Drei Situationen, in denen Sie nicht folden müssen

Three Times When You Don't Have to Fold

Schlechte Spieler werden anfangs besser, weil sie lernen, schlechte Starthände zu folden. Sie begreifen, dass eine Handauswahl sinnvoll ist. Außerdem lernen Anfänger, dass sie auf dem Flop diszipliniert vorgehen wollen – Hände, die sich nicht verbessern oder mehr als einer Bet nicht standhalten können, landen im Muck.

Schließlich erkennen sie auch, dass die Position am Tisch von Bedeutung ist – größtenteils macht sich das dadurch bemerkbar, dass in früher Position stärkere Hände gespielt werden als am Button oder Cutoff. Langsam aber sicher begreifen sie auch, dass sie dem Betting-Verhalten des Gegners Respekt zollen müssen. Hände, die nur marginal sind, werden dann gefoldet, sobald die Gegner Stärke angezeigt haben.

Auf diese Weise kommen viele Spieler in ihrer „Poker-Ausbildung“ zur Erkenntnis „Tight is right“ und sie eignen sich eine „Fit or Fold“-Spielweise an. Sie machen sich bei Gegenwehr sofort aus dem Staub und vielleicht sind sie in der Lage, kleine Gewinne zu erwirtschaften – vor allem, wenn an den Tischen nur eindimensionale oder anderweitig schwache Gegner sitzen.

Aber diese allzu tighte Spielweise kann sich rächen, da sie schnell zu erlernen und leicht anzuwenden ist – gegen Gegner, die sich auch nur ein minimal größeres Poker-Verständnis angeeignet haben, kann es da schnell eng werden. Ein Spieler, der zu häufig und zu berechenbar foldet, wird an vielen Tischen herzlich willkommen sein. Er ist einfach zu readen und kinderleicht zu exploiten, angenehmere Gegner gibt es selten.

Dieser Spielertyp hat mich auf die Idee gebracht, dieses Gegenstück (ein Leser hatte danach gefragt) zu meiner letzten Kolumne „Sie müssen nicht callen: Acht Beispiel-Calls, die Sie nicht machen müssen“ zu schreiben. Wichtig ist dabei vor allem ein Aha-Moment: Es wird Situationen geben, in denen Sie instinktiv folden wollen – dabei „müssen“ Sie das überhaupt nicht.

Im Folgenden habe ich mir drei Situationen ausgedacht, in denen Sie nicht folden müssen (aber vielleicht folden wollen)

1. Wenn es preflop ein Raise aus früher Position gab und Sie in später Position eine unterdurchschnittliche Hand haben

In einem $1/$2 No-Limit Hold’em-Cashgame sitzen Sie mit {A-}{x-} am Cutoff. Ein Spieler in früher Position hat auf $12 geraist. Jetzt wird bis zu Ihnen gefoldet. Vielleicht glauben Sie, dass Sie Ihre Hand automatisch folden müssen. Dem ist nicht so.

Denken Sie stattdessen über den Spieler nach, der das Raise angebracht hat, schauen Sie sich an, wie groß sein Stack ist. Wenn es sich um einen ABC-Spieler handelt und er einen recht deepen Stack (mindestens 75 Big Blinds) vor sich stehen hat, kann ein Call oder Raise sinnvoll sein. Überlegen Sie, ob es einen Spielzug gibt, mit dem Sie Ihrem Gegner den Pot wegnehmen können. Falls Sie callen, könnten Sie den Pot am Flop stealen, indem Sie die C-Bet raisen – völlig egal, ob ein Ass auf dem Flop zu sehen ist oder nicht.

Viele Spieler spielen nach Schema F und gehen automatisch davon aus, dass Sie ein Monster getroffen haben, wenn Sie einen solchen Move auspacken – dieser Verdacht erhärtet sich weiter, wenn Sie auch den Turn betten, nachdem das Flop-Raise bezahlt worden war. Wenn ein Spieler seinen Deep Stack schützen will und nicht dahinterkommt, dass sein Gegner einen Move versuchen könnte, oder wenn ein Spieler den Flop mit zwei Overcards angespielt hat, wird das Raise fast immer die Hand entscheiden.

Besonders tighte Gegner könnten sogar {A-}{x-} auf dem Flop folden, selbst wenn sie ein Ass getroffen haben, weil sie panische Angst vor einem Set oder Two Pair haben. (Außerdem können Sie mit {A-}{x-} immer Two Pair oder eine Straight treffen und gegen gute Asse um einen großen Pot spielen.)

Natürlich will ich Ihnen nicht dazu raten, jedes Mal zu diesem Move zu greifen. Sie sollten lediglich abspeichern, dass Sie in solchen Situationen nicht zwingend folden müssen. Es wird garantiert Spots geben, in denen ein Call oder Raise angebracht ist.

2. Wenn Sie auf dem River Ihren Draw verpasst haben und Ihr Gegner eine Bet platziert

Klar, meistens sollten Sie Ihre Hand folden. Auch hier gilt aber: Sie müssen nicht folden. Manchmal können Sie hier raisen.

Beispiel gefällig? Diesmal haben wir {A-Hearts}{J-Hearts}, wir spielen mit einem effektiven Stack von $300, die Blinds sind $1/$2. Ihr Gegner ist ein ABC-Spieler in mittlerer Position – er hat preflop auf $10 geraist. Sie haben in später Position gecallt.

Der Flop war {K-Diamonds}{7-Hearts}{6-Hearts}. Ihr Gegner hat $15 angespielt, Sie haben mit Ihrem Flushdraw (und einer Overcard zum Board) gecallt. Der Turn brachte die {2-Diamonds}. Ihr Gegner hat diesmal $25 gesetzt und Sie haben erneut gecallt. Am River tauchte die {5-Diamonds} auf, das Board sah jetzt wie folgt aus: {K-Diamonds}{7-Hearts}{6-Hearts}{2-Diamonds}{5-Diamonds}. Ihr Gegner spielt jetzt $35 an.

Sie haben Ihren Flush verpasst. Sie haben kein Paar – nur Ass hoch. Eigentlich müssten Sie jetzt folden. Wenn Sie aber ein tightes Image besitzen und bisher keine Moves versucht haben, könnten Sie auf etwa $100 raisen. Ihr Gegner könnte glauben, dass Sie eine Straight oder den Karo-Flush auf dem River getroffen haben und seine Hand folden. Ihr Bluff muss nur in 40 Prozent der Fälle funktionieren, damit Sie einen Gewinn verzeichnen können.

Es ist kein Move, den Sie jedes Mal versuchen wollen, wenn Sie sich in diesem Spot wiederfinden, aber denken Sie immer zuerst darüber nach, welche Art Spieler Ihr Gegner ist. Ob der Bluff gegen diesen Spielertyp gelingen kann. Schließen Sie nichts aus, ohne darüber nachgedacht zu haben.

3. Preflop gibt es einen Shove und einen Call und Sie haben nicht Asse oder Könige

Sie spielen mit einem Stack von $300. In früher Position raist ein Spieler auf $12, ein anderer Spieler geht für $80 All-in. Der nächste Spieler, der einen Stack von $300 vor sich stehen hat, callt die $80. Es wird bis zu Ihnen am Hijack gefoldet und Sie haben {Q-}{Q-} vor sich liegen.

Wahrscheinlich gehen Sie davon aus, dass einer der Spieler {A-}{A-} oder {K-}{K-} haben muss und ein Fold angebracht ist, auch mit Pocket-Damen. Aber warten Sie: Bevor Sie Ihre Hand vorschnell entsorgen, denken Sie wieder darüber nach, mit was für Spielern Sie es zu tun haben.

Wenn der Shover ein bisschen wild oder verzweifelt oder einfach kein guter Spieler ist, kann seine Range im Zweifelsfall aus großen Assen, Buben oder sogar beliebigen Overcards bestehen. Und der Caller hat wahrscheinlich nicht Asse oder Könige – außer, er geht äußerst geschickt vor. Andererseits hätte er doch wahrscheinlich geraist, oder?

Idealerweise sollten Sie in diesem Fall raisen. Vielleicht laufen Sie in eine Falle, aber vielleicht hat der Caller eine Range, die große Asse, Buben oder sogar kleinere Paare beinhaltet. In jedem Fall gilt: Auch wenn Sie sich am Ende für den Fold entscheiden, sollten Sie vorher immer Gründe dafür finden.

Zusammenfassung

Was Sie aus den drei erfundenen Szenarien mitnehmen sollten, ist die Erkenntnis, dass es manchmal gute Gründe gibt, sich manchmal nicht für den scheinbar „automatischen“ Fold zu entscheiden, der für einige Spieler selbstverständlich ist. Außer den drei Beispiel-Situationen gibt es noch dutzende andere Spots, auf die das zutrifft.

Das ist ein Schlüssel zum Erfolg, vor allem auf höheren Limits, wo Sie es mit geschickten Gegnern zu tun bekommen – denken Sie nach, bevor Sie handeln!

Ashley Adams spielt seit 50 Jahren Poker und schreibt seit 2000 darüber. Er ist der Autor hunderter Artikel und zweier Bücher: Winning 7-Card Stud (Kensington-Verlag, 2003) und Winning No-Limit Hold’em (Lighthouse-Verlag, 2012). Darüber hinaus moderiert er die Poker-Radiosendung House of Cards. Erfahren Sie auf www.houseofcardsradio.com mehr über die Ausstrahlungstermine, die Sender und Podcasts.

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