Deal mit Dominik: Heads-Up Poker Strategie

Dominik Nitsche

Heads-Up ist die Poker-Variante, die von den meisten Spielern am seltensten gespielt wird – entweder, um einen Final Table zu gewinnen, oder in Ausnahmesituationen beim Cashgame. Ein Mano-a-Mano mit einem anderen Spieler stellt die Kontrahenten vor eine Herausforderung, verlangt ihnen alles strategische Können ab und zwingt sie, Nuancen zu erkennen und zu nutzen.

Die $10.000 Heads-up No Limit Hold’em Championship der World Series of Poker 2018 ist vor kurzem zu Ende gegangen. PokerNews hat sich mit 888poker-Repräsentant Dominik Nitsche unterhalten, um Strategie-Tipps für Heads-Up-Spiele zu erhalten. Zu diesem Zeitpunkt hatte Nitsche, der das Event ebenfalls gespielt hat, gerade sein Erstrunden-Match gewonnen und auf Runde 2 gewartet.

Nitsche kommt eigentlich aus Deutschland, lebt inzwischen aber in London und hat an den Tischen bereits eine Menge Erfahrung gesammelt. Er hat diverse Titel errungen, saß an unzähligen Final Tables, ihm gehören vier WSOP-Bracelets und seine Live-Turniergewinne belaufen sich auf mehr als $14,6 Millionen. Bei der WSOP hat er inzwischen fast $6,5 Millionen eingespielt – genug für den 24. Platz in der WSOP-All-Time-Money-Rangliste.

Nitsche lebt und liebt Poker. Für ihn gehört es zur täglichen Routine, Hände zu analysieren und an Ranges zu basteln. Online spielt er regelmäßig Heads-Up, um sein Spiel zu verbessern, und schaut sich nach der Session Hände an, die schwierig waren.

Einführung in die Heads-Up-Welt

Heads-Up sind die Spieler gezwungen, zu einem gewissen Grad mehr Hände zu spielen, aber man muss aufpassen, dass das nicht ausufert. Wer zu viele schwache Hände spielt, ist in großen Pots überfordert und findet sich schnell auf der Verliererseite wieder.

„Denken Sie daran, dass jeder weiß, dass man mehr Hände spielen muss“, sagt Nitsche. „Nur weil es zwei Spieler sind, sollten Sie aber nicht anfangen, durchzudrehen. Das Spiel ist und bleibt dasselbe. Manche Leute drehen völlig am Rad und versteigen sich zu absurden Bluffs und lächerlichen Calls, weil nur zwei Leute am Tisch sitzen.“

„Die Leute overplayen ständig ihre mittelstarken Hände, weil sie glauben: ‚Das hier ist Heads-Up, kann ich nicht folden.’“

Für viele Spieler besteht das Hauptproblem darin, sich an die Heads-Up-Situation anzupassen. Sie verändern ihre eigentliche Strategie zu stark, weil sie nur einen Gegner vor sich haben.

„Die Leute bluffen Heads-Up mit zu vielen Händen“, sagt er. „Die Leute overplayen ständig ihre mittelstarken Hände, weil sie glauben: ‚Das hier ist Heads-Up, kann ich nicht folden.’“

Zwar müssen beide Spieler mehr Hände spielen, aber Nitsche sagt, dass es hier eine Grenze gibt, das Spiel dasselbe ist und die Spieler sich klug anstellen müssen. Er sagt, dass die Spieler zwar looser spielen müssen, aber Geduld bewahren sollten.

Dominik Nitsche

„Offensichtlich neigen die Leute dazu, ihre Hände Heads-Up zu überschätzen“, so Nitsche. „Die Leute denken bloß: ‚Mir gefällt diese Hand Heads-Up.’ Das ist ja schön und gut, aber das bedeutet nicht, dass der Gegner nicht auch eine gute Hand haben kann.“

„Die Kunst besteht zum Großteil darin, die eigene Handstärke Heads-Up mit der weiten Range des Gegners zu vergleichen, und das ist ein Skill, der sehr schwer zu erlernen ist.“

Was die Starthände betrifft, rät Nitsche dazu, preflop in Position aggressiver zu sein. Die Spieler sollten am Button so oft wie möglich raisen – vermutlich mit 85 bis 90 Prozent aller Hände –, gleichzeitig aber Geduld bewahren und in der Lage sein, zu folden.

„Das ist ein guter Punkt, um Anpassungen vorzunehmen“, sagt er. „Wenn Ihr Gegner ein bisschen passiver ist, können Sie 85 Prozent aller Hände raisen. Und falls Ihr Gegner sehr passiv spielt, können Sie problemlos 100 Prozent raisen.“

Wenn ein Spieler auf dem Board ein Paar trifft – selbst Second oder Third Pair –, handelt es sich dabei Heads-Up um eine starke Hand. Es ist wichtig, kleine Paare mit einer Bet zu schützen und Value zu bekommen, weil es viel wahrscheinlicher ist, dass die Gegner mit Ass hoch callen.

„Anders als an Full-Ring-No Limit Hold’em-Tischen, wo viele Leute Middle Pair checken würden, ist eine solche Hand Heads-Up oft eine Bet am Flop, gefolgt von einem Check am Turn und der Entscheidung, am River zu bluffcatchen“, sagt er. „Sie müssen sich nur manchmal vor Augen halten, zu welchen Plays Ihr Gegner in der Lage ist, und Ihre Bluffcatcher entsprechend auswählen.“

„Wenn Sie ein kleines Paar haben, wollen Sie möglichst schnell den Showdown erreichen, indem Sie behind checken, erst den Flop betten und dann behind checken. Sie brauchen einfach ein paar Hände für den Showdown. Sie können nicht bloß mit Top-Pair den Showdown ins Auge fassen, weil sie sonst zu schwach spielen würden.“

Gleichzeitig sagt Nitsche aber auch, dass Sie nicht mit jedem Paar den Showdown jedes Mal erreichen müssen. Die Spieler müssen die richtige Balance finden und einen Read auf Ihren Gegner und seine Ranges bekommen.

Zeit für die Analyse

Nitsche arbeitet an seinem Spiel, indem er Hände und Spielsituationen analysiert, und das ist etwas, was er allen ans Herz legt, die auf einem hohen Niveau spielen wollen. Wie funktioniert das beim Heads-Up? Es gibt Programme, die einem richtiges Heads-Up-Poker beibringen, und Nitsche nutzt diese Software als Vorbereitung.

„Man wird nicht wirklich viel besser, wenn man einfach nur spielt. Man wird besser, indem man abseits der Tische arbeitet.“

„Es gibt Programme, die einem alles zur Preflop-Strategie beibringen“, sagt er. „Und wenn man die Preflop-Strategie verinnerlicht hat, kann man einen Haufen Berechnungen durchführen. Herausfinden, wie man die eigene Range gegen die gegnerische spielt, welches Betsizing das richtige ist und das ist so ziemlich alles, was ich mache, um Heads-Up besser zu werden.“

Nitsche stellt seine Heads-Up-Strategie und das angeeignete Wissen regelmäßig auf den Prüfstand. Seine Routine sieht wie folgt aus:

  • Online ein oder zwei Stunden eine Session Heads-Up spielen.
  • Versuchen, so viele Hände wie möglich zu spielen.
  • Die interessantesten Hände nach der Session analysieren.

„Ich markiere mir die Hände und stelle mir Fragen zu der Hand“, sagt er. „Danach schaue ich sie mir im Detail an und das ist wahrscheinlich der beste Weg, sich zu verbessern.“

Für Nitsche ist es zu seiner Poker-Routine geworden, gespielte Hände zu analysieren – völlig egal, ob er sie online oder live gespielt hat. Jeden Tag wendet er zwei bis drei Stunden auf, um sein Poker-Wissen auf diese Weise zu vertiefen.

„Mir gefällt es nicht, bloß zu spielen und mir dann nicht die Hände anzuschauen, die ich gespielt habe“, sagt er. „Das wäre langweilig für mich und ich spiele Heads-Up im Grunde nur, um Spaß zu haben und besser zu werden. Man wird nicht wirklich viel besser, wenn man einfach nur spielt. Man wird besser, indem man abseits der Tische arbeitet.“

Sean Chaffin ist freischaffender Journalist in Crandall, Texas. Seine Arbeiten erscheinen auf zahlreichen Websites und in Publikationen. Folgen Sie ihm auf Twitter @PokerTraditions. Er ist auch Gastgeber des True Gambling Stories Podcasts, verfügbar bei iTunes, Google Play, TuneIn Radio, Spotify, Stitcher, PokerNews.com, HoldemRadio.com und TrueGamblingStories.com.

Dominik Nitsche

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