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Denken Sie nicht fälschlicherweise, dass Sie einen Pot "verdienen"

The Entitlement Error: Don't Mistakenly Think You 'Deserve' a Pot

Pokerspieler wollen den Pot manchmal um jeden Preis gewinnen – selbst wenn die Gewinnchance im Laufe einer Hand ins Bodenlose fällt.

Hold’em wird mit vier Streets gespielt: Preflop, Flop, Turn und River. Spieler, die auf einer dieser vier Streets eine starke Hand haben, glauben manchmal, einen „Anspruch“ auf den Pot zu haben. Falsche Erwartungen kommen ins Spiel, die „Anspruchsteller“ sind emotional an ihre Hände gebunden. Und das führt unweigerlich dazu, dass sie viel zu viel Geld verlieren.

Die folgende Hand hat sich online an einem 6-handed 100NL-Tisch abgespielt und ist ein gutes Beispiel dafür, wie Anspruchsdenken den Verstand eines Pokerspielers ausschalten kann.

Check-Call, Check-Call

Alles beginnt mit dem 2,5-fachen Raise eines Spielers in früher Position auf $2,50. Einer der gefürchtetsten und erfahrensten Regulars auf diesen Stakes entscheidet sich im Cutoff nach kurzer Bedenkzeit für ein Raise auf $7,50.

Als nächstes steigt der Small Blind, der $255 vor sich stehen hat, mit einem Coldcall der 3-Bet in die Hand ein. Der Big Blind gibt seine Hand auf, der Openraiser macht den Call und drei Spieler sehen den Flop: {4-Diamonds}{3-Clubs}{2-Clubs}.

Obwohl auf dem Flop nur niedrige Karten liegen, ist er alles andere als harmlos. Sowohl der Small Blind als auch der Spieler in früher Position checken Richtung 3-Better. Der Preflop-Aggressor spielt den $21 großen Pot für $9,50 an. Nur der Small Blind macht den Call. Der gefürchtete Regular hat einen deutlich größeren Stack als die 255 Big Blinds, mit denen der SB in die Hand eingestiegen ist.

Der {2-Spades} Turn legt ein Paar aufs Board, der Small Blind checkt ein zweites Mal. Diesmal setzt der Aggressor mit einer Bet von $32,50 – im Pot befinden sich $40 – an. Der Small Blind check-callt erneut.

Ein Blick auf die Ranges

An diesem Punkt hat es den Anschein, dass beide Spieler nach wie vor sehr unterschiedliche, breit gefächerte Ranges haben.

Was bedeutet das? Nun – das heißt, dass keiner von beiden auf eine bestimmte Art Hand festgenagelt werden kann. Für jeden Bluffcatcher à la {J-}{J-} in der Small Blind-Range gibt es eine Kombo {A-}{K-}, die am Drawen ist, oder sogar Hände wie {7-Clubs}{6-Clubs}, die nach einer gewagten Preflop-Entscheidung noch im Spiel sind.

Gleichzeitig kann der Preflop-3-Better mehr Hände haben, die gegen die Bluffcatching-Range des Small Blinds vorne sind. Er hat wahrscheinlich mehr Kombinationen {K-}{K-} und {A-}{A-} vs. die Kombos {Q-}{Q-} und {J-}{J-}, die der Small Blind hat. Hände wie {6-}{5-}, {3-}{3-} usw. sind häufiger in der Range des Regulars zu finden.

Der schwierig zu spielende Regular kann auch eine Vielzahl von Draws haben – so ziemlich alles von {K-Spades}{5-Spades} bis {J-Clubs}{8-Clubs}. Hände also, die in der Range des Small Blinds nichts zu suchen haben.

Was Sie gedanklich mitnehmen sollten: Für beide Spieler kommen immer noch zahllose Hände infrage.

Überraschung am River

Der River zaubert den {K-Clubs} aufs Board und komplettiert den Flushdraw vom Flop. Das Board liest sich wie folgt: {4-Diamonds}{3-Clubs}{2-Clubs}{2-Spades}{K-Clubs}.

Der Small Blind geht für $205 All-In – das ist eine gewaltige Overbet, da sich im Pot lediglich $105 befinden. Ist dies eine Verzweiflungstat des Small Blind-Davids, um Goliath beizukommen?

Für den Goliath in dieser Hand hat sich die Frage womöglich gar nicht gestellt, da er mit {A-Clubs}{5-Clubs} die Straight gefloppt und zu allem Überfluss den Flush gerivert hatte. Schnell macht er den Call, und verliert – der Small Blind deckt {K-Hearts}{K-Diamonds} für ein Full House auf und der $515 große Pot wandert in die andere Richtung.

Lektionen

Auf den ersten Blick könnte man glauben, dass der Spieler mit {A-Clubs}{5-Clubs} auf dem River keine andere Wahl hatte. Schließlich hat er den Flush getroffen. Aber das war gar nicht nötig, da er seit dem Flop auf einer Straight saß.

Allerdings hatte der Spieler mit den Second Nuts auf dem Flop keinen Anspruch auf den Pot am River. Und der Nutflush auf dem River gab ihm genauso wenig einen Anspruch auf den Pot, da der Turn Full Houses möglich gemacht hat. Straights und Flushes sind daher in der Liste der bestmöglichen Hände nach unten gerutscht.

Der Spieler mit {A-Clubs}{5-Clubs} muss (oder sollte) sich folgende Frage stellen: „Bekomme ich den richtigen Preis, um zu callen?“ Er muss im Kopf durchspielen, ob sein Gegner hier jemals bluffen oder mit genug schlechteren Value-Händen All-In gehen kann, um einen Call zu rechtfertigen.

Dabei käme heraus, dass er gegen {K-}{K-}, {4-}{4-}, {3-}{3-} und {2-}{2-} verliert. Recht unwahrscheinliche Hände, aber wenn man sich vor Augen führt, dass er das {A-Clubs} hat, stellt sich die Frage: Mit welchen anderen Händen würde der Small Blind einen Shove in Erwägung ziehen?

Preflop hat sich der Small Blind mit der schwächsten Position für den Coldcall einer 3-Bet entschieden – mit einem Haufen Geld dahinter. Theoretisch muss er zu diesem Zeitpunkt eine starke Hand haben, um weiterspielen zu können. Wenn sich der Small Blind also einigermaßen an die Theorie hält, sollte ein Fold gegen den River-Shove einleuchten.

Noch wichtiger ist für die meisten Spieler aber folgende Erkenntnis: Dass eine Straight auf dem Flop (wie hier geschehen) auf dem Turn so gut wie nichts mehr wert sein kann, und auf dem River sogar weiter an Wert verliert.

Viele Spieler haben Schwierigkeiten, das zu verinnerlichen, weil wir Menschen dazu neigen, „Beschwerdemöglichkeiten“ zu sammeln. Widerstehen Sie diesem Drang und Sie werden in Zukunft bessere Entscheidung treffen und einen kühlen Kopf bewahren.

Vielleicht machen Sie in Spots wie diesem am Ende trotzdem den Call, aber wenn Sie dafür bessere Gründe vorzuweisen haben, ist das schon die halbe Miete.

Dieser Strategie Artikel von Gareth Chantler für PokerNews wurde gesponsert von partypoker.

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