Drei Poker Lektionen, gelernt von Fehlern aus dem TV

Three Lessons Learned From Televised Poker Mistakes

Als ich 2003 das World Series of Poker Main Event im Fernsehen gesehen habe, kam ich zum ersten Mal mit No-Limit Texas Hold’em in Berührung. Ich habe mir viel Poker-Wissen angeeignet, indem ich den Spielern im Fernsehen zugeschaut habe. Allerdings handelte ich mir so auch ein paar schlechte Gewohnheiten ein, die ich mir später mühsam abtrainieren musste, um ein besserer Spieler zu werden.

Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, Fehler zu erkennen, die Hobby-Spielern im Fernsehen unterlaufen. Im folgenden Artikel liste ich drei Fehler auf, die mir bei der Berichterstattung zum WSOP Main Event vor ein paar Jahren allein bei einer Hand aufgefallen sind.

1. Callen Sie nicht mit schwachen Händen, wenn hinter Ihnen aggressive Spieler sitzen

Das ist ein häufiger Fehler, der bei Amateur-Spielern zuhauf vorkommt. Ein Spieler in früher Position limpt oder raist klein. Sie befinden sich mit einer gerade noch spielbaren Hand wie einem suited Three-Gapper oder einem offsuit Two-Gapper in mittlerer oder später Position. Sie schauen sich an, wie viele Chips im Pot liegen und glauben, dass die Odds gut genug sind, um den Call zu rechtfertigen.

Odds von 3:1 oder 4:1 sehen nur auf den ersten Blick vielversprechend aus. Hobby-Spieler denken oft nicht darüber nach, dass dieser Preis nicht immer gilt, wenn hinter ihnen noch aggressive Spieler sitzen.

Bei der Berichterstattung zum WSOP Main Event 2014 bekommen wir eine passende Beispiel-Hand zu Gesicht. UTG openraist ein Spieler mit {8-Spades}{8-Hearts} und wird von drei Freizeitspielern gecallt, die {K-Hearts}{J-Diamonds}, {K-Diamonds}{8-Diamonds} und {J-Hearts}{7-Hearts} halten. Der Big Blind war in dieser Hand der aggressive Profi-Spieler Kyle Keranen, der mit {3-Diamonds}{3-Clubs} ein Squeeze-Raise auf 11 Big Blinds auspackte.

Mit einem aggressiven Squeezer im Rücken wären die Caller besser beraten gewesen, ihre Hände entweder zu 3-betten oder zu folden. Ihre Calls haben Keranen dagegen den perfekten Raising-Spot beschert. Der Openraiser gab seine Hand auf, die anderen taten es ihm gleich – oder doch nicht? Nein, der erste Caller entschied sich, den zweiten Fehler in unserer Liste zu machen. Mit {K-Hearts}{J-Diamonds} spielte er ein Bluff-Raise, ohne nennenswerte Fold Equity zu haben.

2. Bluffen Sie nicht, wenn Sie keine Fold Equity haben

Der erste Caller war ein Amateur namens Jim Duncan. Zu Beginn der Hand hatte Duncan noch 30 Big Blinds. Kein schlechter Stack für das Main Event, weil Sie bei diesem Turnier viel Zeit haben, geduldig auf Hände zu warten. Dazu kommt: Die Bubble war gerade erst geplatzt, die Wahrscheinlichkeit ist also groß, dass sich viele Short-Stacks dazu gezwungen sehen, Verzweiflungs-Moves auszupacken. Duncan könnte also Möglichkeiten bekommen, mit Leichtigkeit Chips einzusammeln, ohne sein Turnierleben riskieren zu müssen.

Stattdessen wurde Duncan kreativ. Nachdem er das UTG-Openraise UTG+1 mit {K-Hearts}{J-Diamonds} gecallt hatte, machte er alles noch schlimmer und ging gegen Keranens großes Squeeze ohne zu überlegen und ohne Fold Equity All-in. Zugegeben: Der Move sieht irre stark aus. Ich würde Duncan hier auf AK und JJ+ setzen. Lassen Sie uns aber wohlwollend annehmen, dass Duncan den Move von Anfang an geplant hatte – er hat beobachtet, dass Keranen in der Vergangenheit solche Squeezes gespielt hat und war darauf vorbereitet, wenn nötig, All-in zu gehen.

Selbst wenn das der Fall war, hätte Duncan nicht All-in gehen dürfen. Wenn er eine Sekunde darüber nachgedacht hätte, hätte er erkannt, dass Keranens Sizing seinen Plan zunichte macht, da sein effektiver Stack zu klein war, um Keranen noch zum Fold zu bewegen. Bei nur 30 Big Blinds bekommt Keranen Odds von 2,5:1. Das bedeutet, dass Keranen selbst gegen eine Shoving-Range mit AK und JJ+ richtigerweise mit jedem Paar und jedem suited Ass callen muss. Diese Hände entsprechen dem Großteil seiner Range, Keranen kann gegen das All-in also – auch wenn es noch so stark aussieht – nur selten einen Fold finden.

Keranen kam zum gleichen Ergebnis und machte den Call, als er wieder an der Reihe war. Seine Pocket-Dreier blieben bis zum Ende vorne und damit war das Main Event für Duncan mit einem Mincash beendet.

3. Antworten Sie Profi-Spielern nicht, die nach Informationen fragen

In seinem Buch Verbal Poker Tells schreibt Autor Zachary Elwood: „Es hat fast keine Vorteile, während einer Hand zu reden – aber es gibt mögliche Nachteile.“

Diese Beobachtung hebt einen weiteren Fehler hervor, der Amateur-Spielern häufig passiert. Sie sind All-in und warten auf die Entscheidung ihres Gegners. Der Gegner stellt eine Frage, in der Hoffnung, Informationen zu bekommen – und häufig sind Freizeitspieler mehr als gewillt, sich mit ihrem Kontrahenten zu unterhalten. Gegen andere Amateur-Spieler ist das schon keine gute Idee, aber gegen gestandene Profis ist das brandgefährlich.

In der obigen Beispiel-Hand macht Duncan diesen Fehler. Er wartet darauf, ob Keranen den Call mit Pocket-Dreiern macht oder nicht. Kerenan erkundigt sich bei Duncan, ob er Ass-König hat. Duncan antwortet kaum hörbar und mit schwacher Stimme: „Calle und finde es heraus“.

Kerenan bohrt weiter – hier müssen wir Duncan aber zugutehalten, dass er für den Rest der Hand den Mund gehalten hat. Zu diesem Zeitpunkt war der Schaden allerdings bereits angerichtet. Fairerweise muss ich sagen, dass Keranen auf Grund der mathematischen Sachlage wahrscheinlich sowieso gecallt hätte, aber Duncans verbale Reaktion hat ihm die Entscheidung vielleicht erleichtert.

Fazit

Das sind drei Fehler, die uns Hobby-Spielern häufig passieren. Wir spielen zu viele Hände, sind normalerweise passiv unterwegs, und wir denken nicht darüber nach, ob und wie unsere Hände in irgendeine Range passen. Wir achten nicht auf Stacksizes und lieben es, während einer Hand zu reden.

Zugegeben: So zu spielen kann Spaß machen – und Sie müssen auch nichts ändern, wenn der Spaß für Sie im Vordergrund steht. Falls Sie aber seltener verlieren wollen, müssen Sie verstehen, wie sich diese Dinge negativ auf Ihre Gewinnwahrscheinlichkeit auswirken.

TV-Poker zeigt uns anhand vieler Beispiele, wie Profis Freizeitspieler ausnehmen. Wenn Sie die Sendungen analytisch betrachten und sich nicht nur berieseln lassen, können Sie viel lernen, um die gleichen Fehler in Zukunft zu vermeiden.

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