Geschick bestimmt, wie viel Glück Sie brauchen, um bei Poker zu gewinnen

Skill Determines How Much Luck You Need to Win in Poker

Geschick und Glück nehmen Einfluss darauf, wie gut wir uns beim Pokern anstellen. Den meisten Spielern scheint aber nicht bewusst zu sein, dass ihr Geschick darüber entscheidet, wie viel Glück sie brauchen. Können Sie herausfinden, wie Ihre Gegner spielen, können Sie aber oft geduldig auf Fehler warten und den Faktor Glück verkleinern.

Viele von uns treffen Entscheidungen, die zwar leicht +EV sind, gegen Spieler, die offensichtlich spielen, aber überflüssig sind. Verlieren wir dann, schimpfen wir über unser Glück. Dabei sollten wir eigentlich herausfinden, wie unsere Gegner spielen, um bessere, mit weniger Risiko behaftete, Spielzüge zu finden.

Mit einer Hand wie K-Q suited gegen einen Spieler, der mit Vorliebe A-x-Hände callt, für 25 Big Blinds All-In zu gehen, ist nur bedingt zu empfehlen. Besser ist es, gegen einen solchen Gegner klein zu 3-betten und den Pot mit einer Continuation-Bet am Flop einzustreichen, nachdem der Gegner verpasst hat (gesetzt den Fall, dass Sie eine 4-Bet vor dem Flop für unwahrscheinlich halten oder dass der Gegner postflop nicht an seiner Hand kleben bleibt).

Beide Spielzüge sind +EV, aber einer muss sich mehr auf Glück verlassen als der andere. Wenn Sie wissen, wie Ihr Gegner reagiert, können Sie den Spielzug wählen, der Ihrem Geschick mehr Platz einräumt und mit dem Sie sich einen größeren Vorteil sichern.

Bei dieser Betrachtung stellt sich eine Frage: Wann können wir uns auf unser Geschick verlassen und wann brauchen wir Glück?

Der folgende Artikel hält Antworten auf diese Frage bereit, die mir in Small-Stakes-Turnieren weitergeholfen haben.

Stärke und Anzahl der Spieler im Pot

Wenn Sie gegen einen gleich guten Spieler Heads-Up antreten, ist offensichtlich Glück vonnöten, da kein Spieler eine Edge auf den anderen hat. Niemand will in diesen Begegnungen nachgeben – große Pots mit einer hohen Varianz sind die Folge. Das Beste, was Sie tun können: Spieltheoretisch optimales Poker (GTO) spielen und die Karten so fallen lassen, wie sie gerade fallen.

Diese Situation kann zu verheerendem Tilt führen – zum Beispiel, weil Sie zwar korrekt bluffen, Ihr Gegner aber einen genauso richtigen Call macht, weil er nun einmal den besten Teil seiner Range vor sich liegen hat. Sind beide Spieler gleich gut, lassen sich solche GTO-Katastrophen nicht abwenden. Es ist vergleichbar damit, in einem Münzwurf-Spiel zu unterliegen. Tatsächlich sollten Sie diese Situation wie ein Lottospiel betrachten und mit einem Lächeln verlieren. Glücksspiel ist Glücksspiel, und immerhin haben Sie sich bessere Gewinnchancen eingeräumt als die meisten anderen.

Diese Erkenntnis hat keinen Bestand, wenn Sie gegen einen Spieler Heads-Up spielen, auf den Sie eine gewaltige Edge haben. Jetzt sollten Sie sich keinesfalls auf Ihr Glück verlassen. Gehört Ihr Gegner zum Beispiel zu denen, die zu oft callen, wollen Sie natürlich keine mutigen GTO-Bluffs versuchen. Stattdessen sollten Sie Ihre Chips erst dann in den Pot werfen, wenn Sie glauben, eine Value-Hand zu haben, die gegen die Calling-Range vorne ist.

In Pots mit mehreren Spielern ist der Faktor Glück wieder wichtiger. Zum einen, weil die wenigsten von uns geschickt genug sind, sich in diesen Händen zurechtzufinden. Die zusätzlichen Spieler lassen den Entscheidungsbaum derart wachsen, dass selbst GTO-Solver ins Straucheln kommen. Glauben Sie bloß nicht, dass Ihr schwächliches Gehirn stark genug ist, den besten Spielzug zu finden. Das ist die schlechte Nachricht.

Die gute Nachricht ist, dass in diese Pots oft viele schlechte Spieler verwickelt sind, die mit Händen gecallt haben, welche der Action nicht standhalten können. Ich nutze dieses Wissen zu meinem Vorteil, indem ich aggressiv vorgehe. Muss ich All-In gehen, sorgt das Dead Money im Pot dafür, dass mein Spielzug aus dem Münzwurf eine profitable Entscheidung macht.

Teilnehmerfeld und Auszahlungsstruktur

Turniere mit großen Guarantees und kleinen Buy-ins lassen große Teilnehmerfelder entstehen. Für gewöhnlich warten die interessanten Preisgelder am Final Table. Um diesen zu erreichen, brauchen Sie aber viel Glück – unabhängig davon, wie stark das Teilnehmerfeld im Schnitt ist.

Agieren Sie zu vorsichtig, haben Sie bald weniger Chips als die meisten anderen Spieler. Infolgedessen müssen Sie mit weniger starken Händen All-In gehen, um von den Blinds nicht aufgefressen zu werden. Früher oder später müssen Sie Glück haben.

Aus diesem Grund ist es sinnvoll, einen großen Stack aufzubauen, der ein oder zwei verlorene All-Ins verkraften kann. Früh im Turnierverlauf spiele ich gern schneller und nutze Situationen, die leicht +EV sind. Lieber schaffe ich gleich das Double-Up, statt in der Hoffnung auf einen Mincash stundenlang mit einem Short-Stack zu haushalten. Schließlich ist der Mincash selten deutlich mehr wert als das Buy-in.

Auf der anderen Seite des Spektrums stehen Turniere, die kleine Guarantees und große Buy-ins aufweisen. Das nimmt die Varianz etwas aus dem Spiel und erlaubt es uns, mehr Geduld walten zu lassen. In Turnieren mit überschaubarem Teilnehmerfeld wähle ich meine Spots mit mehr Bedacht aus. Oft kann ich mit einem mittelgroßen Stack cashen und habe dann immer noch genug Chips, um einen Run Richtung Final Table hinzulegen.

Weit von der Bubble entfernt, nahe dran und direkt davor

Sind wir weit von der Bubble entfernt, verlasse ich mich – je nachdem, welche der obigen Faktoren zutreffen – entweder mehr auf mein Geschick oder Glück. Je näher wir der Bubble kommen, also beispielsweise, wenn die Hälfte der übrigen Spieler das Geld erreichen, passe ich meine Strategie etwas an.

Als Short-Stack begrüße ich die Varianz und wende mich dem Glück zu – schließlich brauche ich einen Stack, um ein Preisgeld zu erringen. Mit einem mittelgroßen Stack versuche ich, zu den Big Stacks aufzuschließen. Gleichzeitig muss ich den Spagat hinkriegen, mir ein paar Chips übrig zu lassen, falls eine Hand nicht in meinem Sinn verläuft. Mit einem großen Stack bereite ich mich auf die Bubble-Phase vor, die eintritt, wenn etwa 80 % der Spieler das Geld erreichen. Das ist die Ruhe vor dem Sturm. In dieser Phase können wir immensen ICM-Druck auf unsere Gegner ausüben.

Stehe ich an der Bubble mit einem mittelgroßen Stack da, muss ich mich mehr oder minder ins Geld folden, wenn die großen Stacks am Tisch gut spielen. Das klingt schrecklich passiv, aber das ICM zwingt uns diese Entscheidung auf und ich profitiere von Gegnern, die das anders sehen oder nicht wissen, was ICM für sie bedeutet. Mit einem Short-Stack muss ich weiter auf mein Glück bauen, um genug Chips für den Cash aufzulesen.

Fazit

Richtig ist, dass Geschick und Glück gleichermaßen zum Pokern dazugehören. Sie sind Teil eines Kontinuums. Sie entscheiden, welchem Faktor Sie zu welchem Zeitpunkt mehr vertrauen sollten.

Das Problem besteht darin, dass die meisten von uns gelernt haben, nur die richtigen Spielzüge zu machen statt die falschen Entscheidungen der Gegner anzugreifen. Das ist eine defensive Haltung, die Poker zu einem größeren Glücksspiel werden lässt als eigentlich notwendig ist.

Erst wenn Sie die obigen Grundlagen eingehend verstanden haben, können Sie in die Offensive gehen und Ihre Gegner angreifen, die sich nicht richtig zu verteidigen wissen.

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