World Series of Poker Europe

Dominik Nitsche analysiert einen SHRB China Bluff gegen Daniel Cates

Dominik Nitsche

Vor kurzem fand in Macau das HK$2.100.000 Buy-in Super High Roller Bowl China-Turnier statt. Justin Bonomo konnte sich gegen 74 Kontrahenten durchsetzen und $4,8 Millionen mit nach Hause nehmen. 888poker-Repräsentant Dominik Nitsche konnte ebenfalls den Final Table erreichen – für ihn war auf dem vierten Platz für fast $1,67 Millionen Schluss. Im folgenden Artikel nimmt Nitsche eine Hand vom 1. Spieltag unter die Lupe. Er hatte versucht, Daniel Cates zu bluffen.

* * * * *

Die Hand kam am 1. Spieltag des Super High Roller Bowls China zustande, der Tag war etwa zur Hälfte gespielt. Ich saß an einem stark besetzten Tisch mit Daniel Cates und mehreren anderen sehr starken Spielern, einschließlich Dan Smith, die sehr fintenreich spielen und wissen, was sie tun.

In dieser Hand musste ich mich gegen Cates, der offensichtlich einer der besten Spieler der Welt ist, behaupten. Die Hand begann damit, dass Dan am Button auf das Zweifache des Big Blinds erhöhte. Zu diesem Zeitpunkt waren wir 60 Big Blinds deep, also entschied ich mich im Big Blind mit {A-Spades}{2-} offsuit für den Call. Für mich ist das ein Standard-Call gegen eine Raising-Range am Button, es gibt auch keinen Grund, zu 3-betten.

Erwähnenswert ist an dieser Stelle, dass Dan am Button eine ziemlich weite Range openraisen wird. Er spielt eigentlich Cashgames und ich gehe davon aus, dass er in dieser Situation etwa 60 Prozent seiner Hände openraisen wird (im Small Blind war ein weiterer starker Spieler).

Der Flop wurde aufgedeckt: {10-}{8-Spades}{7-Spades}. Natürlich habe ich gecheckt (ich habe hier keine Betting-Range) und Dan tat es mir gleich. Der Flop ist ein Board, auf dem ich nicht allzu viele C-Bets erwarte, aber es gibt natürlich einige Hände, die betten wollen. Grundsätzlich erwarte ich, dass er ein Paar Zehner oder besser betten und viele Middle Pair-Hände checken wird.

Ich würde auch annehmen, dass er {J-}{10-} und ein paar Flushdraws checken könnte, aber nicht allzu viele. Die meisten Leute checken ihre Flushdraws nicht so oft wie sie sollten – und ich denke, dass sie ihre Flushdraws manchmal checken sollten. Da ich das {A-Spades} in meiner Hand habe, kann mein Gegner keine Ass hoch-Flushdraws haben (die würden aber wahrscheinlich ohnehin betten, um einen Pot aufzubauen).

Ich wusste bereits am Flop, dass ein Pik am Turn, vor allem hohe Pik-Karten – sagen wir {K-Spades}, {Q-Spades} oder {J-Spades} –, besser für mich sind als für ihn, weil ich davon ausgehe, dass er am Flop mit höheren Flushdraws einen Pot aufbauen will.

Wie bestellt brachte der Turn den {K-Spades}, damit sah das Board wie folgt aus: {10-}{8-Spades}{7-Spades}{K-Spades}. Mein erster Gedanke war, dass der Turn eine Karte ist, die ich nicht sehr häufig betten will, aber gleichzeitig hatte ich {A-Spades}{2-}, also sollte ich meiner Meinung nach betten. Natürlich könnte ich check-callen, das wäre in Ordnung, aber ich glaube, es gibt viele bessere Hände, mit denen ich check-callen kann, zum Beispiel {A-Spades}{8-} oder {A-Spades}{7-} (damit hätte ich zusätzlich ein Paar). Das sind deutlich sinnvollere Hände für einen Check-Call. Ich kann hier definitiv auch viele Two Pair-Hände und Flushes betten. Daher habe ich 85 Prozent des Pots angespielt und Daniel machte den Call.

Dominik Nitsche analysiert einen SHRB China Bluff gegen Daniel Cates 101
Daniel Cates

Am River wurde eine Offsuit-{3-} aufgedeckt. An diesem Punkt glaube ich nicht, dass Dan einen Vorteil hat, weil er mehr Ein-Paar-Hände hat als ich. Klar hat er häufig den König, was meiner Meinung nach ein Bluffcatcher ist, weil ich nichts Schlechteres als einen König for Value bette. Wenn ich Ass-Zehn habe, bette ich den Turn nicht so groß. Ich denke, eine Zehn würde ich meistens einfach checken.

Also habe ich entweder Two Pair oder besser. Ich kann {J-}{9-} und alle Kombinationen von {9-}{6-} haben. Wichtig zu wissen, ist auch, dass der schlechteste Teil meiner Betting-Range fast Two Pair oder besser sein muss. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich eine Hand wie {8-}{7-} suited betten könnte. Ich kann mir vorstellen, dass das die allerschlechteste Hand ist, die ich hier betten sollte.

Zudem entschied ich mich dafür, zwei Betsizings zu haben – ein Sizing ist für meine wirklich starken Two Pair-Hände gedacht, das andere für meine Flushes und Straights. Letztere halte ich für die effektiven Nuts und daher will ich mit ihnen mehr als den Betrag im Pot betten, um Dan zum Bluffcatchen zu zwingen. Wenn er hier mit einer Hand wie {10-}{9-} mit einem Pik oder {K-}{x-} mit einem Pik auftaucht, will ich ihn zum Bluffcatchen bringen.

Es ist sehr wichtig, dass ich das {A-Spades} in meiner Hand habe, weil es denkbar ist, dass ich viele Nut-Flushes und Nut-Flushdraws so spielen könnte, denke ich. (Der {K-Spades} auf dem Board ist ebenfalls wichtig.) Das {A-Spades} in meiner Hand ist ein guter Bluff, da ich den Turn bette und wenn ich den Turn bette, habe ich nicht immer das {A-Spades}. Auf dem Turn bette ich {A-Spades} nur, wenn ich als Beikarte eine {2-}, {3-}, {4-} oder {5-} habe.

Tatsächlich gibt es bestimmt nicht wenige Leute, die sich die Hand anschauen und glauben, dass ich mit dem {A-Spades} immer bluffe, folglich könne man mich hier callen, weil ich einfach zu viele Bluffs habe. Das wäre richtig, wenn ich jede {A-Spades}{x-}-Hand betten würde. Aber wenn Sie darüber nachdenken, welche {A-Spades} ich bette, gibt es gar nicht mehr so viele.

In diesem Fall wurde am River die {3-} aufgedeckt, die mich dazu bringen würde, {A-Spades}{3-} nicht mehr zu bluffen. Das Paar würde mir Showdown-Value geben und ich wäre gegen ein paar Hände wie {A-}{J-} oder {A-}{Q-} und gegen andere {A-}{x-}-Kombos mit einem Pik vorne.

Auf dem River weiß ich aber, dass ich eine Hand wie {A-Spades}{2-}, {A-Spades}{4-}, {A-Spades}{5-}, vielleicht sogar {A-Spades}{6-}, bluffen möchte. {A-Spades}{6-} ist wahrscheinlich der schlechteste Bluff-Kandidat, da ich einige Hände blocke, von denen ich einen Fold erwarte, etwa {7-}{6-} oder {K-}{6-Spades}. Im Grunde suche ich mir für den Bluff {A-Spades}{x-}-Hände, die seine Folding-Range nicht blocken.

Wenn ich hier eineinhalbmal den Betrag im Pot bette, wird er eine Menge Hände folden müssen, weil ich Flushes so unglaublich gut repräsentieren kann. Das will ich mit dem Sizing erreichen – ich will Flushes repräsentieren, möglicherweise auch Straights.

Ich habe also eineinhalbmal den Pot gebettet. Und Dan hat mich mit {9-}{8-} ohne Pik-Blocker gecallt, was denke ich ein glasklarer Fehler ist, da er meine Flush-Karten nicht geblockt hat. {9-}{8-} mit einem Pik wäre ein besserer Call, da die Wahrscheinlichkeit, dass ich dann einen Flush habe, signifikant nach unten geht.

Wenn Sie bluffcatchen wollen, ist es wichtig, darauf zu achten, was Ihr Gegner repräsentieren will und diese Karte entsprechend zu blocken. Wenn Sie immer bluffcatchen, weil Sie denken, dass Ihr Gegner so viele {A-Spades}{x-}-Hände hat, müssen Sie lernen, darüber nachzudenken, welche {A-Spades}{x-}-Hände überhaupt so spielen. Gute Spieler nehmen sich nicht jedes beliebige {A-Spades} und betten auf gut Glück – sie werden sich auch die Beikarte anschauen. Wenn Sie die zweite Karte nicht dazunehmen, werden Sie zu viele Bluffs in Ihrer Range haben.

Das ist eine Sache, die Sie aus dieser Hand mitnehmen können. Wenn Sie Nut-Flush-Blocker für Bluffen nutzen wollen, gehen Sie überlegt vor. Um die Ranges im Gleichgewicht zu halten und nicht zu häufig zu bluffen, ist es sinnvoll, {A-Spades}{x-}-Hände zu nehmen, die keinen Showdown-Value haben und die Folding-Range des Gegners nicht blocken (wie in diesem Beispiel geschehen).

Sie sollten auch im Hinterkopf behalten, dass Sie diese Hände am Turn manchmal checken wollen, um das {A-Spades} haben zu können, wenn am River ein weiteres Pik aufgedeckt wird – quasi, um die eigene Range zu schützen. Es geht nicht bloß um den Bluff, es geht auch darum, die eigene Range zu schützen, wenn der Turn Check-Check gespielt wird. Wenn Sie {A-Spades} am Turn immer betten und am River ein weiteres Pik auftaucht, manövrieren Sie sich andernfalls in unendlich schwierige Situationen.

Sie müssen einen Gameplan aufstellen, der auf jede Board-Situation vorbereitet ist. In dieser Hand hat es mir bei der Entscheidungsfindung geholfen, zu sagen, dass ich meine schlechtesten {A-Spades}{x-}-Hände betten will, weil ich mit diesen Händen nicht den Showdown erreichen möchte, wenn ich kein Paar habe. Und wenn ich {A-Spades} mit einem Paar habe, will ich den Showdown erreichen, in diesen Fällen würde ich also eher checken als betten.

* * * * *

888poker Ambassador Dominik Nitsche hat bis heute über 13,6 Millionen Dollar an Turniergewinnen gesammelt und sich auf verschiedenen Touren mehrere Titel geholt. Unter diesen Gewinnen sind vier World Series of Poker Bracelets, darunter eines beim €111,111 Buy-in 2017 World Series of Poker Europe High Roller for One Drop.

Was denken Sie?

MEHR ARTIKEL

Weitere Artikel