Fehler beim Poker mit neuen Fehlern ersetzen

Replacing Mistakes with Mistakes in Poker

Um sich als Pokerspieler zu verbessern, müssen Sie immer wieder neue Fehler aus Ihrem Spiel streichen und damit anfangen, andere – hoffentlich weniger schwerwiegende – Fehler zu machen.

Anfänger tendieren zum Beispiel dazu, Positionen zu ignorieren. Irgendwann verstehen sie zwar, dass die Position in einer Hand wichtig ist, aber sie wissen das Gelernte nicht sinnvoll anzuwenden. Sobald das Positionsspiel besser geworden ist, schleichen sich neue Betsizing-Fehler ins Spiel ein – andere Spieler überschätzen die Position plötzlich und vergessen, was wirklich entscheidend ist.

Je besser wir werden, desto schwieriger wird es, unsere Fehler zu bemerken und an ihnen zu arbeiten. Im Rahmen meines Coachings und bei meiner Arbeit am Thinking Poker Podcast habe ich einige Problembereiche ausfindig gemacht, über die viele Leute stolpern. Zum Beispiel gibt es einen Bereich, bei dem sich Spieler anfänglich stetig verbessern, um dann in ihrer Entwicklung zu stagnieren – bei der Wahl geeigneter Bluffcatcher.

Neue Spieler neigen dazu, gute Hände zu callen und schlechte zu folden, ohne über die möglichen gegnerischen Hände nachzudenken. Nach einiger Zeit stellen sie fest, dass sie sich bei der Entscheidung zwischen Call und Fold an der relativen Handstärke orientieren sollten.

Sie verstehen, dass es am Ende keine Rolle spielt, ob sie die beste oder nur eine mittelprächtige Hand halten – sie muss lediglich die gegnerische Hand schlagen können. Infolgedessen versuchen sie sich daran, die gegnerische Hand zu raten und callen, wenn sie sich vorne wähnen, oder folden, wenn sie sich hinten sehen.

Falls Sie mit Ihren Ratespielchen häufig richtig liegen, fällt Ihnen die Entscheidung zwischen Call und Fold leichter als vielen anderen. Allerdings kann niemand seinen Gegner jedes Mal auf eine bestimmte Hand setzen und richtig liegen – daher müssen wir Pot Odds in unsere Entscheidung einbeziehen und mehr Hände callen, wenn wir einen guten Preis bekommen. Schließlich finden wir auch heraus, dass wir unsere Calling-Hände danach auswählen sollten, welche Hände wir und unser Gegner halten können, um auf keinen Fall zu viel zu callen oder zu folden.

An dieser Stelle warten aber eine Reihe weiterer Fehler darauf, gemacht zu werden. Nur zu wissen, dass eine Calling-Hand etwas mit Ihrer und der gegnerischen Range zu tun haben sollte, reicht nicht aus. Mindestens drei neue Fehler sind hier möglich:

1. Sie schauen nur auf die Preflop-Stärke und achten nicht auf die Situation

Ich habe schon viele Spieler sagen hören: „Wenn ich hier {A-}{Q-} folde, folde ich zu viel.“ Und vielleicht stimmt das sogar. Allerdings haben diese Aussagen häufig eher damit zu tun, dass {A-}{Q-} eine gute Starthand ist. Ob {A-}{Q-} im gerade gespielten Spot – zum Beispiel auf einem {Q-}{J-}{10-} Board – stark ist, spielt für diese Spieler keine Rolle in ihren Überlegungen.

Häufig kann dieser Fehler darin resultieren, dass Sie mittelprächtige Pocket-Paare überschätzen und mit diesen callen, wenn ein Call mit Ass hoch deutlich besser wäre. Häufig fällt dieser Fehler umso schlimmer aus, je stärker die Starthand ist, anstatt ein Auge für die Stärke einer Hand in der jeweiligen Situation zu haben.

2. Sie ignorieren die Equity von Händen

Ein weiterer Fehler zeigt sich bei Spielern, die auf einem {J-}{8-}{2-} Board lieber mit {6-}{6-} als mit {A-}{Q-} callen wollen. Diese Spieler interessieren sich nur dafür, ob sie vorne oder hinten liegen, und vergessen, wie viel Equity sie mit beiden Händen haben, wenn sie vorne oder hinten sind.

Falls Sie einen Flushdraw haben, ist es offensichtlich, dass Sie (normalerweise) eine ausreichend hohe Gewinnchance haben. Allerdings kann sich auch eine Hand wie {A-}{Q-} am Turn oder River verbessern. Manche Spieler vergessen auch, dass ihnen die Overcards drei oder sogar sechs Outs liefern – mit einem Pocket-Paar haben Sie hingegen nur zwei Outs, die Ihnen ein Set ermöglichen.

Der Equity-Unterschied liegt häufig nur bei wenigen Prozent, aber im Laufe eines Jahres kommt dabei eine Menge Geld zusammen – vor allem, wenn sie spätere Streets intelligent weiterspielen.

3. Sie ignorieren Range-Vorteile

Normalerweise ist es nicht richtig, die meisten oder sogar alle Hände aus Ihrer Range zu folden. Manchmal gibt es aber Boards, die ein Spieler deutlich stärker trifft. Das gilt vor allem, wenn die besten 10 Prozent der möglichen Hände deutlich stärker sind als die nächsten 20 Prozent – in diesem Fall liegt ein Spieler, der aus früher Position eröffnet oder eine 3-Bet gespielt hat, häufig weit, weit vorne.

In diesen Situationen kann es ein gravierender Fehler sein, auch nur die halbe Range gegen eine Bet verteidigen zu wollen. Das Board hat Ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht und den Großteil Ihrer Range unspielbar gemacht. Folden Sie und warten Sie auf bessere Situationen.

Falls Sie – wie viele andere Spieler – inzwischen wissen, dass Sie bei der Wahl Ihrer Calling-Hände die Ranges als Maßstab nehmen sollten, aber noch unsicher sind, wie Sie das anstellen sollen, hoffe ich, dass Sie nach dem Lesen dieses Guides den ein oder anderen Fehler aus Ihrem Spiel verbannen können. In einem anderen Artikel werde ich mich an eine Reihe weiterer Fehler machen, die vielen Spielern unterlaufen.

* * * * *

Die Kindle Ausgabe von Nate Meyvis's Buch, Thinking Tournament Poker, Volume 2, ist bei Amazon erhältlich. Vergessen Sie nicht Nate und Andrew Brokos auch im Thinking Poker Podcast anzuhören und den Blog von Nate auf natemeyvis.com zu lesen.

Noch keinen PokerStars Account? Eröffnen Sie noch heute einen PokerStars Account mit dem Marketingcode "PNEWS6" und genießen Sie die Action.

Sie finden de.PokerNews auch auf Twitter und Facebook.

MEHR ARTIKEL

Kommentare

Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste!

Was denken Sie?
Registrieren Sie sich um einen Kommentar zu hinterlassen oder loggen Sie sich mit Facebook ein