Gewinnen ohne beim Showdown die beste Hand zu zeigen

Gewinnen ohne beim Showdown die beste Hand zu zeigen 0001

Langfristig bekommen alle Spieler gleich viele gute und schlechte Poker-Hände ausgeteilt. Wie kommt es also, dass einige Leute so erfolgreich sind, dass sie den Berufsweg Pokerspieler in Betracht ziehen, während die meisten anderen nur kleine Gewinne verzeichnen können, breakeven spielen oder sogar Geld verlieren?

Die Antwort liegt auf der Hand: Einige Spieler – gemeint sind die, die dauerhaft erfolgreich sind – gewinnen mehr Pots, ohne zwingend die beste Hand zu haben.

Um in der Pokerwelt zu bestehen, ist es essenziell, zu verstehen, wie man ohne die beste Hand mehr Pots gewinnen kann. In diesem Artikel gebe ich Ihnen drei konkrete Strategien vor, die Sie sofort anwenden können, um dieses Ziel zu erreichen.

1. Stealen Sie die Blinds häufiger

Wenn Spieler darüber nachdenken, mehr Pots ohne die beste Hand zu gewinnen, übersehen sie oft die leichteste Möglichkeit – und die bietet sich bereits vor dem Flop.

Jedes Mal, wenn Sie erfolgreich die Blinds stealen, gewinnen Sie den Small Blind und Big Blind (im Regelfall sind das 1,5 Big Blinds), ohne ihre Hand zeigen oder postflop Entscheidungen treffen zu müssen.

Heutzutage gilt auf den niedrigen Limits eine Winrate von rund 5 BB/100 (fünf Big Blinds pro 100 Hände) als gut – der zusätzliche Gewinn von 1,5 BB kann sich da schnell bemerkbar machen.

Halten Sie in Zukunft nach Situationen Ausschau, in denen tighte Spieler in den Blinds sitzen, die ohne starke Hand selten Moves auspacken werden. Auf den niedrigen Stakes werden Sie auf viele Spieler treffen, die ihre Blinds zu tight verteidigen.

In diesen Fällen können Sie Ihre Stealing-Range um viele Hände erweitern, die dort eigentlich nichts zu suchen haben – Hände wie {8-}{6-} suited oder {K-}{7-} suited kommen da beispielsweise infrage.

Gehen Sie aber nicht zu wild vor! Sehen Sie von übereifrigen Raises mit Trash-Händen wie {10-}{4-} offsuit ab oder Sie werden schnell auf Widerstand stoßen. Sie sollten immer noch Ansprüche haben, was Ihre Handauswahl anbelangt.

2. Raisen Sie den Flop als Semi-Bluff

Eine andere Möglichkeit, mehr Pots ohne Showdown zu gewinnen, besteht darin, am Flop mit Hilfe eines Raises zu semi-bluffen. Viele Leute denken gar nicht mehr darüber nach, den Flop zu raisen, und entscheiden sich zu oft für den Call.

In vielen Situationen ist das durchaus nachvollziehbar, aber das Raisen hat den großen Vorteil, die Hand häufig am Flop zu beenden. Oder Sie übernehmen zumindest die Initiative und können auf den Folge-Streets den Aggressor spielen, um den Pot mitzunehmen.

Stellen wir uns vor, dass Sie auf einem {3-Hearts}{6-Spades}{10-Diamonds} Flop {A-Hearts}{J-Hearts} halten. Dies ist eine Hand, die mehr Equity hat als es den Anschein hat – Sie haben zwei Backdoor-Draws (Flush und Straight) und zwei starke Overcards. In so einer Situation geben Sie sich mit einem Raise am Flop mehr Möglichkeiten, den Pot zu gewinnen.

Wenn Sie den Flop raisen, wird Ihr Gegner manchmal eine bessere Hand wie Middle oder Bottom Pair folden und der Pot gehört Ihnen – das Resultat erhoffen wir uns natürlich. Aber selbst wenn Ihr Gegner callt, können Sie viele Turn-Karten – jedes Herz, Ass, jeden König, jede Dame und jeden Buben – aggressiv weiterspielen.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Es ist völlig in Ordnung, am Flop auch nur zu callen, und tatsächlich sollten Sie das Raise nur hin und wieder einstreuen.

Wenn Sie aber mehr Pots ohne Showdown einsacken wollen, kann es wirklich helfen, kreative Lines in Ihr Repertoire aufzunehmen. Das macht es Ihren Gegnern deutlich schwieriger, fehlerfrei weiterzuspielen.

3. Floaten Sie am Flop und nehmen Sie den Pot später mit

Die dritte Möglichkeit, wie Sie Pots ohne Showdown zu gewinnen, erfordert ebenfalls ein wenig Kreativität: Floaten Sie am Flop, um Ihrem Gegner den Pot auf einer späteren Street streitig zu machen.

Die Hand, die wir gerade diskutiert haben, ist ein tolles Beispiel für einen Spot, in dem Sie den Flop floaten können. Falls Sie auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht haben, die Hand zu folden, könnte dies einer der Hauptgründe sein, warum Sie mit Ihren Poker-Resultaten unzufrieden sind.

Klar sollten wir selektiv vorgehen und uns gut überlegen, welche Hände wir spielen und welche Risiken wir in Kauf nehmen wollen, aber Fakt ist: Mit dem Folden von Händen gewinnen Sie keine Pots. Um erfolgreich zu werden, müssen wir lernen, in Situationen, in denen niemand eine besonders starke Hand vorzuweisen hat, mehr Hände zu gewinnen.

Die Ass-Bube-Hand bietet eine großartige Möglichkeit für einen Float, weil wir so viele Backdoor-Draws und starke Overcards treffen können. Tatsächlich hilft uns fast das halbe Deck weiter, unsere Handstärke direkt oder indirekt zu verbessern. (Genauer gesagt: Jedes Herz, alle Asse, Könige, Damen und Buben.)

Am Flop zu floaten und den Turn zu betten ist vor allem gegen schwächere Regulars von Erfolg gekrönt. Diesem Spielertyp werden Sie auf den Lower Stakes häufig begegnen – unabhängig davon, ob Sie an den Live-Tischen zu finden sind oder online Poker spielen. Es gibt haufenweise Spieler, die den Flop ohne nachzudenken betten, aber am Turn ohne Gegenwehr aufgeben, wenn sie nichts getroffen haben.

Lernen Sie, diese Situationen in Zukunft schneller zu erkennen – Spots, in denen Sie über relativ viel Backdoor-Equity verfügen und glauben, Ihren Gegner ausmanövrieren zu können.

Falls Sie damit anfangen wollen, mehr Pots zu gewinnen, ohne die beste Hand zeigen zu müssen, und wenn Sie Ihre Hourly an den Tischen verbessern wollen, müssen Sie lernen, wie Sie solche Spots ausnutzen können.

Zusammengefasst

Poker ist eigentlich ein einfaches Spiel – die Regeln sind schnell erklärt und jeder weiß, wie eine Hand abläuft. Jedem Spieler ist klar, dass man {A-}{A-} betten sollte und dass schlechte Hände in den Muck gehören. Skill kommt erst durch das Wissen zum Vorschein, wie wir unsere Gegner zum Folden bringen, wenn wir nur Ass hoch, einen schwachen Draw oder Bottom Pair haben. Das ist der Grund, warum die Top-Spieler so erfolgreich sind.

Das Schöne an Poker ist, dass Sie sich ständig in diesen Situationen wiederfinden werden. Bei den meisten Poker-Händen hat nämlich kein Spieler eine Premium-Hand ausgeteilt bekommen oder postflop ein Monster getroffen.

Wer dann ein bisschen mehr um den Pot kämpft, ist am Ende häufig derjenige, der ihn bekommt. Hinter diesen scheinbar unbedeutenden Pots verbirgt sich meistens der Unterschied zwischen einem Breakeven-Spieler, einem kleinen Gewinner und einem professionellen Pokerspieler.

Nathan “BlackRain79” Williams ist der Autor der beliebten Micro Stakes Strategiebücher Crushing the Microstakes und Modern Small Stakes. Er bloggt außerdem regelmäßig über das Thema Micros auf www.blackrain79.com.

Besuchen Sie 888poker noch heute über diesen Link, registrieren Sie einen neuen Account und machen Sie sich auf den größten No Deposit-Bonus im Poker-Bereich gefasst – garantiert!

Sie finden de.PokerNews auch auf Twitter und Facebook.

Was denken Sie?

MEHR ARTIKEL

Weitere Artikel