Den Ablauf einer Hand unterbrechen (Disrupting the flow of a hand)!

Den Ablauf einer Hand unterbrechen (Disrupting the flow of a hand)! 0001

Den Ablauf einer Hand zu unterbrechen bedeutet, dass Sie genau das Gegenteil von dem machen, was Ihr Gegner eigentlich von Ihnen erwartet. Dieses Verhalten führt normalerweise dazu, dass Ihr Gegner die Stärke ihrer Hand nicht mehr richtig einschätzen kann. Den Ablauf einer Hand zu unterbrechen kann viele Auswirkungen haben, aber letztendlich sollte diese Vorgehensweise ihren Gegner verwirren und unsicher machen. Wenn Sie der Meinung sind, dass es in bestimmten Situationen, vorteilhaft sein kann den Gegner zu verwirren, auf was warten Sie noch – unterbrechen Sie doch einfach mal den Ablauf einer Hand!

Der reguläre Ablauf einer Hand:

Vergessen wir einfach mal spezifische Hände und betrachten wir uns den regulären Ablauf einer üblichen Hand. Sagen wir Spieler A, B und C sitzen direkt nebeneinander in dieser Reihenfolge an einem Tisch. Auf dem Flop checkt Spieler A, Spieler B checkt und Spieler C setzt. Spieler A und B callen. Auf dem Turn checken A und B erneut. C setzt normalerweise erneut. Eventuell wird mindestens einer der beiden anderen Spieler callen (A oder B), es könnte natürlich auch möglich sein, dass beide Callen (A und B). Am River checken A und/oder B erneut und Spieler C zeigt die Karten oder macht den letzten Einsatz.

Den Ablauf einer Hand unterbrechen!

Den Ablauf einer Hand zu unterbrechen, bedeutet den oben beschriebenen Kreislauf in irgendeiner Weise zu unterbrechen. Nehmen wir einfach mal an, Sie sind Spieler A, nehmen wir weiterhin einfach mal an Sie check-raisen den Flop oder setzen am Turn, nachdem C einen Einsatz am Flop gemacht hatte. Sie möchten den eigentlichen, erwarteten Ablauf der Hand unterbrechen und Ihr spiel hat Auswirkungen sowohl auf Spieler B, als auch auf Spieler C. Eine keine Warnung: Dieses Vorgehen ist eine Waffe, welche Sie sehr sparsam einsetzen sollten. Wenn Sie diese Vorgehensweise zu oft einsetzen, verliert Sie ihre Effektivität. Heben Sie sich diese Vorgehensweise für Anlässe auf, bei welchen es für Sie vorteilhaft ist, ihre Gegner zu verwirren oder einzuschüchtern.

Beispiel 1

Dies ist eine Hand, welche ich in meiner letzten Session gespielt habe. Vor dem Flop, ein zurückhaltender aber trotzdem loose spielender Spieler callte und ein dritter Spieler raiste. Der dritte Spieler war ein ziemlich konservativer Spieler und wenn er vor dem Flop raiste, konnte man davon ausgehen, dass er eine einigermaßen gute Start Hand hatte. Er hatte also eine sehr typische Einstellung zum Spiel. Ich callte vom Big Blind aus mit 8-7 off suit und der loose Player zwischen uns callte ebenfalls. Der Flop kam mit Q-5-6. Ich checkte, der loose Spieler checkte und der dritte Spieler machte einen Einsatz (wie erwartet). Ich callte und der loose Spieler ebenfalls (mehr oder weniger wie erwartet). Auf dem Turn kam die 8. Ich setzte sofort (unerwartet).

Ich hatte nun den Ablauf der Hand komplett unterbrochen. Der loose Spieler überlegte kurz und foldete und der dritte Spieler sah sich seine Karten an und callte dann ziemlich schnell (ein Anzeichen dafür, dass er mich eventuell auf dem River callen wird). Der River kam mit einer 2 und ich checkte. Er schaute extrem verwirrt und checkte. Ich zeigte mein Paar 8ter und er deckte A-Q auf und hatte den Pot gewonnen.

Obwohl ich den Pot verloren hatte, habe ich trotzdem durch die Unterbrechung des Ablaufs Geld gespart, da ich ansonsten sicherlich einen Einsatz meines Kontrahenten am Turn und am River gecallt hätte. Das bedeute ich hätte unter Umständen zwei "Crying calls" gemacht. Indem ich Ihn durch meinen unerwarteten Einsatz am Turn verwirrt habe, habe ich mir einen Bet auf dem River erspart. Wenn ich aber einen meiner Outs auf dem River getroffen hätte, hätte ich sicherlich gebettet und er hätte sicherlich gecallt. Dadurch dass ich den Ablauf der Hand am Turn unterbrochen hatte, habe werde ich später die potenzielle Gewinnerhand "for free" sehen oder ich sorge für einen extra Bet, wenn ich meine Outs treffen sollte. Ein weiteres Resultat meiner Vorgehensweise war außerdem, dass ich an die "Winning Hand" auf dem River nicht noch zusätzlich zahlen musste.

Aus der Perspektive meiner Gegenspieler

Sehen wir uns diese Hand als erstes aus der Perspektive des loosen Spielers an

Der loose Spieler befindet sich in einer wirklich schwierigen Situation wenn ich auf dem Turn bette. Er weis, dass einer von uns ein paar Queens (oder besser) hatte. Wenn er mit einer schwachen Hand oder einem Draw callt, kann es sein, dass der dritte Spieler raist. Ihm bleiben nicht viele Möglichkeiten, entweder er hat eine gute Hand und er geht mit oder er foldet.

Ich war glücklich darüber, dass er gefoldet hatte. Wenn ich am Turn vorne bin und dieser loose Spieler hat eine Hand, wie z.B. J-6 suited, ist es mir am liebsten, wenn er foldet. Wenn der dritte Spieler A-K hat, möchte ich nicht den Pot letztendlich an den loosen Spieler verlieren, wenn auf dem River dann ein Jack oder eine 6 kommen sollte. Indem ich ihn aus dem Spiel gedrängt hatte, habe ich Anzahl der sicheren Riverkarten für meine Hand erhöht (wenn ich am Turn die beste Hand hatte).

Wenn meine Hand nicht besser ist als die Hand des dritten Spielers (wie in dieser Hand). Meine Outs waren 4,7,8 oder 9. Wenn der loose Spieler 4,7,8 oder 9 bei den Hole-Karten hat, verschlechtern sich meine Chancen um etliche Prozent. Zum Beispiel: Wenn er eine 9 hält, bekommt er mit einer 7 auf dem River eine Straight und ich hätte 2 Paar. Obwohl ich mit 2 Paar A-Q schlagen könnte, würde ich gegen die Straight des loosen Spielers verlieren. Da ich es bevorzuge jedes mögliche Out zu haben, wenn ich hinten liege, möchte ich dass er foldet und ich somit alle Outs für mich alleine beanspruchen kann. Ich erreichte mein Ziel (ihn zum Folden zu bewegen) indem ich den Ablauf der Hand auf dem Turn unterbrochen habe.

Nun lassen sie uns die Hand aus der Perspektive des dritten Spielers betrachten.

Er hat A-Q und raiste vor dem Flop. Er ist gegenüber den beiden Callern in Position, somit sieht eigentlich alles sehr gut für ihn aus. Der Flop kommt mit Q-5-6. Perfekt für Ihn. Nachdem die anderen gecheckt haben kann er beruhigt betten und die beiden Gegenspieler callen. In diesem Moment hat er den Ablauf dieser Hand bereits komplett geplant. Er wird am Turn betten und dann am River ebenfalls betten und einen schönen Pot gewinnen. Für Ihn ist der Ablauf dieser Hand schon vorprogrammiert. Durch meine Vorgehensweise bekommt er jedoch jetzt ein Problem und muss seine eigene weitere Vorgehensweise komplett überdenken.

Die 8 auf dem Turn erscheint ihm aus seiner Perspektive relative harmlos. Jetzt bette aber völlig unerwartet. Der dritte Spieler kann mich jetzt nicht einfach auf eine Hand festlegen. Da er A-Q hat, ist er natürlich sehr verwirrt, da er eigentlich davon ausgegangen war, diese Hand ohne weitere Probleme gewinnen zu können. Vielleicht hat sein Gegenspieler nun ein Set? eine Straight? vielleicht 2 Paar? Spielt er Pocket Kings Preflop slow? Ich habe den Ablauf der Hand unterbrochen und mein Gegner ist total verwirrt. Alles was er denken kann ist, dass ich vielleicht eine Hand hätte, welche ihn schlagen könnte. Also Callt er mich und beabsichtigt ein Call-Down am River. Wenn eine nicht passende Karte auf dem River kommt, checke ich zu Ihm. Das sieht für Ihn natürlich so aus als würde ich einen Check-Raise Versuch starten, also checkt er hinter mir.

Beispiel 2

Diese Taktik funktioniert mitunter auch, wenn Sie eine Free Card auf dem Turn haben möchten und sie in früher Position sitzen. Es kann natürlich auch die Einleitung für einen Bluff sein. Sagen wir mal ich hätte Qd-Jd im Small-Blind. Ein Spieler in mittlerer Position raist und zwei Spieler in late Position callen den Raise kalt. Ich calle ebenfalls, der Flop kommt mit Kd-9s-3d. Ich habe somit einen "gut shot draw" und einen "flush draw" und nicht zu vergessen die Möglichkeit, dass ein Jack oder eine Queen kommen könnte und mir den Sieg bringt.

Nun kann ich vielleicht den Raiser aus der mittleren Position nur checken. Er wird normalerweise betten. Nach einigen Calls hinter Ihm, werde ich dann Check-Raisen. Das wird meine Gegner stutzig machen und sie können nicht einschätzen, was ich in der Hand halte, gehen aber davon aus, dass ich eine gute Hand habe. Sie werden mich wohl kaum auf einen Draw setzen, da ein Check-Raise aus früher Position mit einem Draw ein wohl ehr unüblicher Spielzug ist.

Wenn eine Karte auf dem Turn kommt , welche mir einen Flush oder eine Straight bringt, wird keiner der anderen Spieler annehmen, dass ich einen Flush oder eine Straight hätte und sind her bereit mich ordentlich auszuzahlen. Die Unterbrechung des normalen Flusses der Hand hat meine Gegner verwirrt, sie können die Stärke meiner Hand nicht einschätzen. Wenn ich einen Flush oder eine Straight bekommen sollte, ist es für meine Gegenspieler aufgrund meines unüblichen Spielzugs am Flop nicht möglich meine Hand zu bewerten. Diese Tatsache ist für mich sehr vorteilhaft und kann dazu führen, dass ich den einen oder anderen großen Pot zusätzlich gewinne.

Wenn sich meine Hand am Turn nicht verbessert und ich checke, werden meine Gegner nur sehr widerwillig zu mir betten, weil ich den Flop Check-Raised hatte. In den meisten Fällen wird bei einer Spieleranzahl von 4 oder 5, aufgrund meines Spiels am Flop, hinter mir nur gecheckt. Meine Gegenspieler sind unsicher und möchten nicht dumm aussehnen wenn ich sie erneut Check-Raise. Das bringt mir eine Free-Card am Turn.

Alternativ ebnet mir diese Vorgehensweise den Weg für einen Bluff. Wenn die nächste Karte eine weiterer König wäre und ich bette, wird der eine oder andere meiner Gegenspieler annehmen, dass ich mindestens Trips hätte und ihre Hand folden, wenn sie annehmen, dass sie meine Hand nicht schlagen könnten. Da ich den Flop aus Early Position Check-Raised hatte, werden nur sehr wenige Spieler davon ausgehen, dass ich Bluffe.

Zum Abschluss möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass Sie diese Vorgehensweise nur sehr selten einsetzen sollten. Den Ablauf einer Hand zu unterbrechen, kann als wichtiger Teil eines trickreichen Spiels betrachtet werden, wenn Ihre Gegenspieler jedoch erkennen was sie da gerade machen, wird ihnen dieser Spielzug keine weiteren Vorteile verschaffen.

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