Fünf Poker Tipps, um mit einem Short Stack zu überleben

Five Tips for Surviving With a Short Stack

Viele Pokerspieler sammeln ihre ersten eigenen Erfahrungen bei Live-Cashgames. Hier setzen sich die Spieler normalerweise mit mindestens 100 Big Blinds an den Tisch. Wer ausschließlich Cashgames gespielt hat, weiß in einem Turnier meistens nicht so genau, was mit deutlich kleineren Stacks zu tun ist.

Sind weniger als 20 Big Blinds übrig, können sich die Spieler in der Regel mit einer Push-Fold-Tabelle (viele sind online zu finden) behelfen, aber diese Tabellen helfen nicht bei Stacks zwischen 20 und 30 BBs. Dabei ist es die am schwierigsten zu spielende Stacksize – und zugleich auch noch die wichtigste, fällt der Durchschnitts-Stack im späteren Turnierverlauf oft in genau diesen Bereich.

Der folgende Artikel enthält ein paar Tipps, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben und Ihnen dabei helfen, Ihren Stack über Wasser zu halten.

1. Erhöhen Sie mit mehr großen statt kleinen Karten

Geht der Stack zur Neige, sollten Sie mehr große Karten spielen und kleinere aus ihrer Range streichen. Hände wie 5-4 suited beziehen ihre Stärke daraus, dass Sie einen Flush- oder Straightdraw floppen können, mit dem Sie – einmal getroffen – einen großen Pot gewinnen können. Als Short Stack wollen Sie jedoch keine Chips auf gut Glück investieren.

Bei tiefen Stacks leidet eine Hand wie K-J offsuit unter „Reverse Implied Odds“. Damit ist gemeint, dass Sie mit einem getroffenen Paar nicht immer um alle Chips spielen wollen, weil die meisten Spieler nur mit besseren Händen als einer Ein-Paar-Hand gewillt sind, auf drei Streets 100 BBs aufs Spiel zu setzen.

Als Short Stack verkehren sich die Gesetzmäßigkeiten ins Gegenteil. Mit 25 BBs ist jedes Paar, das Sie mit K-J offsuit floppen, Gold wert, während 5-4 suited an Stärke einbüßt.

2. Polarisierte C-Bet-Ranges

Wenn Sie in früher Position erhöhen und nur der Big Blind callt, haben Sie einen immensen Range-Vorteil. Aus diesem Grund empfiehlt sich oft für die gesamte Range eine Continuation-Bet. Diese Regel gilt aber nicht, wenn der effektive Stack klein ist, weil Ihre Range auch aus vielen guten, aber marginalen Händen besteht, die gegen ein Check-Raise-All-In alt aussehen.

Mit 100 BBs ist die C-Bet kein Problem, weil Sie ein Raise callen können, ohne alles zu riskieren – bei 25 BBs sieht die Sache anders aus. Daher sollte Ihre C-Bet-Range zum einen aus Händen wie Top-Paar, Top-Kicker und starken Combo-Draws bestehen, die einen Shove callen können; zum anderen aus Händen wie Bottom Pair oder Gutshot-Draws, die gegen einen Shove aufgeben.

Marginale Hände wie ein zweites Paar oder schwächere Draws sollten am Flop checken und eine Bet am Turn häufig callen – das Ziel ist es, den Showdown zu erreichen und die Gewinnchance zu realisieren. Am River können Sie zum Bluff greifen, wenn Sie sich am Showdown zu selten vorne sehen, oder eine Value-Bet platzieren, da ein Check-Raise unwahrscheinlich geworden ist.

3. All-In mit kleinen Paaren

Kleine Paare wie 2-2 bis 7-7 in später Position sind fast immer die beste Hand, aber Sie haben wenig Interesse daran, nach einem Raise postflop weiterzuspielen oder den 3-Bet-Shove einer Hand wie 9-8 suited zu callen. Diese Überlegungen führen dazu, dass wir mit 20 - 25 BBs einfach shoven wollen; mit 25 - 30 BBs ist ein 3-Bet-Shove das Mittel der Wahl.

Auf dem Flop verlieren kleine Paare mächtig an Wert. Ist die Hand vorne, bleibt sie es selten bis zum River – ist sie bereits hinten, gibt es bessere Hände zum Bluffen, da ein Paar meistens nur zwei Outs hat.

Zusätzlich profitieren 2-2 und 3-3 davon, dass Sie mit einem Shove Hände wie 4-4 und 5-5 oft vertreiben können, während der Equity-Vorteil gegenüber A-K und A-Q bestehen bleibt.

4. Das Wissen um die gegnerische Calling-Range ausnutzen

Wenn Sie mit einem 25 BB-Stack in mittlerer Position erhöhen und ein Spieler, der Position auf Sie hat, callt, treten Sie normalerweise gegen eine Broadway-Hand an. Das macht es leichter, Bluffs und Value-Bets auszuwählen.

So ist K-Q auf einem Dame hoch-Board zum Beispiel ein Monster, weil die gegnerische Range zu großen Teilen aus Händen wie Q-J und Q-T besteht (A-Q würde in dieser Situation vor dem Flop oft 3-betten).

Auf einem Sieben hoch-Board können Sie wiederum leicht mehrere Bets als Bluff abfeuern – Hände wie K-7 oder 8-8+ sollten sich selten in der gegnerischen Range befinden. Pocket-Paare unter der Sieben werden Schwierigkeiten haben, am Ball zu bleiben, sollten weitere Overcards aufgedeckt werden.

5. Limping-Strategie ins Auge fassen

Eine der ersten Lektionen, die ein angehender Pokerspieler vermittelt bekommt, ist folgende: Lass das Limpen sein! Das ist für gewöhnlich auch richtig so, aber bei knappen Stacks birgt das Limpen ungeheure Vorteile.

Mit 25 BB-Stacks wollen Sie eine Hand wie J-9 suited am Button durchaus openraisen, aber insgeheim fürchten Sie sich vor 3-Bet-Shoves der Spieler in den Blinds. Mit einer Limping-Strategie können Sie die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Sie den Flop erreichen.

Zweifelsohne müssen sich in Ihrer Limping-Range auch starke Hände befinden. In manchen Spots ist es sogar denkbar, ausschließlich zu limpen. Sie müssen nicht gegen alle Gegner so vorgehen, aber richtig eingesetzt kann der Limp eine wirksame Waffe sein.

Zusammenfassung

Ich erlebe es häufig, dass eigentlich gescheiten Spielern krasse Fehler unterlaufen, sobald sie nur noch 20 oder 30 Big Blinds haben. Viele stellen sich an Cashgame-Tischen gut an, aber im Umgang mit Short Stacks fehlt es ihnen an Erfahrung. Andere sind Hobby-Spieler, die es als ihr Hauptziel ansehen, möglichst viele Hände zu spielen, statt sich den mathematischen Wahrheiten des Spiels geschlagen zu geben.

Sollten Sie zu einer dieser Gruppen gehören, hoffe ich, dass Ihnen die Tipps helfen, zumindest mit ein paar Problemen aufzuräumen, über die Sie in Turnieren stolpern.

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