“Doppelt oder Nichts“ Sit and Go Strategie

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Es gibt sie mit Buy-Ins von $1+$0.20 bis zu $2000+$90 - Sit and Go’s (SNG) oder Single Table Tournaments (STT) gehören zu der beliebtesten Form des Turnier Pokers.
Bedingt durch die Einfachheit und den vielen Möglichkeiten, werden diese kleinen Turniere in unterschiedlichen Varianten und Formaten angeboten: Pot Limit Omaha und Limit Omaha (beide sowohl Hi, als auch Low), Limit Texas Holdem und in der weltweit beliebtesten Variante, Texas Holdem.

Wir möchten uns in diesem Artikel überwiegend auf eine spezielle Form der SNG konzentrieren: das “Double or Nothing“/DON/Doppelt oder Nichts. Das Ziel bei diesen SNG’s ist relativ einfach, man darf nicht auszuscheiden bis die erste Hälfte der insgesamt teilnehmenden Spieler ausgeschieden ist (die TOP 5 bei 10’er SNG’s verdoppeln und die Top 3 bei 6’er SNG’s verdoppeln). Klingt gut und ist einfach zu verdienendes Geld? Teils ja, teils nein.

Obwohl es sich einfacher anhört hiermit langfristig Geld zu verdienen, als wenn man normale SNG’s spielen würde, sollte man immer bedenken, daß man beim DON immer den Rake bezahlen muss (normalerweise zwischen 8-10%, abhängig vom jeweiligen Anbieter) und deswegen diese Beträge in der Gewinn/Verlust-Rechnung mit einkalkulieren muss. Wenn Sie z.B. 100 $10+$1 DON SNG’s spielen, müssen Sie $1.100 investieren. Nur um Break Even zu kommen, müssen Sie also bei 55% der Spiele ins Geld kommen, um $100 Gewinn zu machen, müssen Sie entsprechend (ca. 9 % Ihrer Investition bzw. ROI) bei 60% der SNG’s ins Geld kommen – wobei man allerdings eigentlich streng statistisch betrachtet nur eine 50:50 Chance hat ins Geld zu kommen – was aber kein Grund ist, traurig zu sein, denn an dieser Stelle kommt die Geschicklichkeit ins Spiel.

Die DON’s müssen anders gespielt werden, als die Standard SNG’s, sie müssen gespielt werden, wie ein Satelitteturnier, bei welchem es darauf ankommt sich für die oberen 50% des Teilnehmerfeldes zu qualifizieren. Anders als bei normalen SNG’s spielt man die DON’s nicht so aggressiv - das Ziel ist es nicht alle im Spiel befindlichen Chips zu gewinnen, sondern man muss nur soviel Chips gewinnen, daß man am Ende zu den Top 50% gehört und sich somit für ein “Double Up“ qualifiziert. Man sollte sich also ein wenig mit Folden beschäftigen, denn Folden wird man bei DON’s sehr oft.

Diese Pokervariante eignet sich sehr gut für eine vorgegebene Vorgehensweise und ist besonders für einen tighten ABC Spielstil geeignet – jeder Ihrer Chips hat einen bestimmten Wert und der Wert der Chips steigt im Verlauf des Turniers, der angenommen Wert steigt mit dem Ansteigen der Blinds und des Ante. Während der frühen Phasen sollte man nur die Top 10 der Starthände spielen (Hohe Paare von Aces bis zu 9’ern und Aces mit gutem Kicker bis Ace Queen offsuit) und diese Hände sollte man selbstbewusst und zielgerichtet spielen, wenn man sie auf der Hand hat. Dies bedeutet nicht daß man kleiner Pocket Pairs und Suited Connectors gar nicht spielen sollte; wenn man in den frühen Phasen den Flop in letzter Position billig ansehen kann besteht die Chance auf eine Monsterhand, warum sollte man diese Hände also nicht spielen. Was man jedoch auf keinen Fall machen sollte, ist diese Hände außerhalb der Position zu spielen. Wenn man bei DON’s schon früh verdoppeln kann, bedeutet dies, daß man damit meistens in den Genuss eines Preisgeldes kommt. Man muss aber nicht unbedingt verdoppeln, um zu gewinnen – oft genügt es schon tight zu spielen und während der späteren Phasen gezielt die Blinds zu stehlen (z.B. kurz vor der Money-Bubble), um ins Preisgeld zu kommen.

Wenn der durchschnittliche Gewinn-Stack ca. 3000 Chips hoch ist, besteht der Schlüssel zum Erfolg darin, den Stack-Size der anderen Spieler und deren relative Position im Bezug auf die Blinds im Auge zu behalten; wenn jemand einen Stack in Höhe von 8.000 Chips hat, besitzt er etwas mehr als die Hälfte der im Spiel befindlichen Chips, die anderen 4 Spieler benötigen also nur jeweils einen Stack von 1.750 Chips, um ins Geld zu kommen. Deshalb sollt man in der frühen Phase unbedingt marginale All-In Konfrontationen vermeiden, es sei denn, man wäre Short-Stack oder würde außergewöhnlich gute Pot-Odds bekommen, was einem gute Gründe geben würde All-In zu gehen, bzw. ein All-In zu callen. Diese Vorgehensweise wird umso wichtiger, je weiter man sich der Money-Bubble nähert. Betrachten wir uns dazu folgendes Beispiel:

Sie sind der Chip-Leader mit 4.500 Chips und noch 6 Spieler sind im Spiel, die Blinds sind 100/200 und Sie bekommen UTG K-K. Ein anderer sehr tighter Spieler sitzt mit 4.000 Chips auf letzter Position, die anderen Spieler haben zwischen 1.200 und 1.750 Chips, mit Ausnahme eines Short-Stacks, welcher mit 900 Chips auf mittlerer Position sitzt. Um den Short –Stack zum All-In zu bewegen (was er vielleicht sowieso gemacht hätte, egal welche Karten er auf der Hand hält, wenn zu ihm gelimpt oder gefoldet wird, da er durch das Verhältnis seines Stacks zu den Blinds die richtigen Odds erhält), haben Sie gelimpt, aber mit der Absicht einen Re-Raise zu machen, um ihn zu isolieren. UTG +1 macht einen Min-Raise auf 400 und hat noch 1.100 Chips vor sich liegen, der Short Stack geht mit 900 All-In und der tighte Spieler auf letzter Position geht mit 4.000 Chips All-In. Was tun Sie jetzt?

Wenn dies ein Standard SNG wäre, würden Sie mit Sicherheit nicht lange zögern und den Call machen, auch wenn Ihnen im Falle dessen, daß Sie die Hand nicht gewinnen würden, nur noch etwas mehr als ein BB übrig bleibt. Bei DON ist dies allerdings ein “Easy Fold“ – Ihre Könige liegen zwar vermutlich im Bezug auf die Range des Short-Stacks vorne, aber der Spieler UTG + 1 hat auch etwas auf der Hand und der Spieler auf letzter Position, welcher alle seine Chips in einen Re-Raise investiert hat, hat unter Umständen ein Monster auf der Hand. Sie folden also, UTG +1 callt und zeigt A-K, der Short-Stack hat 6-6 und der Big-Stack zeigt A-A. Der Spieler auf letzter Position gewinnt diese Hand und eliminiert beide Spieler. Die Money Bubble ist geplatzt und Sie haben ein Preisgeld gewonnen.

DON’s zu schlagen ist sicherlich nicht so schwierig und hilft Ihnen außerdem Ihre Turnier-Geschicklichkeit zu verbessern, insbesondere im Bezug auf Ihr Spiel an der Money-Bubble. Bei diesem Lernprozess sollten Sie sich bewusst werden, wie wichtig es ist, die eigene Position, die relative Position des Gegners zu den Blinds und die Spieltendenzen Ihres Gegenspielers zu berücksichtigen. Stehlen Sie von den tighten Spielern, machen Sie Value Bets bei den Calling-Stations und lernen Sie, wann Sie All-In gehen müssen und wann Sie folden müssen. Während normale SNG’s eine Herausforderung für jeden Pokerspieler sind, ganz egal welches Level er hat, sind DON’s sehr gut als Einführung in das Spiel für neue Spieler geeignet. Sie werden mit Sicherheit kein Poker-Millionär durch DON’s, aber die Menge macht’s. DON’s ermöglichen es Ihnen mit kleinem Risiko Profit zu machen, alles was man benötigt, ist Zeit und Geduld. Wenn man nach dem Lehrbuch spielt, sind DON’s ein hervorragender Weg, um sich auf Multi-Table Turniere vorzubereiten. Sie sind außerdem ein sicherer Weg, um etwas extra Geld durch Rakeback zu verdienen bzw. um VIP Punkte zu erspielen (DON’s sind der schnellste Weg, um sich bei PokerStars den SuperNova Status zu erspielen) oder um einen Bonus frei zu spielen.

Das Zauberwort bei DON’s lautet: “Konservativ“ und zwar ganz speziell im Bezug auf den Bankroll. Wenn Sie zu den Spielern gehören, welche regelmäßig gewinnen und wenn Sie sich dabei ganz sicher sein wollen, daß Sie niemals nachladen müssen, sollte Ihr Bankroll ca. 100 Buy-Ins hoch sein. Wenn Sie also z.B. $10+$1 spielen, sollt Ihr Bankroll mindestens $1000 hoch sein. Je höher Ihre Gewinnrate ist, umso niedriger kann Ihr Bankroll sein. Wenn Sie ca. 2000 Turniere gespielt haben, sollten Sie eine genaue Vorstellung über Ihre Gewinnrate haben und wenn Sie bei den DON’s in 55% - 60% der Fälle ein Preisgeld gewinnen, werden Sie Ihrem Bankroll beim Wachsen zuschauen können.

Obwohl es auch möglich ist, mit kleinerem Bankroll zu spielen, sollten Sie immer daran denken, daß der unausweichliche Downswing ebenso zum Pokern gehört, wie das Gewinnen und daß schon mehr als ein Spieler durch die Varianz pleite gegangen ist.

Die meisten DON Turnier laufen bei PokerStars, aber auch Poker770 bietet seinen Spielern eine große DON-Auswahl.

Name Surname
Ben Wilson

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