Hand Analyse: Tausend Möglichkeiten Glück zu haben

Hand Analysis: A Thousand Ways to Get Lucky

Kennen Sie diese Spieler, die unaufhörlich damit beschäftigt sind, jedem auf die Nase zu binden, wie viel Pech sie hatten? Glauben Sie, dass diese Spieler auf die Idee kommen, dass jedes Mal, wenn sie Pech haben, ein anderer Otto-Normal-Spieler im gleichen Maße Glück gehabt haben muss?

Wenn wir No-Limit Hold’em spielen und außergewöhnlich viel Glück haben, ziehen wir oft die falschen Lehren daraus. Vorausgesetzt, wir ziehen überhaupt eine Lehre daraus. Da die Situation vergleichsweise selten ist – und weil das Gewinnen einer Hand alles andere überschattet –, ist es schwierig, eine solche Hand gewinnbringend zu nutzen, um sich zu verbessern.

Im folgenden Artikel gebe ich Ihnen ein Beispiel, wie eine solche Hand und Handanalyse aussehen kann. In dieser Hand hat ein Spieler Glück und gewinnt, aber weil er gewonnen hat, ist er vielleicht nicht imstande, zu erkennen, dass er die Hand eigentlich falsch gespielt hat.

Preflop ein Squeeze, auf dem Flop die C-Bet

Die Hand hat sich online auf dem NL100-Limit (Blinds von $0,50/$1) abgespielt. Ein Spieler Under the Gun openraist auf $3 und bekommt von einem Regular am Button den Coldcall. Danach kassieren beide Spieler das Squeeze eines weiteren Regulars, der aus dem Small Blind heraus auf $15 3-bettet.

Der UTG-Spieler entscheidet sich für den Fold, aber der Button – vermutlich, weil beide Spieler 190 Big Blinds deep sind – ist bereit, seine Hand gegen den Regular weiterzuspielen.

Der {A-Clubs}{6-Clubs}{3-Hearts} Flop wird aufgedeckt. Ohne Position ist der Squeezer im Small Blind nicht dazu verpflichtet, diesen Flop zu betten. Schließlich hat der SB ein paar Hände wie {Q-}{Q-} und {K-}{K-} in der Range, die einen Turn sehen und den Pot klein halten wollen. Er könnte auch ein Ass mit Backdoor-Potenzial (zum Beispiel {A-}{4-}) haben – preflop hat er geblufft und jetzt den Flop getroffen; die Hand ist aber zu schwach, einen Pot aufzubauen, daher überlässt er das Betten lieber seinem Kontrahenten, gesetzt den Fall, dass überhaupt gebettet wird.

Der Squeezer in unserer Beispiel-Hand entscheidet sich jedoch für eine C-Bet von $15. Der Button macht den Call.

Aus der Entscheidung, zu c-betten, können wir schließen, dass der Squeezer keine der genannten Hände hält, die ein Interesse daran haben, die Größe des Pots zu kontrollieren.

Top-Pair gegen Top-Pair?

Der Turn bringt die {10-Diamonds} und die Action geht munter weiter – der Small Blind spielt diesmal $42 an und der Regular in Position macht erneut den Call.

Jetzt können wir ziemlich sicher davon ausgehen, dass beide Spieler eine Art Top-Pair oder besser haben müssen. Aus den weiter oben angeführten Gründen können wir ein mittelstarkes Paar wie {A-}{2-} oder {A-}{7-} aber nur selten in der Range des Small Blinds vermuten.

Ein Kreuz-Flushdraw ist ebenfalls möglich, aber das Ass auf dem Board reduziert die Anzahl der Kombinationen, die der Small Blind haben kann. Wenn ein Spieler den Flushdraw hält, ist dieser mit einer höheren Wahrscheinlichkeit beim Button zu finden.

Der River zaubert die nächste Offsuit-Zehn aufs Board – die {10-Hearts} komplettiert das {A-Clubs}{6-Clubs}{3-Hearts}{10-Diamonds}{10-Hearts} Board. Der Small Blind setzt seine Geschichte fort – dass er eine starke Hand gefloppt (und „geprefloppt“, geturnt und gerivert hat) – und geht All-in.

Der Button hat mit {10-Clubs}{9-Clubs} Backdoor-Trips getroffen. Da sich das Board so entwickelt hat, dass der Small Blind ein paar Bluffs haben (etwa {K-}{Q-}, {K-}{J-}, einen zufälligen Flushdraw) und schlechtere Hände value-shoven kann (hauptsächlich {A-}{K-}), ist es für den Button nahezu unmöglich, zu folden.

Es ist auch fast unvorstellbar, dass der Button geschlagen ist. Aber der Button hat tatsächlich die zweitbeste Hand – der Small Blind war mit {A-Diamonds}{A-Hearts} die ganze Zeit vorne. Der Button hatte Pech, aber er sollte nicht annehmen, dass er einen Fehler gemacht hat.

Was lernen wir daraus?

Welche Lehren kann der Small Blind allerdings aus seiner Hand ziehen? Vielleicht hat er gar keinen Lernerfolg oder vielleicht glaubt er, dass er ein großartiger Pokerspieler ist. Das wäre allerdings ein Fehler.

Auf einem Flop wie in unserem Beispiel ist unklar, warum der Small Blind betten will. Er ist auf dem Board fast unaufhaltsam vorne und die einzig Hand, gegen die er ein wenig Protection braucht, ist die Hand, die der Button zufälligerweise hält. Wenn der Small Blind allerdings die Strategie mit dem höchsten Erwartungswert spielen will, ist es am besten, Top-Set in diesem Spot zu checken. Der Button wird nämlich relativ selten einen Flushdraw floppen.

Nur sehr ausgewählte Hände können den SB nach seiner Line ausbezahlen, hauptsächlich {10-Clubs}{8-Clubs}, {10-Clubs}{9-Clubs}, {J-Clubs}{10-Clubs}, {Q-Clubs}{10-Clubs}, sehr selten auch {A-}{10-} (nur {A-Spades}{10-Spades} ist als suited Kombination möglich) oder ein schlechteres geflopptes Set {6-}{6-} oder {3-}{3-}.

Der springende Punkt ist folgender: Der Small Blind hätte diese Hände so oder so gestackt. Seine Line hat darauf abgezielt, von Händen Action zu bekommen, von denen er sowieso das ganze Geld bekommen hätte. Gleichzeitig hat seine Line dafür gesorgt, dass viele andere Hände, die ihm auf die eine oder andere Weise Value hätten einbringen können – noch dazu fast ohne Risiko –, allesamt folden.

Und noch ein Punkt: Jedes Mal, wenn der Flop einen Flushdraw möglich macht (wie unser Beispiel-Flop {A-Clubs}{6-Clubs}{3-Hearts}), hat der Button für jeden Flushdraw mindestens drei Kombinationen Air. Vorausgesetzt, er erreicht den Flop mit {10-Clubs}{9-Clubs} und spielt {10-Diamonds}{9-Diamonds}, {10-Spades}{9-Spades} und {10-Hearts}{9-Hearts} genauso.

Hände wie {A-}{A-}, die Top-Pair auf diesem Flop blocken, können nicht von vielen Händen Value bekommen. Allerdings sind sie gegen die meisten anderen Hände mit weitem Abstand vorne. Die „meisten anderen Hände“ im Pot zu behalten, ist also vielversprechend.

Dieser Strategie Artikel von Gareth Chantler für PokerNews ist gesponsert von partypoker.

Foto: "Four Leaf Clover” (adapted), Tony Alter, CC BY 2.0.

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