Hand Analyse: Können Sie ein Full House folden

Hand Analyse

Two Pair ist nicht gleich Two Pair und kein Full House gleicht seinem Nachbarn. Manchmal ist es schwierig, die eigene Hand und Handstärke richtig auszuloten. Beim Hand-Reading geht es häufig darum, die relative Handstärke zu begreifen.

Die folgende Hand – gespielt wurde an einem Online-Cashgame-Tisch – ist ein gutes Beispiel für den Unterschied zwischen absoluter und relativer Handstärke.

Der Pot wird aufgeblasen

Diese Online-Poker- Hand hat sich an einem 6-max-Zoom-Tisch auf NL100 ($0,50/$1) abgespielt. Die beiden Blinds treten gegeneinander an, beide Spieler starten mit etwa $190.

Der Small Blind raist auf $3 und kassiert eine standardmäßige 3-Bet auf $9. Dem Small Blind ist der Pot noch nicht groß genug und er entscheidet sich für eine 4-Bet auf $28. Das ist eine überraschend große 4-Bet, die mit Sicherheit alle marginalen Hände, die der Big Blind haben kann, zum Fold zwingt.

Ranges und Sizing

In unserer Beispiel-Hand hat der Big Blind natürlich gecallt – eine Entscheidung, die auf eine starke Hand schließen lässt. Die Preflop-Range, mit der Ihr Gegner weiterspielt, wird sich abhängig vom Sizing verändern. Daher spricht der Call einer größeren 4-Bet auch für eine stärkere Hand.

Wenn die 4-Bet $15 gewesen wäre, würde der Big Blind häufiger oder mindestens genauso oft weiterspielen wie bei einer 4-Bet auf $16, $17, $18 und so weiter.

Ab welchem größeren 4-Bet-Sizing Ihre Gegner tatsächlich mehr folden, ist keine exakte Wissenschaft – vor allem bei Freizeitspielern können wir keine sicheren Annahmen treffen. In unserem Beispiel können wir nur sicher davon ausgehen, dass sich das große Sizing auf die Calling-Range auswirken wird, auch wenn wir uns die Hand ohne Reads anschauen.

Das Board bleibt trocken

Der {10-Diamonds}{8-Spades}{10-Clubs} Flop wird aufgedeckt und der Small Blind platziert eine Bet von $18 – im Pot befinden sich zu diesem Zeitpunkt $56.

Auf diesem Board und bei diesem Sizing ist es schwierig, Hände zu finden, die der Big Blind preflop gegen eine große 4-Bet callen und dann auf diesem Flop aufgeben kann. Mit Sicherheit wird das Sizing Hände wie {A-}{9-} offsuit oder {A-}{J-} offsuit zum Folden zwingen, aber wie häufig wird der Gegner mit diesen Händen den $28 teuren Flop erreichen? Nicht besonders oft.

Der Big Blind macht wieder den Call.

Der {J-Diamonds} am Turn macht ein paar Draws möglich, aber beide Spieler checken die Karte. Damit können wir einige Hände aus den Ranges beider Spieler streichen, aber der Big Blind kann nach wie vor ein Monster slowplayen. Es ist auch vorstellbar, dass der Small Blind einen Draw {K-}{Q-} nicht betten wollte, um gegen ein Raise nicht folden zu müssen, aber es ist eher unwahrscheinlich, dass der Small Blind Hände wie {9-}{7-} suited oder {Q-}{9-} suited checken würde.

Der {10-Hearts} River komplettiert das Board: {10-Diamonds}{8-Spades}{10-Clubs}{J-Diamonds}{10-Hearts}. Da jetzt Trips auf dem Board liegen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass jemand ein Full House hat, natürlich enorm.

Der Small Blind spielt $48 an – der Big Blind geht ohne eine Sekunde nachzudenken für weitere $97 All-in.

Die Hoffnung auf den Chop

Der Big Blind wird in dieser Situation nur selten bluffen – völlig egal, ob wir online oder anderswo spielen. Die meisten Flop-Draws sind zu einem Full House geworden, die einzige Ausnahme ist wohl {7-}{6-}. Daher muss der Small Blind hoffen, dass der Big Blind eine Hand wie {A-}{Q-} oder {K-}{Q-} in einen Bluff verwandelt – und diese Hand muss bei dieser Überlegung erst einmal die große 4-Bet vor dem Flop callen und gegen die C-Bet ohne Treffer weiterspielen.

Es ist denkbar, dass diese Hände bis zum River kommen, aber es ist unwahrscheinlich, dass der Big Blind den River mit ihnen so spielen würde. Hobby-Spieler wie Regulars checken den Turn nur selten hinterher, um einen River zu bluff-shoven, auf dem der Gegner viele Full Houses repräsentieren kann.

Genauso ist es fast sicher, dass der Small Blind eine gute Hand haben muss, da nur wenige Spieler am Turn checken würden, um ausgerechnet diesen River zu bluffen.

Jetzt lautet die Frage aber: Was genau sollte der Small Blind mit einer Hand wie {K-Clubs}{J-Clubs} machen (das war übrigens seine Hand)? Ich glaube, er sollte folden.

Die Entscheidung für den Fold hängt mit der Preflop-Spielweise zusammen. Zu Beginn der Hand sind die Stacks deep und aus diesem Grund sollte der Spieler ohne Position seine gesamte 4-Betting-Range größer 4-betten. Aber so viel größer? Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen $28 und $25. Ein derart großes Sizing kann den Big Blind dazu verleiten, Buben, Damen, Könige oder Asse nur zu callen, da er davon ausgehen kann, dass der Small Blind mit seinen Bluffs weitere große Bets abfeuern wird.

Und was ist die schlechteste Hand, mit der der Big Blind for Value All-in gehen kann (wenn wir annehmen, dass er keine Bluffs in der Range hat)? Suited Hände wie {Q-}{J-}, {Q-}{9-} oder {Q-}{8-}? {J-}{J-} sind hier auch möglich und gegen Damen, Könige und Asse vorne. Die Wahrscheinlichkeit für Quads müssen wir ebenfalls einkalkulieren.

Die Wahrheit ist, dass nicht alle Full Houses gleich gut sind und König-Bube in dieser Situation nur einen Bluff schlagen kann.

Wir haben einige Gründe aufgezählt, die dafür sprechen, {K-Clubs}{J-Clubs} zu folden – angefangen bei der Preflop-Spielweise bis zum River-Shove. Der Small Blind wollte seine Hand allerdings nicht aufgeben und durfte sich nach dem Call zwei wenig überraschende Karten in der Hand seines Gegners anschauen: {A-Diamonds}{A-Hearts}.

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Kommentare

  • AceDeuce1969 AceDeuce1969

    Warum gibt dem BB keiner eine ATs ??
    Da der SM am Turn auf top 2 nicht anspielt, könnte auch der BB sein Set am Flop und am Turn erstmal slow-rollen. Bzw. bleiben wir hier ja auch die Diskussion schuldig: was gibt der SM dem BB, da der BB preflop 3-bettet und dann den 4-bet bezahlt (mit ATs auf jeden Fall vorstellbar) ?

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