Blocker - Poker Strategie

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Blocker sind Karten, die Sie auf der Hand halten und die Ihr Kontrahent deswegen nicht haben kann. Die Tatsache, daß Ihr Gegenspieler diese Karten nicht hat, kann in einigen Fällen die mögliche Hand-Range einschränken. Über Blocker nachzudenken, macht vor allem Sinn, wenn man in einer Position ist, um einen 3-Bet zu machen oder wenn das Board gut für einen Draw ist. Außerdem können Blocker bei Push-or-Fold Phasen in Turnieren wichtig sein und sollten auch in Cash-Games beachtet werden. Wir beginnen damit, daß wir uns ansehen, welche Konsequenzen Blocker in Postflop-Situationen haben können.

Postflop-Situationen

Bei Texas Holdem erhält jeder Spieler zwei Karten auf die Hand und es werden maximal fünf Community Cards ausgeteilt. Mit diesen zwei Karten ist es möglich 1326 unterschiedliche Kombinationen zu bilden, welche in folgende Gruppen aufgeteilt werden können:

- 78 Suited Hände (z.B. AKs)

- 78 Offsuit Hände (z.B. AKo)

- 13 Paare (z.B. 22)

Jede dieser Gruppen kann in Untergruppen aufgeteilt werden:

-Jede Suited Hand hat vier mögliche Kombinationen (z.B. {a-Hearts}{k-Hearts}, {a-Clubs}{k-Clubs},…)

- Jede Offsuit Hand hat 12 mögliche Kombinationen (z.B. {a-Hearts}{k-Spades}, {a-Spades}{k-Hearts},…)

- Jedes Paar hat 6 verschiedene Kombinationen (z.B. {a-Hearts}{a-Diamonds}, {a-Clubs}{a-Spades},…)

Wie können Blocker also für ihre Entscheidungsfindung hilfreich sein? Eine Offsuit Hand (z.B. {a-Hearts}{k-Spades}) blockiert insgesamt 101 Kombinationen. Das bedeutet, daß jede Offsuit Hand 101 von insgesamt 1326 möglichen Kombinationen blockiert. Eine Suited Hand blockiert ebenfalls 101 Kombinationen, während ein Paar nur 91 Kombinationen blockt. Dies ist natürlich eine relativ hohe Anzahl an Händen, aber in der Realität wird die Hand-Range ihres Gegners sogar noch weiter eingeschränkt. Wenn Sie z.B. alle Kombinationen von {k-Hearts}{2-Spades} blockieren, werden Sie feststellen, daß diese Hand nur sehr selten zu der Hand-Range ihres Gegenspielers gehören wird. Normalerweise kann man davon ausgehen, daß die Gegenspieler eine "tighte" Handauswahl nutzen und deswegen kann man vorab schon eine Menge Kombinationen ausschließen. Wichtiger wäre in diesem Fall, wie viele Kombinationen, welche auf einem Paar, Offsuit Händen und Suited Händen basieren, in diese Range fallen.

Beispiel

Die folgende Hand spielen wir bis zum River:

Sitz 1: Villain ($99 in Chips)

Sitz 2: Hero ($101 in Chips)

Sitz 3: Folder 1

Sitz 4: Folder 2

Sitz 5: Folder 3

Hero: setzt Small Blind $0,50

Folder 1: setzt Big Blind $1

*** HOLE CARDS ***

ausgeteilt an Hero {a-Hearts}{j-Diamonds}

Folder 2: Foldet

Folder 3: Foldet

Villain: raist von $2 auf $3

Hero: callt $2

Folder 1: foldet

*** FLOP *** {a-Diamonds}{9-Diamonds}{10-Spades}

Hero: checkt

Villain: setzt $4

Hero: callt $4

*** TURN *** {a-Diamonds}{9-Diamonds}{10-Spades}{2-Hearts}

Hero: checkt

Villain: setzt $10

Hero: callt $10

*** RIVER *** {a-Diamonds}{9-Diamonds}{10-Spades}{2-Hearts}{k-Clubs}

Hero: checkt

Villain: setzt $24

Hero: ?

Mit was setzt Villian auf dem Flop, Turn und River? Auf dem Flop macht er einen Conti-Bet und er setzt auch weiter, wenn Scare-Cards kommen. Die Range von Villian könnte sein: eine Anzahl gemachter Hände (22, 99, TT, AA, 9T, A2, A9 – AK), eine Anzahl Draws (JQ, 78), eine Anzahl von Draws mit einem Paar ({10-Diamonds}{j-Diamonds}, {10-Diamonds}{q-Diamonds}, {10-Diamonds}{k-Diamonds}) und natürlich komplette Bluffs. Wieviele mögliche Hand-Kombinationen hat Villian und wie verändert sich diese Anzahl, wenn man die eigene Hand mit in die Betrachtungen einbezieht?

Blocker - Poker Strategie 101

Wenn wir bei diesem Beispiel bleiben, blockieren wir mit {a-Hearts}{j-Diamonds}insgesamt 39 von 135 möglichen Kombinationen seiner Range. Dazu zählen nicht die möglichen Bluffs. Sagen wir mal, Sie würden callen. In diesem Fall wäre es natürlich interessant zu wissen, wieviele Kombinationen, durch welche Sie geschlagen werden könnten, durch ihre Hand blockiert werden:

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Von den 79 möglichen Hand-Kombinationen, welche ihre Hand schlagen könnten, blockieren Sie 24 durch ihre Hand. Sie blockieren also 30 % der Hand-Range, welche Sie schlagen könnte und bei 28 % der Hände liegen Sie sowieso vorne. Dadurch entsteht ein substantieller Unterschied bei der Entscheidungsfindung, wenn Sie sich entscheiden mit einer Hand zu callen, welche Blocker enthält im Vergleich zu einer Hand, welche (fast) keine bedeutsamen Blocker enthält.

Pre-Flop: All-in?

Bei Turnieren denkt man oft nicht an die Bedeutung von Blockern nach und wenn überhaupt dann in Form von Live-Cards. Wenn Spieler bei Turnieren mit 6-5s All-In gehen und gecallt werden, sagen sich viele Spieler, daß sie ja wenigsten Live-Cards hatten. Wenn ihre Karten keine Blocker haben, sind sie Live und haben entsprechende Outs. Deshalb ist es manchmal besser mit 76s All-In zu gehen, als mit QJo, da man dann ehr Live-Cards hat. Andererseits werden ihre Gegenspieler öfters Folden, da die Kombinationen in ihrer Hand-Range durch die Blocker begrenzt sind, welche Sie auf der Hand halten könnten.

In diesem Beispiel werden drei Hände gegen unterschiedliche Ranges betrachtet:

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Die Range besteht immer aus einer bestimmten Anzahl von Händen. Die Anzahl von Combo's beinhaltet die Anzahl von Kombinationen mit zwei karten innerhalb dieser Range. Es gibt vier unterschiedliche Hände, mit AKo auf der Hand sind Überlegungen im Bezug auf Blocker nicht so wichtig, da man mit AKo sehr oft das Geld bereits Preflop gewinnt, obwohl man eigentlich jedem kleinen Pocket-Paar unterlegen wäre. Wir nehmen an, daß Sie einen 3-Bet oder einen 4-Bet machen und ihr Gegner mit der folgenden Range All-In gehen würde.

Nehmen wir mal an, daß ihr Gegner mit einer sehr tighten Range All-In gehen würde, nachdem Sie einen 3-Bet bzw. einen 4-Bet gemacht haben. Diese "tight" Range (AK, JJ-AA) besteht aus 40 Kombinationen und mach gerade mal 3,0 % der gesamt möglichen Kombinationen aus. Wenn ihr Gegner All-In geht und Sie haben AKo auf der Hand, dann geht er mit einer max. Anzahl von 27 Kombinationen All-In, bzw. 2,0 % aller möglichen Handkombinationen. Durch ihre Blocker wird diese Range um 1,0 % vermindert (von 3,0 % auf 2,0 %). Mit anderen Worten, Sie blockieren 1/3 seiner Range. Als Ergebnis davon wird ihr Gegner 33% öfters gegen Sie folden. Wenn Sie AKo auf der Hand haben, wird es ihnen also mit Sicherheit nichts ausmachen ebenfalls All-In zu gehen. Die Frage ist nun, wie sich dies bei anderen Händen auswirkt.

Wenn Sie QJo haben, blocken Sie 6 Kombinationen seiner Range (JJ und QQ). Gegen seine All-In Range sind Sie also meistens unterlegen, Sie können aber seine All-In Range begrenzen, in dem Sie von sich aus All-In gehen. Die Anzahl der Hände, mit welcher ihr Gegner mit seiner "tighten" Range pushen wird sinkt von 3,00 % auf 2,60 %. Wenn Sie einen Ace-Blocker haben (z.B. A7o), wird er nur mit 2,50% seiner Hände pushen, wenn Sie allerdings 65s haben, hat dies keine Auswirkung auf die Hand.

Gegen einen Spieler mit einer tighten Range zu spielen, kann manchmal sehr kompliziert sein, wenn man Blocker nutzen will, aber wenn seine Handrange größer wird, werden auch die Blocker immer wichtiger. Eine Range von AQo+, AQs+ und TT+ beinhaltet 62 Kombinationen, also insgesamt 4,7 % aller möglichen Hände. Mit QJo blocken Sie 10 Kombinationen und mit A/o blocken Sie 11 Kombinationen. Das bedeutet, daß ihr Gegner nur in 3,9 % bzw. 3,8 % seiner Hände pushen wird. Wie Sie nun erkennen können, haben Sie seine Push-Range gegen einen (re-)raise von ihnen um 1/6 vermindert. Eine schwache Ace hat dabei den gleichen Effekt, wie zwei Broadway Karten, wie z.B. QJ. Je höher die Broadway Karten, umso größer sind die Auswirkungen, welche diese Karten auf die Push-Range ihres Gegner haben. Nachfolgend finden Sie die verbleibende Push-Range als prozentualer Anteil der insgesamt möglichen Hände:

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Diese Tabelle können Sie auch als Basis für ihre 3-Bet Range verwenden. Wenn Sie z.B. gegen einen sehr loosen Spieler spielen, welcher eine "loose" Range hat, werden Sie feststellen, daß ihr Gegner 14 % öfters folden wird, wenn Sie A7o halten, wenn man dies damit vergleichen würde, daß Sie 65s auf der Hand hätten. Auf der anderen Seite, kann man erkennen, daß je größer die Push-Range ihres Gegner ist, die Blocker immer unwichtiger werden. Gegen einen Gegner mit einer "tighten" Range blocken Sie mit Kombinationen, wie z.B. QJo 21 % der Kombinationen ihres Gegners. Bei einem sehr "loosen" Spieler, blocken Sie mit der gleichen Hand nur 16 % der möglichen Handkombinationen.

Je "looser" ihr Gegner spielt, umso weniger Kombinationen blocken Sie mit zwei Broadway Karten. Wenn Sie sehr niedrige Suited Connectors haben, müsste die Hand-Range ihres Gegners schon extrem "loose" sein, damit Sie überhaupt noch eine seiner Kombinationen blocken könnten.

Dies war mein Artikel über Blocker. Ich hoffe daß dieser Artikel ihnen dabei helfen konnte zu verstehen, wie wichtig dieses Konzept bei Texas Holdem ist. Viel Glück an den Spieltischen!

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