Eine Hand bei der WSOP mit Olivier Busquet

Olivier Busquet

Olivier Busquet, online auch als "livb" bekannt, hat bereits in drei Events der World Series of Poker gecasht, darunter zwei deepe Runs in No-Limit Hold’em Six-Handed Turnieren. Mit PokerNews sprach er über eine Hand, die er im $5.000 Shorthanded Event, in dem er $13.176 für den 46. Platz kassierte, gespielt hat.

Blinds: 50/100
Stacks: Olivier Busquet - 13,500; Villain – 16,000

Bevor es zu dieser Hand kam, hattest du ein gutes Gefühl für deine Gegner entwickelt? Und was dachten die anderen Spieler von dir?
Ja, ich hatte schon ein recht gutes Gefühl für meinen Tisch. Mein Image immer sehr aggressiv. Ich denke mir zwar oft, dass ich nicht so aggressiv wie andere Leute agiere, aber das rührt nur daher, dass ich oft gar nicht merke wie oft ich raise. Vier der fünf Gegner konnte ich schon ganz gut einschätzen. Ich hatte ein gutes Gefühl wie sie spielen und wie ich in gewissen Händen auf sie reagieren muss.

Ein Typ war sehr tight-passive, ich konnte ihn ziemlich überrennen. Von einem weiteren Gegner dachte ich, dass er versuchen würde mich zu trappen. Und dann war da auch noch einer, der diese gewisse „Ich lasse mich nicht herumschubsen“-Attitüde hatte. Mein Gegner in dieser einen Hand war ein relativ junger, aggresiver Spieler. Er war der einzige, den ich nicht wirklich einschätzen konnte. Ich wusste nicht, ob er gut war, oder nur einer dieser Standard-Internet-Spieler.

Als es zu besagter Hand kam, wollte ich mir eigentlich gerade ein paar Informationen über ihn holen. Relativ früh in Turnieren mit $5.000 oder noch höheren Buyins, bin ich eher gewillt Chips zu investieren um an Informationen über die Spielstile meiner Gegner zu kommen.

Preflop Action: Villain erhöht vom Button auf 250. Busquet reraist auf 800 aus dem Small Blind mit {a-Diamonds}{7-Clubs}, Villain callt, macht einen Pot von 1,700.
Du hast dich also für eine Drei-Bet entschieden um zu schauen, wie er auf so etwas reagiert?
Ja, das ist zwar die Art von Händen, die ich hasse, aber damit sollte ich immer noch über seiner Opening-Range vom Button liegen. Normalerweise würde ich hier nicht drei-betten, vor allem gegen Spieler, von denen ich erwarte, dass sie oft callen. Aber in diesem Moment war es für mich richtig, denn ich wollte einfach sehen, wie er reagiert: Ob er schnell callt, eine Vier-Bet überlegt oder schnell foldet. Man kann viel über den Stil eines Spielers sagen, wenn man auf diese kleinen Dinge achtet. Es war eine Art „Probe-Drei-Bet“, und dafür war es eine gute Hand.
Ich war ein bisschen überrascht, als er callte. Ich hätte geschätzt, dass er das nur in 20 bis 30 Prozent der Fälle macht. Ich war zwar nicht sehr erfreut, dass er bezahlte, aber es hat mich auch nicht so gestört. Ich hatte ja nicht vor, in dieser Hand irgendetwas verrücktes anzustellen. Ich war an diesem Abend sehr trocken unterwegs und habe am Flop meine Hände auch aufgegeben, wenn ich ohne eine gute Hand auf zu viel Gegenwehr stieß. Auf Flops wie Q-9-8 mit zwei Spades, habe ich auch check-fold gespielt.

Flop Action: Am Flop kam {a-}{9-}{6-} mit zwei Herzen. Beide Spieler checkten.
Ich war out of position und wollte keine allzu großen Pot aufbauen. Ich wollte nur sehen, wie er spielt, deswegen habe ich mich für eine passive Spielweise entschieden.

Turn Action: Am Turn kam eine {7-Hearts}. Busquet checkte und Villain spielte 925 an. Busquet callte, macht einen Pot von 3.550.
Ich entschied mich erneut zu checken, weil ich dachte, er würde mich dann auf eine Hand mit Value am Flop setzen. Aus seiner Sicht hätte ich mit einer Conti-Bet am Flop eine ganze Reihe an guten Händen, aber auch einige Airballs haben können. Aber wenn ich checke, wirkt es eher, so, als hätte ich etwas Gutes. Vielleicht nicht ganz super-strong, aber zumindest gut genug um es nicht zu check-folden. Am Turn wollte ich ihm das Gefühl geben, dass ich eventuell komplett aufgeben könnte. Ich wollte aber auch nicht anspielen, um dann vielleicht geraist zu werden. Dazu ist das nämlich ein sehr schlechter Spot.

Es wirkt, als könnte er hier leicht raisen, oder mit einer Hand mit viel Equity.
Ja, er kann hier ganz einfach raisen. Ich war mir nicht sicher, dass er das auch tun würde, aber ich wollte in dieser Hand einfach passiv bleiben und jede Street checken. Seine Bet-Size wirkte ein bisschen klein, aber ich dachte, das könnte seine Standard-Size sein. Über seine Hand verriet mir das natürlich wenig. Ich dachte, er könnte hier oft bluffen und überlegte mir, dass er mittelstarke Hände und Monster anspielen würde. Man hätte ihn also raisen können, aber ich wollte an meinem ursprünglichen Plan festhalten.

River Action: Am River kam eine {7-}. Busquet checkte, Villain spielte 1.825 an. Busquet raiste auf 7.000 und Villain tank-callte. Busquet zeigte sein Full House mit Siebenern über Assen und schnappte sich den Pot in Höhe von 17.550.

Warum hast du den River gecheckt?
Mein Plan war zu checken und ihn fast jedes Mal zu raisen. Aus meiner Sicht wirkte seine Bet sehr klein, aber für ihn dürfte es Standard gewesen sein, hier den halben Pot zu betten. Ich erhöhte auf 7.000, was ein großer Raise in Höhe der Pot-Size und fast viermal so hoch wie seine Bet. Ich habe mich für diese Größe entschieden, da es für mich hart war, irgendetwas zu repräsentieren.

Eigentlich hätte ich ein Full House mit Assen oder Neunern haben müssen, worauf er mich aber nicht setzen konnte. Aus seiner Sicht könnte ich auch super polarisiert gewesen sein, dann hätte er mich leicht callen können. Ich dachte, es gäbe eine große Chance, dass er hier Air oder eine wirklich große Hand hatte. Mit Air hätte er ohnehin folden müssen – unabhängig von der Höhe meines Raises. Aber es wäre auch möglich gewesen, dass er am Turn eine Straße oder ein Flush trifft. Oft checken Spieler ihre Draws am Flop nach einer Drei-Bet. Ich dachte, wenn er eine starke Hand hätte, würde er am River nicht so eine kleine Value-Bet setzen. Ich dachte auch, dass seine Range so polarisiert war, weswegen ich so einen großen Raise machte.

Es endete damit, dass er eine Straße repräsentierte und ich keinen Grund sah, ihm nicht zu glauben. Sein Call geht in Ordnung, da er richtig in der Annahme geht, dass meine Range polarisiert ist. Meistens bluffe ich in diesem Spot nicht und für ihn ist es eigentlich kein guter Spot. Wenn er den River anspielt, ist es leichter zu folden, wenn ich raise.

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