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Big Blind vs. Small Blind

Big Blind vs. Small Blind 0001

Die Position des Big Blinds (BB) ist bei Cashgames auf lange Sicht die unprofitabelste Position. Obwohl man preflop als Letzter dran ist, muss man dennoch die gesamte Hand nach dem Flop out of position spielen. Wie viele von Euch wissen, ist die Position eine der Schlüsselfaktoren im Poker. Ohne die Signifikanz der Position zu verstehen und ohne zu wissen wie man diese zum eigenen Vorteil einsetzt, ist man kein kompletter Spieler.

Es gibt nur eine Situation wo man im Big Blind Position hat und das ist, wenn der Rest des Tisches foldet und man lediglich gegen den Small Blind antritt. In dieser Situation sind sich die meisten unschlüssig wie man maximalen Value aus der Hand extrahieren kann, was mich auch zum Verfassen dieses Artikels bewogen hat.

Es ist lediglich eine Nische im Poker, also ein kleiner und spezifischer Teil des Spiels. Dieser Artikel soll Ihnen aufzeigen, wie Sie zukünftig in dieser Situation verfahren sollten.

Wenn wir uns das Spiel gegen den SB anschauen, können wir zwischen zwei Situationen unterscheiden. Zu erst widmen wir uns der Situation, wenn der SB limpt. Danach betrachten wir wie wir uns gegen ein Raise des SB verhalten sollten.

Der SB limpt

Wenn man als erster Spieler den SB nur limpt, wird das immer als Schwäche angesehen, außer wenn wir einen guten Read auf den Gegner haben. Wenn wir also nicht schon sahen, dass der Gegner ein Monster limpt, gehen wir von einer schwachen Hand des Gegenspielers aus. Somit haben wir Position auf einen Gegner mit einer marginalen Hand wie {k-Diamonds}{7-Diamonds} oder {8-Clubs}{9-Hearts}. In diesen Situationen ist es eigentlich egal welche Karten wir halten, da unsere Stärke auf der Schwäche des Gegners basiert. Somit benötigen wir auch keine Handrange mit der wir in diesen Situationen erhöhen, weil wir mit jeder Hand raisen.

Grundsätzlich ist ein Raise auf 5 BB die beste Option hier. Mit einem größeren Stack könnte man auch eine Erhöhung auf 6-8 BB in Betracht ziehen. Es gibt zwei Gründe den Raise relativ groß ausfallen zu lassen. Nachdem wir den Gegner auf eine schlechte Hand setzen, wollen wir Druck auf ihn ausüben. Sollte er preflop folden haben wir unser Ziel erreicht, da wir fast jede Hand in dieser Situation erhöhen und meistens auch nur niedrige Karten halten. Sollte sich der Gegner jedoch zu einem Call entscheiden, haben wir durch unseren Preflopraise schon einen beträchtlichen Pot in der Mitte und der Gegner wird seltener versuchen uns aus dem Pot zu bluffen bzw. seltener seinen Draws hinterherjagen.

Nach dem Flop ist die Strategie ziemlich einfach. Wann immer er den Flop checkt, machen wir unsere Continuation Bet. Sollte er sich entscheiden den Pot anzuspielen, müssen wir uns die eigene Hand und die Textur des Boards anschauen. Aber das behandeln wir später.

Also, wir erhöhen preflop jede Hand und spielen jeden Flop an. Sollte danach der SB immer noch in der Hand sein, müssen wir auf ein paar Dinge achten, die wir uns in der folgenden Sektion anschauen wollen.

Der SB erhöht

Wann immer ein Small Blind sich entscheidet zu erhöhen anstatt nur zu limpen kommen andere Faktoren ins Spiel, die wir nun detailliert besprechen wollen.

Stats des SB. Wenn wir wissen, dass der SB nur selten vor den Flop raist und grundsätzlich ein tighter Spieler ist, bringt es nichts den Pot preflop bzw. durch eine Continuation Bet am Flop zu stehlen. Man kann sich lediglich die Hand anschauen und dann entscheiden, ob sie es wert ist gespielt zu werden. Mit einem kleinen Pärchen kann man versuchen ein Set zu treffen; sollten die Stacks etwas größer sein kann man auch einen Suited Connector spielen.

Wenn wir aber wissen, dass der Gegner bisher regelmäßig preflop erhöhte, lohnt es sich etwas ins Detail zu gehen. Wir wissen, dass der Gegner oft nur marginale Hände raist, welche sich am Flop meist nicht verbessern und er somit oft auf unsere Bet am Flop die Hand aufgeben muss. Somit müssen wir keine Angst haben seine Erhöhung mitzugehen, sollten aber darauf achten, dass unsere Hand ein gewisses Entwicklungspotenzial hat, um nicht nur auf die vermeidliche Schwäche der gegnerischen Hand angewiesen zu sein. Eine exakte Handrange für diese Situationen anzugeben ist nicht einfach, aber Hände wie T9s oder Q7s sind definitiv spielbar. Wir gehen also preflop die Erhöhung des SB mit und kommen zum nächsten Punkt.

Boardtextur: Natürlich können wir nicht jeden Flop anspielen, sondern müssen auf die Karten achten. Das beste Board für uns in diesen Situation ist ein sogenannter dry Flop, wie z.B. {k-Clubs}{7-Spades}{2-Hearts}, der beim Gegner möglichst wenig Draws ermöglicht. Der Gegenspieler soll möglichst oft auf unseren Stealversuch folden. Wenn er unsere Bet nicht nur mit seinen Made Hands, sondern auch mit seinen Draws mitgeht, gewinnen wir weniger Geld, weil wir öfters gecallt werden.

Falls wir in eine Situation kommen in der wir {7-Clubs}{8-Spades} halten und der Gegner bettet bei {a-Spades}{k-Spades}{j-Hearts} auf dem Board in uns hinein, gibt es keinen Grund für uns die Hand weiter zu spielen. Man sollte sich das Board genau anschauen und an die Konsequenzen eines Bluffs mit unserer Hand denken. Wenn man auf einem Board mit vielen möglichen Draws bluffen will, muss man meist auch Turn und River bluffen um den Gegner zur Aufgabe seiner Hand zu zwingen. Im Endeffekt kostet so eine Spielweise viel mehr Geld als wenn man einen dry Flop anspielt und den Gegner oft zu einem Fold bewegen kann.

Varianz. Wenn man in dieser Art in vielen Blindbattles involviert ist, führt dies meist zu einer größeren Varianz. Nicht nur in diesen Situationen, sondern im allgemeinen Spiel. So müssen wir natürlich auch die Konsequenzen bzgl. des eigenen Images am Tisch denken, aber das behandeln wir etwas später.

Ab und zu gelangt man in Situationen, in denen der Gegner versucht eine schwache Hand vorzutäuschen um einen Bluff zu induzieren, obwohl er die absoluten Nuts hält. Diese Hände werden natürlich das Tableimage beeinflussen und andere Spieler dazu verleiten unsere Erhöhungen weniger zu respektieren und öfter mitzugehen, was schlussendlich in einer größeren Varianz resultiert.

Aber diese Situationen sollten unser Spiel nicht beeinflussen. Auf lange Sicht wird diese Spielart viel profitabler sein, als wenn wir lediglich unsere Premiumhände spielen. Obwohl ein schlechtes Tableimage womöglich einen Nachteil durch größere Varianz darstellt, so hat es auch Vorteile. Valuebets werden weitaus öfter gecallt, weil einem die gute Hand seltener geglaubt wird.

Reading Skill. Ein Faktor der wahrscheinlich weniger wichtig ist, aber dennoch erwähnt werden sollte sind die eigenen Reading Skills, also die Fähigkeit den Gegner zu lesen. Gegenspieler verwenden oft die gleichen Spielzüge in der gleichen Situation, was viel über die Stärke ihrer Hand aussagt. Es gibt fast keine Spieler in den tiefen Limits, welche die gleichen Spielzüge anwenden wenn sie bluffen und wenn sie eine starke Hand halten (Balancing der Lines). Die Setzgrößen geben auch über die Stärke der Hand Aufschluss. Ein Checkraise in Höhe des Pots kann entweder ein Zeichen einer guten Hand sein, oder der letzte Versuch den Pot mit Zehn high zu stehlen. Auf diesen Limits trifft man aber kaum auf Gegner, die sowohl ihre Bluffs als auch ihre Monster mit einer Potbet anspielen.

Wenn man es also schafft einen Read auf den Gegner zu bekommen und man schließlich weiß welche Lines und welche Setzgrößen ein Zeichen für gute oder schlechte Hände sind, dann spielen sich unsere Blindbattles doch wesentlich angenehmer. Achten Sie also darauf, da besonders die Setzgrößen sehr viel Aufschluss über die Stärke der gegnerischen Hand gibt.

Image. Man sollte sich seines Images am Tisch stets bewusst sein. Wenn man gerade bei einem Bluff erwischt wurde, so registrieren die anderen Spieler dies und werden öfters callen. Somit sollte man also das Bluffen auf ein Minimum reduzieren, bis das gewünschte Tableimage wieder hergestellt ist. Auf der anderen Seite ermöglicht ein tightes Image eine größere Erfolgsquote beim Stehlen von Pötten, weshalb es wichtig ist, was die Gegenspieler von einem halten und man das eigene Spiel entsprechend anpasst.

Schlussendlich kann man sagen, dass, obwohl diese Situationen von vielen Spielern gemieden wird, es einige ziemlich gute Gelegenheiten gibt, die eigenen Chips zu vermehren. Wie bei allem andere beim Poker ist Übung der Schlüssel diese Situationen zu meistern. Und so lange man mit der größeren Varianz umgehen kann, ist es definitiv von großem Vorteil diesen Teil des eigenen Spiels zu verbessern. Auch da viele Spieler in diesen Situationen eine Konfrontation vermeiden, erhält man sogar mehr Respekt für das aggressive Spiel als man verdient.

Viel Erfolg an den Tischen.

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