Call oder Fold? Die Beziehung zwischen Blockers und Bluff Catchers

Call or Fold? On the Relationship Between Blockers and Bluff Catchers

Folgendes Szenario: Ihr Gegner platziert am River eine Bet, bei der es sich um eine Value-Bet oder um einen Bluff handeln könnte. In dieser Situation sollten Sie sich nicht nur die Stärke Ihrer Hand vor Augen führen, sondern auch darüber nachdenken, welche anderen Hände durch Ihre Karten geblockt werden – auf diese Weise kann die gegnerische Range eingegrenzt werden.

Hat Ihr Gegner entweder einen Bluff oder eine starke Hand, spielt es manchmal weniger eine Rolle, ob Sie ein Paar, zwei Paare oder einen Drilling haben. Wichtiger ist, ob und wie sich Ihre Karten auf die Wahrscheinlichkeit auswirken, dass Ihr Gegner eine Value-Hand oder einen Bluff hat. Ihre Hole Cards können beides beeinflussen – und bei knappen Entscheidungen ist jede Information Gold wert.

Beispielhaft haben wir eine online 6-handed gespielte 100NL-Hand ausgewählt, die aufzeigt, dass die Karten eines Spielers dabei helfen können, die möglichen gegnerischen Hände zu reduzieren.

Drei am Flop

Die Hand beginnt am Cutoff mit einem Raise auf $3 (das Dreifache des Big Blinds). Das Raise kommt von einem aufstrebenden Spieler, der neu auf dem Limit ist und einen Shot-Versuch wagt – er hat sich gerade erst mit $100 an den Tisch gesetzt. Ein erfahrener Spieler, der auf den Stakes seit Jahren zu Hause ist, spielt eine 3-Bet auf $9.

Jetzt wird die Hand ein wenig komplizierter – der Small Blind steigt ein und macht den Cold-Call. Der Cutoff-Spieler bleibt ebenfalls dabei. Lassen wir die Möglichkeit eines herausragenden Reads oder Angst außen vor, können wir A-A, K-K, Q-Q oder A-K weitgehend aus der Cutoff-Range streichen.

Bet von vorn

Am {q-Clubs}{10-Diamonds}{9-Spades} Flop checkt der Small Blind. Der Cutoff-Spieler platziert eine Bet von $13,30, noch bevor der Button als Preflop-Aggressor an der Reihe war; im Pot befanden sich vor der Bet etwas mehr als $25. Der 3-Better entschließt sich zu callen und der Small Blind, vor dem Flop noch wagemutig, gibt seine Hand auf.

Auf einem Broadway-Flop wie Q-T-9 ohne Flushdraw-Möglichkeiten ergibt es Sinn, dass der Cutoff Stärke zu repräsentieren versucht – unabhängig davon, ob er tatsächlich etwas getroffen hat.

Da drei Spieler den Flop erreicht haben, ist es unwahrscheinlich, dass der Button häufig betten würde – oder (was eher zutrifft) mit einer hohen Frequenz bluffen würde. Richtigerweise wird er davon ausgehen, dass seine Gegner Hände wie A-Q, K-Q, Q-J, K-J, T-T und 9-9 in der Range haben; Hände, die keinen Grund sehen, gegen eine Continuation-Bet aufzugeben.

Mit anderen Worten: Sollte der Cutoff checken, wird der Button selten eine Hand wie 7-6 suited oder A-5 bluffen. Außerdem könnte er eine Hand wie A-9 checken, die gegen eine Bet unter Druck gerät und sofort folden könnte.

Heads-Up am Turn

Das Aufeinandertreffen zwischen dem mutigen Amateur und dem erfahrenen Veteranen erlebt eine Wendung, als am Turn der {k-Diamonds} auftaucht. Damit liegen jetzt {q-Clubs}{10-Diamonds}{9-Spades}{k-Diamonds} in der Mitte. Der Cutoff entscheidet sich zu checken und der Button nutzt die Gelegenheit für eine Bet von $21,20 (etwa 40 Prozent des Betrags im Pot). Der Cutoff macht den Call.

Wenn wir über die Range des Cutoffs nachdenken, sollte er unbedingt ein paar J-x-Hände checken, um seine anderen Hände zu schützen (zum Beispiel T-T oder A-Q), die am Turn und River nur ungern zwei große Bets bezahlen wollen.

Nachdem der Cutoff gecheckt und gecallt hat, ist klar: Er hat „etwas“. Und wenn der Button bettet, ist es schwierig, ihm viele Bluffs in die Range zu geben – schließlich hat er am Flop entspannt gecallt, obwohl hinter ihm noch ein aktiver Spieler saß.

Gefahr am River

Der River hält die {5-Diamonds} bereit. Das Board ist komplett: {q-Clubs}{10-Diamonds}{9-Spades}{k-Diamonds}{5-Diamonds}.

Ein Hinweis an dieser Stelle: Auch wenn der Button auf dem K-Q-T-9-Board am Turn kaum Bluffs hat, wäre einer der Bluffs ein Karo-Draw wie {9-Diamonds}{8-Diamonds}. Der Flushdraw ist angekommen; also müsste der Button jetzt tief in die Trickkiste greifen, um Bluffs zu finden, etwa {a-Diamonds}{10-}.

Ich bringe den Hinweis deshalb an, weil der Cutoff checkt und der Button für $56 All-In geht. Vor dem River befanden sich bereits $105 im Pot – der Cutoff bekommt also einen guten Preis.

Erinnern Sie sich daran, dass der Cutoff ein paar J-x-Hände haben sollte. Diese Hände sind fast immer ein Call – nicht nur, weil sie mit dem Buben den Value-Anteil der gegnerischen Range blocken, sondern auch wegen des Preises und des Showdown-Values (gegen die meisten Value-Shoves wird der Pot geteilt und es gibt nur 9 Kombinationen A-J, gegen die die Hand verloren geht).

An dieser Stelle ist eine Faustregel essenziell, die Bluff-Catcher und Blocker betrifft: Die schlechtesten Bluff-Catcher sind Hände, die Bluffs blocken.

Es sollte keine ausschweifende Erklärung vonnöten sein, um zu erkennen, dass Hände, mit denen der Button bluffen könnte, eine Neun oder Zehn beinhalten – der Button weiß, dass er den Showdown nach der Action nicht mit einem Paar Neuner oder Zehner gewinnen kann. Hände mit einer Neun und Zehn sind entsprechend die am wenigsten geeigneten Hände, mit denen der Cutoff bluff-catchen sollte.

Wir können bei der Betrachtung noch einen Schritt weitergehen. Es fühlt sich im ersten Moment ein bisschen falsch an, aber Hände, mit denen der Cutoff am Turn callen sollte – T-T und 9-9, die am Flop betten können –, sollten am River immer gefoldet werden.

Natürlich sind diese Hände stärker als K-Q oder {a-Diamonds}{q-} (letztere blockt den Backdoor-Flush), aber bei ihnen handelt es sich um die Hände, die die meisten Bluffs aus der gegnerischen Range entfernen. Und nach all dieser Action sind diese Hände im Grunde gleich stark – sie können nur einen Bluff schlagen.

Der Cutoff callt in diesem Fall mit {10-Hearts}{10-Clubs} (einem Set) und muss sich anschauen, dass der Button mit {j-Clubs}{j-Diamonds} eine Straight getroffen hat. Ein Hin und Her am Flop und Turn – am Ende gewinnt die beste Hand. Wenn wir aber einen Schritt zurückgehen, müssen wir erkennen, dass der Cutoff am River hätte aufgeben können, statt $56 zu verlieren.

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