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2017 World Series Of Poker

Drei frühe Fehler bei No-Limit Hold'em Turnieren

  • Avery WilsonAvery Wilson
Three Common Early Level No-Limit Hold'em Tournament Mistakes

Bei der World Series of Poker 2017 mischen viele Pokerspieler mit, die sich auf Turniere spezialisiert haben – dazu kommen aber auch reine Cashgame-Spieler, die mit den verschiedenen Turnier-Strategien weniger vertraut sind.

In Turnieren wird das Geld schließlich anders gewonnen als am Cashgame-Tisch. Je nach Auszahlungsstruktur kommen nur die besten 10 - 15 Prozent der Turnier-Teilnehmer ins Geld – bei Cashgames kann sich wiederum jede gespielte Hand auf die Winrate eines Spielers auswirken.

Auch wenn das Spielen an der Bubble und die Preisgeld-Sprünge im späteren Turnierverlauf von Bedeutung sind und die Strategie beeinflussen sollten, besteht der grundsätzliche Unterschied zwischen Turnieren und Cashgames zunächst darin, dass sich die Blinds und Ante-Einsätze regelmäßig erhöhen. In einem Cashgame sind die Blinds (und Antes, falls damit gespielt wird) immer gleich, aber in einem Turnier klettern sie von Anfang an nach oben.

Spieler, die sich an den Cashgame-Tischen heimisch fühlen, unterschätzen häufig, welche Auswirkungen die steigenden Blinds und Antes haben – gerade in der frühen Turnierphase, wo die Erhöhungen kaum der Rede wert sind. Deshalb verwechseln diese Spieler Turniere insbesondere in den ersten Leveln gerne mit Cashgames und bringen sich damit in unangenehme Situationen.

Im Folgenden haben wir die drei häufigsten Fehler ausgemacht, die Spielern in den ersten Leveln eines Turniers unterlaufen – interessant ist die Liste für Cashgame-Spieler wie Turnier-Anfänger, die sich der Auswirkungen steigender Blind- und Ante-Einsätze nicht bewusst sind.

Fehler #1: Sie spielen zu viele Hände

Erfahrene Turnierspieler wissen, dass Geduld bei Turnieren eine Tugend ist – gerade in den ersten Leveln gibt es zahlreiche Möglichkeiten, viele Chips zu verlieren, aber vergleichsweise wenig Chancen, große Pots zu gewinnen.

Je nachdem, wie es um die Struktur des Turniers bestellt ist, haben die Spieler im ersten Level (oder in den ersten paar Leveln) ziemlich große „Deep“ Stacks, wenn wir die Chips in Big Blinds umrechnen. Bei einem Startstack von 3.000 Chips beginnen die Spieler bei Blinds von 10/20 zum Beispiel mit stolzen 150 BBs.

Turnier-Anfänger sehen in den großen Startstacks manchmal den Freibrief, besonders viele Hände spielen zu können. Das ist nicht völlig falsch, aber diese Annahme kann zu Problemen führen, wenn Spieler häufig ohne Position spielen und dabei mittelprächtige Hände oder sogenannte „Problem-Hände“ wie Ace-Rag, König-Bube oder ähnliches halten.

Diese Spieler werden ein Raise mit diesen Händen oftmals nur callen, anstatt zu 3-betten – das ist gleich doppelt schlecht, da sie sich a) der Chance berauben, den Pot preflop zu gewinnen, und b) dazu gezwungen sind, postflop mit unterdurchschnittlichen Starthänden weiterzuspielen.

Denken Sie beim nächsten Mal daran, dass Geduld in den ersten Leveln eines Turniers die richtige Vorgehensweise ist.

Fehler #2: Sie gehen Blind-Battles komplett aus dem Weg

Geduldig zu bleiben bedeutet natürlich nicht, gar keine Hände zu spielen. Manche Spieler neigen aber zu diesem Extrem: Sie spielen einfach nicht genug Hände. Ein Bereich, in dem neue Turnierspieler häufig Probleme haben, sind die „Blind-Battles“, die in allen Turnierphasen vorkommen – auch schon zu Beginn eines Turniers.

Ich meine damit Hände, bei denen ein Spieler aus später Position eröffnet (am Hijack, Cutoff oder Button) und ein Spieler in den Blinds (Small oder Big Blind) sich dazu entscheidet, das Raise zu callen oder zu 3-betten. Bei einem Großteil der Openraises aus später Position handelt es sich um Versuche, die Blinds mit marginalen Händen zu „stealen“ – das führt dazu, dass sich die Spieler in den Blinds manchmal dazu genötigt fühlen, sich zu verteidigen.

Während der ersten paar Level eines Turniers – vor allem vor Einsetzen des Antes – sind die Blinds verglichen mit den Stacks der Spieler relativ klein. Bei einem Startstack von 3.000 Chips liegen die Blinds im ersten Level bei 10/20 – ein Big Blind entspricht also einem Hundertfünfzigstel des eigenen Stacks. Mit anderen Worten: Es lohnt sich nicht, darum zu kämpfen.

Allerdings sollten Sie nicht glauben, dass es deshalb sinnlos ist, aus später Position zu eröffnen – vor allem mit passablen oder starken Starthänden. Mit diesen Händen wollen Sie nach dem Flop in Position weiterspielen – das Openraise ist ein erster Schritt, um einen größeren Pot aufzubauen (vorzugsweise, wenn Sie Position auf Ihren Gegner haben).

Ihre Blinds gegen Raises zu verteidigen ist eine andere Geschichte. Sie sind vielleicht am besten beraten, die meisten Hände zu folden, aber geben Sie nicht auf, ohne über die Situation nachzudenken. Mit einer spekulativen Hand können Sie häufig callen oder Sie greifen zur 3-Bet, wenn Ihre Hand etwas stärker ist.

Letzten Endes können gelegentliche Blind-Battles Ihnen auch dabei helfen, ein Image zu formen – entweder, um ihre Gegner dazu zu bringen, von Steals eher abzusehen, wenn die Blinds gestiegen sind, oder um mehr Calls zu bekommen, wenn Sie aus später Position mit wirklich starken Händen eröffnen.

Unterm Strich gilt: Schalten Sie nicht auf Autopilot, sondern erwägen Sie auch in der frühen Turnierphase, Blind-Battles einzugehen.

Fehler #3: Sie value-betten zu klein oder: Sie callen zu große Value-Bets

Diesen dritthäufigsten Fehler, der in der frühen Turnierphase vorkommt, hätten wir auch als „Problem mit dem Sizing“ abkürzen können – dabei meinen wir aber zwei unterschiedliche Dinge.

Wenn die Stacks noch relativ deep sind, haben einige Spieler Schwierigkeiten damit, aus ihren starken Händen das Maximum herauszuholen, weil sie mit ihren Bets und Raises zu klein ansetzen. Umgekehrt callen die gleichen Spieler aber ziemlich große Value-Bets mit zu vielen Händen.

Da die Stacks deep sind, scheitern viele Spieler daran, den Unterschied zwischen einer mittelgroßen und großen Value-Bet zu erkennen – sie reagieren auf beide Bets gleich. Beim Pokern existiert das Konzept von elastischen Ranges, welches auch hier greift. Besagte Spieler haben im Grunde unpassende, weil „unelastische“ Calling-Ranges – mit anderen Worten: Sie callen unabhängig vom Bet-Sizing, wenn sie eigentlich „elastisch“ sein sollten und die Frage, ob sie callen wollen, vom Bet-Sizing in Relation zur eigenen Handstärke abhängig machen sollten.

Ein Beispiel gefällig? Gehen wir davon aus, dass ein Spieler ein Raise mit {J-Clubs}{9-Diamonds} callt und auf einem {10-Diamonds}{9-Clubs}{2-Diamonds}{A-Spades}{K-Clubs}-Board bis zum River kommt. Manche Spieler weigern sich, auch nur irgendein Paar zu folden – selbst wenn es sich um 4th Pair handelt. Daraus folgt, dass verschiedene Value-Bets angebracht sind und gecallt werden können (zum Beispiel ein Viertel Pot, Hälfte Pot oder sogar Full Pot).

Diese loosen Spieler haben „unelastische“ Calling-Ranges, die vom Bet-Sizing nicht beeinflusst werden. Aber mit einer so schwachen Hand wie 4th Pair sollte die Range „elastisch“ sein und man sollte vielleicht nur kleine Bets callen und gegen größere den Fold finden. Schauen Sie sich dazu auch Roy Cookes Artikel über „Elastisches und unelastisches Bet-Sizing“ an, um mehr über das Thema zu erfahren.

Mit einem augenscheinlich deepen 3.000-Chipstack erkennen diese Spieler nicht, was für einen Unterschied es macht, mit einem schlechten River-Call nur 125 statt 250 Chips zu verlieren. Genauso wenig denken sie über ihre eigenen Value-Bets nach – so spielen sie einen 300 Chips großen Pot am River vielleicht nur mit 125 Chips an, wenn der Gegner häufig auch 250 entrichten würde.

Anders ausgedrückt: Das „Problem mit dem Sizing“ bezieht sich bei diesen Spielern sowohl darauf, die Handstärke des Gegners bei großen Sizings zu unterschätzen, als auch zu wenig Value mit den eigenen Händen zu generieren. Da reichen schon ein paar Fehler aus und plötzlich ist der Stack gar nicht mehr so deep – vor allem, wenn sich die Blinds bereits erhöht haben und das Ante eingesetzt hat.

Fazit

Zweifelsohne gibt es auch andere Fehler, die früh in Turnieren gemacht werden, aber diese drei gehören zu den auffälligsten. Wenn Sie von diesen Fehlern weitgehend absehen, erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, einen guten Turnierstart zu erwischen und infolgedessen bessere Platzierungen zu erreichen.

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