Jonathan Little: So versuchte Charlie Carrel einen Milliardär zu bluffen

Charlie Carrel

In dieser Hand vom 1. Spieltag des €100.000 partypoker Millions NLH-Turniers macht Charlie Carrel das, was Charlie Carrel am besten kann: Seine Gegner vor extrem schwierige Entscheidungen stellen. Cary Katz entschließt sich allerdings, der Aggression zu trotzen und wird selbst zum Aggressor.

Obwohl Carrel noch recht jung ist, hat er bei Poker-Turnieren bereits mehr als $9,5 Millionen eingespielt. Sein Spielstil ist furchtlos und von übermäßig aggressiven Spielzügen geprägt – was bis dato sehr gut für ihn funktioniert hat.

Wir steigen auf dem Blind-Level 2.000/4.000/4.000 ein. Carrel (152.000) erhöht im Cutoff auf 10.000 mit {a-Diamonds}{q-Hearts}. Katz (334.000) macht den Call im Small Blind mit {a-Hearts}{j-Hearts}. Chin Wei Lim (209.000) schließt sich dem Duo im Big Blind an mit {10-Hearts}{8-Hearts}. Zu dritt geht es Richtung Flop: {5-Spades}{2-Hearts}{9-Hearts}.

Obgleich die drei Kontrahenten fünf Herz-Karten unter sich aufteilen, hält der Flop zwei weitere bereit. Katz spielt den Flop an: 13.500. Die Lead-Bet ist etwas merkwürdig. Vielleicht befürchtet er, dass Carrel auf dem Flop häufig checken würde. Wenn er checkt und Carrel bettet, könnte Katz aber ein profitables Check-Raies anbringen. Trotzdem entscheidet sich Katz für den Lead. Jetzt ist Lim mit seinem Flushdraw an der Reihe.

Wenn Lim erhöht, läuft er Gefahr, ein All-In von Carrel oder Katz zu kassieren – was katastrophal für ihn wäre. Carrel kann hier problemlos ein Overpair haben, da er vor dem Flop erhöht hat. Ich denke, der Call ist in dieser Situation der einzige Spielzug. Überprüfen Sie in Spots wie diesen immer, wie groß die Stacks Ihrer Gegner im Verhältnis zu Ihrem eigenen Chips-Stapel sind.

Lim macht den Call; Carrel sieht sich mit einem Lead und einem Call konfrontiert. Er muss gegen eine Reihe verschiedener Made Hands und Draws antreten. Ich denke, dass man sich den Gegnern hier für 13.500 anschließen muss. Carrel macht den Call. Am Turn wird der {k-Diamonds} aufgedeckt. Wer freut sich am meisten über diese Karte?

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Der König am Turn trifft Carrels Opening-Range im Cutoff stärker als die Calling-Range im Small und Big Blind. Katz und Lim checken ihre Flushdraws – Carrel hat die Gelegenheit, zu bluffen. Und wer Charlie Carrel kennt, weiß, wie gern er blufft. Er ist bekannt dafür, sehr aggressiv zu sein, und wir haben eine Situation, in der die Ranges der Gegner relativ capped sind. Die Frage ist also: Kann man eine Neun realistisch zur Aufgabe bewegen?

Wenn er zu viel setzt, hat er kaum noch Fold Equity für den River übrig, weil der SPR (Größe des Stacks im Verhältnis zum Pot) zu klein wäre. Er will aber auch nicht zu klein betten, weil marginale Hände dann nicht mehr folden und Draws einen zu attraktiven Preis bekämen. Im Pot befinden sich 74.500 – ich denke, eine Bet um die 40.000 wäre genau richtig.

Carrel entscheidet sich für 50.000. Ich bin der Meinung, dass das ein bisschen zu groß ist und in weniger Fold Equity am River resultiert. Wie dem auch sei: Katz macht von seiner Zeitbank regen Gebrauch, bevor er mittels Check-Raise auf 310.000 All-In geht. Lim findet rasch den Fold, Carrel tut es ihm gleich.

Fragen Sie sich, warum man hier ohne Fold Equity check-jammen sollte? Nun, Katz hat wohl festgestellt, dass er gegen Carrel, der bekanntermaßen bluffen kann, durchaus noch Fold Equity hat – selbst gegen ein größeres Sizing.

Für eine detaillierte Analyse der Hand schauen Sie sich das folgende Video an, um zu erfahren, was ich zu sagen habe (partypoker hat mir erlaubt, das Video-Material zu benutzen):

Jonathan Little ist ein professioneller Pokerspieler und Autor mit über $6,200,000 in Live Turnier Gewinnen. Er schreibt einen wöchentlichen Blog und moderiert einen Podcast auf JonathanLittlePoker.com. Sie können ihm auf Twitter unter @JonathanLittle folgen.

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