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Die 7 Todsünden bei Poker - welcher sind Sie verfallen?

  • Robert WoolleyRobert Woolley
Seven Deadly Sins of Poker -- How Many Are You Guilty Of?

Bei meinem letzten Aufenthalt in Las Vegas habe ich am Finale der World Tavern Poker teilgenommen. Dabei wurde jedem Spieler bei der Anmeldung ein T-Shirt ausgehändigt. Weiter unten können Sie sehen, was auf der Rückseite des Shirts abgebildet war.

Die 7 Todsünden bei Poker - welcher sind Sie verfallen? 101
World Tavern Poker's "7 Deadly Sins of a Poker Player"

Natürlich verstehe ich, dass diese Liste scherzhaft gemeint ist und keinen Anspruch darauf erhebt, Poker-Strategie oder philosophische Ansätze zu vermitteln. Allerdings habe ich die Botschaft tagelang auf den Rücken der anderen Spieler gelesen und ich habe darüber nachgedacht, was ich an dieser Liste falsch finde.

Lassen Sie uns gemeinsam einen Blick auf diese „Poker-Sünden“ werfen:

Gier

Ich glaube, dass nur sehr wenige Menschen ohne Gier Poker spielen würden. Schließlich besteht das Spielziel darin, an das Geld anderer Menschen zu kommen.

Ich denke, dass Sie ohne Gier handeln, wenn Sie all ihre Gewinne an eine Wohltätigkeitsorganisation spenden, aber ich habe keinen Pokerspieler getroffen, der das tun würde. Vielleicht müssen wir auch die Spieler ausnehmen, die auf kostenlosen Online-Seiten um virtuelle Chips spielen und keinen Gewinn erzielen.

Für alle anderen gilt meiner Meinung nach, dass Gier keine Poker-Sünde, sondern vielmehr eine Voraussetzung dafür ist, dass das Spiel wie gehabt funktioniert.

Limpen

Mit Sicherheit ist es richtig, dass Low-Stakes-Spieler viel zu oft limpen, weil das Folden oder Raisen meistens deutlich besser wäre. Ich denke also, dass es sich bei den meisten Limps der meisten Spieler tatsächlich um Sünden handelt.

Wie bei allen Poker-Werkzeugen gilt aber auch hier: Das Limpen kann sich als profitabel erweisen. In Stud-Spielen kann der Limp häufiger gerechtfertigt werden als zum Beispiel beim No-Limit Hold’em, aber auch hier finden sich Situationen, in denen der Limp – wenn auch sparsam – eingesetzt werden kann. Stellen Sie sich vor, dass Sie in früher Position eine Premium-Hand ausgeteilt bekommen und hinter Ihnen ein paar Maniacs sitzen. Sie könnten limpen, um ein Preflop-Raise und Reraise zu bekommen – vielleicht callt der ein oder andere Spieler auch ein Raise –, bevor Sie mit Ihrem nochmaligen Raise auftrumpfen.

Ich könnte mich aber damit abfinden, das Limpen als Poker-Sünde auf der Liste zu belassen, wenn wir vom typischen Qualifier ausgehen, der seine Hände „übermäßig“ häufig limpt.

Bluffen

Das ist die Sünde, mit der ich am wenigsten einverstanden bin und über die ich mich jedes Mal geärgert habe, sobald ich die Rückseite des T-Shirts zu Gesicht bekommen habe. Das Bluffen ist keine Poker-Sünde – es ist die Essenz des Spiels.

Wenn mir jemand einen erfolgreichen Bluff zeigt, erhebe ich manchmal scheinbar Einspruch: „Hey, ich dachte, die Regeln besagen, dass alle Bets die tatsächliche Handstärke aufzeigen müssen!“ Die Leute lachen, weil das ein völlig absurder Gedanke ist.

In „Wem gehört Data?“ – einer frühen Folge der TV-Serie Star Trek: The Next Generation – macht der Androide Commander Data genau diesen Fehler, als er zum ersten Mal mit seinen Freunden pokert. Als die ersten Karten ausgeteilt werden, sagt er zuversichtlich: „Dieses Spiel ist äußerst einfach … Die Bets zeigen die relative Stärke jeder Hand an.“ Transporter-Chief Miles O’Brien schmunzelt, wirft Commander Will Riker einen vielsagenden Blick zu und sagt: „Zeit, ihn auszunehmen wie eine Weihnachtsgans.“ So kommt es auch: Riker blufft Data in einem großen Pot – dieser foldet seine Hand und schaut völlig verdutzt drein, als ihm Riker zeigt, dass er gar keine starke Hand hatte.

(Auch wenn ich dafür jetzt einen ganzen Absatz verschwende, aber eine Sache bereitet mir seit 25 Jahren Kopfzerbrechen: Vor dem Spiel sagt Data in der Folge, dass er „jedes Buch und jede wissenschaftliche Abhandlung über Poker gelesen und das Wissen in sich aufgenommen“ hat. Wie kann es dann sein, dass ihm das Bluffen als Konzept völlig fremd ist?)

In seinem Buch The Professor, the Banker, and the Suicide King zitiert Michael Craig Mike Matusow wie folgt: „Wenn man nicht stealen kann, ist es kein Poker.“ Damit hat er völlig Recht.

Mike Caro bringt das gleiche Argument, wenn er Anfängern Poker-Strategie vermitteln will. Stellen Sie sich ein einfaches Spiel mit zwei Spielern und zwei Karten vor – einem Ass und einem König. Jeder Spieler setzt gemäß der Stärke seiner Hand. Das Spiel ist sinnlos, weil jeder Spieler weiß, was der andere halten muss. Wenn wir aber eine dritte Karte – zum Beispiel eine Dame – ins Spiel bringen, muss der Spieler mit dem König entscheiden, ob sein Gegner ein Ass value-bettet oder mit einer Dame bluffen will. Jetzt spielen Sie Poker.

Das Bluffen also zur Sünde zu erklären, ist ohne Übertreibung ein Zeugnis dafür, dass man die Natur des Spiels nichts verstanden hat. (Obwohl es natürlich eine Sünde sein könnte, zu oft zu bluffen.)

Chasen

Das ist nicht ganz einfach, weil das Wort mehrere Bedeutungen hat. Michael Weisenberg hat im The Official Dictionary of Poker: Second Edition drei Definitionen für das „Chasen“ gefunden:

  1. Den Blind wiedergutmachen. Das heißt: Sie sitzen in den Blinds, der Pot wurde eröffnet und Sie entschließen sich, weitere Chips in den Pot zu werfen, obwohl Sie wahrscheinlich hinten liegen oder sogar klarer Außenseiter sind. Dann könnten Sie sagen: „Ich chase.“
  2. Wenn Sie verlieren und rücksichtslos – häufig verzweifelt – betten, um hoffentlich breakeven aus dem Spiel herauszugehen. „Wie schlägt er sich?“ – „Er hat verloren und jagt (chaset) den Verlusten hinterher.“
  3. Zu versuchen, mit einer schlechteren Hand eine bessere zu machen – wird am ehesten bei Stud-Spielen verwendet. Wenn Sie ein Paar Könige halten, ein anderer Spieler ein offen sichtbares Paar Asse trifft und Sie weiterspielen, in der Hoffnung, einen dritten König zu treffen – dann chasen Sie.

Abhängig von den genauen Umständen kann der erste Punkt entweder clever oder dumm sein. Bei der zweiten Definition haben wir eine klare Todsünde gefunden, die nicht entschuldbar ist. Beim dritten Chasen ist das Ganze wieder von der Situation abhängig – das Chasen kann in diesem Fall vergebliche Mühe sein oder viel Value versprechen, wenn Sie Ihre Hand treffen.

Aussucken

Das Aussucken ist keine Sünde. Falls wir zwanghaft eine Sünde finden wollen, besteht diese darin, dass Sie Ihr Geld schlecht in die Mitte bekommen haben und aussucken müssen, um zu gewinnen. Wie beim Chasen könnte es sich dabei aber um eine nachvollziehbare Entscheidung handeln – wie richtig oder falsch Sie liegen, hängt vom Spiel, der Größe des Pots, den Implied Odds, der Anzahl der Outs und so weiter ab.

Schadenfreude

Okay, World Tavern Poker – hier sind wir uns einig. Schadenfreude ist ganz klar eine Poker-Sünde – und eine schlimme noch dazu. Das einzige Ziel besteht darin, sich selbst besser zu fühlen, indem es einem anderen Menschen schlechter geht. Wenn das keine Sünde ist, bin ich überfragt und muss nochmal im Wörterbuch nachschlagen.

Tilten

Auch das schafft es auf meine Liste der Sünden, die ich als solche anerkenne. Zu tilten bedeutet, dass Sie nicht mehr optimal spielen und das ist grundsätzlich falsch.

Überarbeiten wir die „7 Todsünden eines Pokerspielers“

Wenn Sie mich fragen, gehören Gier und Bluffen auf keinen Fall auf diese Liste. Um aber der Zahl 7 treu zu bleiben, brauchen wir sinnvollen Ersatz.

Ich glaube, das ist ganz einfach. Auf meine Liste würde ich Betrügen und Jammern setzen. Dafür ist auch keine weitere Erklärung erforderlich, denke ich.

Allerdings halte ich auch Limpen, Chasen und Aussucken für zweifelhaft. Auch diese Sünden würde ich gegen andere austauschen: Angle-Shoots, Fischen ihre Fehler aufzeigen und Mit Geld spielen, dessen Verlust man sich nicht leisten kann sind besser geeignet. Meine sieben Poker-Todsünden sehen also wie folgt aus:

  1. Betrügen
  2. Angle-Shoots
  3. Jammern
  4. Fischen ihre Fehler aufzeigen
  5. Mit Geld spielen, dessen Verlust man sich nicht leisten kann
  6. Schadenfreude
  7. Tilt

Welche Poker-Sünden gehören Ihrer Meinung nach auf die Liste?

Robert Woolley lebt in Asheville, NC. Er verbrachte viele Jahre in Las Vegas und berichtet über sein Poker Leben im “Poker Grump” Blog.

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