Floating kontra Bluff Raising mit Andrew Seidman

Andrew Seidman

Andrew Seidman, auch genannt “Balugawal” ist sehr bekannt für seine Cashgame-Fähigkeiten, so wie auch sein Können, Pokerstrategie gut verständlich auszuformulieren. Er ist unter anderem Haupttrainer von DeucesCracked. Er sprach mit PokerNews darüber, wann man floaten kann und wann man einen Bluff-Raise im No-Limit Hold'em spielen sollte.

So, lass uns zu allererst über die spezifische Situation sprechen, in der wir preflop ein Raise flat-gecallt haben und überlegen uns nun einen Continuation Bet. Natürlich flat-callen wir preflop gegen unterschiedliche Gegner-Typen mit unterschiedlichen Ranges. Wie beeinflusst dies dein Postflop-Spiel?

Zunächst einmal werde ich gegen einen eher schwachen Gegner höchstwahrscheinlich nicht herumbluffen, weil ich dann irgendwann im Showdown lande. Also werde ich nur callen, wenn ich eine Draw floppe, nicht raisen. Wenn ich nichts Brauchbares floppe, werde ich auch einfach folden. Schwächere Gegner machen es eigentlich einfach für uns.

Preflop spielen vor allem die Leute in den Blinds eine große Rolle. Davon mache ich es abhängig, ob ich nur flatte oder reraise. Meine Range, einfach nur zu callen, wäre viel größer preflop, wenn schwache Gegner in den Blinds sitzen. So bekomme ich bessere Value durch das Flat-callen und kann hoffen, einen Pot mit ihnen zu spielen, als dass ich es durch ein Drei-Bett habe.

So lassen wir uns mal annehmen, in den Blinds sitzt ein Fish und jemand eröffnet für ein Raise. Ich bezahle mit großer Range am Button und der Fish foldet. Dann ist die erste Frage, die ich mir stelle, wenn ich mich einer Continuation Bet konfrontiert sehen, wie oft dieser Kontrahent das gegen mich macht. Das ist eine wichtige Frage, die über sämtliche Statistiken hinausgeht. Kann ich es absehen, dass er gegen mich check-foldet, oder ein schwaches oder Second Paar check-callt? Dann würde ich natürlich Gas geben – und wie.

Zum Beispiel floate ich viel lieber mit Equity als mit Equity zu raisen gegen einen Spieler, der check-foldet. Ganz einfach, weil er gut möglich eine große Hand halten könnte, als jemand der stets den Continuation Bet spielt. Ich könnte ihn ziemlich leicht von einer Anzahl relativ schwacher Hände bluffen, wie etwa Ass oder König hoch oder Unter-Pairs, in dem ich auf dem Flop raise.

Wie beeinflußt das Board an sich deine Entscheidungen?
Zuerst denke ich immer an das Verhältnis Nuts vs. Nichts in seiner Hand. Wenn er also viele Value Kombinationen in Relation zu seinem Bluff Kombinationen hat, dann wird es schwierig, zu raisen.

Kannst du uns ein Beispiel geben, um das zu veranschaulichen?
Sagen wir mal, ein looser Spieler eröffnet aus dem Cutoff und ich sitze am Button. Das Board bringt 10-10-6 mit einer Herz-Flushdraw. Und er ist auch so ein Typ Spieler, auf den ich nicht den Read habe, dass er oft check-foldet. Lass uns also mal annehmen, dass ich preflop mit einer Hand, wie {j-Clubs}{9-Clubs}, gecallt habe. Es ist also trotzdem hart für ihn, Value zu betten auf diesen Flop, da Kombinationen wie Tens und Overpairs nur eine kleine Prozentzahl seiner Range ausmachen. Wenn ich also denke, dass ich Hände, wie etwa QJ, KQ, A8 oder 33 durch ein Raise zum Folden bringen kann, dann sollte ich auch unbedingt raisen.

Mein Grundgedanke, ob jemand den Flop floaten oder Bluff-Raisen sollte, ist, dass man den Flop raisen sollte, um einen guten Grund zum Floaten zu haben. Also wieder ein Beispiel: Ich floppe eine Flushdraw mit dieser Hand {j-Clubs}{9-Clubs}. Meistens wird er am Turn dann sowieso check-folden. Aber manchmal bet-foldet er auch, wenn ich ein Raise setze. Aber ich bekomme natürlich einen viel besseren Preis, meine Draw zu treffen, wenn ich floate. Zudem wird mein Gegner, der ja out of Position spielt, viel öfters ein Reraise ansetzen, als out of Position nur zu bezahlen. Das ist dann natürlich nicht gut für mich, weil er dann gegen meine Hand perfekt spielen würde. Auf manchen trockenen Boards ist es also besser, mit Equity zu raisen, wenn der Gegner gerne Bluffs aufdeckt. Wie wir bereits vorher analysiert haben, sollten wir Equity (z.B. Flush Draw am Flop) vor Allem nutzen, wenn der Gegner Call oder Fold spielt. Wenn er aber Raise oder Fold spielt, sollten wir polarisieren (Jack-Nine No Pair raisen, die Nuts ebenso raisen und alles andere nur bezahlen).

Kannst du die letzten Sätze für all diejenigen, die mit Begriffen wie “Polarisieren” nichts anfangen können, etwas genauer erklären?
Wenn wir polarisieren, bedeutet das, dass wir nur unsere stärksten Hände raisen (oder betten) und Hände ohne wirkliche Value, wie etwa ein Reraise mit J4 off preflop. Wenn der Gegner also reraist, kann man einfach folden. Also wenn der Kontrahent niemals callt, sondern nur reraist oder foldet, können wir J4 off ohne weiteres raisen. Wenn er dann doch callt, finden wir uns in einem Pot wieder, in dem wir einfach nur Poker (Kartenvergleich) spielen müssen. Und das ist dann natürlich nicht gut. In diesem Fall sollten wir nur die Hände mit der meisten Value raisen. Wenn unser Gegner mit solchen Händen, wie J10 callt oder reraist, sollten wir eben mit Händen wie KJ reraisen und das nennt man dann Depolarisieren.

Sagen wir mal, wir entscheiden uns für ein Raise am Flop, wie hoch sollten die Raise-Sizes gehen?


Großartige Frage. Raise sizes sind davon abhängig, ob wir polarisieren oder depolarisieren wollen. Wenn wir ein Minraise machen, wird der Gegner wohl callen, sodass wir eher depolarisieren sollten. Kleine Raises führen oft dazu, zu depolarisieren. Bei einem großen Raise, wird der Gegner oft callen oder folden. Also polarisieren große Raises eher. Wenn wir aber zum Beispiel manchmal ein Minraise bringen, kann es ebenso vorkommen, dass der Gegner foldet oder nocheinmal raist. Man nennt es Leverage Point, wenn der Gegner manchmal call-fold und manchmal raise-fold spielt.

Und diesen Leverage Point zu finden, bedarf einiges Wissen über diesen Spielertypen und seine Gepflogenheiten, richtig?


Teilweise ja. In vielen Fällen wird das Handeln gleichbleiben. Wenn wir zum Beispiel ein $0.50/$1.00 Game spielen. Der Cutoff, ein loose-aggressiver Spieler eröffnet auf $3. Wir entscheiden uns für ein Drei-Bet. Wenn wir daraus $12 machen, wird er definitive vierbetten oder folden. Aber wenn wir auf $10 raisen? Wahrscheinlich immer noch. Aber was ist mit $9? $8? Die Höhe dürfte so zwischen $7-$9 liegen, sodass es bei den meisten Gegner funktionieren wird. Ein Reraise auf $6.50 wird viele Stammspieler dazu bewegen, konfus und schlecht weiterzuspielen.

Ab welchem Punkt, oder ab welchen Einsätzen muss man aufpassen, dass man nicht gegen zu gute Spieler antritt, die das durchschauen? Dass man oft preflop dreibettet um zu Polarisieren oder Depolarisieren. Oder dass auf viele Flops durch ein Raise polarisiert, um jemanden auszunutzen?
Naja, die meisten Spieler denken nicht so weit. Als ich beispielsweise vorgeschlagen habe, out of Position Dreibets mit Händen wie AK zu bezahlen, wurde ich in vielen Foren angepflaumt. Es ist jedoch eine großartige Option, jemanden auszubeuten, der eine polarisierte Range gegen uns spielt. Die Ranges der meisten sind relativ klar definiert als polarisiert oder depolarisiert. Und nur das Überprüfen der Hold Cards der Gegner durch Showdowns von Zeit zu Zeit wird diese Ranges zeigen…

Wollen auch sie an ihrem Spiel arbeiten? Generieren sie sich einen Online Poker Account und dafür ist PokerNews genau richtig.

Name Surname
Kristy Arnett

MEHR ARTIKEL

Weitere Artikel