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Gute Spieler in Small Stakes Cash Games ausspielen

Outplaying Good Players in Small Stakes Cash Games

Viele Spieler mokieren sich gerne über die Cashgames auf den Small Stakes, da sich dort oftmals blutige Anfänger herumtreiben oder Leute, die wirklich keine Ahnung haben, was sie eigentlich tun. Die traurige Wahrheit ist aber, dass Sie bei den heutigen Cashgames schon auf den kleinsten Limits auf sehr intelligente Spieler treffen können.

Natürlich sollten Sie sich in jeder Partie vornehmlich darauf konzentrieren, die schlechten Spieler ausfindig zu machen und deren Schwächen auszunutzen. Allerdings werden Sie früher oder später eine Hand spielen, in der Sie sich gegen einen geschickten Gegner zur Wehr setzen müssen.

Aus diesem Grund geben wir Ihnen in diesem Artikel das Rüstzeug an die Hand, mit dem Sie sich gegen die besseren Spieler auf den Low Stakes wappnen und diese zum Teil sogar ausmanövrieren können.

1. Lassen Sie die guten Spieler rechts sitzen

Um gegen gute Spieler mehr Erfolg zu haben, sollten Sie zuallererst dafür sorgen, dass diese nach Möglichkeit rechts statt links von Ihnen sitzen.

Position auf andere Spieler zu haben, ist beim Pokern unglaublich wichtig. So wichtig, dass bei zwei gleich guten Spielern derjenige, der links vom anderen sitzt, langfristig eine riesige Edge entwickelt.

Das liegt daran, dass der Spieler in Position in fast jeder Hand als letztes agieren kann. Wenn er seine Value-Bets platziert oder Bluffs wagt, wird er bereits wissen, was Sie von Ihrer Hand halten. Umgekehrt müssen Sie aber immer ohne diese Informationen auskommen.

Diesen Informations-Nachteil können Sie unmöglich ausgleichen, wenn Sie sich mit jemandem anlegen, der genauso gut oder sogar besser spielt als Sie. Versuchen Sie, diese Spieler immer rechts von sich zu halten.

2. Finden Sie die Fehler im Spiel ihrer Gegner

Strategisch gesehen gewinnen wir beim Pokern, wenn wir die Fehler im Spiel unserer Gegner finden und diese auf eine kluge Art und Weise ausnutzen.

Wenn ein Spieler vor dem Flop zum Beispiel einen 3-Bet-Wert von 10 Prozent oder mehr hat, sind in seiner Range offensichtlich mehrere mittelprächtige Hände und sogar einige komplette Bluffs, weil niemand so viele Premium-Hände ausgeteilt bekommt.

Um sich gegen diese weite 3-Betting-Range zu verteidigen, sollten Sie mit mehr Händen 4-betten oder callen. Für den Call sollten Sie idealerweise Position haben, um den Pot nach dem Flop häufig stehlen zu können.

Gegen jemanden, der nur 2 Prozent seiner Hände preflop 3-bettet, würde Sie dieser Ansatz teuer zu stehen kommen. Stattdessen sollten Sie den spielbaren Anteil Ihrer Range verkleinern und nur die Nuts 4-betten. Falls Sie gute Implied Odds bekommen, können Sie auch einige spekulative Hände in die Range packen, wenn Sie Position haben.

Das Großartige an den Cashgames auf den Small Stakes ist die Tatsache, dass selbst die besten Spieler auf diesem Limit solche Auffälligkeiten in ihrem Spiel haben. Vielleicht tauchen diese „fehlerhaften“ Spielzüge in anderen Bereichen auf – etwa bei Continuation-Bets, Barrels, Floats oder Bluffs am River. Am River bluffen viele Leute beispielsweise entweder zu viel oder zu wenig.

Sobald Sie die Schwächen entdeckt haben, gibt es immer eine einfache Strategie, um sich effektiv zu verteidigen.

3. Floaten und stehlen Sie mehr Pots auf späteren Streets

Gegen bessere Regs sollten wir selbst ein wenig unausgewogen spielen und um Pots etwas häufiger kämpfen – gerade auf dem Turn oder River. Aus den Gründen, die wir weiter oben angeführt haben, ist es empfehlenswert, dafür in Position zu sitzen und Pots anzugreifen, bei denen Sie am Flop gefloatet haben.

Der Hauptgrund, warum diese Strategie so wunderbar funktioniert, ist eine weitere Schwäche, die alle Spieler – selbst die besten – auf den Lower Stakes teilen: Sie kämpfen nicht wirklich um den Pot.

Wenn Sie ausreichend Druck ausüben und anzeigen, dass Sie um den ganzen Stack spielen wollen, werden sich die meisten Spieler zurückziehen, wenn sie keine sehr starke Hand halten. Und wir alle wissen, wie schwierig es ist, eine sehr starke Hand zu bilden.

Deshalb könnte es sich als lohnenswert erweisen, den Flop mit vielen Händen zu floaten, die zumindest ein bisschen Equity haben: Gutshots, Middle Pair, Bottom Pair oder sogar Ass hoch – ganz egal. Falls der Gegner auf dem Turn weiterfeuert, können Sie sich dazu entschließen, ein zweites Mal zu floaten und die gegnerische Handstärke am River auf die Probe zu stellen. Oder Sie setzen das oftmals unterschätzte, aber äußerst effektive Semi-Bluff-Raise am Turn ein.

Falls Ihr Gegner bereits am Turn aufzugeben scheint und zu Ihnen checkt, können Sie natürlich einfach eine Bet platzieren und den Pot häufig mitnehmen.

Behalten Sie stets im Hinterkopf, dass beim Hold’em meistens niemand eine sehr gute Hand hat. Reizen Sie den Positions-Vorteil gerade gegen bessere Spieler aus und kämpfen Sie auf späteren Streets um mehr Pots, wenn niemand irgendetwas Nennenswertes halten kann.

4. Versuchen Sie, die besseren Spieler zu tilten

Der letzte strategische Ansatz lässt die graue Theorie links liegen und beschäftigt sich mit dem mentalen Aspekt beim Pokern. Am Ende können Sie jahrelang Zeit damit verbringen, Strategien auszutüfteln, aber gute Spieler werden kaum Fehler machen. Deshalb sind sie ja kaum zu schlagen.

Auf den kleineren Limits haben aber fast alle Spieler ernsthafte Probleme, wenn es um ihr Mindset geht. Damit meine ich, dass die wenigsten Spieler damit klarkommen, wenn sie Pech haben – sie nehmen das Spiel persönlich und gehen an die Decke, bis sich das Unglück auf ihr Spiel überträgt und es beeinträchtigt.

Wie kriegen Sie einen Spieler dazu, zu tilten? Sie könnten zum Beispiel einen Lauf gegen jemanden erwischen. Sich auf die eigene Glückssträhne zu verlassen, um jemanden zu tilten, ist aber natürlich keine geeignete Strategie – im Grunde ist es gar keine Strategie.

Um jemanden auf Tilt zu bringen, müssen Sie Ihr Glück schon selbst in die Hand nehmen und Ihrem Gegner auf die Nerven gehen. Ich meine damit keine Chatbox-Mätzchen oder andere unsportliche Verhaltensweisen. Tilten Sie Ihre Gegner mit Ihrer Spielweise – halten Sie an Ihren Händen häufiger fest, kämpfen Sie wie oben erklärt um mehr Pots und raisen Sie gegnerische Bets schon preflop, und das wieder und wieder.

Meistens suche ich mir einen bestimmten guten Spieler aus, auf den ich zufällig Position habe und versuche, um jeden Pot zu kämpfen und so nervig wie nur möglich zu sein. Damit will ich lediglich erreichen, dass der andere Spieler tiltet oder ihn zumindest dazu veranlassen, bewusst über mich nachzudenken.

Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, dass ich nur in dieser einen Session so spielen werde und in allen zukünftigen Sessions zu meiner normalen Spielweise zurückkehre. Wenn Sie die ganze Zeit wie ein Maniac agieren, werden sich die besseren Regs mit der Zeit anpassen und Sie ausnehmen wie eine Weihnachtsgans.

Zusammengefasst

Tatsächlich gibt es keine narrensichere Methode, um gute Pokerspieler zu schlagen. Sie werden sie niemals crushen, weil diese Spieler zu wenig Fehler machen, um das zu erlauben. Daher spreche ich mich auch immer wieder dafür aus, sich nur an gute Tische zu setzen, die Dinge einfach zu halten und so oft wie möglich gegen Freizeitspieler zu spielen.

Davon abgesehen können Sie Ihre Gewinnchance gegen die besseren Regs auf den Small Stakes trotzdem verbessern, wenn diese rechts von Ihnen sitzen oder sich von Ihnen tilten lassen, weil Sie in dieser oder einer früheren Session übermäßig aggressiv und nervtötend gespielt haben.

Sie sollten sich auch bemühen, die Unausgewogenheiten im Spiel Ihrer Gegner zu finden. Machen Sie Ihren Gegnern den Pot häufiger streitig, selbst wenn Sie keine besondere Hand halten. Befolgen Sie diese Strategien, werden Sie gegen die stärkeren Mitspieler auf den Small Stakes weniger verlieren oder sogar zum Gewinner aufsteigen.

Nathan “BlackRain79” Williams ist der Autor der beliebten Micro Stakes Strategiebücher Crushing the Microstakes und Modern Small Stakes. Er bloggt außerdem regelmäßig über das Thema Micros auf www.blackrain79.com.

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