World Series of Poker Europe

Haben Sie keine Angst sich am Poker Tisch zu blamieren

Stop Being Embarrassed at the Poker Table

Vor kurzem habe ich mit ein paar Leuten aus meinem Freundeskreis über die World Series of Poker gesprochen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gerade eine Woche Poker im Rio All-Suite Hotel and Casino hinter mir.

Bei diesen Leuten handelt es sich um Pokerfreunde – Leute, die das Spiel lieben, aber noch nie in einem Casino gespielt, geschweige denn an einem WSOP-Event teilgenommen haben. Sie spielen regelmäßig Homegames, die Einsätze liegen für gewöhnlich bei $0,25, $0,50 und $1. Obwohl sie einer erfolgreichen Berufstätigkeit nachgehen und problemlos 100-mal so hohe Stakes spielen könnten, bleiben sie ihren Homegames treu. Weil sie sich in dieser Spielumgebung am wohlsten fühlen.

Gelegentlich habe ich sie zu ermuntern versucht, in Las Vegas zu spielen, aber dagegen haben sie sich immer gesträubt. Alle haben den gleichen Grund angegeben, warum sie nicht nach Las Vegas wollen: Sie haben die Angst, sich zu blamieren.

In der Pokerwelt ist das kein überraschendes Gefühl – die Angst, sich lächerlich zu machen. Es ist kein schönes Gefühl, dumm auszusehen. Niemand mag es, von anderen barsch zurechtgewiesen zu werden. Und dieses Gefühlschaos ist dafür verantwortlich, dass sich nicht wenige sogar Gewinnchancen entgehen lassen.

Ängste, die das Gewinnen erschweren

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Gespielt wird $1/$2 No-Limit Hold’em. Drei Spieler callen den Big Blind, bevor der Button an der Reihe ist. Alle haben $300 vor sich stehen. Der Button ist ein junger Kerl mit Sonnenbrille, Baseballmütze und Ohrhörern, der auf $15 erhöht. Zwei Spieler machen den Call.

Der Flop wird aufgedeckt: {A-Hearts}{9-Spades}{2-Clubs}. Es wird zum Button gecheckt, der eine C-Bet von $35 platziert. Ein Spieler callt.

Am Turn taucht eine weitere Zwei auf, die {2-Diamonds}, und der erste Spieler checkt erneut. Diesmal spielt der Button $100 an. Der erste Spieler macht wieder den Call.

Der River bringt die {7-Diamonds}, das Board ist komplett: {A-Hearts}{9-Spades}{2-Clubs}{2-Diamonds}{7-Diamonds}. Der erste Spieler checkt, der Button bettet $125 und der erste Spieler callt. Der Button wirft seine Karten in den Muck, ohne sie zu zeigen. Er gibt auf, weil er davon ausgeht, dass der Caller eine bessere Hand haben muss, ohne dass er dessen Karten gesehen hat.

Das ist doch verrückt. Warum sollte man das tun? Warum aufgeben, ohne in den Showdown zu gehen? Ist sich der Button wirklich so sicher, dass sein Gegner eine bessere Hand hat, dass er sich mit dem Fold jeder Gewinnchance beraubt? Vielleicht hat der andere aus Versehen gecallt. Vielleicht erinnert sich der andere falsch an seine Hand. Vielleicht glaubt der andere, dass er einen Bluff schlagen kann, obwohl der Bluff stärker ist als der Bluffcatcher. Vielleicht erinnert sich der Button falsch an seine Hole Cards. Es gibt viele Möglichkeiten.

Nur eines ist sicher: Wer foldet, verliert auf jeden Fall. Wer seine Hand zeigt, hat aber zumindest eine kleine Chance, zu gewinnen – und sei es noch so unwahrscheinlich.

Der Button würde wahrscheinlich behaupten, dass er seinen Gegner im Unklaren lassen wollte. Durch den Fold hat der Gegner aber Gewissheit, dass der Button mit einer extrem schwachen Hand geblufft hat. Die Hand war sogar so schwach, dass sie nicht einmal für den Showdown gereicht hat. Wo liegt da der Vorteil?

Die Wahrheit ist, dass es nur einen Grund gibt, warum der Button am River foldet, ohne seine Karten zu zeigen. Es ist ihm peinlich, weil seine Hand miserabel ist und er will niemandem zeigen, wie schwach er wirklich war. Das ist der einzige Grund für den Muck.

Und das ist der gleiche Grund, warum viele Homegame-Spieler nicht ins Casino gehen wollen. Sie haben Angst davor, sich zu blamieren.

Lassen Sie nicht zu, dass Ängste Ihr Spiel beeinflussen

Die Angst, sich lächerlich zu machen, ist in der Pokerwelt groß. Ich habe viele Spieler erlebt, die verzweifelt zu erklären versuchen, warum sie eine Hand auf eine bestimmte Weise gespielt haben. Sie hatten Angst davor, als Donk abgestempelt zu werden, wenn sie ihre Spielweise nicht ausreichend begründen können. Ich habe mitbekommen, wie Streit entbrannt ist, weil ein Spieler unbedingt seinen Call verteidigen wollte und alle anders lautenden Analysen in den Wind geschlagen hat.

Dabei ist die Sache ganz einfach: Es spielt keine Rolle. Es interessiert niemanden. Niemand wird sich lange an irgendeiner Hand aufhalten.

Für erfahrene Spieler gibt es drei Gelegenheiten, in denen man besonders gut üben kann, mit diesem überflüssigen Gefühl umzugehen:

  1. Jemand kritisiert Ihr Spiel und behauptet, dass Sie gegen eine Bet hätten folden sollen. Genießen Sie den Moment. Die Kritik ist unbedeutend.
  2. Sie werden auf dem River gecallt und haben Angst davor, wie ein Idiot auszusehen, weil sie eine schwache Hand haben. Zeigen Sie Ihre Hand trotzdem. Vielleicht haben Sie etwas übersehen.
  3. Sie haben den Pot gewonnen, obwohl Sie dachten, dass Sie eine andere Hand haben. Das sollte Ihnen nicht eine Sekunde lang peinlich sein. Beglückwünschen Sie sich, dass Sie die beste Hand nicht gefoldet haben.

Neue Spieler, die vielleicht zum ersten Mal ins Casino gehen, haben oftmals drei Sorgen, die eigentlich keine sind:

1. Ihr Anfänger-Fehler zeigt den anderen, dass Sie ein unerfahrener Spieler sind.

Für einen Dummkopf gehalten zu werden, ist im Casino keine schlechte Sache. Wenn Sie für einen Schwachkopf gehalten werden, werden Ihre Mitspieler Sie und (häufig auch) Ihre Hand in den Folgehänden unterschätzen. Das kann Ihnen nur zum Vorteil gereichen.

2. Ihr Anfänger-Fehler könnte erfahrene Spieler verärgern.

Auch das kann sich als Vorteil herausstellen. Falls sich ein Gegner über einen Fehler, der Ihrer Unerfahrenheit geschuldet ist, ärgert, trifft er in den Folgehänden vielleicht schlechtere Entscheidungen. Und würde sich ein guter Gegner wirklich so einfach um sein Spiel bringen lassen?

3. Sie werden für eine verlorene Hand beschuldigt – als Grund wird Ihr schlechtes, mangelhaftes Spiel angegeben.

Jeder Spieler, der einen schlechten Spieler für seine eigenen schlechten Plays verantwortlich macht, offenbart ein klaffendes Leak, weil es keine gute Idee ist, andere Spieler auf ihre Fehler hinzuweisen. Seien Sie dankbar, dass Ihr Gegner Ihnen einen Einblick in seine Denkweise gewährt, und machen Sie nicht den gleichen Fehler wie er, wenn Sie Ihre Gegner bei schlechten Plays erwischen.

Fazit

Es gibt jede Menge Sorgen, die Sie vor dem Gang ins Casino beschäftigen könnten. Sind Ihre Gegner in der Lage, Ihre Fehler zu bestrafen? Sind die anderen Spieler besser als Sie? Treffen Sie die richtigen Entscheidungen? Haben Sie eine Bankroll, die groß genug ist, um die Swings abzufangen? Mit diesen Fragen müssen Sie sich zwangsläufig auseinandersetzen.

Die Sorge, sich vor anderen Pokerspielern zu blamieren, sollte auf dieser Liste allerdings nicht auftauchen. Lassen Sie sich von dieser irrationalen Angst nicht in Ihrem Spiel beeinflussen, niemals.

Ashley Adams spielt seit 50 Jahren Poker und schreibt seit 2000 darüber. Er ist der Autor hunderter Artikel und zweier Bücher: Winning 7-Card Stud (Kensington-Verlag, 2003) und Winning No-Limit Hold’em (Lighthouse-Verlag, 2012). Darüber hinaus moderiert er die Poker-Radiosendung House of Cards. Erfahren Sie auf www.houseofcardsradio.com mehr über die Ausstrahlungstermine, die Sender und Podcasts.

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