Du willst Kristen Bicknell bluffen? Viel Glück Rainer Kempe!

Kristen Bicknell

Diese Woche treffen zwei Top-Spieler aufeinander: In einem $25.000 Super High Roller-Turnier der partypoker Millions versucht sich Rainer Kempe an einem Bluff gegen Kristen Bicknell.

Die Poker-Hand zeigt exemplarisch, wie wichtig es heutzutage ist, genau nachzudenken, welche Hand-Kombinationen sich am besten zum Bluffen eignen. Mit Karten, die Nut-Kombinationen des Gegners blocken, ist man häufig am besten beraten.

Es ist der 1. Spieltag des partypoker MILLIONS $25K Super High Rollers im Dusk Till Dawn. Die Blinds fordern 5.000/10.000/10.000 ein. Kempe (751.000) openraist im Hijack auf 25.000 mit {k-Clubs}{10-Hearts}. Bicknell (990.000) blickt im Big Blind auf {k-Diamonds}{q-Diamonds} und macht den Call. Beide Spieler bekommen folgenden Flop zu sehen: {q-Hearts}{4-Diamonds}{9-Clubs}.

Bicknell checkt und Kempe spielt 45.000 an. Ein bisschen viel, aber ein größeres Sizing ist auf koordinierten Boards in Ordnung (wenn man genügend Chips in der Hinterhand hat). Für Bicknell wäre ein Check-Raise eine Überlegung wert, wenn sie weniger Stack vor sich liegen oder Kempe kleiner gesetzt hätte. Mit Deep Stacks ist Vorsicht allerdings das bevorzugte Mittel der Wahl – nur zu callen, ist also nachvollziehbar.

Bicknell callt, und checkt am {8-Clubs} Turn erneut. Kempe hat weiterhin bloß einen Gutshot-Straight-Draw – aber wenn man darüber nachdenkt, gibt es wenige glasklare Bluff-Kandidaten. Allerdings hat Kempe den Range-Vorteil. Das heißt, seine Range besteht aus vielen Händen, die value-betten wollen – ergo kann er auch häufiger zu Bluffs ansetzen.

„Für Bicknell ist der Call die einzige Option – nach einem Raise würde sie nur von Händen gecallt werden, die sie nicht schlagen kann.“

Auf koordinierten Boards wollen wir unser Sizing für gewöhnlich anheben. Kempe folgt dieser Logik an und bettet 115.000. Für Bicknell ist der Call die einzige Option – nach einem Raise würde sie nur von Händen gecallt werden, die sie nicht schlagen kann.

Nach ihrem Call wird am River die {2-Clubs} aufgedeckt. Bicknell checkt ein drittes Mal – und Kempe hat eine schwierige Entscheidung zu treffen. Soll er checken und aufgeben, klein betten, groß betten – oder gar für den anderthalbfachen Betrag im Pot All-In gehen (566.000 bei 385.000 im Pot)?

Die Situation ist schwierig einzuschätzen. Sicher ist, dass Kempe hier bluffen will – vor allem weil der Backdoor-Flush angekommen ist. Würde man mit einer Hand wie {a-}{q-} ein großes Sizing wählen, bekommt man wahrscheinlich selten Calls von schlechteren Händen. Ergo braucht Kempe zwei Sizings am River – ein kleines und ein großes.

Die Frage ist: Welches Sizing kommt mit König-Zehn am ehesten infrage? Ich würde mit meinen schwächeren Showdown-Händen zum größeren Sizing tendieren. Insbesondere wenn man Nut-Kombinationen blockt – wie hier mit dem {k-Clubs} der Fall.

Rainer Kempe

Wir wollen eine Dame zum Folden bewegen – wie viel müssen wir setzen? Das ist die Frage, die sich Kempe stellen muss. Wichtige Randnotiz: Rainers Range enthält viele Hände, die am River value-betten wollen (mehr Bluffs sind also vertretbar).

Kempe wirft schließlich 195.000 in den Pot – offensichtlich eine kleine River-Bet. Was will er mit diesem Sizing bezwecken? Ein kleines Sizing ist sinnvoll, wenn man annimmt, dass Bicknell eine Dame nie aufgeben, eine Neun oder schlechter aber auch gegen kleine Bets folden würde.

Wie wir wissen, hatte Bicknell Top-Pair mit einer hohen Beikarte. Wenig überraschend folgt daher der Snap-Call – der 775.000-Pot geht an sie. Kempe hat tapfer gekämpft, musste sich aber letzten Endes – trotz Bluff-Versuches – geschlagen geben.

Schauen Sie sich für eine detaillierte Analyse der Hand folgendes Video an (partypoker hat mir erlaubt, das Video-Material zu benutzen):

Jonathan Little ist ein professioneller Pokerspieler und Autor mit über $6,200,000 in Live Turnier Gewinnen. Er schreibt einen wöchentlichen Blog und moderiert einen Podcast auf JonathanLittlePoker.com. Sie können ihm auf Twitter unter @JonathanLittle folgen.

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