Bluffen am unteren Ende Ihrer Range

Bluffing When There is No Hope

Manchmal werden Sie sich am unteren Ende Ihrer Range wiederfinden: Sie haben keinen Showdown-Value vorzuweisen und Ihre High-Karte ist nichts wert. Selbst wenn Sie an einem Tisch sitzen, an dem Bluffs nicht oft funktionieren, kann ein Bluff sinnvoll sein, wenn Sie das unterste Ende Ihrer Range erwischt haben.

Der folgende Artikel ist ein Beispiel für eine solche Situation – und wer nicht gut aufpasst, wird den River-Bluff als verrückter empfinden als er eigentlich ist.

Preflop: Eine 3-Bet und drei Spieler

Gespielt wird online, 6-handed 100NL ($0,50/$1,00) – die Hand beginnt mit einem Hobby-Spieler, der aus mittlerer Position auf $3 raist. Hinter ihm sitzt ein loose-aggressiver Spieler am Button, der auf $8 3-bettet. Im Small Blind befindet sich ein weiterer Hobby-Spieler, der die 3-Bet callt – der Openraiser macht ebenfalls den Call.

Der {A-Spades}{4-Hearts}{7-Clubs} Flop wird aufgedeckt und die Amateur-Spieler checken – der Preflop-Aggressor am Button muss eine Entscheidung treffen.

Ein Blick auf die Ranges

Wir können nicht einfach annehmen, dass keiner der Preflop-Caller {A-}{K-} hat. Heutzutage sind viele Spieler in bestimmten Situationen abgeneigt, mit Ass-König preflop All-In zu gehen – vor allem bei Action mit drei Spielern oder wenn es ein Raise aus früher Position gab. Der Small Blind kann ohne Probleme {A-}{K-} haben und von einer 4-Bet Abstand genommen haben, um zu sehen, wie sich die Action entwickelt.

Allerdings können wir die Annahme treffen, dass die beiden Caller wohl weder Asse noch Könige in der Range haben.

Der Button, der sich für ein kleineres Sizing entschieden hat und einen hohen 3-Bet-Wert aufweist, kann eine ziemlich breit aufgestellte Range haben, in der sich auch suited Hände wie {5-}{4-}, {A-}{2-} und {7-}{6-} befinden (um nur Hände zu nennen, die mit dem aufgedeckten Flop etwas anfangen können).

Nachdem er wieder an der Reihe ist, platziert der Button eine Continuation-Bet, die einem Drittel Pot entspricht – also $8 bei $25 im Pot. Der Small Blind foldet sofort und der Openraiser macht den Call.

Die Board-Textur

Der Turn bringt die {5-Clubs}, damit sieht das Board wie folgt aus: {A-Spades}{4-Hearts}{7-Clubs}{5-Clubs}.

Die Turn-Karte macht viele Gutshots möglich, auch wenn das Board auf den ersten Blick trocken erscheint. Von beiden Spielern wissen wir, dass sie vor dem Flop relativ loose agieren. Das heißt, dass Hände mit einer Zwei, Drei, Sechs und Acht in der Range beider Spieler vorkommen.

Das führt zu mehreren Schlussfolgerungen. Zum einen hat der Button bedeutend weniger Fold-Equity, wenn er weiter bettet – andererseits haben seine Bluffs Equity dazugewonnen.

In der Zwischenzeit hat der Spieler ohne Position, der am Flop Check-Call gespielt hat, angezeigt, dass er ein Ass hat. Manche Asse gabeln durch die Turn-Karte einen Straightdraw auf, Ass-Fünf hat Two Pair getroffen. Straightdraws wie {6-}{5-} suited haben jetzt weniger Gründe, zu folden, da sie ein Paar getroffen haben und fünf Outs gegen Top Pair haben.

Der Hobby-Spieler in mittlerer Position checkt und der Button spielt wieder ein Drittel Pot an – $13 bei $40 im Pot. Der Spieler in mittlerer Position check-callt erneut.

Nicht jede Offsuit-Zwei ist eine Blank

Und ganz sicher nicht in dieser Situation. Ob eine Karte eine Blank oder ein Brick ist, hängt stets vom Board ab. Wenn die Karte die Board-Textur verändert oder einen Draw komplettiert, kann die Karte nicht als Blank angesehen werden.

In dieser Hand war der River allerdings die {9-Spades}, damit ist das Board wie folgt aufgebaut: {A-Spades}{4-Hearts}{7-Clubs}{5-Clubs}{9-Spades}. Auf Grund der Ranges ist die Karte eine Blank, wie sie im Buche steht. Es gibt kaum Hände, die nicht vorne waren und sich durch diese Karte ausreichend verbessert haben.

Der Hobby-Spieler, der – um es zusammenzufassen – aus früher Position geraist, eine 3-Bet gecallt und am Flop und Turn auf einem Board mit Ass hoch Check-Call gespielt hat, muss an seiner Hand Gefallen gefunden haben. Er muss sich Chancen ausrechnen, den Pot zu gewinnen, in dem sich zu diesem Zeitpunkt 66 Big Blinds befinden.

Besagter Spieler checkt ein drittes und letztes Mal und der Button geht All-In – was den Pot etwa doppelt so groß macht.

Was jetzt?

Es ist schwer zu sagen, mit welchen Händen der Amateur-Spieler callen sollte. Wenn er Ass-König schlagen kann, sollte er callen – das ist hoffentlich jedem klar –, da er gegen die wichtigste Value-Hand vorne ist. Was die Hände abgesehen davon betrifft, wird es schwieriger. Sollte er mit {A-}{Q-} callen? Sollte er mit jedem Ass callen? Wenn nein, mit welchen?

Manche Asse wie {A-}{2-}, {A-}{3-}, {A-}{6-} und {A-}{8-} haben während der Hand Equity dazugewonnen – jetzt sind sie aber nur noch nackte Bluffcatcher. Eine Hand wie {A-}{6-} eignet sich besser für einen Call als {A-}{J-}, da Ass-Sechs die gleiche Anzahl Value-Hände schlägt (nämlich keine), aber zumindest ein paar Straßen blockt, die sich in der Value-Range des Gegners befinden.

Unser Hobby-Spieler hat allerdings leichtes Spiel, da er mit {A-Diamonds}{9-Diamonds} Two Pair gerivert hat – Snap-Call also. Der Button wird beim Bluffen mit {K-Spades}{3-Spades} erwischt.

Wie schön es doch ist, loose-aggressive Spieler in Flammen aufgehen zu sehen! Aber war der Bluff des Spielers am Button wirklich so fragwürdig?

Er blockt Ass-König. Er hat überhaupt keinen Showdown-Value. Selbst eine Hand wie {10-Clubs}{9-Clubs} kann hier nach zwei Semi-Bluffs behind checken und den Showdown manchmal gewinnen. Das Gleiche gilt für eine Hand wie {3-}{3-}. Aber {K-Spades}{3-Spades} kann nicht einmal König hoch-Flushdraws schlagen, die am Flop gefloatet und am Turn einen Draw getroffen haben. Wir befinden uns tatsächlich ganz, ganz unten in der Range.

Weil wir den Showdown niemals gewinnen und es Hände gibt, die wir mit diesem Bluff angreifen – zum Beispiel {6-}{5-}, {6-}{6-}, {7-}{6-} und sogar {A-}{2-} –, kann es sich beim Button immer noch um einen Regular handeln, der diese Line in 95 Prozent der Fälle for Value spielt.

Da er sich allerdings dazu entschieden hat, mit dem untersten Ende seiner Range zu bluffen, gewinnt der Hobby-Spieler den Eindruck, dass er gegen einen verrückten Maniac spielt.

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