WSOP 2017 Now Live
2017 World Series Of Poker

Fixed Limit: Gegneranalyse – bet Flop, check/call Turn

Fixed Limit: Gegneranalyse – bet Flop, check/call Turn 0001

Einige Gegner betten den Flop routinemäßig mit einer guten Hand, checken dann aber fast immer den Turn, aus Angst am Turn geraist zu werden (bei Turn und River geht es um den doppelten BigBlind, oder auch BigBet genannt). Besonders in den Microlimits kann man diese Spielweise beobachten.

Beobachte den Gegner

Angenommen man beobachtet konzentriert den Tisch und entdeckt die oben genannte Spielweise beim Gegner (zukünftig Villain genannt).

Der Spieler hält A 10 und das Board zeigt A 8 4. Er bettet den Flop an und wird von 2 Leuten gecallt. Am Turn kommt eine 3 und Villain checkt. Spielt jemand den Turn an, so callt er den Turn „nur". Das gleiche Spiel dann wieder auf dem River (check/call).

Diese Spielweise wird als „weak" oder „weak-tight" bezeichnet.

Selbstverständlich sollte man den Gegner nicht aufgrund einer schlechtgespielten Hand als weak-tighten Spieler abstempeln.

Wir sollten aber Villain weiterhin im Auge behalten und beobachten, wie er zukünftig in ähnlichen Situationen reagiert. Wenn er mit dieser Spielweise fortfährt, wird es Zeit diese Schwäche zu unserem Vorteil zu nutzen.

Motivation des Gegners: Villain bettet den Flop und checkt den Turn nicht weil ein Bluff misslungen ist, ein Draw sich nicht materialisierte oder weil er meint, dass der Gegner nun eine besser Hand hält. Er hat einfach nur Angst am Turn geraist zu werden, weil die Bets am Turn sich gegenüber dem Flop verdoppeln. Somit checkt er den Turn mit der Absicht bis zum Showdown jeweils check/call zu spielen.

Wie man gegen diesen Gegnertyp vorgehen sollte

Wenn sich diese Makel beim Gegner beobachten lässt, kann man zwei verschiedene Spielweisen anwenden um von Villain zu profitieren:

1) Man kann mit mehr marginalen Händen preflop und postflop callen, wenn man in später Position ist und Position auf den Gegner hat (Villain sitzt rechts von uns).

Angenommen wir haben 67 offsuit in später Position. Normalerweisen würden wir eine solche Hand nicht spielen, außer wenn sich ein großer Pot mit vielen Mitspielern anbahnt. Handelt es sich aber um einen mittleren Pot (drei bis vier Gegenspieler) und Villain callt preflop, so können wir auch callen. Sollten wir einen Draw am Flop treffen, besteht eine gute Möglichkeit, dass Villain uns eine Freecard am Turn gewährt. Aus diesem Grund kann man mehr Draws gegen diesen Gegnertyp spielen, auch wenn der Draw nicht überwältigend ist.

Beispiel: Es sind insgesamt fünf Caller preflop und wir halten 67 offsuit. Der Flop ist K 8 4 und es wird bis zu Villain gecheckt, der den Flop anbettet. Es sind 6 Small Bets (SB) im Pot und wir müssen eine SB bringen, um die nächste Karte zu sehen. Die Pot Odds sind somit 7:1. Ist hier ein Call profitabel?

Die Chancen auf Turn und River eine 5 zu treffen sind ungefähr 1:5. Sollten wir am Turn keine 5 bekommen, müssten wir folden auch wenn wir den Flop callen. Die Wahrscheinlichkeit, dass am River die 5 fällt ist 1:11 und wir werden bestimmt keine Pot Odds von 11:1 am Turn haben.

Theoretisch könnten wir also nicht callen, weil die Chance am Turn eine 5 zu bekommen nicht in einem angemessenem Verhältnis zum Pot ist.

Wenn wir aber nun wissen, dass Villain den Flop bettet und den Turn checkt, können wir die Riverkarte kostenlos bekommen (Wichtig: hier darf kein Spieler zwischen Villain und uns sitzen). Somit erhalten wir zwei Karten für eine SB am Flop. Der Call am Flop würde sich somit rentieren, weil die Chance eine 5 auf Turn und River zu treffen 1:5 ist, im Pot aber 7SB liegen. Zusätzlich erhalten wir noch die Einsätze, falls jemand hinter uns Villain's Flopbet callt.

Diese Strategie ist aber mit Vorsicht zu spielen:

- Sollte Villain am Turn betten, müssen wir folden.

- Sollte Villain unzuverlässig bei der Anwendung seiner „bet Flop, check/call Turn"-Strategie werden, benötigen wir bessere Pot Odds um den Call am Flop spielen zu können.

- Sollte ein weiterer Gegner Villain's Spielweise erkannt haben und unsere Pläne mit Checkraises oder Turn-Donkbets (Bet, wenn man in der vorangegangenen Runde nicht der Aggressor war) zu Nichte machen, ist es besser sich mit diesen marginalen Händen erst mal fern zu halten. Dieser Spieler könnte Villain weiter einschüchtern, wodurch er zukünftig noch mehr Freecards verteilt.

-Wenn Villain in früher Position sitzt, ist diese Strategie weniger effektiv. Sollte er den Flop betten und den Turn checken, könnten Gegner in mittlerer Position unsere Pot Odds durch Bets am Turn ruinieren.

2) Wie schon oben erklärt, checkt Villain den Turn, weil er Angst vor einem Raise hat. Dennoch hat er am Flop etwas getroffen (sonst würde er nicht betten) und lässt sich durch eine Bet am Turn nicht aus der Hand drängen. Somit sind Bluffs und Semi-Bluffs am Turn sinnlos. Meistens ist es viel effektiver, eine Freecard zu nehmen als diesen Gegner zu semi-bluffen.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste!

Was denken Sie?
Registrieren Sie sich um einen Kommentar zu hinterlassen oder loggen Sie sich mit Facebook ein