In diesem Fall habe ich mich für den Call entschieden, aber in anderen Situationen wäre auch ein Reraise infrage gekommen.

Ich sollte vielleicht hinzufügen, dass Ali (ein Hobby-Spieler) im Big Blind dafür sorgt, dass ich häufiger nur callen will. Es gibt viele strategische Elemente, die bei dieser Entscheidung eine Rolle spielen. Manche werden sagen, dass wir in dieser Situation in 10 - 15 Prozent der Fälle 3-betten sollten, andere werden behaupten, wir sollten nur noch in 6 - 7 Prozent der Fälle reraisen, wenn sich ein Amateur-Spieler in den Blinds befindet.

Wenn wir diesen Ansatz auf die Spitze treiben, reraisen wir am Ende nur noch gute Hände, was es dem Cutoff sehr einfach macht, gegen uns zu spielen (was für uns natürlich weniger profitabel ist). Zudem lassen wir den Cutoff mit schwachen Händen viel häufiger den Flop sehen, wenn wir zu passiv agieren, was auch nicht in unserem Sinne ist.

Was ich damit sagen will: In diesen Spots ist Balancing das A und O und wir sollten auch dann aktiv 3-betten, wenn ein Hobby-Spieler im Big Blind sitzt, den wir eigentlich in der Hand behalten wollen.

Der Flop

Ali machte im Big Blind den Call und der Flop wurde aufgedeckt: {Q-Hearts}{J-Diamonds}{4-Hearts}. Ali checkte zum Preflop-Aggressor und Christoph dachte eine Weile nach (wie sonst auch), bevor er sich für eine Continuation-Bet für 40 Prozent Pot entschied.

Das ist ein gutes Play von Christoph. Ich persönlich würde diesen Flop meistens checken, da die Button-Range viele Broadway-Karten beinhaltet. Tatsächlich trifft dieser Flop meine Range vermutlich stärker als er die Range von Christophs oder Alis Range trifft.

Deshalb konnte ich mir nach Christophs Bet nicht vorstellen, dass er hier zu weit betten würde – er hatte wahrscheinlich etwas, darunter verstehe ich auch Hände wie T9 oder AT und Flushdraws. Auch Asse, Könige, QJ, 98 oder sogar Q4 suited (das untere Ende seiner Range) waren möglich.

Ich war mit meiner Hand zufrieden und hatte kein Problem damit, Christophs C-Bet zu callen. Ich war auch froh zu sehen, dass Ali seine Hand in den Muck warf.

Der Turn

Am Flop habe ich übrigens schon darüber nachgedacht, wie ich die späteren Streets weiterspielen werde. Natürlich sollte man immer einen Plan haben und in einem Turnier mit einer 30-sekündigen „Shot-Clock“ muss ich mir am Flop bereits darüber Gedanken machen, wie ich am Turn und River vorgehen will.

In diesem Fall habe ich vor allem über meine Hand ({K-}{Q-}) nachgedacht und über andere Hände, mit denen es sinnvoll ist, zu bluffcatchen. Ich habe eingangs erwähnt, dass meine Hand kein Herz hatte – das ist nicht unwichtig, wenn am Flop zwei Herz-Karten aufgedeckt werden, da Christoph so mehr Flushdraws und infolgedessen mehr Bluffs haben kann.

Der Turn war die {9-Clubs} – eine interessante Karte, bei der ich mir nicht sicher bin, ob sie für meine oder seine Range besser ist. Beim Spielen dachte ich, sie wäre besser für mich, weil ich alle KT offsuit-Hände, einen Haufen QJ-Hände, J9 suited und Q9 suited sowie Pocket-Vierer haben kann.

Diesmal spielte Christoph rund 60 Prozent des Betrags im Pot an. Jetzt sind natürlich T8 suited oder sogar KT möglich, obwohl die Tatsache, dass ich einen König habe, seine Straight-Kombos reduziert. Wenn am River eine Zehn aufgedeckt wird, habe ich selbst eine Straße. Gegen Hände wie J4, Q4, Q9 und J9 habe ich also immer noch Equity, daher kann ich eine 60 Prozent-Bet callen, was ich auch getan habe.

Der River

Der River brachte die {4-Clubs}, damit sah das Board wie folgt aus: {Q-Hearts}{J-Diamonds}{4-Hearts}{9-Clubs}{4-Clubs}. Der Flushdraw war nicht angekommen und auch ein paar Straightdraws gingen leer aus. Christoph platzierte jetzt eine große Bet – das 1,5-fache des Pots – und ich musste überlegen, wie ich darauf reagieren will.

Hand Ranges vergleichen bei einem Bluff Catch 101
Christoph Vogelsang

Mir gefällt Christophs Bet richtig gut. Er weiß ganz genau, dass er der einzige ist, der Pocket-Buben oder Pocket-Damen haben kann. Er ist auch der einzige, der Q4 suited in der Range hat. Außerdem weiß er, dass ich am Button bestenfalls KT oder Pocket-Vierer haben kann. Nur mit diesen Händen kann ich den River mit einer guten Hand erreichen. Mit anderen Worten: Für mich ist es verdammt schwierig, eine Hand zu haben, die gegen eine große Overbet am River nicht folden will.

Christophs Sizing macht auf jeden Fall Sinn. Er weiß, dass er der einzige ist, der Full Houses haben kann. Er kann selbst KT so betten. Letzten Endes kennen wir uns beide ziemlich gut und Christoph weiß, dass ich bluffcatchen kann – dass ich also mit schwächeren Händen calle, weil ich weiß, dass er hier bluffen kann.

Ich muss mich nur fragen, welche Hände hier als gute Bluffcatcher infrage kommen. Ich kann Christoph nicht nur mit starken Made Hands callen – andernfalls nimmt er mich am Tisch auseinander.

Meine {K-}{Q-}-Hand ohne Herz ist ein guter Bluffcatcher, weil ich Christophs Bluffs nicht blocke. Da ich nicht den {K-Hearts} habe, gibt es eine Menge Hände, die sich wunderbar für einen Bluff mit dem {K-Hearts} eignen – darunter vor allem {K-Hearts}{x-Hearts}-Hände. Wenn ich Christoph wäre und den {K-Hearts} hätte, könnte ich mir gut vorstellen, dass ich hier bluffen will – das wäre ein fantastischer Bluff. Das Problem für uns ist natürlich, dass Christoph auch viele starke Value-Hände haben kann (wie die, die ein Full House getroffen haben).

Schließlich habe ich mich mit meinem guten Bluffcatcher für den Call entschieden. Leider war Christoph diesmal nicht am Bluffen – er hatte {Q-Spades}{4-Spades}, eine seiner wenigen Full House-Kombos.

Es ist schwierig zu behaupten, dass ich die Hand richtig gespielt habe, da ich von Anfang an gesagt habe, dass Q4 suited ein Teil von Christophs Range sein könnte. Wenn wir uns das Board anschauen, gibt es allerdings nur zwei Kombos, die er haben kann: {Q-Spades}{4-Spades} oder {Q-Diamonds}{4-Diamonds}. Christoph hat die Hand auf jeden Fall sehr gut gespielt und er hatte es verdient, bei diesem Event Zweiter zu werden.

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